Verkehrsunfall

Herbst, wieder habe ich mal meine Depris … Also schlendere ich in einer Vollmondnacht über den Friedhof- geniesse die Ruhe, das besondere Flair dieses Ortes und lasse meinen Gedanken Ausgang. Ein Nachtvogel flattert auf und fliegt weg. Wir verdrängen ja liebend gerne den Tod, er passt einfach nicht in unsere Fitness-Business-Fun-Welt. Ich denke fast täglich an ihn- da tritt eine diffuse Gestalt hinter einem Grabstein hervor und nähert sich mir lautlos.

Der Typ ist schwarz gekleidet und fluoresziert etwas, so kann ich ihn gegen den Nachthimmel ausmachen- ich weiß sofort, wer das ist. Der Schatten geht auf mich zu und sagt freundlich aber bestimmt: “Huhu, jetzt ist es soweit- wenigstens sind wir ja schon so was wie Freunde, Du hast oft an mich gedacht … ” “Jupp, schon, aber … muss das sofort sein? Und wie soll das vonstatten gehen?”, sage ich lahm und verdattert. “Innerhalb von maximal 14 Tagen ab jetzt, durch einen Verkehrsunfall … ” ,sagt der Tod und lächelt. Na ja, das kann hinkommen- ich pflege einen rasanten Fahrstil und fahre eine schnelle Schwabenflunder, will sagen, einen Porsche.
“Können wir einen Deal machen?”, frage ich hoffnungsfroh. “Was`n für einen Deal, wie soll der aussehen?”, hakt der Tod nach. “Öhm- wenn ich die 14 Tage überlebe, schuldest Du mir etwas Wertvolles … “, sage ich frech. Der Tod grinst und erwidert: “Okay, wenn Du das schaffst, haste noch 100 Jahre vor mir Ruhe- bei bester Gesundheit … ” “Ey Mann, gebongt, das ist ein Wort!”, sage ich freudig und schiele kurz auf meine Uhr: Exakt 3 Uhr früh … Ich schaue nach dem Knochenmann, er verblasst und ist verschwunden.

Nachdem ich meinen Schock verdaut habe, rattert mein Geist logisch wie ein PC: Verkehrsunfall, soso … Ich schleiche über Wiesenwege langsam und vorsichtig und mache einen Umweg durch die Fußgängerzone zu meiner Wohnung. Tags darauf nehme ich telefonisch 16 Tage Urlaub, richte mich in meiner Wohnung häuslich ein und lebe die ganze Zeit von Muesli und den restlichen Bananen, die ich Kiloweise noch hatte. Dem Kerl werd ichs zeigen, haha, so schlau bin schon lange …

14 Tage später, 3 Uhr früh: Ich lebe noch, bin gestylt wie ein Dressman, und als es drei Uhr schlägt, sitze ich in meinem Porsche und fetze los zu einer meiner Freundinnen, die ich kurz vorher angerufen habe. Ein anscheinend besoffener Fahrer brettert auf mich zu, ich weiche elegant aus, ein paar Sekunden später umkurve ich lässig einen unschuldig-suizidgefährdeten Igel und weitere 500 Meter später komme ich haarbreit noch über die Kreuzung, als ein LKW bei Rot, hehe, Du Arsch durchdonnert … Hahaha, zu spät, Herr Gevatter Tod!

Nach zehn Minuten klingele ich bei Sabrina, die öffnet lächelnd im String und einer Parfümwolke und bugsiert mich freudig ins Schlafzimmer. Ich sehe noch 3 Sex-Toys auf dem Bettchen liegen, aha, deswegen war die so erfreut … ^^ Schon sind wir zugange und weitere vierzig Minuten später ist Sabrina schon dreimal fertig und ich einmal. Ich habe Durst, sage ihr das und springe fröhlich-locker-flockig aus dem Bett: 3 Uhr 51 Minuten, Herr Gevatter Tod, wie schön ist doch das Leben … Ich springe also elegant aus dem Bett, trete auf Sabrinas Pantolette, die fetzt weg auf dem Scheiß-Parkett-Boden, ich liege rücklings in der Luft und knalle mit dem
Hinterkopf erst auf die Bettkante- Schädelfraktur- und dann auf den Parkettboden- Genickbruch … Ich hör es ganz leicht knacksen und Ende-aus-Micky-Maus …

Ich hänge bzw. meine Seele klebt an der Decke und betrachtet verdutzt das Szenario: Sabrina schluchzt- ich war auch echt gut, hehe, außerdem muß sie die Leiche entsorgen lassen und das geht nicht ohne die Bullen bei der Sachlage, also Streß pur für das arme Mädel- und meine Seele hat die Erleuchtung: SOMMERZEIT verpennt!!! Es ist erst 2 Uhr 51 … Ich habe vergessen, meine Uhr zurückzustellen, außerdem hat der Scheißkerl einen feinen Humor und wollte mich wohl nicht ängstigen, als er von einem Verkehrsunfall quatschte … War aber schon okay, genauso hab ich’s mir eh immer gewünscht … Ein würdiger Abgang.

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann: Ex-Banker und Extremsportler sowie Hobby-Autor; schreibt als “Schwarzer Graf” mit düsterem Augenzwinkern; übt sich seit 35 Jahren in täglicher Zen-Meditation und schwört auf vielschichtige Interessen: Politik, knappes aber gutes Essen, dunkle Schokolade, Gothicszene, Dark music, PC & smartphone, schnelle Autos und täglich fünfzig Minuten Konditionstraining- gnadenlos …^^

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