Slipstream

Kommen wir nun zu einer merkwürdigen Geschichte, die als Slipstream begann, die New Wave Fabulists unter ihren Mantel nahm, die Postmodernisten sowieso, und heute mit dem gleichermaßen irreführenden Begriff New Weird einen neuen Anlauf nimmt. Keiner der aufgeführten Begriffe ist eine wirkliche Genrebezeichnung, die man noch um Surrealismus und Bizarro Fiction erweitern könnte, ohne den Kern zu treffen.

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Neil Gaiman: Niemalsland

In einer späten Nacht im Jahre 1986 beschrieb Neil Gaiman dem Herausgeber Richard Evans die Idee einer neuen Fantasy-Geschichte, die auf dem Konzept einer magischen Stadt aufbaut. Er verwies auf damals jüngere Romane wie Mark Helprins Wintermärchen und John Crowleys Little, Big als Beispiele für gerade aufkommenden Genreliteratur, die New York in eine Art Narnia mit Wolkenkratzern und lärmendem Verkehr verwandelten. Er fragte sich, warum niemand je eine solche Geschichte über London geschrieben hatte. Evans sah ihn an und sagte: “Warum machst du es nicht?”

Ein Jahrzehnt später bekam Gaiman seine Chance. Die BBC finanzierte sechs 30-minütige Episoden von Neverwhere, einer Fantasy-Miniserie in “London Below”, einer alternativen Realitätsdomäne unterhalb der bestehenden Stadt. Sein Mitstreiter und Schauspieler Lenny Henry hatte vorgeschlagen, dass sich die Handlung auf “Stämme von Obdachlosen in London” konzentrieren sollte, aber Gaiman sprach sich dagegen aus, Armut und Vernachlässigung zu verherrlichen. Als sich die Geschichte schließlich herauskristallisierte, handelte sie zwar noch immer von Obdachlosen, war allerdings durchdrungen von einer düster-dunkel-magischen Noir-Atmosphäre.

“Ich konnte über Obdachlosigkeit, Geisteskrankheit, das Gefühl der Verlorenheit in einer Großstadt sprechen, aber auch über die Macht, die von Städten ausgeht”, kommentierte Gaiman später, “und das alles konnte ich tun, ohne die Ebene der Fantasy zu verlassen”. Obwohl die Produktion durch einige unüberlegte Sparmaßnahmen beeinträchtigt wurde – einschließlich der Entscheidung, die Serie auf Videotape statt auf echtem Film zu bannen -, ist die Serie unter Fans weiterhin Kult und zeichnet sich durch eine Reihe unverwechselbarer Akzente aus, die vom Setdesign bis zur Musik von Brian Eno reicht.

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Das Trickster-Phänomen in “Mein Name ist Nobody”

Viele, die den Film heute noch mögen, verbinden Kindheitserinnerungen damit. Ein späterer Einstieg ist logischerweise möglich, wird aber von einer ganz anderen Sehgewohnheit dominiert. Als Hybrid zwischen Komödie und melancholischen Abgesang auf das ganze Westerngenre ist „Nobody“ jedoch einzigartig und hat mehr Tiefgang, als man das oberflächlich betrachtet vielleicht vermutet.

Ende der 60er Jahre war das Westerngenre, dem der Italowestern noch einmal eine neue Nuance zuführte, im Niedergang begriffen. Mit dem Duo Spencer/Hill entstand der sogenannte Prügelwestern, der den Klamauk und die Persiflage im Sinn hatte und dadurch dem Genre mit den Trinità-Filmen (Originaltitel der Spencer/Hill-Western) noch einmal zu mehreren Kassenschlagern verhalf. Das rief noch einmal Sergio Leone auf den Plan, der mit „Mein Name ist Nobody“ eine Reaktion auf diese Parodien des Italowesterns zeigte. Terence Hill spielt im Grunde auch bei Leone und Tonino Valerii (der in Leones Film als Regisseur genannt wird) nichts anderes als besagten Trinity, und doch funktioniert der Film völlig anders als die Komödien zusammen mit Bud Spencer.

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