Kategorie: Themen

Alice (Auf der anderen Seite)

Macmillian

Es war der 4. Juli 1862, als Lewis Carroll (in Wirklichkeit Charles Dodgson) – angeblich ein schüchterner und exzentrischer Mann, der Mathematik an der Oxford University lehrte, die drei kleinen Töchter seines Freundes Henry Liddell zu einer Bootsfahrt entlang der Themse mitnahm. Aus dem, was sich inzwischen aus seinen Tagebucheinträgen ableiten lässt, hat er sich spontan eine lustige und absurd ausgefallene Geschichte ausgedacht, um sie zu unterhalten. Dieser Tag ging in die Literaturgeschichte ein.

Kurz zusammengefasst: Ein junges Mädchen namens Alice (nach einer der Liddell-Schwestern selbst benannt) stürzt versehentlich in eine bizarre Fantasiewelt, in der es auf verschiedene anthropomorphe Kreaturen trifft, einen Wahnsinnigen, der eine sehr seltsame und sehr wunderliche Teeparty veranstaltet, und eine merkwürdige Herzdame, die gerne Krocket spielt, wobei sie Flamingos als Schläger benutzt. Jahre später erinnerte sich Carroll an die Geschichte und entschied sich, sie weiterzuentwickeln und zu transkribieren.

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Miguel de Cervantes: Don Quijote

Anaconda

Don Quijote ist eines jener Bücher, dessen Einfluss so weitreichend wie die Odyssee oder die Bibel ist. Und wie die anderen beiden Bücher wird mehr darüber geredet als dass man sie gelesen hat. Doch was Cervantes’ Roman von diesen anderen Werken unterscheidet, ist die Tatsache, dass es sich um eine ausgesprochen burleske Geschichte handelt. Der Held tappt im Dunkeln, die Figuren des Autors fallen von Pferden, betrinken sich in Tavernen und versuchen, ihre Fürze in Schach zu halten – im Quijote sind heilige Angelegenheiten gewöhnlich auf die Wahnvorstellungen des Helden beschränkt. Der berühmte Eröffnungssatz informiert uns:

“Irgendwo in der Mancha, an einem Ort, an dessen Namen ich mich nicht erinnern will, lebte vor nicht langer Zeit ein Herr, einer von jenen, die eine Lanze im Gestell, ein altes Schild, einen hageren Gaul und einen Windhund zum Jagen halten.“

Vor über 400 Jahren verlor die Welt ihren ersten modernen Romanautor, den spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes, der am 22. April 1616 in Madrid starb. Unter den Sammlungen von Gedichten, Theaterstücken und Romanen, die er uns hinterlassen hat, konnte im Grunde nur ein Werk wirklich überdauern. Dein Don Quijote gilt als der erste Roman der europäischen Literatur und als einer der besten uns inspirierendsten Bücher der Geschichte. es gibt unzählige Abhandlungen über den innovativen Stil, die Kreativität, die Komplexität der Szenen und Figuren. Doch warum?

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Der rosarote Panther (Raffinesse und Stil)

©MGM

Der rosarote Panther (Pink Panther) ist die letzte große Cartoon-Serie, die während des „Goldenen Zeitalters der Animationen“ entstand. Viele wissen gar nicht, dass er eigentlich nur die animierte Titelsequenz des 1964 erschienenen Films mit Peter Sellers in der Hauptrolle war. Die Titelsequenz wurde so beliebt, dass der rosafarbene Panther fortan nicht nur das Maskottchen der Comedy-Filmreihe um den schusseligen Detektiv wurde, sondern auch gleich eine eigene animierte Serie bekam. Und obwohl andere Animationsstudios gerade alle ihre Cartoons einstellten, gewann das Kurzdebüt des Panthers am Ende sogar einen Oscar. Nach einigen Spielfilmen wechselte der Panther mit erwarteter Anmut und Leichtigkeit ins Fernsehen und wurde dort zu einer Ikone. Wie bei allen Superstars folgten bald Stapelweise Merchandise-Artikel und Sponsorenverträge.

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Charlie Brown – der ewige Melancholiker

Carlsen

Er gilt als die Hauptfigur der Peanuts. Kein Name der anderen Protagonisten kommt schneller aus der Pistole geschossen, bis auf der seines härtesten Konkurrenten: Snoopy. Er ist das Kind eines Friseurs und einer Hausfrau. Er ist der große Bruder von Sally. Und obwohl er noch zur Schule geht, trägt er bereits, bis auf ein gelocktes Haar, dicht über seinen Augenbrauen und drei Härchen am Hinterkopf, eine Glatze. Er ist ein großer Fan des fiktiven Baseballspielers Joe Shlabotnik und Chef seiner eigenen Baseballmannschaft, die nur ein einziges Mal gewonnen hat. Ein Sieg, den sein Hund Snoopy verbucht und der deshalb anstelle von Charlie auch vom Team gefeiert wurde. Snoopy, sein Hund mit eigener Hütte, der sich wie alles verhält aber nicht wie ein Hund. Auf den wir noch gesondert eingehen werden, denn nicht umsonst gilt er als der Star der kultig amerikanischen Bande, die uns beim Lachen zu Tränen rührt.

Charlie Brown ist verliebt in ein Mädchen mit rotem Haar. Ein Mädchen, von dem wir nicht wissen, wie es heißt und das wir niemals zu Gesicht bekommen, zumindest nicht in den Comics (in einer Zeichentrickserie und der Kinoanimation erhält sie Körper und Antlitz und heißt Heather Wold). Sie steht für die unerfüllte, ersehnte Liebe eines Jungen, der es alles andere als leicht hat in der Welt, dessen Freunde und Schulkameraden (vor allem die Mädchen) sich nicht immer als die loyalsten und zugewandtesten herausstellen, prokeln sie doch mit ihren eigenen Dämonen herum. Lucy, die Schwester von Charlies bestem Freund Linus, lässt ihn dies am meisten spüren. Am ergiebigsten gelingt es ihr in der Rolle als Psychiaterin (die in einem selbstgebauten Stand, ähnlich einem Limonadenstand, für ihre diagnostisch-therapeutischen Dienste sogar Geld verlangt) Charlie vor den Kopf zu stoßen und ihn mit seinen Unzulänglichkeiten auf schonungslose bis gar derbst traumatische Weise zu konfrontieren. Aber auch dann, wenn sie versucht, ihm in verschiedenen Situationen zur Hilfe zu eilen, z.B. wenn sie ihm den Football, den er gerade schießen will, unter dem Fuß wegzieht. Doch es gibt auch ihm zugewandte weibliche Wesen, wie die Narkoleptikerin Peppermint Patty (Chefin des gegnerischen Baseballteams) und Marcie, ihre zurückhaltend beflissene Freundin (“Dienerin”), die sich gar ordentlich in ihn verguckt hat und ihre Freundin in den Comics mit “Chef” anspricht (in den Cartoons nennt sie sie “Sir” und siezt sie). Das Problem von Charlie Brown ist: Er nimmt Zuneigungen nicht in gleicher Weise wahr, wie ihm seine Enttäuschungen und Sehnsüchte bewusst sind.

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Die Welt bei Kerzenschein

Folklore und Legenden sind Teil eines Vermächtnisses unserer ursprünglichen Ängste, die in der Morgendämmerung der Menschheit ihren Ursprung haben, als die Welt noch vom Übernatürlichen dominiert war: Wälder, Hügel, Berge und Flüsse waren der Lebensraum von alten, unsichtbaren Dingen. Leben bedeutete, im Schatten dieser Geheimnisse zu leben. Kerzen drückten die tiefe Angst des Menschen aus, nur in einem kleinen Lichtkreis inmitten einer riesigen, dunklen Welt zu leben.

Dieses Motiv ist eine Konstante in fast jedem Mythos. Hrothgar, der König der Dänen, erbaute eine große Festhalle in den wilden Mooren Dänemarks und brachte damit das Licht und das Lachen der Menschen in die dunkle Landschaft seines Reiches. Grendel, einer der drei Gegenspieler des Beowulf, zahlt es den Eindringlingen in sein Gebiet heim, indem er sich nachts in die Halle schleicht und alle Anwesenden ermordet. Die goldenen Tapeten sind abgerissen, die Lichter der Halle erloschen, und das Moor liegt wieder still und leise da.

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