Mike Mignola wurde am 16. September 1960 in Berkeley, Kalifornien, geboren und wuchs in Oakland auf. Diese Gegend hat er aber (anders als viele andere seiner Kollegen) nie in sein späteres Werk einfließen lassen. Es war gerade das Gespenstische, das Mittelalterliche und die dunkle europäische Mythologie, die sein Werk so vollständig durchdringen, dass man es als Abgrenzung gegen die bittere Realität verstehen kann. Sie entstanden in einem Kind, das sich durch Bücher und Bilder eine innere Welt erschuf, die sich grundlegend von der Außenwelt unterschied. Diese frühe Innerlichkeit bildet das Fundament für alles, was dann kommen sollte.
Über einen Autor, der den Superheldencomic als Horrorliteratur begreift, und damit die tiefste Wahrheit beider Genres freilegt.
New York und Literatur
Scott Snyder wurde 1976 in New York City geboren und wuchs in einer Umgebung auf, die ihn zu einem der literarisch versiertesten Comicautoren seiner Generation machen sollte. Er studierte Kreatives Schreiben an der Brown University und der Columbia University und gab mehrere Jahre lang selbst Schreibkurse. Diese akademische Laufbahn ist in der Biografie seiner Vorgänger nicht zu finden und prägt sein Werk auf eine für das Genre ungewöhnliche Weise. Snyder denkt theoretisch über das Schreiben nach, und bringt diese Reflexion in seine Comics ein, ohne dass sie je akademisch kalt wirkt.
Scott Snyder
Seine literarischen Einflüsse sind klar erkennbar und werden von ihm selbst großzügig benannt. Vor allem Stephen King, aber auch Shirley Jackson und die amerikanische Gothic-Literatur. Diese Literatur behandelt das Böse nicht als Fremdkörper in einer an sich guten Welt, sondern als etwas, das in der Erde, der Geschichte und der DNA des Ortes verwurzelt ist. Snyder interessiert sich sehr dafür, wie das Böse sich in bestimmten Orten und Zeiten entwickelt. Das ist der Grund, warum seine Comic-Geschichten, auch wenn sie in der DC-Welt spielen, immer echt und gefährlich wirken.
Vampirella stammt aus einem Bereich, den der reguläre Comicmarkt gar nicht so richtig kannte: dem Horrormagazin. Als James Warren 1969 seine neue Publikation Vampirella auf den Markt brachte, existierte die Comics Code Authority bereits seit fünfzehn Jahren. Dieser von der amerikanischen Comicbranche selbst auferlegte Zensurapparat, 1954 als Reaktion auf eine Moralpanik rund um Fredric Werthams Hetzschrift Seduction of the Innocent gegründet, hatte Horror, Blut, Sexualität und mehrdeutige Moral aus dem Mainstream-Comic so gründlich verbannt, dass eine ganze Generation von Lesern mit dem Glauben aufwuchs, Comics seien von Natur aus kindisch und zahm.
Wenn man an klassische Monster denkt, fallen einem sofort einige ein. Dracula, Frankenstein, der Wolfsmensch. Die Mumie ist immer dabei, aber irgendwie abseits. Wie das Ungeheuer aus der Schwarzen Lagune spielt auch die Mumie im Universal-Pantheon eher eine Nebenrolle. Sie hatte sowohl in der klassischen Universal- als auch in der Hammer-Ära ihr eigenes Franchise. Aber das war sozusagen ihre Blütezeit. Seitdem humpelt die Mumie vor sich hin.
Tatsächlich musste sie das Genre wechseln, um am Leben zu bleiben. Die meisten Horrorkreaturen haben schon das eine oder andere Genre gekreuzt, sei es in den witzigen Zeitreise-Possen von Frankenstein Unbound oder den Goonies-artigen Abenteuern von Monster Busters. Aber wenn es um die Mumie geht, so scheint dieses Monster tatsächlich vom Horror- ins Action-Genre gewechselt zu sein, nur um sich über Wasser zu halten. Und wenn ich meine Mumien auf diese Weise bekommen muss, dann soll es so sein. Aber um ehrlich zu sein, ich vermisse die einfacheren Zeiten, in denen eine Mumie einfach nur eine watschelnde, vertrocknete Leiche war.
In der Vergangenheit waren wir nicht so sehr vor dem Tod geschützt wie heute. Der Tod war nicht in klinischen Umgebungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen sicher verstaut. Oh nein – er verfolgte uns auf der Straße, er war in unserem Haus, in unserem Bett und stand in unserem Gesicht. Vielleicht haben die Menschen deshalb schon immer nach Antworten auf die Frage gesucht, was uns erwartet, wenn wir endlich unsere sterbliche Hülle ablegen. Und während Theologen und Denker Trost spendeten und versuchten, Antworten in Form von Religion oder Philosophie zu geben, hatten die einfachen Leute Lust am Volksmärchen und Aberglauben, um das Unerklärliche zu erklären. Und das Nebenprodukt davon war die Freude an einem guten Schreck!
Die Pine Barrens sind eine Million Hektar dichter Wälder, die sich über sieben Bezirke von New Jersey erstrecken. Das Gebiet steht unter staatlichem Schutz, und es wird sehr darauf geachtet, dass die Region so natürlich und ungestört wie möglich bleibt. Fast die Hälfte davon ist öffentliches Eigentum und ist in verschiedene Parks unterteilt, in denen man wandern und campen kann. Es gibt jedoch etwas, vor dem der Besucher gewarnt werden sollten, bevor er sich entschließt, die Nacht unter dem Blätterdach der Kiefern zu verbringen…
Alan Moore als einen wütenden Charakter zu beschreiben, wäre eine angenehm einfach Sache. Und obwohl er dieses Verhalten so dann und wann an den Tag legt, wäre es dann doch zu einfach. Der am 18. November 1953 in Northampton geborene Sohn einer Druckerin und eines Brauerei-Arbeiters trägt die Topographie dieser englischen Mittelstadt tief in seiner Vorstellungskraft: Northampton, eine Stadt ohne Glamour, deren Geschichte unter der Oberfläche der Gegenwart brodelt wie unterirdische Lava, hat Moore zu einer Art mythologischem Koordinatensystem gemacht. Kaum ein anderer bedeutender Autor hat seinen Geburtsort so konsequent in sein Werk eingeschrieben, von den viktorianischen Pflastersteinen in From Hell bis zu den elisabethanischen Geisterstimmen in Voice of the Fire, seinem einzigen Prosawerk. Northampton ist für Moore das, was Dublin für James Joyce war: eine Grundstruktur der Wirklichkeit.
Lon Chaney war nicht nur ein Schauspieler, sondern auch ein Meister des Make-up. Er revolutionierte dessen Verwendung im Film, indem er komplizierte und transformative Looks kreierte, die es ihm ermöglichten, eine breite Palette von grotesken Charakteren darzustellen, vor allem in Filmen wie Der Glöckner von Notre Dame, Das Phantom der Oper und Die unheiligen Drei. Sein Koffer, gefüllt mit Schminke, Werkzeugen und Schnüren, wurde legendär.
In London After Midnight schlüpfte Chaney gleich in mehrere Rollen; in einem Stummfilm aus dem Jahr 1927, geschrieben und inszeniert von Tod Browning, mit Lon Chaney in der Hauptrolle. Die Geschichte handelt von Inspektor Edward Burke (gespielt von Chaney), der in London den Mord an Sir Roger Balfour untersucht. Nachdem er einen Abschiedsbrief gefunden hat, wird der Fall zu den Akten gelegt und scheint vergessen zu sein, doch fünf Jahre später wird Balfours Haus von einem Mann mit Biberfellmütze, dunklen, eingefallenen Augen und Reißzähnen wieder bewohnt. Die Leute fragen sich, ob es sich dabei um den von den Toten auferstandenen Balfour handelt, aber in Wirklichkeit ist es Inspektor Burke selbst, der sich verkleidet hat, um den Mörder zu fassen.
Der Film zeigt einen der besten Make-up-Looks von Lon Chaney, mit einem Mund voller Haifischzähne und Drähten, die seinen Augen einen hypnotischen, aber versunkenen Blick verleihen.
Plakat von 1927
Die wahre Macht des Films wird wohl ein Rätsel bleiben, denn die letzte bekannte Kopie wurde 1967 bei einem Brand in den Metro-Goldwyn-Mayer-Gewölben zerstört. Doch eine aus Fotografien rekonstruierte Fassung ist noch zu sehen. Einer der Gründe für ein Wiederaufkeimen des Interesses an diesem Films ist auch, dass Chaney die Rolle des Dracula in dem Film von 1931 spielen sollte, aber vor Beginn der Dreharbeiten starb und Bela Lugosi dadurch seinen großen Auftritt bekam.
Die ersten Jahrzehnte des Kinos waren im Wesentlichen der Wilde Westen. Es war eine Zeit des Experimentierens und wenig bis gar keiner Reglementierung, die Filmfans bis heute fasziniert – vor allem, wenn man bedenkt, wie viele dieser frühen Stummfilme durch Vernachlässigung oder Feuer verloren gegangen sind. Der Horror-Mystery-Film galt schon bei seiner Veröffentlichung als umstritten. Berühmt wurde der Film jedoch durch einen Mord im Jahr 1928, bei dem der Mörder behauptete, er habe Visionen von Lon Chaneys Figur gesehen, die ihm angeblich befohlen habe, eine Frau mit einem Rasiermesser zu zerstückeln. Dieser Mord sorgte für Schlagzeilen und trug zum düsteren Charme des Films bei. War in London After Midnight eine böse Macht am Werk? War es ein verfluchter Film oder nur eine bequeme Ausrede für einen geistesgestörten Verbrecher?
Am 23. Oktober 1928 wurde im Londoner Hyde Park ein blutbesudelter, verwirrter Mann namens Robert Williams gefunden. Neben ihm lag ein blutverschmiertes Rasiermesser und der leblose Körper einer Frau, Julia Mangan. Als die Polizei eintraf, zeigte Williams auf Mangan und schrie: „Ich war’s, sie hat mich geärgert.“ Williams wurde verhaftet und später im Old Bailey vor Gericht gestellt. Er behauptete, er und Mangan seien Freunde gewesen und er habe sie heiraten wollen, aber sie habe abgelehnt. Williams sagte, das Letzte, woran er sich in jener Nacht erinnere, sei, dass er Mangan pfeifen hörte:
„Dann fühlte ich mich, als würde mein Kopf explodieren, als käme Dampf aus beiden Seiten. Alles Mögliche ging mir durch den Kopf. Ich dachte, ein Mann hätte mich in die Enge getrieben und schnitt Grimassen. Er drohte mir und schrie mich an, und sagte mir, was ich tun sollte!“
Wer war dieser Mann? Kein anderer als der Schauspieler Lon Chaney, den Williams kürzlich in London After Midnight gesehen hatte. Williams behauptete, Chaneys unheimlicher Charakter habe irgendwie von ihm Besitz ergriffen und ihn zum Mord getrieben. Die Geschworenen konnten kein Urteil fällen, aber in einem Wiederaufnahmeverfahren 1929 wurde Williams für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Im letzten Moment wurde er jedoch dazu verurteilt, den Rest seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt zu verbringen.
1927
Schon vor dem Mord von 1928 erregte London After Midnight Aufsehen. Denn darin ging es auch um Selbstmord, ein Thema, das in der höheren Gesellschaft im Allgemeinen nicht erwähnt wurde. Nachdem Williams sein Verbrechen begangen hatte, wurde der Film mit unaussprechlicher Gewalt assoziiert.
London After Midnight war dann auch nicht gerade ein Kritikerliebling. Es wurde bemängelt, dass die Zusammenarbeit zwischen Lon Chaney und Regisseur Tod Browning nicht ihre beste war. Außerdem ergebe die Handlung einfach keinen Sinn. Warum sollten schaurige Freaks plötzlich ein Haus bewohnen, in dem ein Mann ermordet worden war? Das Kinopublikum war, wie so oft, ganz anderer Meinung als die Kritiker. Der Film spielte fast 1 Million Dollar an den Kinokassen ein, eine beeindruckende Zahl für die damalige Zeit. Es war der erfolgreichste gemeinsame Film von Chaney und Browning.
Aus der Stummfilmzeit sind nicht viele Filme erhalten; die Library of Congress schätzt, dass nur 14 % dieser Filme in ihrem Originalformat erhalten sind. Ein Teil davon ist auf die Praktiken der Studios zurückzuführen, die die Filme nach ihrem kurzen Kinostart oft zerstörten. Und dann gab es da noch die unglücklichen Unfälle – Zelluloid ist leicht entflammbar, und Brände vernichteten häufig die gelagerten Filmrollen. So auch das Schicksal von London After Midnight. Die Popularität von London After Midnight stieg noch weiter an und wird heute von einigen als der „Heilige Gral“ der verlorenen Filme angesehen.
Ein kleines Mädchen läuft auf einer belebten Straße an der Hand ihrer Mutter an dir vorbei. In der anderen Hand hält sie eine zerlumpte Puppe, die sie planlos über den Gehweg schleift. Beim näheren Hinsehen scheint sich etwas zu ereignen, das einem die Nackenhaare aufstellt. Die Puppe dreht ihren Kopf und scheint dich direkt anzustarren.
Was ist es, das Puppen von Natur aus unheimlich erscheinen lässt? Ist es ihr seelenloser Blick? Ihre ständige Begleitung durch ein unschuldiges und wehrloses Kind?
Puppen gibt es, seit Stammesfrauen Gräser in Menschenform gebunden haben, um ihre kleinen Mädchen zu beschäftigen. Im Laufe der Zeit haben sich ihre menschliche Form und ihr Aussehen so weit entwickelt, dass sie fast lebensecht wirken. Auch Jungen haben eine Vorliebe für Puppen, die sie natürlich Actionfiguren nennen. Und manchmal spielt dieses Spielzeug eine unheimliche Rolle im Leben eines Kindes.
In den später 1800er Jahren bekam ein kleines Mädchen namens Jane Bielawski eine Puppe geschenkt. Als armes Kind, das in einem Mietshaus in New York lebte, wurde die Puppe bald zu ihrer ständigen Begleiterin, die sie „Missy“ nannte. Doch schon bald nahmen die Dinge eine schreckliche Wendung. Einige von Janes jungen Freunden wurden ermordet.
Jane Bielawski und ihre Puppe
Bei den Ermittlungen fand die Polizei heraus, dass die kleine Jane bei allen Morden dabei gewesen war. Die Polizei beschloss, das kleine Mädchen zu verhören, und als sie damit begannen, wurde Jane hysterisch und schrie, dass die Puppe, Missy, für alles verantwortlich sei. Sie versuchte mehrmals, die Puppe loszuwerden – sie warf sie sogar aus einem Fenster im fünften Stock -, aber jedes Mal schien die Puppe zu ihr zurückzukehren.
Die Polizei glaubte ihr jedoch nicht, und Jane wurde im Bloomingdale Asylum eingesperrt. Bis zu ihrem Todestag behauptete sie, dass die Puppe die Täterin war. Böses Wesen oder bequemer Sündenbock?
1906 erhielt der kleine Robert Eugene Otto von einem bahamaischen Diener, der für seine Eltern arbeitete, ein Geschenk. Das Geschenk wurde bald Robert genannt, nach dem kleinen Jungen, dem es gehörte. Eugene nahm Robert überallhin mit, doch schon bald bemerkten seine Eltern unheimliche Phänomene. Nachdem der kleine Junge zu Bett gegangen war, hörten seine Eltern oft, wie ihr Sohn in seinem Zimmer mit jemandem sprach. Wenn sie genau hinhörten, konnten sie hören, wie jemand antwortete! Nach einer hastigen und entsetzten Suche konnten sie niemanden finden. Eugene kauerte meist in einer Ecke, während Robert in einem Schaukelstuhl saß und ganz unschuldig aussah. Eugene bestand immer darauf, dass Robert mit ihm sprach.
Einige Male, als seine Eltern darauf bestanden, dass Eugene die Puppe für einen Ausflug zu Hause ließ, berichteten die Nachbarn, dass die Puppe sie aus einem Fenster im ersten Stock beobachtete und sich sogar bewegte! Haushaltsgegenstände wurden in Eugenes Zimmer und in seinem Spielzeugzimmer herumgeworfen, und einige der Spielsachen wurden verstümmelt. Jedes Mal, wenn diese Dinge passierten, bestand Eugene darauf, dass es Robert gewesen sei.
Robert die Puppe
Als die Vorfälle immer schlimmer wurden und die Dienstboten das Haus verließen, um sich anderswo Arbeit zu suchen, beschloss die Familie, dass es an der Zeit war, etwas zu unternehmen. Sie nahmen Robert von Eugene weg und sperrten ihn in eine Kiste auf dem Dachboden. Dort blieb er auch nach dem Umzug der Familie.
Eugene wurde erwachsen, heiratete und wurde Maler. Leider starb sein Vater und Eugene erbte das Haus seiner Eltern. Das frisch verheiratete Paar beschloss, dass das geräumige Haus perfekt für sie wäre. Sie zogen ein, und als Eugene das Haus durchstöberte, fand er Robert. Nach all der Zeit fühlte sich Eugene immer noch zu der Puppe hingezogen und nahm sie bald überall mit hin. Er stellte sie sogar in einen Sessel in der Ecke ihres Schlafzimmers, damit Robert über sie wachen konnte, wenn sie schliefen. Seine Frau begann, die Puppe zu hassen. Kurzerhand brachte sie sie zurück auf den Dachboden oder in das Turmzimmer und verschloss die Tür.
Dienstboten und Nachbarn schworen, die Puppe habe ein Eigenleben entwickelt. Die Diener hörten ihr unheimliches Kichern hinter der verschlossenen Tür, und die Nachbarn schworen, dass sie auf dem Dachboden von Fenster zu Fenster wanderte.
Bald darauf zerbrach die Ehe, das Paar starb und das Haus stand leer. Eine neue Familie kaufte das Haus, verließ es aber eines Nachts fluchtartig, als Robert mit einem Küchenmesser in der Hand am Fußende des Ehebettes aufgefunden wurde.
Die echte Annabelle
Heute befindet sich Robert im East Martello Museum in Key West, Florida. Er sitzt auf einem kleinen Stuhl hinter einer Glasvitrine, aber er scheint immer noch sehr wütend zu sein. Man sagt, dass man Robert um Erlaubnis fragen muss, bevor man ihn fotografiert, sonst verflucht er einen. Der Film geht kaputt, die Kamera funktioniert nicht mehr oder Schlimmeres. Das Museum erhält Hunderte von Entschuldigungsbriefen von Besuchern, die sich von Robert verflucht fühlen. Das Museumspersonal behauptet sogar, dass Robert ständig seinen Standort wechselt. Er war das Vorbild für „Chucky“, die Mörderpuppe aus den Filmen.
1970 kaufte eine Mutter in einem Hobbyladen eine antike Raggedy Ann Puppe. Die Puppe war ein Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter Donna. Donna war damals Studentin am College, machte ihr Examen als Krankenschwester und lebte in einer winzigen Wohnung mit ihrer Mitbewohnerin Angie (ebenfalls Krankenschwester). Donna freute sich über die Puppe, stellte sie als Dekoration auf ihr Bett und dachte erst ein paar Tage später darüber nach. Während dieser Zeit bemerkten Donna und Angie, dass die Puppe etwas sehr Seltsames und Unheimliches an sich hatte. Die Puppe schien sich von selbst zu bewegen, zuerst relativ unmerklich, wie eine Positionsänderung, aber mit der Zeit wurden die Bewegungen immer deutlicher. Donna und Angie kamen nach Hause und fanden die Puppe in einem völlig anderen Raum als dem vor, in dem sie sie zurückgelassen hatten. Manchmal lag die Puppe mit verschränkten Armen auf dem Sofa, ein anderes Mal stand sie aufrecht auf ihren Füßen und lehnte an einem Stuhl im Esszimmer. Einige Male legte Donna die Puppe auf die Couch, bevor sie zur Arbeit ging, und als sie nach Hause kam, fand sie die Puppe in ihrem Zimmer auf dem Bett, die Tür war geschlossen.
Annabelle, die Puppe, konnte sich nicht nur bewegen, sondern auch schreiben. Etwa einen Monat nach ihren Erlebnissen fanden Donna und Angie mit Bleistift auf Pergamentpapier geschriebene Botschaften: „Helft uns“ und „Helft Lou“. Die Schrift sah aus wie die eines kleinen Kindes. Das Unheimliche an den Botschaften war nicht der Wortlaut, sondern die Art, wie sie geschrieben waren. Zu dieser Zeit hatte Donna noch nie Pergamentpapier, auf dem sie ihre Notizen geschrieben hatte, im Haus aufbewahrt.
Eines Nachts bemerkte Donna, dass sich die Puppe wieder bewegt hatte, und sie fand sogar einen Blutfleck an ihr. Die Frauen befürchteten das Schlimmste und beschlossen, ein Medium zu konsultieren. Das Medium nahm Kontakt mit dem Geist in der Puppe auf und erklärte, es handele sich um ein kleines Mädchen namens Annabelle, das bei einem Brand in dem Wohnkomplex, in dem sie nun lebten, ums Leben gekommen war. Aus Mitleid mit dem Geist des kleinen Mädchens gaben sie dem Wesen die Erlaubnis, die Puppe zu bewohnen und mit ihnen zu leben. SCHLECHTE ENTSCHEIDUNG!
Danach wurde es noch viel schlimmer. Ein Mann namens Lou war mit Donna und Angie befreundet und hatte sie bei all den seltsamen Phänomenen begleitet. Die Puppe war ihm unheimlich und er tat sein Bestes, um sich von ihr fernzuhalten. Doch eines Nachts behauptete er, einen beängstigenden Traum gehabt zu haben, in dem die Puppe an seinem auf dem Bauch liegenden Körper hochkletterte und ihn zu würgen begann. Er wachte in Panik auf.
Am nächsten Tag, als er und Angie eine Autoreise planten, hörten sie plötzlich raschelnde Geräusche aus Donnas Zimmer. Lou dachte, dass jemand unbemerkt in das Zimmer eingebrochen war, und stürmte hinein, um in Donnas Zimmer nichts Besonderes zu entdecken, aber er fand Annabelle in eine Ecke geworfen. Als er näher an die Puppe herantrat, hatte er das Gefühl, dass jemand hinter ihm auftauchte. Er drehte sich um, fand aber niemanden, sondern krümmte sich plötzlich vor Schmerzen. Sein Hemd war blutverschmiert, und bei näherer Betrachtung entdeckte er sieben Schnitte oder Kratzer auf seiner Brust. Am nächsten Tag waren sie fast wieder verschwunden.
Donna war schließlich bereit zu glauben, dass nicht alles so war, wie es schien, und wandte sich an einen episkopalen Priester. Dieser wiederum rief Ed und Lorraine Warren an (die berühmten paranormalen Ermittler aus dem Amityville-Haus). Nach einer Untersuchung kamen sie zu dem Schluss, dass ein unmenschlicher Geist die Puppe manipuliert hatte. Sie nahmen Annabelle in Besitz und fügten sie ihrer verfluchten Sammlung hinzu. Dort steht sie bis heute hinter einer eigens für sie angefertigten Glasvitrine und wird regelmäßig von einem Priester gesegnet.
Gleich zu Beginn müssen wir zunächst über eine übersetzungstechnische Definition sprechen. Schauerliteratur meint hier Gothic Fiction. Das ist – wie so oft – kein adäquater Ersatz, soll uns aber hier vorerst genügen.
Was genau ist Schauerliteratur? Und auch hier stellen wir fest, dass es keine konkrete Definition gibt, ob wir das Genre nun Gothic nennen oder nicht. Aber es gibt einige Elemente, die Schauergeschichten tendenziell gemeinsam haben. Aber nicht alle Schauermären, ob nun als Literatur oder als Film, enthalten all diese Elemente.
Es verhält sich etwa so wie bei dem Wort „postmodern“. Es ist ein unglaublich schwer fassbarer Begriff, der sich einer strengen Definition und Kategorisierung entzieht und oft mehrere Dinge auf einmal bedeuten kann.
In der Schauerliteratur geht es weniger darum, welche Art von Handlung, Setting oder Figuren enthalten sind, sondern mehr um das Gefühl, das davon hervorgerufen wird. Wir verbinden die Schauerliteratur mit alten Burgen und Geistern, weil dies beliebte Elemente innerhalb des Genres sind – aber Autoren wie Mary Shelley, H.P. Lovecraft und Robert Louis Stevenson schrieben Schauergeschichten, die ohne diese Elemente auskamen.
Untersuchen wir doch einfach die Tropen, die das verbinden, was wir unter Gothic Fiction verstehen.
Hintergrund
Es war im 18. Jahrhundert, als sich der Roman als eine „neue“ literarische Form entwickelte, der aus einer Langform fiktionaler Prosa bestand. Dazu sei gleich vermerkt, dass es sehr wohl heftige Diskussionen darüber gibt, was als der erste Roman zu gelten hat und wie man ihn definiert. Während einige Literaturwissenschaftler ihn am 18. Jahrhundert festmachen, sind einige andere davon überzeugt, dass er wesentlich älter ist, auch wenn er da noch nicht als Roman bezeichnet wurde. Das soll hier nicht unser Punkt sein. Wichtig ist, dass er Buchdruck es ermöglicht hat, Bücher zugänglicher zu machen, was für die damaligen Verhältnisse bedeutete, dass Literatur nicht mehr nur einem Club der Oberschicht zur Unterhaltung zur Verfügung stand.
Eine zweite Sache, auf die hingewiesen werden muss, ist das, was als Rückschritt von der neoklassischen Bewegung zu erkennen ist, die Logik und Vernunft über Emotionen stellte. Dies führt uns zum sentimentalen Roman, bei dem es ich um Werke handelte, die eine emotionale Reaktion des Lesers hervorrufen sollten, im Gegensatz zu Geschichten, die nur die Wirkung einer Geschichte betonten. Der Roman sollte eine Erfahrung sein, nicht nur eine Geschichte. Ich möchte anmerken, dass der sentimentale Roman zwar die Emotion betonte, dies aber auf realistische Weise tat, indem er den Alltag erkundete und oft als Lehrstück über die Gesellschaft oder das Verhalten in ihr (besonders an Frauen adressiert) galt.
Die Gotik selbst entstand als ein Stil der mittelalterlichen Architektur, der in Frankreich zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert seine Blüte erreichte. Erst in der Renaissance (14. bis 17. Jahrhundert) wurde der Begriff allerdings auch allgemein verwendet. Die gotische Architektur, die in großen Kathedralen und Kirchen ihren eigentlichen Stil entwickelte, weckte natürlich die Emotionen; ein Gefühl der Größe, des Erhabenen. Etwas, das Ehrfurcht und gleichzeitig Furcht erregt. Dieser Stil hat dann allmählich nachgelassen, wurde aber kurz darauf während der gotischen Renaissance des 18. Jahrhunderts wiederbelebt. Seine Popularität wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts rapide an, und fand seinen Schauplatz in vielen großen Romanen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts.
Die Goten waren ein germanischer Stamm, der das Römische Reich jahrhundertelang bekämpfte und eine große Rolle bei der Gestaltung des mittelalterlichen Europas und der englischen Sprache, wie wir sie kennen, spielte. Man könnte annehmen, dass die „gotische Architektur“ von diesen Leuten stammt, aber das ist ein Irrtum. In der Renaissance begannen die Menschen, die griechisch-römische Architektur wieder zu entdecken, und sie nannten sie „gotisch“, nicht weil das die Gebäude der Goten waren, sondern weil sie die Bauweise, wie den besagten Stamm, für „barbarisch“ hielten. Der Name blieb hängen.
Schlösser und Verliese
Während dieser Zeit trat Horace Walpole auf den Plan. Walpole fand den modernen Roman zu eng gestrickt für die Fantasie, aber die alte Romanze des Mittelalters wiederum als zu unglaubwürdig:
„Er (Walpoles Roman) war ein Versuch, die beiden Arten der Romantik, die alte und die moderne, zu verbinden. In der ersten war alles Fantasie und Unwahrscheinlichkeit: In der zweiten ist die Natur immer dazu bestimmt, mit Erfolg kopiert zu werden und manchmal auch kopiert worden. Der Erfindungsreichtum hat nicht nachgelassen; aber die großen Ressourcen der Fantasie wurden durch eine strenge Einhaltung des Alltagslebens verdorben.“ – Walpole aus dem Vorwort zur zweiten Ausgabe von „Das Schloss von Otranto“
So sah Walpole die mittelalterliche Literatur insofern als großartig an, als sie der Fantasie die Freiheit gab, sich Monster und mythologische Kreaturen vorzustellen, aber der Leser war so weit von den Geschehnissen entfernt, dass er das erhöhte Gefühl nicht auf die gleiche Weise bekam wie von einem modernen Roman.
Während der moderne Roman jedoch ein angenehmes Gefühl hervorrief, war er auf den Alltag beschränkt und behinderte die Vorstellungskraft. Walpole beschloss, einen Roman zu schreiben, der seiner Fantasie freien Lauf ließ, aber die Geschichte auch auf eine Weise präsentierte, die diese emotionale Verbindung ermöglichte, nach der sich die Leser in der besagten Zeit zu sehnen schienen. Das Ergebnis war das „Schloss von Otranto“, das als erstes Werk der Schauerliteratur gilt und im Jahre 1764 erschien.
Die erste Ausgabe von Otranto ließ die Leser glauben, dass es sich um ein gefundenes Manuskript aus der fernen Vergangenheit handelte und dass Walpole nicht der Autor, sondern der Übersetzer des Manuskripts war. Das war auch zu dieser Zeit nichts Neues – sentimentale Romane verwendeten diese „Methode“ oft, um den Leser tiefer eintauchen zu lassen, indem man sie glauben ließ, dass sie Geschichte auf Tatsachen beruhte (z.B. ein Briefroman, der als Sammlung echter Briefe präsentiert wurde). Aber die kritische Akzeptanz gegenüber Otranto änderte sich, als Walpole in der zweiten Auflage erwähnte, dass er der Autor sei.
Diese zweite Ausgabe wurde mit dem Untertitel „A Gothic Story“ versehen. Interessant ist, dass Walpole ein verfallenes Haus gekauft und mit Merkmalen, die von der gotischen Architektur des Mittelalters inspiriert sind, mit Türmen und aufwändigen Entwürfen wieder aufgebaut hat. Sein Entwurf von Strawberry Hill House inspirierte andere, das Gleiche für ihr eigenes Zuhause zu tun. In dieser Zeit erleben wir also eine Art Wiederbelebung der gotischen Architektur. (Hier wird klar, warum „Schauerliteratur“ eindeutig zu kurz greift).
Walpoles Faszination für gotische Architektur beeinflusste seinen Roman und die Untertitelung als „Gothic Story“. Es ist auch nicht verwunderlich, dass Walpoles Otranto eine Burg und ein mittelalterliches Ambiente bietet. Otranto diente als Ausgangspunkt all jener Elemente, die in späteren Romanen dieses Genres verstärkt vorhanden sein würden.
Das vielleicht grundlegendste Merkmal des neuen literarischen Stils ist die symbolische Bildsprache. In Walpoles Roman ist die Architektur des Schlosses selbst ein mächtiges gotisches Ikonenbild, das wir seitdem immer wieder gesehen haben. Auf Isabellas Flucht vor Manfred werden dem Leser die strukturellen Bestandteile des Schlosses veranschaulicht, während sie durch die verschiedenen Abschnitte und Gänge des Schlosses flieht. Das Schloss wird beschrieben als eine große Galerie mit einer labyrinthischen Struktur, mit Kammern, geheimen Falltüren und unterirdische Pforten. Die wichtigste Rolle der Burg besteht jedoch darin, dass sie der Schauplatz übernatürlicher Ereignisse ist, die während der gesamten Erzählung präsent sind.
In Richtung Fin de Siècle
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts folgten Ann Radcliffes „Die Geheimnisse von Udolpho“ und Matthew Lewis‘ „Der Mönch“. Beide sind in großen Gebäuden (eine Burg und eine Kirche) untergebracht und behandeln Themen der Religion, des Übernatürlichen und der Gefangenschaft. 1816 wurde John Polidoris „Der Vampyre“ geboren, die erste Vampirgeschichte, die auf Englisch geschrieben wurde. Im selben Jahr veröffentlichte Mary Shelley „Frankenstein oder der modern Prometheus“, der, ähnlich wie die Vampirfigur, den makabren Schrecken der Auferweckung der Toten mitbrachte. Diese bahnbrechende Geschichte betonte jedoch die Rolle der Wissenschaft und die Gefahren, die sich ergeben, wenn der Mensch Gott spielt. Man kann natürlich auch sagen, dass es sich hier um eine Verschmelzung von Schauerliteratur und Science Fiction handelt.
1840 erschienen die Kurzgeschichten „Tales of the Grotesque und Arabesque“ von Edgar Allan Poe. Sie zeigen nicht nur viele der oben genannten traditionellen Themen der Schauerliteratur, sondern auch psychologischen Schrecken – den „Schrecken der Seele“.
In der Mitte des Jahrhunderts entstand die weibliche Variante der Gothic Novel mit dem Roman „Sturmhöhe“ von Emily Bronte. Der Roman zeigte, wie Frauen oft in einem häuslichen Umfeld gefangen sind und von Männern dominiert werden. Natürlich wurde das Buch gefeiert und gleichzeitig verabscheut. Den nächsten Höhepunkt verzeichnen wir 1871 mit Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“. Obwohl sich „Carmilla“ von Coleridges unvollendeten Gedicht „Christabel“ beeinflusst zeigt, war die Geschichte selbst sehr einflussreich. Die „Abweichung“ der weiblichen Sexualität war in diesem Roman, insbesondere nach viktorianischen Maßstäben, explizit und ebnete den Weg für den Vampir als sexuelle Metapher.
Es sind jedoch vielleicht die letzten dreißig Jahre des neunzehnten Jahrhunderts – weithin als das Fin de Siécle angesehen -, in denen eine Reihe Edelsteine der Schauerliteratur zu finden sind. In dieser kurzen Zeitspanne haben wir plötzlich Robert Louis Stevensons „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, Vernon Lees „Hauntings“, Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, Bram Stokers „Dracula“ und viele Kurzgeschichten, die in viktorianischen Zeitschriften in serialisierter Form erschienen. Obwohl diese Geschichten heute weit verbreitet sind, erzeugten sie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung einen ziemlichen Aufruhr, und es ist nicht schwer zu verstehen, warum; dies sind Romane, die die Wissenschaft der Religion vorzogen, das verdrängte „Böse“ des Menschen auftauchen ließen und offene homosexuelle Wünsche darstellten. Die Schauerromantik beschäftigt sich also mit dem Tabu. Es war ein Genre, das durch das Übernatürliche, das Phantastische und das Fremde eine Diskussion über alles, was bis dahin unterdrückt wurde, ermöglichte.
Moderne Zeiten
Die Schauerliteratur ist über all die Zeit nie wirklich verschwunden, ob sie nun verlacht oder scharf kritisiert wurde. Ganz im Gegenteil hat sie einige gesellschaftliche Veränderungen einfach mitgemacht und zeigt ihre ungeheure Flexibilität. In den 1920er Jahren finden wir die produktiven Schriften von H.P. Lovecraft. Seine Ästhetik ist gotisch angehaucht, aber sein Thema und sein Schreibstil orientieren sich mehr an der Science Fiction. Wie wir jedoch bei Shelleys „Frankenstein“ gesehen haben, passen diese beiden Genres nicht schlecht zusammen.
In den 1940er Jahren kam es zu einer weiteren Verschmelzung von Genres durch Mervyn Peakes epischer Trilogie, die im Schloss Gormenghast angesiedelt ist – eine wunderbar übertrieben barocke Welt, die Schauer- und Fantasy-Literatur durchdringt. Das Werk ist bekannt dafür, dass es großen Einfluss auf so produktive Schriftsteller wie Michael Moorcock und Neil Gaiman hatte.
Als nächstes auf unserer Liste steht Shirley Jacksons „Spuk in Hill House“. Wie viele von Poes Kurzgeschichten und Henry James‘ „Das Durchdrehen der Schraube“ ist Hill House strenggenommen ein Psychothriller. Obwohl es sich um eine Spukhausgeschichte handelt, verwischt sie die Grenzen zwischen „tatsächlichem“ Spuk und psychologischem Spuk. Dies ist ein weiblicher Exeget des gotischen Romans, der sich mit dem Verdrängten und der Auflösung von Grenzen zwischen dem Geist und allem Äußeren beschäftigt. Er folgt der amerikanisch-gotischen Tradition des Spukhauses, das sich zwangsläufig mit der weiblichen Angst vor Eingesperrtheit und Psychose auseinandersetzt.
Eine weitere Variante der amerikanischen „Gothic Haunted House“-Tradition ist dann durchaus eine der bekanntesten. Natürlich handelt es sich um Stephen Kings „Shining“. Selbstverständlich handelt es sich hierbei in erster Linie um klassischen Horror, aber King spielt hier mit vielen Tropen der Schauerliteratur, so dass dieser Roman zumindest an dieser Stelle erwähnt werden muss. Hauptsächlich spielt sich die Handlung im Overlook Hotel ab, einem abgelegenen Ort, an dem es viele verwinkelte Räume und Gänge gibt. Es treten Ereignisse auf, die nicht erklärt werden können. Obwohl nicht offensichtlich übernatürlich, sind wir uns bewusst, dass hier das Psychologische so auf die Spitze getrieben wird, dass die Grenze zum Paranormalen nicht mehr zu erkennen ist. Nehmen wir als Beispiel die Heckenschnitt-Tiere, die zum Leben erwachen. Wir haben es durchaus mit Geistern oder vielmehr mit Überresten der Vergangenheit zu tun, die auf einer Linie zwischen Leben und Tod schweben. Sogar Tony ist eine Manifestation von Dannys verdrängten Problemen, denen er sich nicht stellen will. Damit entsteht erneut die „Rückkehr der Unterdrückten“, jene Problemstellung, die es der Schauerliteratur erlaubt, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die von der Gesellschaft oft als tabu angesehen werden. Wahnsinn, Enttäuschung und unerklärliche Ereignisse drücken „The Shining“ also zumindest in die Nähe der Gothic Novel, was auch für Kings „Brennen muss Salem“ gilt.
Die „Vampir-Chroniken“ von Ann Rice, die zwischen den 1970er Jahren und 2014 entstanden sind, sollten ebenfalls kurz erwähnt werden. Diese Romane sind weit entfernt vom „traditionellen“ Vampir, der stets als reines Übel dargestellt wurde. Selbstbeobachtend, schuldbewusst und charismatisch ebnete das Vampirpaar Lois und Lestat den Weg für den grüblerischen, romantischen Vampir in der Populärkultur. Rices Serie war entscheidend, um das Interesse am Vampirmotiv wieder zu wecken und die Schauerliteratur einem neuen Publikum vorzustellen.
Dieser Artikel soll eine kleine Einführung in die Schauerliteratur sein. Natürlich kann er nur an der Oberfläche kratzen. Zusammengefasst lassen sich folgende Eigenschaften zusammenfassen, die dem Genre ihren Stempel aufdrücken:
Eine dunkle und drohende Atmosphäre
Unheimlichkeit bis zum tatsächlichen Horror
Geheimnisvolle und oft unerklärliche Ereignisse
Der überwiegende Teil spielt sich in einem isolierten, großen Haus, Schloss etc. ab
Es gibt eine Prophezeiung oder einen Familienfluch
Omen, Vorzeichen oder Visionen
Religion
Psychologische Traumata
Eine Rückkehr des Verdrängten
Um die Dinge noch etwas komplizierter zu machen, gibt es auch hier verschiedene Subgenres. So gibt es neben der traditionellen Gothic Novel die American Gothic, die Southern Gothic, die Modern Gothic, die Postmodern Gothic … und was man sich sonst noch vorstellen mag. Aber das ist ein anderes Thema.
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