Unmöglich, damit aufzuhören, Leute zu vergiften

Zerknirscht und wohl auch pflichtgetreu gottergeben, vertraute sich Anna Margaretha Zwanziger mit höchst einsichtigen Worten den Gefängniswärtern an, bevor diese sie im Juli 1811 zum Schafott führten: Dass ihre Hinrichtung deutlich besser, vor allem gesünder für die Gemeinde sei, weil es ihr völlig unmöglich erschiene, damit aufzuhören, Leute zu vergiften.

Eine ähnlich düstere, gleichsam recht ehrliche Prognose für das Sein und Treiben ihrer eigenen konfusen Seele ist auch von der Bremerin Gesche Gottfried (Titelbild) überliefert, der berühmtesten Giftmörderin deutscher Kriminalgeschichte. Sie habe diesen inneren Drang, zu töten, dem sie nachgehen müsse, es sei zwanghaft in ihr. Diesem Zwanghaften gab sie in den Jahren 1807 bis 1823 nachweislich erschreckend oft nach. Unter den fünfzehn von Gesche Gottfried Ermordeten: ihre drei kleinen Kinder, Johanna, Adelheid und Heinrich, sowie ihre Eltern, Margarethe und Johann Timm.

Gesche, der „Engel“

Die Opferzahl der eingangs erwähnten Nürnberger Zeitgenossin hätte tatsächlich noch höher ausfallen können – einmal war es eine ganze Abendgesellschaft, die sie als durchaus geschätzte Haushaltsperle eines Richters bewirtet hatte, freilich mit zu wenig Arsen als Gewürz –, aber Anna Margaretha Zwanziger erwies sich denn doch als nicht ganz so professionell wie Gesche Gottfried. Die galt, bevor sie 1828 aufflog und verhaftet wurde, in der Nachbarschaft und noch etliche Kilometer darüber hinaus als „Engel von Bremen“, geschätzt für ihre uneigennützige Hilfsbereitschaft und ihren sorgsamen Umgang mit den ihr Nahestehenden. Keineswegs spöttisch erdacht, so steht es ohne Lüge.

Mit Gift Menschen zu töten, so der allgemeine Tenor derer, die menschliche Abgründe gewissenhaft in Theorie und Praxis kennen, ist Frauensache. Das klingt recht pauschal, aber die Statistik legt klar, dass Männer eher erschlagen, erschießen, abstechen oder – wirklich fatal und schaurig oft – erwürgen. Frauen machen so etwas mit Gift, weil diese Art des Mordens keine körperliche Kraft kostet und ganz ohne Blutvergießen zum Erfolg führt. Keine klaffenden Wunden, nichts, was sich von innen nach außen stülpt, einzig übles Erbrechen und krampfende Körper. Da kann man wegsehen, den Raum verlassen. Sterben lassen. Vergessen, dass die tödliche Stille die eigene ist.

Selenruhig sterben lassen

Zweifellos hinterhältig ist solch ein Vorgehen, äußerst böse durchdacht und stets qualvoll für den Ahnungslosen, der Gift in Kaffee und Kuchen, Wein und Suppe oder als Heuchel-Medizin verabreicht bekommt, aber eben wenig anstrengend. Vielleicht auch weniger belastend, weil die wahren Horrorbilder im Kopf fehlen. In den grundsätzlich populärsten Fällen vergiftet die Frau den störenden Ehemann aus Gründen gleichwohl welcher Natur, vielleicht die lästige Nebenbuhlerin oder den verlogenen Geliebten. Mehr meistens nicht.

Die Marquise de Brinvilliers (Archiv-Bild)

Aber es existiert da eben noch diese andere Kategorie, zu der die resolut Abgebrühten gehören, die gründlich in der eigenen Familie aufräumen. Wie Gesche. Und noch vor ihrer Zeit: die Marquise Marie-Madeleine de Brinvilliers (1630–1676). Schön, charmant, geistreich. Und gierig auf das alleinige Familienerbe. Sie vergiftete zuerst den Vater, dann ihre beiden Brüder und versuchte es auch bei ihrer Schwester, die als Letzte noch übrig blieb, mit der sie hätte teilen müssen. Dazu kam es nicht, die Marquise wurde verhaftet und endete auf dem Schafott. Zuvor wurde sie qualvoll gefoltert, um weitere profitable Morde zu gestehen.

Ihren ergebenen Helfer zumindest nannte sie: Er wurde gerädert. Ein fürwahr scheußlich langer Tod. Die Giftmörderinnen Anna Margaretha Zwanziger (1760– 1811) und Gesche Gottfried (1785–1831) starben schneller. Sie wurden enthauptet wie letzten Endes auch Marie-Madeleine de Brinvilliers. Und teilen sich mit ihr den eher unrühmlichen Ruhm, als Serienkillerinnen einen ganz speziellen Platz in der Rangfolge übelster „Totmacher“ einzunehmen.

In der wahrlich umfangreichen Liste der Mehrfachmörder sind bekanntlich deutlich mehr Männer vertreten. Der Satz: Hast du deinen ersten erschossen, dann zittert der Finger am Abzug beim zweiten kaum noch, beim dritten gar nicht mehr, stammt auf jeden Fall nicht von einer Frau. Vermutlich von einem Mafioso, Pistolero oder Schriftsteller. Aber dass es zusehends leichter fallen soll, Menschen umzubringen, je mehr man – wie auch immer – aus dem Weg räumt, ist keine spektakulär erstaunliche, sondern uralte Erkenntnis. Uralt sind auch Neid, Missgunst, Eitelkeit und Egoismus. Das Gefühl, es könne einem besser gehen, wenn alles anders wäre. Die Hoffnung, es würde sich bezahlt machen, entgegen der Norm zu spielen. Der Gedanke, bestimmte Personen seien Stolpersteine. Oder hätten es schlichtweg verdient.

Flut an Verstorbenen

Gesche Gottfried, die in recht bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen war, wollte ihr Leben lang eine angesehene und sicher versorgte Frau sein. Durch ihre Heirat mit Sattlermeister Johann Miltenberg 1806 galt sie zwar fortan als gutbürgerlich, war aber unzufrieden mit der Gesamtsituation. Miltenberg erwies sich als dramatisch unsolide und verprasste das ganze Haushaltsgeld. Sie entschied sich, den unbequemen Ehemann loszuwerden, um frei zu sein für ihren Geliebten, den Weinhändler Michael Christoph Gottfried. Weil der sie nach Miltenbergs plötzlichem Tod gar nicht so unbedingt heiraten wollte, folgerte sie, dass ihre familiären „Anhängsel“ – Vater, Mutter, Kinder, Bruder – ihn störten und eine gemeinsame Zukunft unmöglich machten. Gesche griff erneut zum Arsen und brachte sie alle nacheinander in relativ kurzen Zeitabständen um.

Gesche Gottfried (Archiv-Bild)

Wirklich Verdacht schöpfte trotz der erstaunlichen Flut an Verstorbenen rund um Gesche wohl niemand. Gottfried aber lehnte die Ehe mit ihr immer noch ab. Wurde sterbenskrank – weil Gesche ihn portionsweise vergiftete – und ließ sich mit ihr, bedenklich dahindämmernd, letztendlich doch noch trauen, bevor der Tod ihn 1817 ereilte. Gesche erbte. Gab lustig alles aus und fand in Modewarenhändler Paul Thomas Zimmermann einen neuen Verehrer, den sie noch vor der Hochzeit 1823 vergiftete. Da stand sie schon als Begünstigte fest.

Ihre Todesliste setzten fort: ein Nachbar, eine Musiklehrerin, eine Magd, deren kleine Tochter und ein Gläubiger. Alles Menschen, die Gesche durchaus zu ihrem engeren Freundeskreis zählte. Und die ihr schlichtweg lästig geworden waren. Zimmermanns Testament sorgte für ein finanzielles Polster, das freilich nicht lange bestand. Geldnöte zwangen Gesche zum Hausverkauf, und im neuen Besitzer, Johann Christoph Rumpff, für den sie fortan als Haushaltshilfe arbeitete, sah Gesche erfreut ihren dritten Ehemann. Rumpff, der bereits mit Wilhelmine verheiratet war, wurde überraschend Witwer – Gesche hatte die Rivalin kurzerhand mit Gift ins Grab befördert –, wies aber Gesche schroff ab, als diese ihm ihre Bereitschaft anbot. Daraufhin versuchte die Gekränkte, auch ihn in Raten zu vergiften. So mit Arsen im Schinken. Das fiel Rumpff auf.

35.000 Schaulustige

Gesche wurde verhaftet, über drei Jahre hinweg immer wieder verhört und schließlich am 21. April 1831, abgemagert und erschreckend gealtert, auf dem Domshof in Bremen vor 35.000 Schaulustigen hingerichtet. Der abgeschlagene Kopf wurde in der Runde gezeigt als Beweis dafür, dass man die „Gifthexe“ endgültig eliminiert habe. Rainer Werner Fassbinder verarbeitete Gesche Gottfrieds Geschichte 1971 auf der Theaterbühne und im Film („Bremer Freiheit“), exakt 140 Jahre nach ihrer Hinrichtung, der letzten öffentlichen in Bremen, an die heute noch der Spuckstein auf dem Domshof erinnert. Gleichsam war der Prozess der Gesche Gottfried der erste weltweit, in dem sich die Verteidigung auf Schuldunfähigkeit berief. Gesche selbst sei nicht verantwortlich für das schwer fassbare Bedürfnis gewesen, so ihr Anwalt, Kontrolle über das Leben ihrer Opfer haben zu müssen. Im Vollbesitz eines gesunden Verstandes sei sie bei ihren Handlungen nicht gewesen. Und die von ihr vergifteten Eltern und ihre Kinder hätte sie sehr wohl geliebt, aber die Sorge darum, sich nicht richtig kümmern zu können, auch wegen der steten Geldknappheit, sei ihr über den Kopf gewachsen.

Ohnmacht und Irrsinn

Kurzschlusshandlungen? Geistige Ohnmacht? Sich nährender Größenwahn oder nackter Irrsinn? In Erwägung konnte man alles ziehen, allein, es überzeugte die Richter nicht. Für sie wusste die Angeklagte sehr wohl und genau, was sie tat. Was letztendlich blieb und bleibt: eine gewisse Ratlosigkeit darüber, wie und warum Gesche Gottfried tatsächlich so und nicht anders funktionierte.

Bei Anna Margaretha Zwanziger wird das etwas klarer: Sie war ganz offensichtlich eine gefährlich verrückte Person. Überzeugt von sich als Frau und Gerechtigkeitsapostel. Ihre Geschichte ist zwar gleichsam finster und dramatisch, klingt aber, als sei sie vom Schicksal mit dieser gewissen Prise schwarzen Humors versehen worden.

Streng genommen ist natürlich nichts wirklich Komisches dabei, wenn eine Frau wie Anna die Leute um sich herum vergiftet bzw. versucht, sie zu vergiften, weil sie sich von denen schräg angeguckt, verspottet oder beredet fühlt. Letztendlich war es aber so, und empörte Sätze der Zwanziger beim Verhör nach ihrer Verhaftung 1809 in Nürnberg – in den Manteltaschen zwei Päckchen mit Arsen für alle Fälle – zeigen sehr wohl, dass es für so manchen ihrer Zeitgenossen besser gewesen wäre, ihr nicht allzu nahe zu kommen, mehr noch, sie nicht mit frechen Blicken und den falschen Worten in Rage zu bringen. Oder sie gar, entgegen gänzlich anderer Gesinnung, mehr unfreiwillig glauben zu lassen, man sei selbstverständlich in sie verliebt.

Mit Gift bestrafen

Nur ärgern wollte sie, indem sie ihnen Gift ins Bier schüttete. Aber nicht töten!, so die Gekränkte aufgebracht: „Dass sie sterben, war gewiss nicht von mir gewollt. Es geschah einzig, um die Leute zu strafen.“ Wobei sie denn schon Spaß dabei gehabt hätte,…

„…wenn die, die mich so quälten, sich heftig übergaben.“

Anna Margarethe Zwanziger (Archiv-Bild)

Anna Margaretha Zwanziger genoss eine für Mädchen in der damaligen Zeit optimale Erziehung und Ausbildung bei ihrem wohlhabenden Vormund, der sie 1778 mit dem doppelt so alten Notar Zwanziger verkuppelte. An ihrem 21. Geburtstag wurde ihrem recht trinkfreudigen Mann das Erbe ihres leiblichen Vaters, gut betuchter Gastwirt, ausgezahlt, und das „junge Eheglück“ gönnte sich mit dem Geld ein paar fette Jahre. Dann war es aufgebraucht, und es kam auch kaum wieder etwas hinzu. Der Notar verdiente zu wenig, trank zu viel – am Ende zehn Flaschen Wein täglich –, und als er 1796 starb, blieb Anna mit zwei Kindern auf einem Schuldenberg sitzen. Ein gewisser Herr von W. vertrieb sich dann wohl die Zeit mit ihr, sie hoffte ernsthaft auf eine feste Bindung, aber er machte sich darüber lustig, verspottete und verließ sie. Das muss tief gesessen haben. Dieser von W. sei überhaupt schuld an allem Weiteren, erklärte sie nach ihrer Verhaftung, der habe sie ausgelacht, auch, als sie wegen ihm ins Wasser gegangen sei,

„… und so oft ich nachher etwas Böses tat, dachte ich bei mir selbst: Mit dir hat kein Mensch Mitleid gehabt; so habe ich auch kein Mitleid, wenn andere unglücklich sind.“

Anna verließ Nürnberg letztendlich resigniert und reiste als Hausmagd quer durchs Land, stets auf der Suche nach dem Richtigen mit eigenem Heim und viel Geld. Den glaubte sie, 1808 in Bayreuth bei einem Richter namens Glaser zu finden, der getrennt von seiner Frau lebte. Mittlerweile war Anna achtundvierzig und laut einem Protokoll aus jenen Tagen von krummer Gestalt und ohne Attraktivität in Gesicht und Sprache. Selbst wenn das unfreundlich übertrieben war, so kann man wohl davon ausgehen, dass Anna Margaretha Zwanziger nicht zu den Liebreizendsten des Landes gehörte. Sie sah das aber anders.
Glasers Ehefrau schrieb Anna eifrig rührselige Briefe im Namen des Mannes, sie möge doch zu ihm zurückkehren, er könne nicht ohne sie. Kaum war sie wieder angereist, war sie auch schon tot. Anna hatte sie flugs mit Arsen vergiftet, um sich den Weg zu Glaser frei zu machen. Sie erwartete allen Ernstes umgehend einen Heiratsantrag und kokettierte dreist mit dem Witwer, der völlig empört den Kopf schüttelte und sie entließ.

Anna zeigte sich verbittert. Mehr noch, sie fühlte sich zu Unrecht absolut schlecht und falsch behandelt. Ihr war zwar durchaus klar, nicht mehr die Jüngste zu sein, aber sie fand sich selbst als Frau unentbehrlich und ausreichend genug, Männer jeglicher Couleur becircen zu können. Auch jüngere wie ihren nächsten Arbeitgeber. Der 38-jährige Justizbeamte Grohmann kränkelte, sie pflegte ihn hingebungsvoll. Nachdem sie von seinen Heiratsplänen mit einer anderen, sehr viel jüngeren Frau erfahren hatte, dachte sie sofort an Verrat. Betrug. Abweisung.
In den nächsten Tagen kränkelte Grohmann noch sehr viel mehr. Er starb 1809 kurz vor seiner Hochzeit, und auch seinen zwei Dienern, die aber überlebten, hatte Anna zum Abschied noch graues Arsen, auch Mücken- oder Fliegenstein genannt, untergemischt. Das tat sie, so Anna später, …

„…aus Rache wegen der Frechheit der Männer ihr gegenüber.“

Die hätten über sie hergezogen, dass sie sich in ihrem Alter und mit dem Aussehen noch so peinlich heranmachen würde.

Böse: Vergiftetes Bier

Ihr nächster Arbeitgeber und – in ihrer verklärten Vorstellung – zweifellos Bräutigam in spe folgte: Richter Gebhard, aktuell noch liebender Ehemann und treusorgender Vater. Dessen schwangere Frau galt es umgehend zu beseitigen. Anna bereitete diensteifrig Speis und Trank zu, und Gebhards Frau klagte über schlimmste Leibschmerzen und Übelkeit, quälte sich und stöhnte bei Tisch, jemand hätte ihr wohl Gift gegeben. Gebhard tat das ungläubig ab und beschwichtigte sie. Dann starb seine junge Frau. Und er litt und wunderte sich, verdächtigte aber die Haushälterin trotz eines gewissen Misstrauens nicht wirklich. Noch nicht. Obgleich ihn Annas Aufdringlichkeit, ihre peinlichen Bemühungen um ihn, den so plötzlichen Witwer, der dringend eine vernünftige neue Frau im Haus bräuchte, schon abschreckte, fast anwiderte.

Aber noch war Anna höchst präsent. Und zu allem bereit. Als kurz darauf mehrere Gäste Gebhards nebst zwei Dienern, denen Anna vergiftetes Bier vorgesetzt hatte, über heftigste Krämpfe klagten, wurde Anna fristlos entlassen. Sie hätte sich mit den Zutaten vertan und etwas zu viel genommen, so Anna später, denn ernsthaft in Lebensgefahr hätte sie ja nun keinen bringen wollen. Nur mit ein klein bisschen Arsen die Leviten lesen, weil alle über sie gelästert hätten.

Arsen zum Abschied

Mit sehr viel mehr Arsen verabschiedete Anna sich: Bevor sie das Haus verließ, würzte sie damit das Mittagessen, das Gebhard auf Anraten eines seiner Angestellten untersuchen ließ. Jetzt war die Sache klar. Was Gebhard tragischerweise noch nicht wusste: Anna hatte seinem jüngsten Kind vor ihrem Weggang noch einen in vergiftete Milch getunkten Keks gegeben. Sie dachte wohl tatsächlich, Gebhard würde sie zurückholen, um sich um den Kleinen zu kümmern, der so ganz ohne Vorzeichen schwer erkrankte. Und starb. Was Anna natürlich nienieniemals beabsichtigt hatte.

Erst nach dem Tod seines kleinen Sohnes rief Gebhard die Polizei. Zuvor hatte er schlichtweg einen Skandal vermeiden und mit Annas Rauswurf dieses Kapitel für sich schließen wollen. Die Beamten stellten dann Salz-, Zucker- und Kaffeebehälter sicher, in die Anna, maßlos verärgert über all das ihr angetane Unecht, großzügig Arsen gekippt hatte. Anna, wieder zurück in Nürnberg, schrieb Gebhard abstruse Droh- und Bettelbriefe in der noch viel abstruseren Hoffnung, er würde sie wieder zu sich holen, und wurde schließlich am 18. Oktober 1808 aufgespürt und in Haft genommen. Nur Lügenmärchen erzählte sie in den ersten Monaten ihrer Vernehmungen und im Prozess.

 

Dann endlich gestand Anna Margaretha Zwanziger, geköpft mit einer Axt im Juli 1811, schluchzend und wehleidig ob ihrer Ohnmacht im klaren Denken und Handeln:

Ja, sie habe getötet. Habe noch mehr Leute töten wollen. Und würde weiter töten. Leute zu vergiften? Unmöglich, damit aufzuhören.

Amy Archer-Gilligan (Archiv-Bild)

Die Giftmörderin Amy Archer-Gilligan (1869–1962), die wohl ganz in diesem Sinn auch nicht aufhören konnte, wurde in den 1940ern berühmt, ohne dass ihr Name jemals eine Rolle gespielt hätte. Sie leitete ein Heim für alte Menschen und vergiftete etliche Heiminsassen für das im Voraus bezahlte Pflegegeld.

Mortimer Prewster

Die Geschichte der „Sister Amy“ aus Windsor in Connecticut diente als Anregung für das Theaterstück „Arsenic and Old Lace“ („Arsen und Spitzenhäubchen“) von Joseph Kesselring, uraufgeführt am Broadway 1944, weltweiter Kino-Kassenschlager von Frank Capra mit Cary Grant als Mortimer Prewster. Ein köstlicher Spaß ohne moralischen Zeigefinger. Mortimers Tanten töten, lassen alleinstehende ältere Männer ihren vergifteten Wein trinken, und wir finden die putzigen Mörderinnen mit ihren Rüschenblusen und ihrem naiven Charme einfach nur reizend. Das sieht im Ernstfall eben doch immer etwas anders aus.
Und überhaupt: Wenn schon Gift, dann Mitgift (Philipp Zvetanov, Autor). Es möge nutzen.

(erschienen in: Zwielicht 13, Horrormagazin, Hrsg. Michael Schmidt und Achim Hildebrand, 2019)

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