Eine Mythologie für England: J. R. R. Tolkiens Herr der Ringe

Es gibt sogar unter den gebildeten Leuten (oder gerade dort) die nie versiegenden Stimmen, die raunen, Tolkien habe sich bei seinem epochemachenden Werk vom zweiten Weltkrieg inspirieren lassen; dann kam John Garth und erklärte der Welt, es handle sich um den ersten Weltkrieg, den Tolkien da verarbeite. Tolkien selbst waren diese Verweise schon zu Lebzeiten suspekt – und das zurecht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Analyse eines Literaturwissenschaftlers mehr über den Analytiker aussagt als über das eigentliche Werk. Das ist das eine. Das andere ist die Tatsache, dass man sich in Mainstream-Kreisen den Erfolg eines Fantasy-Werkes irgendwie erklären muss, um sich ihm bedenkenlos widmen zu können, und sei es, dass man zunächst einmal einen Tunnel zwischen Traum und eingebildeter Wirklichkeit graben muss, um nicht an der Imaginationskraft zu ersticken, die in einer zweckorientierten Hölle, die wir „unsere Welt“ nennen

Steven Erikson: Das Spiel der Götter (Malazan Book Of The Fallen) – Ein Vorgespräch

Oftmals ist die Veröffentlichungspolitik deutscher Verlage eine einzige Katastrophe. Da werden Serien begonnen und nie zu Ende geführt, die Übersetzungen sind im besten Fall durchwachsen, die Editionen werden mittendrin ohne Sinn und Verstand gewechselt. Was die Übersetzung betrifft, hat man hier mit Tim Streatmann einen Glücksgriff getan, auch wenn „Das Spiel der Götter“ als Titel von „Malazan Book of the Fallen“ leicht daneben liegt, denn er impliziert ein Spiel, das die Götter spielen, was nicht der Fall ist; vielmehr tanzen hier viele Mächte ein Ringelreihen, und Götter können selbst von Sterblichen besiegt werden. Die fast schon übliche Zweiteilung der einzelnen Romane ist hier gar nicht so unsinnig wie es zunächst scheint, denn die massiven Ziegelsteine, die Erikson schreibt, würden zusammengefasst eine Schriftgröße erfordern, die nicht mehr zu genießen ist. Bleibt noch die Kritik am Wechsel des Formats. Anfangs ärgerte ich

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