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Michael Knoke: Der kataleptische Traum (Goblin Press)

Es gibt wenige moderne Werke, denen man im Untergrund das Zeug zum Klassiker unterstellen kann. Das hat noch nicht einmal etwas mit der Qualität der Geschichte zu tun, sondern vielmehr mit einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Freilich ist das Werk des viel zu früh von uns gegangenen Michael Knoke nicht gerade in aller Munde, was uns und mich aber nicht davon entbindet, darauf hinzuweisen, dass hier ein außergewöhnlicher Autor die Fähigkeit besaß, eine bizarre und beklemmende Atmosphäre zu erschaffen, wie sie heute kaum mehr irgendwo anzutreffen ist. Das allein wäre noch nicht “klassisch” zu nennen. Michael Knoke bedient sich hier eine detailreichen Sprache, die nicht künstlich antiquiert zu sein versucht, aber auch nichts von diesem platten Stil, den heute viele schreiben und für modern halten, erkennen lässt.

“Unser Leben ist der Traum eines anderen, und wir müssen einen Weg finden, diesen Traum zu beeinflussen, dann können wir auch die Fäden unserer eigenen Schicksale ziehen.”

Inmitten eines dichten, dunklen Waldes am Rande eines Dorfes ohne Namen, dessen Bewohner seit Jahrhunderten degeneriert sind, lebt die Familie Duval in einer düsteren Villa, deren Erbauer ein Sadist und Ungeheuer gewesen sein soll. Das Wechselspiel der Familie Duvall mit den entstellten Bewohnern, die nicht nur durch ihre degenerierte Lebensweise so wurden, wie sie sind, sondern auch durch Schwarze Magie, die ihr Erbgut verändert hat, ist einer der folgenreichen Eckpfeiler der Erzählung. Der zweite ist ein bizarres Wesen – halb Mann, halb Frau – das in einem schwarzen Turm, berauscht vom Sud des Fliegenpilzes, unablässig das Schicksal anderer erträumt.

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Jörg Kleudgen & Uwe Voehl: Arkheim (Goblin Press)

Jörg Kleudgen und Uwe Voehl - Arkheim
Goblin Press

Es hat etwas Befriedigendes, wenn einer der besten Verlage in unseren Breitengraden einer ist, der im Grunde ein Non-Profit-Unternehmen darstellt. Und nicht nur das, Jörg Kleudgen, dem die Goblin Press gehört, ist auch noch einer unserer aufregendsten Dichter des Phantastischen. Gemeinsam mit Uwe Voehl, einer anderen umtriebigen Größe, gab er 2016 den Roman “Arkheim” heraus. Nun ist das in unserem Metier mit Romanen so eine Sache, stellt hier aber keines der üblichen Probleme dar, denn man könnte Arkheim auch einfach nur als Kurzroman oder etwas längere Geschichte bezeichnen, die auf drei bereits von Uwe Voehl verfasste Erzählungen zurückgreift, die hier von Jörg Kleudgen einen Rahmen bekamen, wobei ich selbst nicht herausfand, wessen Hand für welche Passage zuständig war. Und so sollte es sein.

Eine mögliche Hürde tut sich auf, wenn man bedenkt, dass natürlich Lovecrafts Version von Salem, die er Arkham genannt hatte, hier die nach Deutschland transportierte Patenschaft andeutet. Im Verlauf der Lektüre wird jedoch schnell klar, dass diese imaginäre Hürde auch wirklich nur imaginär bleibt. Arkheim deutet vor allem auf die beabsichtigte und zu erwartende Atmosphäre hin. Arkheim selbst wird durch eine kleine Historie vorgestellt und bekommt dadurch seinen unabhängigen Charakter. Eine Siedlung namens “Argheym” wird im elften Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt. Der Name bezog sich auf die Salzsümpfe, welche die Stadt noch heute umgeben. Das trifft genau auf Bad Salzuflen zu. Allerdings ist Bad Salzuflen natürlich nicht identisch mit Arkheim, aber solche Manöver festigen die Darstellungen. Im Hintergrund läuft die Existenz der realen Stadt stets mit, da gibt es nie auch nur einen Zweifel daran. Es ist ungefähr das gleiche Phänomen wie man es von in der Literatur dargestellten Figuren kennt. Als Autor arbeitet man die Biographien und Hintergründe so genau aus wie möglich, am besten anhand ganzer Genealogien. Umso detailreicher man vorgeht, desto lebendiger wird die Figur später sein, auch wenn man die meisten Informationen gar nicht in den Text einarbeitet. Später lesen wir in Semmelbachs Notizen noch mehr darüber. Arkheim = Heim der Arche. Und so werden wir mit einem besonderen Arche-Motiv konfrontiert, und dieses wiederum lässt sich erneut untergliedern:

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