Die Geschichte der Fantasy (2) – Weltentwürfe

In der letzten Woche haben wir uns die Frage gestellt, wer wohl der erste Autor war, der eine unabhängige phantastische Anderswelt erfand, und was das überhaupt bedeutet. In diesem Artikel fahren wir mit unserer Suche fort. Nehmen wir uns nun eine zweifelsfreie High Fantasy-Welt vor. George R. R. Martins Westeros. Hier finden wir die bereits erwähnte eigene Logik (Magie funktioniert oder hat einst funktioniert, Drachen existieren), als auch eine eigene Geographie, eine eigene Geschichte und eine ganze Zahl unterschiedlicher Kulturen. Hier finden wir alles, was sich im Laufe der Zeit zum Standard für moderne Fantasy gemaustert hat. Was aber ist mit den Grenzfällen? Werfen wir einen Blick auf Mervyn Peakes Gormenghast. Hier finden wir eine eigenständige Geographie, eine eigene Geschichte, und Menschen, die ihre eigene Kultur leben. Die Naturgesetze aber sind die gleichen wie bei uns. Damit haben wir also

Eine Mythologie für England: J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe

Es gibt sogar unter den gebildeten Leuten (oder gerade dort) die nie versiegenden Stimmen, die raunen, Tolkien habe sich bei seinem epochemachenden Werk vom zweiten Weltkrieg inspirieren lassen; dann kam John Garth und erklärte der Welt, es handle sich um den ersten Weltkrieg, den Tolkien da verarbeite. Tolkien selbst waren diese Verweise schon zu Lebzeiten suspekt – und das zurecht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Analyse eines Literaturwissenschaftlers mehr über den Analytiker aussagt als über das eigentliche Werk. Das ist das eine. Das andere ist die Tatsache, dass man sich in Mainstream-Kreisen den Erfolg eines Fantasy-Werkes irgendwie erklären muss, um sich ihm bedenkenlos widmen zu können, und sei es, dass man zunächst einmal einen Tunnel zwischen Traum und eingebildeter Wirklichkeit graben muss, um nicht an der Imaginationskraft zu ersticken, die in einer zweckorientierten Hölle, die wir „unsere Welt“ nennen

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt!