Eichborn

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ich ein Buch erwische, dass noch relativ neu ist. Bei uns erschien Der Mann, der Sherlock Holmes tötete im Februar 2019. Nun, im Grunde ist es neu, wenn auch schon längst wieder vergessen. Zufällig lag es auf meinem Leseweg. Aus drei Gründen: Erstens sammle ich Bücher, in denen es um Bücher geht, zweitens interessieren mich agierende historische Figuren und drittens habe ich ein Faible für Sherlock Holmes, wenn auch nicht aus der Sicht eines echten Sherlockianers, obwohl ich einiges an Sekundärliteratur zu diesem Thema habe; aber ich habe Sekundärliteratur zu fast allem, von dem her zählt das wohl nicht.

Sherlock Holmes ist ein nimmermüde werdendes Thema, das hat vor einigen Jahren die großartige BBC-Modernisierung hinlänglich bewiesen (gegenwärtig macht auch Alice (aus dem Wunderland) wieder ein paar Fortschritte). Die Zahl der “Leichenfliegen”, wie ich jene Autoren nenne, die sich einer Figur annehmen und ihr Schindluder damit treiben, ist Legion. Die können wir – abgesehen von Horowitz, der tatsächlich die legitimen neuen Sherlock-Holmes-Fälle vorgelegt hat, aus unserem Gedächtnis streichen.

Graham Moore freilich geht einen anderen Weg und präsentiert uns Conan Doyle höchstselbst, denn schließlich ist er der Mann, der Sherlock Holmes umgebracht hat. Der Originaltitel lautet The Sherlockian, und ausnahmsweise finde ich hier den deutschen Titel etwas besser, weil er sprechend ist. Tatsächlich ist ein Sherlockianer der Protagonist des zweiten Erzählstranges.

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