Dem Autor Alan Moore, dem „Zauberer” hinter „V wie Vendetta”, „Batman: The Killing Joke”, „From Hell” und vielen anderen Titeln, ist es gelungen, seine zeitgenössischen Ideen auf revolutionäre Weise durch das Medium Comic zu vermitteln. Indem er sich mit universellen Konzepten auseinandersetzte und sie durch Symbolismus und Satire aufschlüsselte, erregte er schnell die Aufmerksamkeit der Welt. Er wurde zu einem wichtigen Einfluss in der Populärkultur, denn sein Werk besitzt bis heute eine unvergleichliche Relevanz für die moderne Politik und Philosophie. Zu seinen bedeutendsten Comics gehört das mit dem Hugo Award ausgezeichnete Hauptwerk „Watchmen”, das mit seiner Erzählung, seinen Themen, seinen Figuren und seiner philosophischen Botschaft die Comic-Industrie schlagartig veränderte.
Die Geschichte von „Watchmen” ist in einer alternativen Realität angesiedelt, die sich am Zustand der Welt in den 1980er Jahren orientiert. Sie ist ein ausladender Kommentar zum Superheldenkonzept und seinen persönlichen sowie politischen Implikationen vor dem Hintergrund eines drohenden Atomkriegs. Zwar absolviert Richard Nixon hier mehrere Amtszeiten als Präsident der Vereinigten Staaten und die Vereinigten Staaten gewinnen den Vietnamkrieg, doch die zentrale Wendung dieser realistisch dargestellten Geschichte ist die Existenz von Superhelden und ihre Verantwortung für die Entwicklung der internationalen Beziehungen und die Verbrechensbekämpfung. Während die Spannung ins Unermessliche steigt, deutet der Mord an einem ehemaligen Helden auf ein größeres Komplott hin. Aufgrund des Keene-Gesetzes sind Vigilanten nun illegal und ihre Aktivitäten sind untersagt.
Die Brücke im Nebel ist einer der Romane, in denen Léo Malet als sein Alter Ego Nestor Burma am meisten von sich selbst und seiner Jugend verarbeitete. Von seinen Erinnerungen an anarchistische Milieus getrieben, begibt sich der Detektiv zusammen mit einer jungen, schönen Zigeunerin auf die Suche nach dem Mörder eines seit langem bekannten Trödlers. Es handelt sich um einen der düstersten Romane Malets, in dem die Nostalgie nie zu kurz kommt.
Den Schauplatz an der Tolbiac-Brücke wiederzufinden, ist angesichts der Veränderungen, die das dreizehnte Arrondissement seit dem Bau der Bibliothèque François Mitterrand in den 1990er Jahren erfahren hat, eine Herausforderung. Es ist quasi ein neues Viertel am Ufer der Seine, das heute Universitäten, Wohnungen und Geschäfte beherbergt.
Der Roman beginnt 1956 am Gare d’Austerlitz, wo Burma in einem Waggon der Metrolinie 5 sitzt, der unter einem Glasdach fährt, das von einer Eiffel’schen Stahlkonstruktion getragen wird. Der Detektiv fährt mehrmals mit dieser Linie, die sich über die Seine erhebt und dann eine lange Kurve macht, als würde die Metro absichtlich langsamer fahren, damit man die roten Backsteine des gerichtsmedizinischen Instituts besser bewundern kann. Das Krankenhaus Salpêtrière, das er später aufsuchen wird, um die Leiche seines ehemaligen anarchistischen Gefährten Abel Benoit zu identifizieren, ist nicht weit entfernt.
Nachdem Burma die Treppe zwischen der Rue du Chevaleret und der Rue de Tolbiac genommen hat, trifft er auf einen der Orte seiner Jugend, das 1932 von Le Corbusier erbaute Heim der Heilsarmee in der Rue Cantagrel, das Anfang 2016 nach einer Renovierung wiedereröffnet wurde. Am Ende der Rue du Loiret ist der Bahnhof Petite Ceinture in einem traurigen Zustand und die Rue Watt, die unter den Eisenbahngleisen hindurch zum ehemaligen Bahnsteig des Bahnhofs (heute Quai Panhard et Levassor) führt, ist nur noch ein anonymer Tunnel, seit Bürogebäude und Stadtentwicklungen die volkstümliche Wohnkultur verdrängt haben.
In der Geschichte kreuzen sich mehrere Handlungsstränge: die Ermittlungen von Inspektor Balin, die 1936 beginnen und 1955 mit seiner Ermordung enden; die Ereignisse, die mit dem Leben von Burma und anderen Protagonisten der Erzählung im „veganen Heim“ im Jahr 1927 zusammenhängen; und die laufenden Ermittlungen (1955). Die einzige Verbindung besteht darin, dass sich alles im gleichen Arrondissement abspielt. Es geht also um die Einheit des Ortes. Und dieses Arrondissement gefällt dem Detektiv, der nach dreißig Jahren seine Vergangenheit wieder aufleben sieht, nicht besonders. Zu sehr riecht es nach Elend, Scheiße und Unglück. Malet gibt sich große Mühe, die Schauplätze seiner Erzählung genau zu lokalisieren (er selbst wohnte Mitte der 1920er Jahre in der Rue de Tolbiac 182). Wahrscheinlich will er damit zum Ausdruck bringen, dass es einen Determinismus der Orte gibt und dass es unter diesen Bedingungen schwierig ist, seinem Schicksal zu entkommen…
Die Brücke im Nebel wurde 1981 in der Zeitschrift A suivre veröffentlicht und ist Tardis erste Adaption eines Kriminalromans aus der Reihe Les Nouveaux Mystères de Paris von Léo Malet. Der Zeichner nutzt die Gelegenheit, um Paris in alle Richtungen zu durchstreifen, bevor er die urbane Atmosphäre der Hauptstadt in der Nachkriegszeit gekonnt einfängt. Glänzendes Kopfsteinpflaster, der Geruch von nassem Makadam, Metallarchitekturen: Tardis Grafik, in Schwarz-Weiß gehalten und mit grauen Flächen akzentuiert, ist unübertroffen, wenn es darum geht, die Atmosphäre der Stadt ins Bild zu setzen. Ein düsterer, faszinierender und schicksalhafter Krimi.
Wenn sich düstere Gassen im Nebel verlieren, Gangster mit mysteriöser Vergangenheit auf übernatürliche Mächte treffen und ein Raubzug zur Reise ins Herz einer verkommenen Stadt wird, dann ist man in Smoke City angekommen. Das zweiteilige Comicwerk mit dem gleichen Titel stammt von dem französischen Duo Mathieu Mariolle (Autor) und Benjamin Carré (Zeichner) und ist ein stilistisch wie erzählerisch markantes Werk des frankobelgischen Comics der späten 2000er Jahre.
Ein Coup mit doppeltem Boden
Smoke City 1 – Splitter-Verlag
Die Geschichte beginnt wie ein klassischer Heist-Thriller: Die schöne und gefährliche Carmen, die inzwischen als Diebin gesucht wird, trommelt ihre alte Crew zusammen. Ihr Ziel ist ein spektakulärer Raub: Im Auftrag eines anonymen Kunstsammlers soll eine antike, geheimnisvolle Mumie aus einem schwer bewachten Museum gestohlen werden. Der Plan scheint zunächst wie ein Routinejob für Profis. Doch schnell wird deutlich, dass dieser Raub nur ein Teil eines größeren, unheimlicheren Spiels ist. Die Übergabe eskaliert und mündet in einem tödlichen Showdown. Die Wahrheit über den Auftraggeber, einen Mann namens Mr. Law, offenbart sich erst, als es für viele bereits zu spät ist.
Im Zentrum steht Cole, ein desillusionierter Ex-Gangster und Erzähler der Geschichte. Er fungiert als moralisches Gegengewicht zu Carmens kompromissloser Zielstrebigkeit und ermöglicht den Lesern einen introspektiven Zugang zur Geschichte.
Atmosphäre zwischen Rauch, Schuld und Schatten
Smoke City 2 – Splitter-Verlag
Was „Smoke City” besonders macht, ist weniger die Krimihandlung als vielmehr die düstere, intensive Atmosphäre. Die titelgebende Stadt ist ein urbanes Labyrinth voller Dampf, Schatten und Halbweltgestalten – ein fiktiver Moloch, der irgendwo zwischen dem Chicago der Prohibitionszeit und einem cyberpunkartigen Noir-Schauplatz angesiedelt ist. Diese Stadt atmet Verfall, Korruption und Verlorenheit.
Benjamin Carré nutzt einen ungewöhnlichen visuellen Stil, der klassische Zeichnungen mit digitalen Techniken und Fotocollagen verbindet. Das Ergebnis ist ein überaus cineastisches Erlebnis: Weitwinkel, weiche Unschärfen, harte Lichtkontraste und realistisch wirkende Figuren verleihen dem Comic eine visuelle Schwere, die sich perfekt mit dem melancholisch-düsteren Tonfall der Geschichte ergänzt. Deutlich erkennbar ist Carrés Herkunft aus der Welt der Videospiele (u. a. Alone in the Dark IV): Das Storyboardhafte seiner Panels erinnert mehr an Filmszenen als an klassische Comics.
Zwischen Genre und Grenzgang
Obwohl der erste Band von „Smoke City” als konventionelle Kriminalgeschichte beginnt, sprengt der zweite Teil zunehmend die Grenzen des Genres. Der mysteriöse Mr. Law, der sich letztlich als sinistre, beinahe übermenschliche Figur entpuppt, verschiebt das Geschehen ins Fantastische. Die Realität beginnt zu bröckeln, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen und Schuld wird zu einer metaphysischen Währung. Die Stadt wird zum Spiegel der inneren Hölle ihrer Bewohner.
Splitter-Verlag
Damit positioniert sich „Smoke City” zwischen Werken wie „Sin City” von Frank Miller, „The Fade Out” von Ed Brubaker und stilistisch sogar „Blade Runner”. Der Comic verbindet klassische Noir-Motive – Femme fatale, gebrochene Männer, moralischer Verfall – mit übernatürlichen Elementen und einer gesellschaftlichen Dystopie.
Mathieu Mariolle, der bereits mit Serien wie Pixie und De Sang Froid auffiel, beweist mit Smoke City sein Gespür für Genre und Spannung. Die Dialoge sind knapp, lakonisch, oft zynisch – wie es sich für echte Noir-Literatur gehört. Gleichzeitig lässt er viel Raum für visuelles Erzählen.
Splitter-Verlag
Carrés Zeichnungen wurden von Kritikern einhellig gelobt – besonders in Comic-Hochburgen wie Frankreich und Spanien. Die französische Comicseite Planète BD bezeichnete die Bildsprache als „hypnotisch“, während die spanische Plattform Zona Negativa seine Arbeit als „schockierend kraftvoll und stilistisch einzigartig“ beschreibt.
Smoke City ist kein einfacher Comic – er fordert Aufmerksamkeit, gerade wegen seiner visuellen Komplexität und doppelbödigen Handlung. Doch wer sich auf das düstere Universum einlässt, wird mit einem ebenso stilistisch ambitionierten wie erzählerisch intensiven Werk belohnt. Es ist ein Comic, der seine Leser nicht nur unterhalten, sondern auch verstören will – und darin liegt seine Stärke.
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