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Die Anfänge der Schauerliteratur

Gleich zu Beginn müssen wir zunächst über eine übersetzungstechnische Definition sprechen. Schauerliteratur meint hier Gothic Fiction. Das ist – wie so oft – kein adäquater Ersatz, soll uns aber hier vorerst genügen.

Was genau ist Schauerliteratur?  Und auch hier stellen wir fest, dass es keine konkrete Definition gibt, ob wir das Genre nun Gothic nennen oder nicht. Aber es gibt einige Elemente, die Schauergeschichten tendenziell gemeinsam haben. Aber nicht alle Schauermären, ob nun als Literatur oder als Film, enthalten all diese Elemente.

Es verhält sich etwa so wie mit dem Wort “postmodern”. Es ist ein unglaublich schwer fassbarer Begriff, der sich einer strengen Definition und Kategorisierung entzieht und oft mehrere Dinge auf einmal bedeuten kann.

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Lovecraft und der Cthulhu-Mythos

Lovecraft und der Czhulhu-Mythos

“Ich hege keine trügerischen Hoffnungen gegenüber dem heiklen Zustand meiner Erzählungen, und ich erwarte nicht, ein ernsthafter Konkurrent der von mir bevorzugten Autoren unheimlicher Literatur zu sein”, schrieb Lovecraft 1933 in seinem autobiographischen Essay “Some Notes on a Nonentity”. Er fügte hinzu: “Das einzige, das ich zugunsten meiner Arbeit ins Feld führen kann, ist ihre Aufrichtigkeit.”

Mit dem Begriff Weird Fiction verhält es sich ähnlich wie mit dem der amerikanischen Short Story. Beide sind nicht verlustfrei in die deutsche Sprache zu übersetzen, denn weder ist die Weird Tale mit unserem Verständnis einer unheimlichen Erzählung identisch, noch ist die Short Story einfach eine Kurzgeschichte. Das führt zu Komplikationen im Wust der Übersetzungen. Noch verwirrender wird es, wenn man die Weird Tale einfach mit einer Horrorgeschichte gleichsetzt. Lovecraft zum Beispiel hat das unheimliche Element genutzt, um seine eigene Arbeit zu beschreiben, wurde aber präziser, wenn er sie als „Literatur kosmischen Grauens“ oder „Literatur der Angst“ bezeichnete. Das sind Aussagen, die darauf hinweisen, dass Lovecraft sich selbst im Horror-Genre verortete. Dennoch sind viele seiner Konzepte und Metaphern der Science Fiction zugehörig. In dieser Kombination ist es nicht verwunderlich, dass man Lovecraft als den Schöpfer kosmischen Horrors bezeichnet, was nicht ganz den Tatsachen entspricht. Elemente des kosmischen Horrors tauchten bereits in der Gothic Fiction zu Beginn des 19ten Jahrhunderts auf. Namhaft in Bulwer-Lyttons „Zanoni“ – und in den 1890er Jahren dann bei Arthur Machen und Robert Chambers, auch wenn sich die existenztheoretischen Ansätze stark von jenen Lovecrafts unterschieden. In seinem Essay „Supernatural Horror in Literature“ vermerkt er, dass er gerade diese Autoren bewundere und in ihrer Tradition schreibe. Lovecraft hat den kosmischen Schrecken nicht erfunden, er hat ihn neu interpretiert, indem er den Fokus auf die Theorien der modernen Wissenschaft legte und gleichzeitig das Element der viktorianischen Moralvorstellung daraus entfernte. Was Lovecraft schuf, war die Idee des 20. Jahrhunderts – und darin glich er eher Kafka als seinen Vorgängern. Das Universum ist ein leerer, gleichgültiger Ort, in dem es keine spirituelle Bedeutung, keine sinnträchtigen Handlungen gibt, und in dem die menschliche Existenz völlig unerheblich ist.

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