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Tage des Wahnsinns, Kapitel 1

Mit dem 4. Buch der vollständigen Hexer-Ausgabe endet die Ära des Gespenster-Krimi-Aufenthalts. Namentlich sind hier die beiden Bände 589 – Der Baumdämon, und 595 Tage des Wahnsinns enthalten. Diese beiden Bände sind überhaupt nur im Gespenster- Krimi erschienen, weil die eigenständige Hexer-Serie etwas Vorlaufzeit benötigte, denn, wie schon gesagt, kam der Erfolg in seiner Heftigkeit doch völlig überraschend.

Der Baumdämon

Während der Hafen von Durness nach wie vor lichterloh brennt, gelangen Robert, Howard und Rowlf zu einem leerstehenden Gebäude. Ihnen ist klar, dass sie so schnell wie möglich verschwinden müssen, ehe sie entdeckt werden, schließlich hält man sie für tot. Und Rowlf ist tatsächlich mehr tot als lebendig. Nach Bettyfield, den nächsten Ort, sind es 30 Meilen – dort müssen sie hin, das ist ihre einzige Chance. Also macht sich Robert auf, einen Wagen zu organisieren.

Er schleicht sich zu Miss Winden, deren Tochter er und Lovecraft von einem Dämon befreit hatten, um sie um Hilfe zu bitten. Widerwillig – und nur der Rettung Sallys wegen – akzeptiert sie. Robert gibt ihr Geld und sie besorgt davon einen Wagen mit zwei Pferden (wozu sie das Geld braucht, wenn sie doch den Wagen von ihrem Schwager holt?). Auf dem Weg nach Bettyhill bleibt der Wagen selbstverständlich im Geflecht der Wurzeln stecken, denn ein Shoggotte war aus dem Meer gekrochen, hatte sich ins Erdreich sickern lassen und sich mit den Wurzeln und Pilzen des Waldbodens verbunden. Von einem Baumdämon kann also keine Rede sein, aber man benötigt eben einen griffigen Titel.

Zwei Reiter aus Durness, die zufällig vorbeikommen, Robert aber zunächst nicht erkennen, helfen dabei, die hartnäckigen Pflanzenschlingen vom Kutschenrad zu trennen. Als sie Robert aufgrund seiner weißen Haarsträhne schließlich doch erkennen, kann Howard einen der Männer ausschalten, während der andere entkommt.

Um den Weg nach Bettyhill abzukürzen, führt Miss Winden den Wagen durch den Wald, bevor die Verstärkung aus Durness vielleicht hinter ihnen her sein wird und sie einholen kann. Den außer Gefecht gesetzten McMurdock nehmen sie gefesselt mit; als sie eine unheimliche, allen Lebens beraubte Lichtung überqueren, bleibt der Wagen erneut stecken, diesmal im Morast. McMurdock sagt ihnen, dass sie bei diesem Wetter und in der Nacht kaum nach Bettyhill gelangen werden, er aber wisse eine Hütte ganz in der Nähe, wo man sich bis zum Tagesanbruch erholen könne.

Das Dumme an der Sache ist, dass es sich dabei um genau jenes Haus handelt, in dem die beiden Ganoven vor kurzem das Necronomicon fanden – „nicht weit hinter der Kreuzung nach Bettyhill“. Robert erinnert sich, als sie schon dort sind. Die Schneise der Zerstörung war ebenfalls nicht zu verkennen gewesen.

Im Haus entdecken sie auf dem Dachboden die verstaubte Leiche, die noch vor dem Schreibtisch sitzt; die untere Hälfte bildet jedoch ein toter Shoggotte – und Wolfgang Hohlbein muss jetzt schon aufpassen, nicht dauernd alles mit diesen Wesen zuzukleistern.

Necronomicon II

Es gibt bei Hohlbein drei Exemplare des Necronomicon. Eines befindet sich im Besitz des Verfassers, Abdul Al Alhazred, das zweite liegt im Safe der Miscatonic University, und das dritte gehörte Roderick Andara und befndet sich momentan in Roberts händen.

Als die Verfolger auftauchen und ins Haus drängen, gelingt es Miss Winden und McMurdock, sie davon zu überzeugen, dass nicht Robert und Howard die Bedrohung sind.

Die Wurzeln, die der Shoggotte über Meilen unter der Erde ausgebreitet hat, dringen nun zur Oberfläche. Die Männer sind im Haus gefangen. Jetzt beginnt etwas, das völlig rätselhaft erscheint, Die näherrückende Wurzelmasse kann nämlich mit den Überresten des toten Shoggotten unterm Dach vernichtet werden. Warum das so ist, erfahren wir nicht. Das wirkt freilich wie ein Deus ex machina -allerdings doch so überraschend, dass man das erst einmal hinnimmt. Vergessen wir nicht, wir reden hier von einem Groschenroman. Die Dinge sind einfach, überraschend und freilich ohne irgendeine nennenswerte Tiefe, aber der Hexer macht einfach Spaß.

Michael Perkampus
Über Michael Perkampus (129 Artikel)
Michael E. Perkampus ist Kulturanthropologe und der ehemalige Moderator der Literatursendung "Seitenwind" bei Radio Stadtfilter, Winterthur. Er ist Übersetzer, Hörbuchsprecher und Sammler von Phantastik. 2014 schuf er mit dem Phantastikon einen Ort im Netz, auf dem sich Erzählungen, Artikel, Interviews und Rezensionen rund um das Thema finden. Er lebt derzeit in Kempten, Allgäu und schreibt kurze Erzählungen, die sich um den Mythenkreis "Schwarzenhammer" drehen.

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