Ein Lob dem Horror, der wirklich erschreckt

Das Horrorgenre kann beim Publikum ein ganzes Kaleidoskop der Emotionen hervorrufen. Grauen, Lust, Angst, Schwindel und sogar Freude gehören dazu, manchmal in paradoxen Kombinationen. Eigenartigerweise scheint es so zu sein, dass die eine Emotion, von der sich das Genre ableitet, am seltensten hervorgerufen wird. Im Klartext: Das Genre ist selten wirklich beängstigend. Tatsächlich scheint der Großteil des zeitgenössischen Horrors seinen Fokus auf andere Effekte gelegt zu haben. Viele zeitgenössische Künstler in diesem Bereich sind offenbar mehr daran interessiert zu verstören, als beängstigend zu sein. Nun, ich bin ganz und gar für verstörende Kunst, für Werke, die einen beunruhigt zurücklassen. Das ist sicherlich dem aktuellen Trend der hippen, postmodernen Distanz vorzuziehen, einem kreativen Modus, der suggeriert, dass die Motive des Grauens am besten als bloße Spielzeuge eingesetzt werden, die sich geschickt neu arrangieren lassen, um zu veranschaulichen, wie sich die Angst

Der amerikanische Meister: Stephen King

Im Phantastikon, wie es früher war, gab es eine spezielle Abteilung für Kingmania. Die Kontroverse um seinen literarischen Wert muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden (obwohl wir es im Laufe dieser Rubrik tun müssen), der Autor selbst hat sich seine Falle von Anfang an selbst gestellt: Wer seine eigene Arbeit als literarisches Äquivalent eines Burgers mit Pommes bezeichnet, wird schließlich von einer wenig gebildeten Öffentlichkeit auch so wahrgenommen. Das Problem an der Sache: es stimmt nicht, aber das bemerken jene, die tatsächlich nur Burger mit Pommes lesen ohnehin nicht, und die Kettenhunde der elitären Maskerade rümpfen oftmals die Nase, ahnungslos von allem, was nicht auf der Liste steht, die ihnen ihre Eltern, ihre Leher und später die guten Kreise, in denen sie verkehren, in die Hand und ins Hirn gedrückt haben. Dabei ist es nicht verkehrt, King nicht zu

Ludwig Tieck: Der blonde Eckbert

Wir sollten sie kennen, die erste deutsche Horrorgeschichte, sollten verstehen, warum sie es ist, und weshalb sie viele andere Autoren und ihre Geschichten, die folgten, beeinflusste. Wir sollten wissen, was an diesem urdeutschen Horror das Eigene und Unheimliche ist, um was für ein Gespür es sich handelt, das sich im Laufe der Jahrhunderte hierzulande innerhalb der schreibenden Zunft weitestgehend verflüchtigt hat. Es ist ein Bewusstsein, das die Denk- und Arbeitsweise von C. G. Jung und Sigmund Freud wesentlich mitbestimmte, ein Bewusstsein, das wieder erwachen will, im Gedenken einer vergangenen Kultur, die ihre mystische Natur lobpreiste, die, anstelle von Verstand und Logik, das Gefühl, die Sehnsucht und die Liebe des Menschen in den Vordergrund stellte. Bereits 1796 in „Märchen aus dem Phantasus“ zum ersten Mal veröffentlicht, erschien Der blonde Eckbert nur ein Jahr später in der von Ludwig Tieck selbst herausgegebenen

Matt Cardin: Interview mit Thomas Ligotti

Interview geführt von Matt Cardin, Juli 2006, Erschienen in The Teeming Brain und in The New York Review of Science Fiction, Issue 218, Vol. 19, No. 2 (October 2006). Gedruckt erschienen in Matt Cardin: Born to Fear (Interviews mit Thomas Ligotti) Übersetzt von Michael Perkampus, mit freundlicher Genehmigung von Matt Cardin Anmerkung: Dieses Interview übersetzte ich im Dezember 2014, als ich begann, unter einer ähnlichen Problematik zu leiden wie Thomas Ligotti. Im Grunde war es für mich eine Art Trostpflaster. Daraus resultierte dann das PHANTASTIKON, das fünf Jahre lang Bestand hatte. Es ist natürlich wahr: Die Internet-Adresse ist nach der Schließung dieselbe, aber auf den Magazin-Charakter verzichte ich, was aber nicht heißt, dass es keinen Bezug zu den alten Artikeln mehr gibt. Was für mich persönlich Relevanz besitzt, wird in überarbeiteter Form erneut veröffentlicht werden.

Mummenschanz: Stück für Stück: Spintisera

Obwohl das hier nur ein relativ kurzer Text ist, muss ich doch einiges dazu anmerken. Nicht nur ist es das letzte Stück, das ich für die Sammlung schrieb, es zeigt auch gleichzeitig die Tendenz meiner gegenwärtigen Arbeit. Müsste ich es beschreiben, würde ich es als Kristallisation bezeichnen. Ausgehend von einem einzigen Gedanken folgt man diesem in seiner möglichen Konsequenz, die wiederum ganz unterschiedlich aussehen kann. Das wirkt nicht selten surreal und ist es insofern tatsächlich, weil es die Wahrnehmung verschiebt und Unmöglichkeiten einbezieht. Es mag wie eine Spielerei aussehen, doch ich meine das ganz ernst. Mit dem Spruch Alles wurde bereits erzählt, kann ich deshalb nichts anfangen, ganz einfach, weil er falsch ist. Es ist unwichtig, was man erzählt. Das Wie ist maßgeblich. Eine ähnliche Vorgehensweise ist hier (Das Kriegspferd) nachzulesen.

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