Am 17. Februar 1936 erschien das erste Comicbuch über Das Phantom, in dem zu lesen war, dass der Vorfahre des Helden dieses Kostüm zum ersten Mal im 16. Jahrhundert überstreifte.
Lee Falks „Mandrake“
Die Figur ist eine Erfindung des Autors Lee Falk, der 1911 in St. Louis/Missourie als Leon Harrison Gross geboren wurde. Während seines Literaturstudiums an der University of Illinois hatte er plötzlich die Idee für ein Comic, in dem der Held das Verbrechen durch Hypnose bekämpft. Dieser hypnotische Held – Mandrake, der Zauberer – wurde als Mandra, der Zauberer recht schlecht ins Deutsche übersetzt. Er debütierte am 11. Juni 1934 und der Autor nannte sich fortan nur noch Lee Falk. Mandrake wurde so erfolgreich, dass der Verlag King Features ihn um eine weitere Figur bat.
Sein erster Entwurf war ein Comic, das auf den Abenteuern von König Artus und den Rittern der Tafelrunde basiert. Als das abgelehnt wurde, schuf er einen maskierten Helden in der Art vonZorro, der aber wie Tarzan im Dschungel Afrikas lebte und das Böse und die Ungerechtigkeit in ähnlicher Weise bekämpfte wie die Ritter der Tafelrunde. Seine Hintergrundgeschichte besagt, dass er einen Angriff von Piraten überlebt hatte und gelobte, sie und andere Schurken mit einer geheimen Identität zu bekämpfen. Die Rolle des Verbrechensbekämpfers wurde im Laufe der Generationen von Vater zu Sohn weitergegeben, so dass der Anschein entstand, dass er unsterblich ist. Im Gegensatz zu anderen kostümierten Helden hat er – wie Batman – keine Superkräfte und verlässt sich auf seine Stärke, Intelligenz und die Legende seiner Unsterblichkeit, um seine Feinde zu besiegen.
Ein früher Name für die Figur war The Grey Ghost, aber Falk entschied sich schließlich für The Phantom. Falk erwähnte, dass er von griechischen Büsten inspiriert wurde, als er beschloss, die Pupillen der Figur nicht durch die Maske zu zeigen. Griechische Büsten nämlich haben keine Pupillen und Falk dachte, das gäbe ihnen ein unmenschliches und interessantes Aussehen. In einem weiteren Interview gab Falk Robin Hood als Einfluss für das hautenge Kostüm an.
Die ersten Comicstrips in den Zeitschriften waren noch nicht in Farbe erschienen. Dort war das Phantom grau gezeichnet (und auch im Text als grau bezeichnet). Erst als 1939 in den USA beschlossen wurde, die Sonntags-Comics in Farbe zu drucken, musste sich der Kolorist für einen offiziellen Phantom-Ton entscheiden und wählte lila. Falk erklärte später, dass die Farbe sich von den violetten Dschungelbeeren ableite.
Schnell erlangte die neue Figur eine Anhängerschaft in den USA und beeinflusste eine ganze Reihe anderer Helden in Strumpfhosen, wie zum Beispiel Superman. In Australien gab das Phantom sein Debüt am 1. September 1936 in der Zeitschrift Australian Woman’s Mirror. Einige der Orte, die Falk in dem Comic festgelegt hatte, wurden in diesen Ausgaben in australische Schauplätze verwandelt, was viele Leute glauben ließ, dass der Comic eine australische Kreation sei. Tatsächlich hält der Verlag Frew Publications mit dem Phantom den Rekord über die längste ununterbrochene Veröffentlichung einer Comicreihe.
Interessant ist vielleicht, dass die beiden großen Comic-Häuser Marvel und DC jeweils eine eigene Version des Comic-Helden veröffentlichten. Den Anfang machte DC in den Jahren 1988/89. Dort gab es zu dieser Zeit eine Serie mit insgesamt 13 Ausgaben. DC hielt sich dabei relativ nahe an Falks Original. Im Gegensatz zu Marvel, deren Phantom 1995 als dreiteilige Miniserie erschien. Im Gegensatz zur regulären Version erscheint der Held hier stärker und rechthaberischer. Er trägt einen kugelabweisenden Rüstungsanzug, ist ausgestattet mit einem fortschrittlichen Infrarot-Suchgerät und einer ausklappbaren Spezialausrüstung an den Handschuhen, die jedem Schwerthieb widerstehen können.
Auch nach über fünfzig Jahren macht sich Spider-Man als Außenseiter immer noch recht gut. Man versucht immer wieder, ihn zu verfilmen, und er schafft es irgendwie, sowohl bei Kindern als auch bei seinen langjährigen Fans authentisch zu bleiben. Spider-Mans anhaltender Erfolg hat allerdings wenig mit seiner Fähigkeit zu tun, Wände hochzukrabbeln, seinen übermenschlichen Kräften oder seinem coolen Kostüm. Die Fans lieben Spider-Man, weil er Probleme damit hat, seine Miete zu bezahlen. Er war nicht gerade der beliebteste Kerl in der Schule und hatte auch nicht immer Erfolg bei Mädchen. Comicleser – oder „die wahren Gläubigen“, wie Spider-Mans Miterfinder Stan Lee sie nennt – folgten dem Netzschwinger wegen seines menschlichen Alter Egos Peter Parker, der mit den gleichen täglichen Herausforderungen zu kämpfen hat wie sie selbst.
„Er ist ein völlig gewöhnlicher Typ,” sagte einst der Produktionsdirektor und Comic-Kenner Ken Feliu. “Batman hat seine geheime Identität, aber Bruce Wayne ist ein Milliardär. Superman hat sein Alter Ego Clark Kent, aber er ist immer noch Superman. Und Spider-Man lebt bei seiner nörgelnden Tante, er muss zur Schule gehen, er muss mit seinem Leben klar kommen, er muss seinen Job behalten. Er wirkt wie ein völlig normaler Mensch. Hier ist also ein Typ, der sich, während er durch die Straßenschluchten schwingt, um Dr. Octopus zu bekämpfen, fragt, wie er morgen seine Rechnungen bezahlen soll.”
Bevor Spider-Man 1962 debütierte, waren Batman und Superman die beiden populärsten Comic-Helden. Diese beiden und viele andere in ihrem Dunstkreis wurden als gottgleich gezeichnet: Sie schienen omnipräsent zu sein und hatten die körperlichen Eigenschaften eines Adonis. Da gab es eine ganz klare Linie zwischen den Helden und den Menschen, die sie beschützten. Lee und Spider-Man-Mitgestalter Steve Ditko verwischten diese Grenze, als ihr Wandkrabbler in der 15. Ausgabe von Marvel Comics’ „Amazing Fantasy” seinen ersten Auftritt hatte.
Lee, der 1961 mit der Einführung der „Fantastischen Vier” einen Erfolg verbuchen konnte, wollte einen einzigartigen Helden erschaffen, der nicht in die Superman-/Batman-Ecke des Comic-Universums passte, aber in der jungen „Amazing Fantasy”-Serie funktionieren könnte. Trotzdem war sein Verleger Martin Goodman sehr skeptisch.
„Martin sagte mir drei Dinge, die ich niemals vergessen sollte“, sagt Lee. „Er sagte, die Leute hassen Spinnen, deshalb könne man einen Helden nicht ‚Spider-Man‘ nennen. Als ich ihm dann sagte, dass der Held am Anfang ein Jugendlicher sein sollte, meinte Martin, dass ein Jugendlicher unmöglich ein Held sein könne, höchstens ein Gefährte. Als ich ihm dann noch sagte, dass ich ihn nicht gerade erfolgreich bei den Mädchen sein lassen wollte, sondern eher an einen pickligen Schüler dachte, fragte Martin mich, ob ich überhaupt eine Vorstellung davon hätte, was ein Held sei.“
Den Lesern wird Peter Parker als ein schüchterner, hochintelligenter Außenseiter vorgestellt, der bei seiner Tante May und seinem Onkel Ben lebt. Er ist das Opfer vieler Späße der angesagten Jungs und ein Objekt der Verachtung der Mädchen. Peter, ein einsames Waisenkind, hat nur zwei Freunde: seine Tante und seinen Onkel.
Sein Leben ändert sich, als er auf einer Schulfahrt von einer radioaktiven Spinne gebissen wird. Plötzlich verfügt er über außergewöhnliche körperliche Kräfte und die Sinne einer Spinne. Zunächst führt er heimlich eine Nebenbeschäftigung als „The Spider-Man“ aus, bei der er nach der Schule in zirkusähnlichen Shows auftritt.
Bei einer dieser Shows weigert sich „The Spider-Man“, einen Räuber aufzuhalten, der vor einem Polizisten flieht. Dieser Räuber wird später Peters Onkel Ben bei einem Einbruch töten und den gequälten Teenager so dazu bringen, sein Leben und seine Kraft dem Kampf für Gerechtigkeit zu widmen. Spider-Man hat die Lektion gelernt, die sein Onkel ihm kurz vor seinem Tod mit auf den Weg gab: „Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“
Von Anfang an wurden den Lesern Spider-Mans Menschlichkeit und Schwächen vor Augen geführt. Selbst mit seinen Fähigkeiten konnte er seine Lieben nicht vor Schaden schützen und war den täglichen Härten des Lebens ausgeliefert. Das sind die zwei grundlegenden Themen, die in den Comics immer wieder auftauchen. Damit konnten sich die Leser identifizieren.
„Batman und Superman haben sich bewusst dazu entschlossen, ihre Kräfte für das Gute einzusetzen“, sagt Thomas Inge, Professor für englische Literatur und Geisteswissenschaften am Randolph-Macon-College in Virginia. „Superman kam mit dieser Gabe auf die Welt, während Batman sein Leben der Rache widmete, weil seine Eltern ermordet wurden. Peter Parker wurde hingegen zufällig zum Superhelden. Er ist 16 Jahre alt, unbeliebt in der Highschool, hat Akne und eine Menge Probleme. Gewissermaßen hat er keine andere Wahl, weil seine Kräfte ihm auferlegt wurden. Wir könnten alle Peter Parker sein.“ Inge fügt hinzu:
“Es gehört zu unseren typischen Fantasien, uns selbst zu entkommen. Manchmal wollen wir einfach jemand anders sein.”
Nach Spider-Man eroberten immer mehr Superhelden, die mit alltäglichen Problemen zu kämpfen hatten, die Comics. Während sich „Die Unsichtbare“ der Fantastischen Vier über Dr. Doom (und wie die Welt zu retten ist) Gedanken macht, plagt sich ihre Alter Ego Susan Richards damit, für ihren Ehemann Reed Richards (Mr. Fantastic), den Workaholic der Gruppe, vielleicht wirklich unsichtbar zu sein.
Iron Mans Alter Ego, Tony Stark, kämpfte in den 70ern mit seiner Alkoholsucht. Bruce Banner war nicht nur das Opfer einer Gammastrahlenexplosion, sondern verwandelt sich auch immer dann in den Hulk, wenn er verärgert ist. In den Geschichten der 90er Jahre wurde aufgedeckt, dass er als Kind missbraucht wurde, was eine Menge Wut in ihm zum Gären bringt.
„Marvel Comics ist die Brutstätte der Helden, die persönliche Probleme zu bewältigen haben“, sagt Inge. „Das wurde Marvels Markenzeichen: Die Fantastischen Vier, der Hulk … Sie alle hatten ihr Päckchen zu tragen.“
Dadurch wurden selbst langjährige Charaktere menschlicher. In den DC-Comics tauchten immer mehr Geschichten auf, in denen sich Clark Kent fragt, ob Lois Lane ihn als den sanften Reporter des Daily Planet oder als seine geheime Identität Superman liebt.
„Nach Spider-Man hatte jeder die Formel verstanden, die Stan Lee entwickelt hatte, um die kostümierten Helden greifbarer zu machen. Man muss die private Seite zeigen, um sie interessant zu machen“, sagt Joe Quesada, Chefredakteur bei Marvel Comics. „Wenn die Helden stets nur den Sieg davontragen, ist das Thema nach einiger Zeit ausgelutscht.“
Spider-Man hat gezeigt, dass Comicleser ihre Helden übermenschlich, aber mit einigen Schwächen wollen. Sie nutzen die Helden für ihren Eskapismus, wünschen sich aber auch einen Schuss Realität. Spider-Man spiegelt die jahrzehntelange Anziehungskraft fehlerbehafteter Helden wider. Samsons Haar war seine Stärke – und ein leichtes Ziel für Delilah. Achilles hatte seine Ferse.
„All unsere Helden haben eine Schwachstelle, die sie liebenswert macht“, sagt Inge. Sie haben eine ambivalente Moral. Huck Finn war zum Beispiel kein idealer Charakter. Er tat einige fragwürdige Dinge, um das zu bekommen, was er wollte, und stand vor einem moralischen Dilemma, als es um Jim, den Sklaven, ging, bevor er das Richtige tat.“
Ein Großteil des Realismus von Spider-Man gründet auf seiner Umgebung. Superman und Batman beschützen hingegen die fiktiven Städte Metropolis bzw. Gotham. Peter Parker ist in New York zu Hause, als Jugendlicher lebte er in Queens. Später zieht er nach Hell’s Kitchen, um dort als freiberuflicher Fotograf zu arbeiten.
Das ist auch der Grund, warum Spider-Man der erste Charakter war, der auf die Terroranschläge des 11. Septembers innerhalb einer Storyline reagierte. Diese Ausgabe, „Amazing Spider-Man” Nr. 36, war eine der meistverkauften Comics überhaupt.
Es ist unklar, aber äußerst unwahrscheinlich, ob die Superheldenfilme den Comics mehr Leser beschert haben oder ob jüngere Leute dadurch wieder zu Comics greifen. Tatsächlich sind in Comicläden weltweit hauptsächlich Geschäftsleute mit Aktentaschen, aufstrebende Künstler oder Schriftsteller zu sehen – aber keine Kinder oder Jugendlichen.
„In Zeiten von Videospielen und Computern glaube ich nicht daran“, sagt Inge. „Comics werden in der Regel nicht für Kinder geschrieben, sondern von Erwachsenen, die gute Geschichten für Erwachsene erzählen wollen, ohne sich dabei von irgendwelchen Vorgaben stören zu lassen. Ich hoffe dennoch, dass sich die Leute bei Spider-Man daran erinnern, dass es sich in erster Linie um einen Comic handelt. Weder bei den X-Men noch bei Blade glaube ich, dass die Leute überhaupt von den Comics wussten.“
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.