Schlagwort: Richard Gavin

Alptraum-Horror

Was ist Horror?
Was ist Horror?

Das Horrorpublikum deckt ein weites Spektrum ab, aber am jeweiligen Ende finden sich zwei Extreme. Diese gegensätzlichen Positionen entsprechen weniger einem Interessenkonflikt als dem Grad des Morbiden.

An einem Ende haben wir die Leute, die den Horror genießen, wenn darin das übernatürliche Chaos in Schach gehalten wird. Deren extravaganter Anteil ist relativ gering. Die innere Logik der Horrorgeschichte muss sich nahe am täglichen Leben orientieren. Sie nehmen ihren Horror wie ein Abstinenzler Honig; nur, um den Gaumen ganz leicht zu kitzeln.

Das gegensätzliche Extrem ist eine Gruppe, die die ganze Phantasmagorie des Horrors wie ein All-you-can-eat-Buffett begrüßt. Ihr Hunger nach grausamen Delikatessen ist unersättlich. Das sind jene, die das Schild „Kein Durchgang“, das zu ihrer Sicherheit aufgestellt wurde, ignorieren, diese Leichen fressenden Fabelwesen sind nur allzu willig, den Stacheldrahtzaun nieder zu trampeln, um durch das verbotene Land zu kriechen. Und um so mehr Knochen überall herumliegen, um so grandioser die Lagerfeuer-Legenden, die diesen Ort umgeben, desto glücklicher sind sie. Für sie gibt es nichts Schöneres, als die festen Gesetzte der Vernunft im Rachen der Dunkelheit verschwinden zu sehen.

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Der Schoß der Schwarzen Göttin: Horror als dunkle Transzendenz

Was ist Horror?
Was ist Horror?

Während der NecronomiCon 2013 – einer Konferenz über alles, was HPL in seinem geliebten Providence veranstaltet hat – nahm ich an einem Panel über Weird Fiction teil. Während der lebhaften und interessanten Diskussion wurde die Meinung geäußert, dass viele seltsame- oder Horrorgeschichten aus einer “düsteren existenzialistischen Perspektive” heraus geschrieben zu sein scheinen. Das mag zwar durchaus zutreffen, aber ich war dennoch erstaunt darüber, wie sehr diese Perspektive mir selbst selbst stets ein Gräuel war.

Ein Überblick über das Genre mag durchaus die Vorstellung unterstützen, dass diejenigen, die Horror schaffen oder konsumieren, eine Minderheit von verbitterten Realisten sind, die sich mit dem unzähligen Elend des Lebens auf der Erde abgefunden haben und sogar darin schwelgen. Ihre Kunst könnte als ein Schrei gegen eine Gesellschaft angesehen werden, die von der Sonnenseite des Lebens verwöhnten Optimisten beherrscht wird, die unbekümmert durchs Leben walzen, überzeugt von der angeborenen Ordnung und Angenehmheit des Lebens.

Aber ich vermute, dass die Wahrheit weitaus vielschichtiger ist.

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Münzen für den Fährmann: Das Entsetzen als Schlüssel zu unseren inneren Tiefen

Was ist Horror?
Was ist Horror?

Die Analyse des Horrors ist, wie fast alles, was mit diesem Genre zusammenhängt, paradox. Da das Genre so stark von archetypischen Bildern und Tabuthemen geprägt ist, scheint jeder Versuch, es rein intellektuell zu betrachten oder zu verstehen, wirkungslos oder zumindest unzulänglich zu sein. Während die meisten anderen künstlerischen Ausdrucksformen vom Scharfsinn der Kritiker profitieren, die das Publikum über mögliche kryptische Anspielungen, Subtexte usw. aufklären, funktioniert der Horror offensichtlich etwas anders. Es ist ein gänzlich erfahrungsorientiertes Genre und wird daher zu einem großen Teil nach seiner Wirkung, genauer gesagt nach seinem Effekt, und nicht nach seiner Struktur beurteilt.

Dauerhafte Werke der Nichtgenre- (oder “literarischen”) Fiktion haben unzählige Autopsien von Kritikern und Möchtegern-Kritikern durchlaufen, die alle zuversichtlich scheinen, dass sie genau herausgefunden haben, wie diese oder jene Geschichte funktioniert. Der Horror dagegen schlüpft fast immer unter unserem Mikroskop durch. Oh, er mag die Erklärungen, die wir ihm aufdrücken, noch eine Weile ertragen, aber seien Sie versichert, der Horror wird immer einen Weg finden, seine alte Haut abzuwerfen, die in diesem Fall aus einer beliebigen Anzahl von nachträglichen Erklärungen darüber besteht, was wir lesen und warum. Und wie die Schlange geht der Horror aus dieser Häutung als eine noch lebendigere und gesündere Kreatur hervor als zuvor.

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