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Tanz der Teufel: Klaatu barata nikto…nekti…Nektarine…Nickel…Nudel?!

“Pssst, ich hab ihn.” Flüsterte Hajo, auf den Verlass war, legte verschwörerisch den Zeigefinger auf die Lippen und machte große Augen. Wir auch. Der Abend war gerettet. Wir hatten Popcorn, ein paar Kissen und diese richtig gute Angst.

Da unten im Keller: Hübsch ist anders

Da unten im Keller: Hübsch ist anders

Wann genau das war, muss keine halbwegs gescheite Frau sagen, die nicht will, dass Fremde ihre lästigen Falten zählen. Aber es war zu Studienzeiten, ergo lange her, und Tanz der Teufel war nicht leicht zu kriegen. The Evil Dead. Sam Raimi. Bruce Campbell. Fiese Gewaltverherrlichung. Vielviel Blut. Frostiger Index. Verstohlener Griff unter die Ladentheke. Das war was Dahergerauntes, das war so verflucht Klasse, wenn man mitreden konnte.

Schwer vorstellbar für die jüngeren Alpträumer mit dem gewissen Blitzen im Blick unter uns. Die sind hartgesotten aufgewachsen, denen will keiner die sauren Bonbons klauen. Die duzen Horror exzessiv. Die kennen dieses Nach-Kissen-Schielen vor dem Film und für den Ernstfall, – vor’s Gesicht damit, weg mit dem Bild…vorerst…für eine Sekunde…-, vermutlich gar nicht. Schade eigentlich.

Tanz der Teufel erstmalig heimlich, da offiziell mahnend gestrichen, in den späteren 1980ern/-90ern gesehen zu haben, ist ungefähr so wie die Premierenfahrt mit der Geisterbahn auf dem Rummelplatz im unschuldigen Alter von neun, zehn Jahren. Vergleichbar mit dem Nervenkitzel von Psycho, der unsere Eltern 1960 in ihre Kinostühle presste. Die wussten ja nun gar nicht, was da abgeht. Was und wer und warum dieser gutaussehende Kerl namens Norman Bates…

Ein Mann, ein Wunder: Ash schafft sie alle

Ein Mann, ein Wunder: Ash schafft sie alle

Egal auch, wie schön schlimm: Es war uns stets schon ein Vergnügen, in bester Absicht so herrlich böse überrascht zu werden. Das gelang Hajo damals mit seiner verbotenen Frucht für uns Freunde, – sogar das Bundesverfassungsgericht hat sich damit beschäftigt -, das verdank(t)en wir einem Regisseur, der sich nach Erscheinen (1981) und herzlosemVersenken seines Erstlingswerkes The Evil Dead, längst schon Klassik, ewig Kult, nicht mehr warm tanzen musste. Das Tempo war damit bestimmt.

Mit seinem Freund und Co-Macher Bruce Campbell, B-Movie-Darsteller mit Qualitätssiegel, drehte Regisseur Raimi (Spiderman, 2002, 2004, 2007, Die fantastische Welt von Oz, 2013), noch jung, unbekümmert und als Erfolgssuchender gesegnet, den von Jugendwächtern verdammten Teufelstanz einfach weiter, und Ash = Campbell stieg mit Tanz der Teufel II (Evil Dead II – Dead by Dawn, 1987) und der Armee der Finsternis (Army of Darkness, 1992) in die Liga der Herzbuben-Horror-Helden auf.

Schaurig-schön und altbewährt: Die einsame Hütte

Schaurig-schön und altbewährt: Die einsame Hütte

In der Folgezeit des Grusel-Kinos oft und gern genommener Schauplatz allen Übels ist in den Evil Dead-Filmen die berühmte einsame Hütte. Als Unheils-Auslöser dient ein altes dämonisches Buch, das Necronomicum, das Ash im dritten Teil, der im Mittelalter spielt, schwer zu schaffen macht. Vorerst wird der Zuschauer aufgeklärt, damit klar ist, was jetzt alles verflucht-noch-mal passieren kann. Passieren wird. Natürlich. Ash:

„Nekronomikon Exmortis, das Buch des Todes. In Blut geschrieben und gebunden in Menschenhaut, schilderte dieses Buch bizarre Begräbnisse, düstere Beschwörungen und Passagen über die Auferstehung des Dämons. Es war nie für die Welt der Lebenden bestimmt.“

Ernst gesprochen. Aber Ash vermasselt, nachdem er das Buch aufgespürt hat, die genaue magische Beschwörungsformel, mit der das Böse besiegt und ihm die Rückkehr in seine Zeit ermöglicht werden kann. Klaatu barata nikto! – Ash: „Zuerst die Worte… (hüstel)… Klaatu… barata… (räusper)…nekti, Nektarine, Nickel. Nudel. Ein Wort mit ,n‘, es war ein Wort mit ,n‘!“

Dann dieser köstliche Dialog mit dem Druiden bei seiner Rückkehr, – da kocht und tobt die Erde schon. – Weiser Mann: „Sprachst Du die Worte, als Du das Necronomicon aus seiner Wiege nahmst?“
Ash: „Ja, so ungefähr…“ – Weiser Mann: „Hast Du Dich an den genauen Wortlaut gehalten?“ – Und Ash recht bockig, da er wohlwissend Mist gebaut hat: „Schööön, ich habe vielleicht nicht jede einzelne kleine Silbe wiederholt, aber grundsätzlich habe ich sie gesagt. Ja!“

Überhaupt genial großartig: Die herrlich komischen Elemente bei all dem Wahnsinns-Irrwitz-Schauer. Ash blutverschmiert, mit irrer Panik im Auge vor dem Spiegel: “Mir geht es gut. Ganz ruhig mir geht es gut.” Sein Spiegelbild schnauzt zurück:

„Das kann ich jetzt nicht glauben. Wir haben gerade unsere Freundin mit einer Kettensäge zerstückelt. Nennst du das ,gut‘?“

King Ash mit Excalibur..

King Ash mit Excalibur..

Kurzum: Jede Menge Slapstick aus der Celluloid-Hölle. Saugut gemacht, bedenkt man auch, dass Raimi noch nicht der weltberühmte Mann hinter den Kameras war, der er werden sollte. Kapital war bescheiden vorhanden. Aber was an Geld fehlte, wurde mit Enthusiasmus, Engagement und Einfallsreichtum ersetzt. Und das war mehr als notwendig, das war ausreichend für dicken Applaus in memoriam und überhaupt. Das Schlußwort sei Ash alias Bruce Campbell gegönnt, mit dem es ein Wiedersehen in der US-amerikanischen Comedy-Horror-Fernsehserie Ash vs. Evil Dead (2015/2016, Idee: Sam Raimi) gibt.

„Okay, Ihr stumpfsinnigen Blechköpfe, jetzt hört mal zu. Seht Ihr das hier? Das ist mein Zauberstab! Eine doppelläufige Remington, Kaliber 12. Das beste Modell im S-Markt. Zu finden in der Sportwaren-Abteilung. Dieses Baby wurde in Grand Rapids, Michigan gefertigt. Und nur 195 Stück für den Einzelhandel. Es hat einen echten Walnussschaft, der Lauf ist eine Kobaltstahl-Legierung mit klassischem Doppelabzug. Ja, richtig. Kauf smart. Kauf im S-Markt.“

Und das Mittelalter staunt. Und raunt. Lacht mit uns. Irgendwie. Und außerdem…”Wenn Du ins Mittelalter gehst, vergiss die Kettensäge nicht.”

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: “Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.” – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“, e-books: „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), Beiträge in: „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag Jürgen Eglseer), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM, Doc Nachtstrom und Bernhard Reicher), “Zwielicht 9” und “Zwielicht Classic” (Achim Hildebrand, Michael Schmidt)

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