Sherlock Frankenstein und die Legion des Teufels

Sherlock Frankenstein trägt seinen Namen nicht zu Unrecht, denn er ist wirklich beides: ein genialer Ermittler im London des Jahres 1893, der dort jedes Verbrechen mit seinem brillanten Scharfsinn lösen konnte; und er erschuf ein Monster namens Mectoplasma. Seine eigene Leistung – unabhängig von den Referenzen an zwei der größten Figuren der Popkultur – war es jedoch, den eigenen Tod zu besiegen. Und so ist sein Ghoul-artiges Wesen durchaus der Preis für seinen einstigen Sieg. Jeff Lemire sagt, dass er Zeichner David Rubin darum gebeten hat, in diesem Band den viktorianischen Gentleman in ihm mehr in den Vordergrund zu stellen, um die tragische Liebesgeschichte zwischen Sherlock und Gail glaubhafter zu machen. Allein daran sieht man, wie sehr sich Lemire um seine Figuren sorgt.

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Das Phantom (Der wandelnde Geist)

Am 17. Februar 1936 erschien das erste Comicbuch über Das Phantom, in dem zu lesen war, dass der Vorfahre des Helden dieses Kostüm zum ersten Mal im 16. Jahrhundert überstreifte.

Die Figur ist eine Erfindung des Autors Lee Falk, der 1911 in St. Louis/Missourie als Leon Harrison Gross geboren wurde. Während seines Literaturstudiums an der University of Illinois hatte er plötzlich die Idee für ein Comic, in dem der Held das Verbrechen durch Hypnose bekämpft. Dieser hypnotische Held – Mandrake, der Zauberer – wurde als Mandra, der Zauberer recht schlecht ind Deutsche übersetzt. Er debütierte am 11. Juni 1934 und der Autor nannte sich fortan Lee Falk. Mandrake wurde so erfolgreich, dass der Verlag King Features ihn um eine weitere Figur bat.

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Conan (Der Barbar als Verteidiger der Literatur)

Conan hat stets im Unterbewusstsein der Popkultur gelauert, er ist von dort nicht mehr wegzudenken. Manch einer wird – zum Leidwesen vieler Conan-Fans unweigerlich das Bild von Arnold Schwarzenegger vor Augen haben. Manche mögen Arnold in dieser Rolle sogar, aber das zeigt im Grunde nur, dass Conan eine der unterschätzten Figuren der amerikanischen Literatur ist (dicht gefolgt von Lederstrumpf). Schwarzeneggers Conan-Darstellung mag spaßig sein, aber es fehlt ihr eindeutig an jener Tiefe, die Howards literarische Figur tatsächlich hat.

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Jim Butcher: Harry Dresden 6: Bluthunger

Der sechste Band der Harry-Dresden-Reihe leidet etwas daran, dass Silberlinge ein regelrechtes Superlativ war. Dennoch ist Bluthunger eines der amüsantesten Bücher der ganzen Reihe. Jim Butcher verlässt sich hier möglicherweise etwas zu sehr auf Klischees, um Harry Dresdens Charakter und seine Hintergrundgeschichte zu vertiefen. Sicher ist Butcher ein versierter Schriftsteller, der zu jeder Zeit weiß, was er tut – und er ist sehr geschickt darin, besagte Klischees nicht in Plattitüden abgleiten zu lassen, indem er den Trick der Selbstironie aufbietet. Aber “schockierende Enthüllungen” und vergrabene Geheimnisse, die alles auf den Kopf stellen, an was Harry sein Leben lang festhielt, sind ziemlich abgedroschene Mechanismen, auch wenn in den einzelnen Szenen genug Dramatik mitgeliefert wird. Am Ende sind es Butchers originelle Erzählfähigkeiten, die praktisch in der zeitgenössischen Urban Fanatasy ihresgleichen suchen, die die Geschichte retten.

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The Crow (Liebe, die zu Wut wurde)

Stell dir vor, du bist verliebt, und es ist diese alles verzehrende Liebe, die dich völlig durchdringt. Stell dir die Freiheit vor, die damit einhergeht, dass es jemanden gibt, der dich vollständig kennt, und die damit verbundene erstaunliche Offenbarung, dass dein Gegenüber dich für all die Dinge liebt, die dich ausmachen.

Nun stell dir vor, dass diese Liebe im Nu gewaltsam von dir genommen wurde. Du hast von einem Augenblick auf den nächsten alles verloren. Was würdest du tun? Würdest du verzweifeln? Drogen und Selbstzerstörung über dich stülpen? Jeden, den du triffst, deinen Hass spüren lassen? Oder würdest du etwas anderes machen? Dich etwa in Kunst ausdrücken?

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Spiderman Timeline (Die Anfänge)

In Amazing Fantasy #15 hatte Peter Parker alias Spiderman seinen ersten Auftritt. Es war die letzte Ausgabe des Magazins; Autor Stan Lee und Zeichner Steve Ditko hatten wahrscheinlich deswegen grünes Licht bekommen, das Experiment eines jugendlichen Helden, der sich nicht gerade besonderer Beliebtheit bei seinen Mitschülern erfreut, zu wagen.

In dieser Geschichte, die aus heutiger Sicht wie eine schnell hingezeichnete Skizze wirkt, wird Peter Parker von einer radioaktiven Spinne gebissen. In der Folge stellt er fest, dass er über die Sinne einer Spinne und mehr körperliche Kraft als gewöhnlich verfügt. Mithilfe seiner neu erworbenen Fähigkeiten prügelt er sich nach der Schule im Ring. Der Übermut, sich nicht mehr herumschubsen zu lassen mündet direkt in die erste Katastrophe, als er sich nämlich weigert, einen Dieb aufzuhalten, der vor einem Polizisten flüchtet. Es wird dieser Dieb sein, der später bei den Parkers einbricht und dabei Peters Onkel Ben erschießt. Erst jetzt begreift er die Verantwortung, die mit seinen Kräften einhergeht.

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Goblin Press – Die Horror Fabrik

Wer in Deutschland den einen oder anderen Fantastik-BuchCon besucht hat, den in Marburg etwa oder den in Dreieich, dürfte bereits über das Ouevre der Goblin Press gestolpert sein, so wie es mir geschehen ist. Hier werden Bücher für Bibliophile angeboten, die kurioserweise mit den denkbar einfachsten Mitteln hergestellt werden. Mit Klemmschiene gebunden sind Goblin-Bücher üblicherweise nicht mehr als einhundert Seiten stark, die Seiten selbst sind einfach gedruckt und gefalzt. Die Falz zeigt nach außen, wodurch in einer Art Innenleben verborgene Seiten entstehen, auf denen sich mitunter Dinge befinden, die nur ein mutiger Schnitt am Produkt hervorholen wird. Zweifarbige Schutzumschläge umschlingen diese Bände mit kontrastreichen Illustrationen, vorne finden sich in immer gleichem Rahmen Titel und Name des Verfassers, hinten nur selten eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.
Das Obskure und Handgemachte stärkt mir den Eindruck, etwas wirklich Fantastisches und irgendwie nicht für aller Augen Sichtbares in Händen zu halten. Jörg Kleudgen, Schriftsteller, Musiker und Betreiber der Goblin Press ist, wenn auch in der Fantastik-Szene bekannt, niemand, der kommerziellen Erfolg anstrebt. Sein Erfolg als Verleger besteht bereits seit vielen Jahren in der Verbreitung von Werken der dunklen Literatur, die selbstbewusst am Hochglanz des Mainstream vorbeigehen. Am Verlagsstand sitzt mit ihm im Übrigen Erik Hantsch von der Edition CL, der zusammen mit Kleudgen das Fantastik-Magazin Cthulhu Libria Neo herausgibt.

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