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T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik

1.

QUAL DES SCHREIBENS

Die gesammelten Widersprüche des T. E . D. Klein

 Wenn es in der zeitgenössischen Literatur einen Autor gibt, der sich dem Schreiben durch puren Masochismus verbunden fühlt und sich in seiner Qual trotzdem wegweisende Werke abringt, dann ist das wohl T. E. D. Klein, der Autor eines bemerkenswert schmalen aber wahrlich nicht unbedeutenden Œuvres.
„Ich bin einer dieser Leute, die alles tun würden, um dem Schreiben auszuweichen. Alles!”1,  sagt er. „Ich finde das Schreiben von Fiktion irrsinnig hart. Ich denke, ich bin ein extrem guter Lektor für anderer Leute Werke, […] aber es ist eine entsetzlich harte Arbeit für mich, irgendetwas Eigenes zu produzieren.“2
In einem Zeitraum (wir sprechen von mehr als 25 Jahren), in dem Stephen King ein ganzes Hochregallager mit seinen Büchern füllen kann, hat T. E. D. Klein einen Roman (The Ceremonies), fünf längere Erzählungen bzw. Novellen („The Events at Poroth Farm“, „Petey“, „Black Man With a Horn“, „Children of the Kingdom“ und „Nadelman’s God“) und etwas Kleinzeug (ein paar Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen) zustande gebracht. Warum das so ist, erklärt er Carl T. Ford, dem Herausgeber des britischen Fanzines Dagon wie folgt:

Ich lese schnell, viel zu schnell und schreibe viel zu wenig und viel zu langsam. Ich bin ein Zeitschriften-Junkie, und ich kann Stunden glücklich damit verbringen, mich durch einen Berg von Zeitschriften zu lesen. Ich unterbreche nur mal kurz, um ein paar Artikel herauszuschnippeln, die es wert sind, sie zu behalten oder einem Freund zu schicken. Du würdest entsetzt sein, wenn du sehen würdest, was ich jede Woche über in der Post habe: Literatur-Magazine, Finanz-Magazine, regionale Magazine, politische Magazine jeglicher Färbung3, Reise, Humor, Wissenschaft, Film, sogar Magazine über Postkartensammeln und Fliegen (was ich beides nur in meiner Phantasie tue).4

Auch wenn T. E. D. Klein eine derartige Bandbreite aufweist, ist er in erster Linie doch eines: ein Horror-Autor! Seine beiden einzigen Bücher für den Massenmarkt, The Ceremonies und der Novellenband Dark Gods , sind seit Erscheinen bereits Klassiker im Horror-Genre, und es gibt kaum einen Kenner auf diesem Gebiet, der neben Thomas Ligotti und Ramsey Campbell nicht auch T. E. D. Klein nennt, wenn es um moderne Grusellektüre mit literarischen Qualitäten geht. Obwohl Klein sich nie abfällig über das Horror-Genre an sich geäußert hat, möchte er offenbar aber auch nicht als beinharter Horror-Maniac angesehen werden:

Ich habe wirklich nicht vor, für den Rest meines Lebens Horror zu schreiben. Ich habe mich nie sehr wohl dabei gefühlt, die Leser zu ängstigen, und ich glaube auch nicht, dass ich besonders gut darin bin. Wäre ich meinen Weg gegangen, hätte ich vermutlich leichte, humorvolle Prosa, möglicherweise mit einem Touch Unheimlichem hier und dort, geschrieben – oder irgendeine Art von zwangloser Kolumne in einer Wochenzeitschrift, in der ich meine Spleens, egal wozu ich gerade Lust hätte, abreagieren könnte.5

Und, habe er jemals daran gedacht, etwas außerhalb des Horror-Genres zu schreiben? „Ständig; tatsächlich bin ich aber zu ungeduldig dazu.“6
Das alles will man ihm nicht so ganz abnehmen, liest man seine leidenschaftlichen Abhandlungen zum Thema Horror; sei es die kenntnisreiche und glühende Einführung „The Dreamer’s Tale“ zur Neuausgabe von H. P. Lovecrafts Dagon and Other Macabre Tales (1986), seine Gedanken zu den Mechanismen des Gruselns in seinem Essay Raising Goosebumps for Fun and Profit (1988) oder das Vorwort zu der Anthologie Dark Love (1995), die sich dem Thema „Obsessive Liebe“, dem vielleicht größten realen Horror überhaupt, widmet.
Kleins Werk wird – und diese Ehre kommt den wenigsten Autoren von jeglicher Genreliteratur zuteil – von der allgemeinen Presse durchaus ernstgenommen. So erwähnt Arthur Krystal in seiner Rezension zu The Ceremonies im New York Times Book Review die „scharfsinnigen Charakterisierungen“ und hält das Plot-Arrangement gleichzeitig für „kunstvoll und schwerfällig.“7 Bern Williams schreibt in demselben Blatt über Dark Gods:

„Die Virtuosität dieses makabren Gebräus ist nicht zu verleugnen.“8

Wenn die Horror-Fans Kleins Werke in ihren Katalog aufnehmen, tun sie das völlig rechtens, aber Klein hat auch das Recht, nach anderem zu streben als dem puren Grausen. Seine Liebe zu Arthur Machen, dem klassischen walisischen Schriftsteller, der, genau wie Klein, neben jenseitigen Erscheinungsformen immer auch das reale Leben im Auge hatte, macht am ehesten deutlich, worum es Klein geht:

Ich liebe den kleinen Schauer, wenn sich die Nackenhaare sträuben. Noch besser bin ich aber mit diesem gewissen Gefühl bedient, das du beim Durchschimmern von etwas Ungeheuerlichem und Fremdartigem hast […]. Lovecraft forderte dieses Gefühl in mir heraus; inzwischen finde ich es häufiger bei Machen. Bestimmte Bilder können meinen Blick tatsächlich etwas verschleiern. Es ist keine richtige Furcht; es ist eher eine Art Ehrfurcht. Das ist der Grund, weshalb ich ‚übernatürliche Fantasy‘ als eine Phrase für das, was ich mag, dem Begriff ‚Horror‘ vorziehe.9

Alles an Klein scheint irgendwie widersprüchlich und schizophren zu sein: Er hasst das Schreiben, kann aber nicht davon loslassen; er bezeichnet sich als „einen geborenen Pessimisten“10, wirkt in Interviews aber eher heiter selbstironisch und in seinen literarischen Werken durchweg neutral; er liebäugelt mit der Mainstream-Literatur, hat bisher aber nur Horror veröffentlicht; er hält die Schauereffekte in seinen Geschichten für nichts besonderes, hat aber – da sind sich die Kritiker einig – einige der beunruhigendsten (und durchaus wohldurchdachtesten) Werke auf diesem Gebiet geschrieben. Verwirrend finde ich auch das folgende Zitat:

Ich liebe Happy Ends. Ich sauge sentimentalen Stoff förmlich in mich hinein, Stories, die mich mit einem Kloß in der Kehle zurücklassen.11

Wie lässt sich gerade dieser Ausspruch mit Kleins eigenem literarischen Werk in Einklang bringen? Legt man dieses Zitat zugrunde, scheint Kleins Werk in zwei Gruppen zu zerfallen: Den großen Roman The Ceremonies, der auf einer ganz offenkundig romantischen Prämisse beruht (der von der Personifizierung des Bösen gelenkten Romanze zwischen Jeremy und Carol) und die Novellen, die alles zu sein scheinen, nur nicht sentimental und happy endend.
In diesem Zusammenhang fällt auch auf, dass Kleins Werk im Hinblick auf Schreibtechniken und Wirkungsweisen von Schauereffekten inzwischen recht intensiv studiert wurde; was jedoch bisher noch zu fehlen scheint, ist eine angemessene Würdigung der Personencharakterisierungen, die meines Erachtens gravierend dazu beitragen, dass Klein sich qualitativ so sehr von den meisten anderen Horror-Autoren abhebt. Das bringt einen weiteren Widerspruch mit sich:

[…] die Umgebung einer Horror-Geschichte interessiert mich um einiges mehr als die Charaktere. Beurteile ich die Geschichten, die ich am meisten bewundere, Geschichten von Autoren wie Lovecraft, Machen und M. R. James, sind die Charaktere ziemlich vernachlässigbar; woran man sich erinnert, ist der Sinn und das Empfinden für ihre Welt. Aber ich muss bekennen, dass ich für meine eigenen Geschichten sehr wenig Zeit mit Recherchen verbringe, teilweise, weil ich zu träge bin, mein Apartment zu verlassen und andererseits, weil ich glaube, dass man aus der Imagination heraus , nur mit einigen gutplatzierten faktischen Grundlagen überzeugende Örtlichkeiten errichten kann.12

Dieser Ausspruch ist ein Witz, lässt man Kleins Personencharakterisierungen auf sich wirken. Von Jeremy und Carol an, über den namenlosen Ich-Erzähler in „Black Man With a Horn“ und Hermann Lauterbach in „Children of the Kingdom“, bis hin zu Nebenfiguren wie Deborah und Sarr Poroth – allesamt sind sie sehr greifbare und lebendige Charaktere, von denen man sich gerne in die dunklen Winkel der gedanklichen Welten Kleins führen lässt.
Der Literaturwissenschaftler (und Lovecraft-Experte) S. T. Joshi weist in seiner klugen Studie „T. E. D. Klein: Urban Horror“ darauf hin, dass große Lücken zwischen Kleins wirklichem Leben, seinem privaten Wunschdenken und seinem literarischen Werk klaffen. Am deutlichsten lässt sich diese Aussage an der Romantik-Thematik fixieren. Als Romantiker ist Klein in den zahlreichen Studien über sein Schaffen gewiss nicht gewürdigt worden13, aber, die vielen Hinweise in den mit Klein geführten Interviews summiert, ergeben ein Bild, in dem die Romantik für Klein von erheblichem Belang sein muss. Warum könnte das so sein? Mit Ausnahme von The Ceremonies ist keines der Werke Kleins auch nur marginal romantisch.
Die bekannten Fakten sind, dass Klein immer noch Junggeselle ist und noch immer in seinem mit Büchern zugestopften Appartement lebt, in dem er schon zu Studentenzeiten wohnte. Frauen bezeichnet er als

„[…] etwas, das sich zwischen Himmel und Fußboden befindet: das ewige Rätsel im Bett neben Ihnen.“14

Das nachfolgende Zitat dürfte aber wohl dokumentieren, dass Klein weiß, was es heißt zu lieben und zu leiden:

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich eines Morgens, kurz nach Tagesanbruch, allein durch die Straßen irrte, nachdem ich die ganze Nacht aus Kummer über eine gescheiterte Beziehung wachgelegen hatte. Ich merkte, dass mich eine Frau, an der ich vorbeiging, etwas seltsam ansah. Erst in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mit mir selbst gesprochen hatte – aber es war mir egal. Es war mir nicht im geringsten peinlich; die Probleme, die mich in diesem Moment beschäftigten, erschienen mir wesentlich wichtiger als das, was eine fremde Frau von mir denken könnte.
Rückblickend ist mir klar, dass ich in diesem Moment verrückt war. Durchgedreht. Unzurechnungsfähig.
Könnte mir das wieder passieren? Natürlich.15

Warum schreibt ein sentimentaler Mann, der derart tiefe Gefühle empfinden kann, über bleiche Gestalten aus der Unterwelt und nicht etwa Liebesgeschichten á la Jonathan Carroll? Und, warum wird man das Wort „Liebe“ wahrscheinlich vergeblich in Kleins Werk suchen?
Man weiß es nicht!
Sicher ist für mich nur, dass die gedankliche und emotionale Tiefe, über die Klein verfügt, – auch wenn sie vielmehr im Verborgenen schlummert – ein maßgeblicher Schlüssel ist, wenn es gilt, der Faszination Kleins auf die Spur zu kommen.

2.

ERWACHSENWERDEN IN PROVIDENCE

Die großartigen Horror-Novellen

T(heodore) E(ibon) D(onald) Klein wird am 15. Juli 1947 in New York City geboren. Der amerikanische Zweig seiner jüdischen Familie geht bis ins Jahr 1868 zurück, als Gabriel Klein nach Amerika kommt und in Providence eine Rosenkranz-Manufaktur gründet, die zeitweise zu den größten privaten Rosenkranzfirmen auf der Welt gehört. Kleins Vater Richard Klein arbeitet noch dort mit, als ihn in den 1950er Jahren ein Geschäftszusammenbruch dazu zwingt, diverse Stellen im Uhren-und Schmuckverkauf anzunehmen, wo er es zum leitenden Angestellten bringt. Kleins Mutter ist die Kunstlehrerin Norma Klein (geb. Kashins).
Klein wächst mit seiner jüngeren Schwester Madeline (aus ihr ist eine Psychotherapeutin geworden) in Woodmere, einem Teil der jüdischen Suburbs an der Südküste von Long Island, auf. Seine Kindheit ist „[t]atsächlich […] eine sehr schöne – sehr behütet, sehr traditionell […].“16
Als seine Eltern ihm die Frage „Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?“ und ein Jahr später „Gibt es Gott wirklich?“ nicht zufriedenstellend beantworten können, ist das das „Ende meiner religiösen Erziehung“17. Passend dazu liest er in der Junior High School zum ersten Mal Lovecraft. Zwei Atheisten haben sich gefunden.
Die Begegnung mit Lovecrafts Erzählungen hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Wie in seinen eigenen Geschichten interessiert Klein an Lovecraft nicht nur das vordergründige kosmische Grauen, für das Lovecraft berühmt wurde:

Ich liebe HPLs Art, bestimmte Namen von Straßen und Häusern zu benutzen, genau die Sorte, die ich früher, während meiner College-Jahre in Providence jeden Tag entlanggegangen bin. Ich liebe die atmosphärischen Berührungen, den Sinn für die lokale Geschichte in seinen Erzählungen, die konstante Suggestion von Geheimnissen, die verborgen sind in Dachstuben, staubigen Buchläden, abgelegenen Waldhütten, mit Holz verschlagenen Kirchen und Tunneln unter den Straßen. Es gibt Horror in diesen Geschichten, aber genauso gut auch Schönheit.18

T. E . D. Klein ist immer ein Autor geblieben, dessen Literatur zu einem großen Teil aus der Literatur geboren ist. Seine Belesenheit (insbesondere in der unheimlichen Literatur) findet in seinem gesamten Werk Niederschlag.
Neben Lovecraft ist es in erster Linie Arthur Machen, der sein Schreiben geprägt hat. Kleins Liebe zu Machen geht in dieselbe Richtung wie die zu Lovecraft – erstaunlicherweise (bedenkt man Kleins eigene düsteren Geschichten voller Verfall und Niedergang) zählt für Klein auch hier eher die Anmut anstatt des reinen Grauens:

„Alles, was Machen tun musste, war, Phrasen zu schreiben wie ‚die dunklen Wälder‘ oder ‚der glänzende, leuchtende Teich‘, und ich fühlte schon eine Art Erregung.“19

Weitere Namen bewunderter Autoren sind: M. R. James, Walter de la Mare aber auch Virginia Woolf, S. J. Perelman und L. P. Hartley. Interessant ist auch die Liste der Bücher, die er rezensiert hat: The Old Gent von Willis Conover, Legion von William Peter Blatty, The Face That Must Die und Incarnate von Ramsey Campbell, The Suburbs of Hell von Randolph Stow und The Glamour von Christopher Priest. Desweiteren hat er ein Vorwort zu Nathaniel Hawthornes The Scarlett Letter und ein Nachwort zu Mark Twains A Connecticut Yankee in King Arthur‘s Court geschrieben. Von den zeitgenössischen Autoren schätzt er insbesondere Ramsey Campbell, zu dessen Roman Slow (1986) er eine Einleitung geschrieben hat.
Auch in Kleins Literaturgeschmack äußert sich also dieser Anflug von Melancholie und die Sehnsucht nach etwas Fernem:

Möglicherweise spüre ich einfach meine eigene Sterblichkeit; auf jeden Fall bin ich viel ungeduldiger, als ich sein sollte. Wenn ich inzwischen aus reiner Leidenschaft lese, halte ich meine Augen nach Weisheit offen, nach gutem Rat, Informationen, ein wenig Trost und einer erfrischenden, originalen Sicht der Dinge, um über den Tag zu kommen.20

Was mag es nur sein, vor dem Klein Trost sucht?
Klein besucht die Brown University in Providence, Rhode Island, teils wegen seiner Begeisterung für Lovecraft und teils, „weil mein Vater dort abgelehnt wurde“21. In dieser Zeit ist er Herausgeber des täglichen Campus-Nachrichtenblatts Brown Daily Herald und schreibt für das Humor-Magazin The Brown Jug. Er wohnt direkt neben dem in Lovecrafts „The Call of Cthulhu“ erwähnten Fleur de Lys-Haus. 1969 graduiert er magna cum laude und Phi Beta Kappa und ist schwer besorgt über die Aussicht, sich seinen Lebensunterhalt nun selbst verdienen zu müssen. Als erträgliche Alternative zu Vietnam (er wird nicht eingezogen) nimmt er 1969-70 einen Job als Englischlehrer an der Dexter Regional High School in Dexter, Maine, in Kauf. Ende 1970 kehrt er nach New York zurück, um an der School of the Arts der Colurnbia University weiterzustudieren. Er schließt 1972 mit einem Master‘s Degree in Film ab. („Mein einziger Versuch einer Produktion war ein 8 mm Schwarzweißfilm mit dem Titel Venom’s Spawn, der mit einer ballonköpfigen, mit meinen Klamotten bekleideten Puppe, endet, die von meiner Terrasse im zehnten Stock gestoßen wird.“22)

1971 fällt der Startschuss für T. E. D. Kleins literarische Karriere. Inspiriert von H. P. Lovecrafts „The Colour out of Space“ und Arthur Machens „The White People“ schreibt er die autobiographisch gefärbte Erzählung „The Events at Poroth Farm“, die mit ihrem stimmungsvollen, sich behutsam dem schaurigen Ende entgegensteigernden Spannungsaufbau immer noch zu den herausragenden Werken des Genres gehört.

Anfang der Siebziger Jahre verbrachte ich einen Sommer auf einer kleinen Farm in New Jersey, die zwei Freunden gehörte. Wie mein Protagonist las ich dort eine Menge Schauerroman-Klassiker, und ich schrieb den Großteil der Geschichte ebenfalls dort, mit der Absicht, sie August Derleth, dem Gründer von Arkham House, zu schicken.23

August Derleth ist zu dem Zeitpunkt schon von uns gegangen, und Klein schickt „The Events at Poroth Farm“ an den Herausgeber des Horror-Fanzines Nyclatops, der die Geschichte prompt für das Schwestermagazin From Beyond the Dark Gateway akzeptiert. Sie ist seitdem mehrmals in Anthologien nachgedruckt und jedes Mal vom Autor revidiert worden. Die voraussichtlich letzte und definitive Fassung ist laut Klein die eigenständige Heft-Ausgabe der Necronomicon Press von 1990.
Als „The Events at Poroth Farm“ Ende 1972 erscheint, ist das Staunen darüber groß, wie ausgereift dieses Erstlingswerk bereits ist. Verdientermaßen wird es später für den World Fantasy Award nominiert.
Drei Charaktere, der plumpe New Yorker Akademiker Jeremy und das Ehepaar Poroth vom Lande, besiedeln die Geschichte, und es handelt sich im Gegensatz zu Lovecrafts eindimensionalen Figuren um echte Charaktere. Dabei beginnt „The Events at Poroth Farm“ genauso kindisch wie die typischste aller Lovecraft-Erzählungen: Jeremy sitzt in einem Hotelzimmer in New Jersey fest und stellt in paranoiden Tonfall klar, dass er nun eine eidesstattliche Erklärung abgeben werde, deren Basis seine Tagebuchaufzeichnungen des von Juni bis August stattgefundenen Aufenthaltes auf der Farm der Poroths darstellen werden. Eindeutig – Jeremy fürchtet um sein Leben. Was ist geschehen? Die tödliche Ernsthaftigkeit dieses Intros weicht dem humorvollen Entertainment des Tagebuches Jeremys. Auf eine Anzeige hin beschließt der Lehrer Jeremy, der im Laufe der Geschichte seinen 30. Geburtstag feiert, den Sommer mit einem Koffer voll Horror-Büchern in der kleinen ländlichen Gemeinde Gilead, New Jersey, zu verbringen. Er mietet sich bei Deborah und Sarr Poroth ein und bezieht einen kleinen Anbau auf der Farm der beiden Einheimischen. Schon bald stellt Jeremy fest, dass Gilead eine von fundamentalistischem Glauben geprägte Gemeinschaft ist („Vermutlich haben die Poroths den Fernseher abgestellt und singen nun ihre Abendgebete“24, spottet Jeremy). Jeremy wird freundlich, wenn auch nicht überschwänglich begrüßt.
Die Tagebuchaufzeichnungen drehen sich in erster Linie um seine Alltagsbeschäftigungen. Er liest Klassiker der unheimlichen Literatur und macht sich Notizen für das kommende Unterrichtsjahr. Interessanterweise scheinen diese längst vergangenen Literaten des Unheimlichen in direkter Wechselwirkung zu dem zu stehen, was Jeremy auf der Poroth-Farm erlebt. S. T. Joshi geht intensiv auf diesen Punkt ein, muss sich am Ende jedoch eingestehen, dass sich nicht alle von Jeremys Büchern mit dem Handlungsverlauf in Verbindung bringen lassen, so dass diese These auf etwas wackeligen Beinen steht. Joshi verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „Metafiktion“, Literatur in der Literatur, etwas, das Klein fortan immer wieder mit großem Geschick praktizieren soll.
Jeremy, der scheinbar abgeklärte Großstädter, kann es sich erlauben, sich durch klassische Horrorgeschichten ein paar Gruselstunden zu gönnen. Dass er jedoch selbst einmal Akteur einer Horrorerzählung werden könnte, steht nicht in seinem Großstadtfahrplan. Obwohl erst 30, ist Jeremy ein Exzentriker und Pedant, der fast eine Stunde mit der quälenden Frage verbringt, ob er seine Bücher chronologisch oder alphabetisch ordnen soll. Der Gedanke an all die Bücher, die er noch nicht gelesen hat, stürzt ihn in eine Depression. Großstädter mit Leib und Seele, der er ist, überzieht er sein Zimmer mit einem Sprühangriff und bringt jedes Insekt um, das ihm vor die Sprühdose gerät. Mit größter Freude lästert er über die Poroths und ihre liebenswerte Zurückgebliebenheit: „[…] ich freue mich, dass sie wenigstens an die moderne Medizin glaubten – hätte schon befürchtet, sie würde mir […] Schlamm oder so etwas geben.“25
Eines Nachts (nachdem er Machens „The White People“ gelesen hat) hüpft Jeremy auf einem Baum herum und vollführt in Trance seltsame heidnische Gesten. Für eine Sekunde gerät sowohl das Zirpen der Grillen als auch das Ticken der Standuhr aus dem Takt – und die Nacht entbindet das Böse …
Mit bemerkenswertem Geschick umschifft Klein bereits die stilistischen Fallgruben, in die selbst routinierteste Autoren oft genug tapsen. Perfekt ist „The Events at Poroth Farm“ freilich nicht. Auch Klein gelingen einige Patzer. über den Nonsens mit der eideststattlichen Erklärung haben wir bereits gesprochen. Wie Kleins spätere Novelle „Black Man With a Horn“, ein ironisches Lovecraft-Tribut, jedoch beweist, hat Klein schnell dazugelernt, persifliert er dort doch den Anfang von „The Events at Poroth Farm“ (und zahlreiche von Anfängen Lovecrafts) auf hinreißende Art und Weise.
Im weiteren Verlauf von “The Events at Poroth Farm” wirkt Klein besonders dann peinlich, wenn er bedrohliche Sequenzen ansteuert, insbesondere die:

Aber natürlich konnte ich nicht wissen …
Wie angenehm alles begann …26

Oder diese:

Doch auch aus sicherer Entfernung war noch zu erkennen, dass das Loch von innen heraus entstanden
sein musste.27

Finessen wie die Auslassungspunkte oder die kursive Herausstellung sind natürlich Griffe in die billigste Trickkiste, ähnlich wie Lovecrafts Adjektiv-Krankheit. Fairerweise sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass sich damit Kleins Schwächen auch schon erschöpfen. „The Events at Poroth Farm“ ist, von geringen Makeln abgesehen, eine meisterhafte Erzählung.

1972 beginnt Klein seine Karriere als Script-Reader bei Paramount Pictures, die erstaunlicherweise bis 1975 andauert. Er hat dort den ganzen Tag nichts anderes zu tun, als die Tanker auf dem Hudson River zu beobachten und Manuskripte zu lesen und danach zu beurteilen, ob aus ihnen lukrative Filme zu machen sind. In seinem Essay „How I Flopped As a Paramount Script Reader“ (1975) beschreibt er, wie er praktisch bei jedem Manuskript mit seiner Einschätzung danebenliegt. Bücher, von denen er strikt abrät, werden später zu kassenfüllenden Filmen.
In der Folge veröffentlicht er drei, zum Teil sehr schwer zugängliche Kurzgeschichten . Die erste, eine Science-Fiction-Geschichte mit dem Titel „Renaissance Man“ (1974) ist ein ironisches Hoch auf die Technik und nichts weiter als eine clevere Pointengeschichte, die in keinem Verhältnis zur Subtilität von „The Events at Poroth Farm“ steht: Zur Klärung einiger dringlicher technischer Probleme lässt eine Gruppe von Wissenschaftlern mittels Zeitreise einen Menschen der Zukunft in ihre Gegenwart reisen. Der Jubel ist groß, als sich herausstellt, dass der Besucher aus der Zukunft zufällig sogar ein Wissenschaftler ist. Doch die Aktion endet in einem Fiasko, der Mann aus der Zukunft weiß zwar wie das Mittel gegen Krebs heißt, doch wie es zusammengesetzt ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Auch das Geheimnis der Superbombe werden die Militärs nie erfahren. Und so kommt es zu dem resignierenden Eingeständnis der Wissenschaftler:

Dr. Bazza drehte sich zu Salganik herum.
„Hören Sie“, sagte er flehend, mit verzweifelt klingender Stimme, „was wüssten Sie wohl, glauben Sie, wenn Sie ins Mittelalter zurückkehren würden? Könnten Sie den Leuten sagen, wie man ein Flugzeug baut? Oder einen Blinddarm entfernt? Oder Nylon herstellt? Was könnten Sie bieten?
Salganik zog die Schultern hoch.28

„S.F.“ (1975) sei laut Robert M. Price ebenfalls Science Fiction und die in einem obskuren Fanzine erschienene „Magic Carpet“ (1976) im Stil der TV-Serie Twilight Zone gehalten.

Die folgende Novelle „Petey“ (1979) erinnert frappierend an James Joyces „The Dead“ aus dem Geschichtenband Dubliners. In beiden Geschichten steht eine unendlich lang ausgebreitete Housewarming-Party im Mittelpunkt, die schließlich in ein Finale gipfelt, das in strikter Negation zur Party selbst steht. In „The Dead“ kippt die spießbürgerliche Kulisse für die letzten Seiten in ein aufwühlendes Liebesgeständnis und einen wunderschönen Taumel der Worte. In „Petey“ steht auf den letzten Seiten ein Monster vor der Tür.
Etwa dreißig Gäste sind der Einladung der Kurtz‘ gefolgt, deren neues Farmhaus auf dem Lande von Connecticut zu bewundern. Ein wahres Gruselkabinett spießiger New Yorker findet sich ein, tratscht, neidet, lästert, witzelt und schnorrt. Klein bringt uns das in dialoglastiger Technik dar und ist damit nicht annähernd so erfolgreich wie mit der Tagebuchtechnik in „The Events at Poroth Farm“. George Kurtz hat das Haus auf krumme Weise sehr preisgünstig erworben. Der ursprüngliche Besitzer sitzt in der Klapsmühle und macht seinen Pflegern klar, dass jemand oder etwas Hunger habe. Als man ihn für die Einweisung abholte, schrie er etwas von seinem Sohn, obwohl er gar keinen hat. Das hungrige Etwas, ein graues Monster, von dem irren Hausbesitzer erschaffen (diese Lösung geht auf eine raffinierte Wortkette – P.T. = Petey = Petit Diable – zurück) schleicht nun ums Haus und freut sich auf das große Mahl.
Wie bereits gesagt, funktioniert die Geschichte nicht besonders gut. Die vielen Handlungspersonen sind bis auf ihr hohles Geschwätz (das allerdings herzerfrischend das kleinliche Besitzstreben der Besserbegüterten herausfiltriert) in keiner Weise charakterisiert, und so verdienen sie auch unser Mitgefühl nicht.

„Black Man With a Horn“, Ende 1980 in einer Anthologie mit Geschichten zum Cthulhu-Mythos veröffentlicht, aber bereits 1978 geschrieben, fällt in den Kanon der Geschichten um Lovecrafts postumen Zirkel. Anders als die meisten anderen Horrorautoren seiner Generation, verfällt Klein jedoch nicht einem dumpfen, aus einer unkritischen Verehrung des Idols Lovecraft hervorgehenden Plagiatismus. Im Gegenteil, Klein macht sich eine diebische Freude daraus, Lovecrafts Einfluss zwar Tribut zu zollen, sich aber auch gleichzeitig liebenswert ironisch über die Lächerlichkeit dieses Kultes zu amüsieren. Obwohl er sich offenbar mit Freuden auf den Lovecraft-Kosmos stürzt, bewahrt er eine mild-sarkastische Distanz, ja, belächelt die billigen Mythen, die ihn selbst so faszinieren. Das imaginäre dunkle Zauberbuch, das Necronomicon, das Legionen von Horror-Fans in aller Welt als Grundlage für ihre nicht immer guten Geschichten, Heavy-Metal-Bands für zahllose zweifelhafte Scheiben diente, putzt er zu einem literarischen Scherz herunter:

Wenn es das Necronomicon tatsächlich gäbe, wäre es wahrscheinlich schon als Taschenbuch mit einem Vorwort von Lin Carter erschienen.29

Ganz schön selbstbewusst, wie Klein ein scheinbares Fakt als das Hirngespinst eines Autors von Horrorgeschichten verniedlicht, obwohl er selbst gerade dabei ist, dem Leser nichts anderes als eine weitere Horrorgeschichte aufzutischen. Auch in „The Events at Poroth Farm“ und The Ceremonies bedient er sich dieses Tricks, den Realitäts-Charakter mit gezinkten Karten noch zu stärken.
Gleich der einleitende Absatz von „Black Man With a Horn“ persifliert Lovecraft, beginnt doch ein namenloser Ich-Erzähler – freilich, nachdem er versichert hat, wohl nicht mehr allzu lange zu leben zu haben – die Ereignisse zu rekonstruieren, die zu seiner misslichen Lage geführt haben. Die Novelle beginnt so:

Der ersten Person Vergangenheit wohnt etwas ausgesprochen Tröstliches inne. […] Es ist eine Zeitform, die sagt: „Ich bin hier, um die Geschichte zu erzählen. Ich habe sie überlebt.“30

Der Erzähler ist ein 76-jähriger pensionierter Lehrer aus New York City, der vor vielen Jahren im Gefolge von Lovecraft anspruchsvolle Horror-Geschichten schrieb, die heute mit Phrasen wie „Dreizehn kosmische Thriller in der Tradition Lovecrafts“31 auf dem Cover hin und wieder nachgedruckt werden: „So, darauf war es also reduziert worden – die Arbeit eines ganzen Lebens, von einem Schreiberling auf der Bauchbinde als ‘des Meisters selbst würdig’ abgetan […].32
Doch der Erzähler steuert ohne Groll, mit einer heiteren Gelassenheit, durch sein Leben, dessen Ende er nahen spürt. Das Ende: für ihn ist es einfach eine Schlussfolgerung, ohne Panik, ohne spirituelle Einsichten, nichts weiter als der Schlusspunkt. Im Flugzeug, das ihn nach einem Schriftstellerkongress von England nach New York zurückbringt, sitzt er neben einem seltsamen Mann, der aussieht, „wie ein Schurke aus der Stummfilmzeit“33, einschließlich angeklebtem Bart. Die beiden kommen ins Gespräch, der Fremde erzählt, dass er gerade aus Malaysia zurückgekehrt sei, wo er als Missionar arbeitete. Aus irgendeinem Grund fühlt er sich verfolgt. Daheim in New York und Miami beginnt der Erzähler sich zunehmend für die Geschichte zu interessieren. Im Laufe seiner Recherchen stößt er auf den grausamen malaiischen Stamm der Tcho-Tcho, die ihren Opfern zuweilen „etwas einpflanzen“. In Museum und Bibliothek stößt er auf das Bildnis eines malaiischen Schwarzen, der in ein Horn stößt; wie sich herausstellt, ein rüsseliger Todesherold. Und es ist gewiss kein Zufall, dass in Miami ein „großer Neger mit einer Gasmaske oder einer Tauchausrüstung“34 des Nachts von draußen durchs Fenster hereinschaut.
„Black Man With a Horn“ ist ein Lehrstück literarischer Ökonomie. Ohne je hastig oder schroff zu wirken, ist dieser Kurzroman knapp, auf das Nötigste reduziert. Oft mit nur einem Satz gelingt es Klein, komplexeste Zusammenhänge greifbar zu machen, etwa das Zusammenleben (“Sie lebte jetzt fast zehn Jahre lang allein, und es war etwas schwierig geworden mit ihr.“35) oder den Verfall der Metropole New York („Selbst von den Stufen vor dem Museum konnte ich einen Bordstein sehen, auf dem sich der Abfall türmte, und einen Park, den man der Länge nach hätte durchschreiten können, ohne auch nur ein einziges Wort Englisch zu hören.“36). Auch in den Personencharakterisierungen schlägt sich das nieder. Ist schon der Erzähler außerordentlich nuanciert charakterisiert, führen selbst die unwichtigsten Nebenfiguren durch unaufdringliche, kleine Gesten ein Eigenleben. Und doch beherbergt „Black Man With a Horn“ auch einen sehr vielschichtigen, spannenden Plot, der mühelos für einen langen Roman gereicht hätte. Umso erstaunlicher ist es, dass Klein genug Platz findet, das wirkliche Zentrum dieser exotischen Geschichte zu fixieren, nämlich den namenlosen Erzähler, dem der Lovecraft-Kenner Robert M. Price in seiner schlauen Studie „T. E. D. Klein“ eine Ähnlichkeit mit Lovecrafts Freund Frank Belknap Long zugesteht.
Vielleicht gehe ich zu weit, aber mir erscheint „Black Man With a Horn“ als eine Parabel auf die Vergänglichkeit, auf das Ereignis, das man im hohen Alter offenbar etwas besser verstehen und wie im Fall des Erzählers sogar durchaus mit Gleichmut erwarten kann. Eine Parabel deshalb, weil die Geschichte, ihrer übernatürlichen Ingredienzen beraubt, eine durchaus elementare Essenz freigibt. Die Essenz ist ein alter Mann, ohne seine Freunde aus einem früheren Leben, der des Lebens überdrüssig geworden ist. Ohne Pathos und nicht etwa in einem panischen Akt wird er zunehmend von einer Müdigkeit überwältigt, der er sich nicht mehr entgegenstemmen will. Sein Tod, der in der Novelle nicht stattfindet, ist im Grunde genommen ein Selbstmord, denn er stolpert lediglich in eine Geschichte, die nicht die seine ist, die er jedoch jederzeit noch früh genug hätte verlassen können.

In enger Verwandtschaft zu „Black Man With a Horn“ steht die ebenfalls 1980 erschienene, nach einem Gemälde von Rousseau betitelte Novelle „Children of the Kingdom“, in der Klein seine düstere Sicht des urbanen New York auf die Spitze treibt, indem er den Komplettstromausfall von 1977 zur Basis seiner womöglich beunruhigendsten Geschichte überhaupt macht.
Bereits die ersten Seiten beweisen auf ein Neues, mit welcher Virtuosität Klein das Schreiben beherrscht. Der erste Abschnitt gibt uns auf nur zwei Seiten einen bodenlosen Einblick in die verrottenden Randbezirke New Yorks und bereitet uns so schon sehr frühzeitig auf das Folgende vor. Der zweite Abschnitt ist nach „Black Man With a Horn“ ein weiterer Geniestreich in Sachen Personencharakterisierung. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Form von jemandem namens Klein (der Klein in der Geschichte ist jedoch verheiratet), der selbst jedoch für den Handlungsverlauf eher unwichtig ist. Dessen Großvater Hermann Lauterbach ist, wenn auch nicht Haupthandlungsträger (so etwas gibt es in der gesamten Geschichte nicht), doch immerhin derjenige, der alle Beteiligten zusammenführt. Lauterbach ist ein anstrengender aber zutiefst sympathischer Alter, in dessen Beschreibung T. E. D. Kleins Kunst aufleuchtet. Ein einziger Nebensatz wie „[…] nachdem er zwei erschöpfte Ehefrauen überlebt hatte […]“37 sagt mehr über diesen Mann als ein weniger begabter Autor auf vielen Seiten hätte erreichen könnte.
Das Drumherum um Lauterbachs Einzug ins Altersheim etc. dient dem Stimmungsaufbau, denn das, worum es in Children of the Kingdom“ geht, passiert erst zehn Seiten vor Schluss. New York versinkt in absoluter Finsternis und schwemmt erst sämtliche Kriminellen der Stadt und dann mysteriöse, in der New Yorker Kanalisation hausende, weiße, menschenähnliche Wesen an die Oberfläche.
„Ich beobachtete das Geschehen von meiner Terrasse im zehnten Stock aus, hier in der 89th Street“38, erinnert Klein sich an den tatsächlich stattgefundenen Vorfall und spinnt Jahre später daraus eine der wohl schauerlichsten Geschichten aller Zeiten.
Für „Children of the Kingdom“ gilt im Prinzip das zu „Black Man With a Horn“ Gesagte. Auch „Children of the Kingdom“ glänzt durch hervorragende Personendarstellungen, einem hyperrealistischen Milieubild New Yorks mit all seinem Dreck und Rassismus und einem wirklich angsteinflößenden Plot, den Klein gewohnt virtuos im Zaume hält. Tatsächlich bleibt er immer einen letzten Schritt der finalen Konsequenz fern . Nirgendwo sonst in Kleins Werk wie hier, wird deutlich, wie Kleins Methodik des Grauens funktioniert.39 Seine weißen Wesen sind, verglichen mit dem, was sonst so an Monstern durch Horrorgeschichten geistert, verhältnismäßig harmlos. Die New Yorker Frauen werden von ihnen „belästigt“ und „terrorisiert“ (und tatsächlich auch geschwängert). Es sind nicht die Taten der jenseitigen Gestalten, die so erschreckend wirken, sondern ihre bloße Anwesenheit.

Im März 1980 schreibt Klein die Kurzgeschichte „Camera Shy“ für das Magazin Close-Up, einem von der Polaroid Corporation verbreiteten Glanz-Farbmagazin, dessen Konzept eine thematisch gebundene Kurzgeschichte pro Ausgabe erlaubt. Klein wird für seine Story prompt bezahlt, das Konzept jedoch kurzfristig zu Ungunsten der Kurzgeschichten umgeschmissen, so dass „Camera Shy“ nie in Close-Up erscheint und erst 1988 in dem Fanzine Crypt of Cthulhu gedruckt wird.
„Camera Shy“ ist, obwohl Klein selbst sie als nicht sehr gelungen einstuft, eine routinierte, recht gut arrangierte Kurzgeschichte, die freilich schon aufgrund ihres Umfangs nicht mit den Novellen vergleichbar ist. Die Story entspinnt sich in Mr. Melnicks Kopf, als dieser feststellt, dass die Fotos, die seine Tochter Jennifer von ihrer Hochzeitsreise nach Hause geschickt hat, ihren Bräutigam Laszlo verschweigen. Tatsächlich ist er auf keinem der Fotos zu sehen, selbst auf denen, auf denen er definitiv sein müsste. Mr. Melnick entdeckt weitere Hinweise, die Laszlo, den düsteren Europäer, hochgradig verdächtig erscheinen lassen. Seine Frau geht schlafen, Mr. Melnick selbst findet immer mehr Argumente, die ihn in dieser finsteren Nacht um seine Tochter bangen lassen. Er fasst den Plan, Jennifer und Laszlo, mit seiner Polaroid (aha!) bewaffnet, zu überraschen und …
Das Ende bleibt offen.

3.

GROSSE SCHLACHT

Der Roman The Ceremonies

In den Siebziger Jahren hält Klein sich weitgehend als Freelancer über Wasser. Er liest Drehbücher und Manuskripte für Filmstudios, arbeitet als Korrektor für verschiedene Taschenbuchverlage und tut alles, um selbst richtiger Schriftsteller zu werden. Zu den Flops dieser Zeit zählt Rosebud, ein Magazin mit Schauergeschichten für Frauen, welches noch vor der Veröffentlichung wieder eingestellt wird. Mit mehr Erfolg bringt er in der New York Times Artikel zu den unterschiedlichsten Themen unter: Tierfolter und -mord in Kinofilmen („They Kill Animals and They Call it Art“ und „Animals In Movies – The Abuse Gets Worse“, in denen er sich nicht scheut, sich mit Robert Redford anzulegen), Charles Manson („Charles Manson, B.M.O.C“) u.a. Daneben hilft er Kirby McCauley40 bei dessen Konzeption für das projektierte Horror-Magazin Twilight Zone und wird First Editor, als es 1980 zur offiziellen Magazingründung kommt. Er muss sich bei Twilight Zone durch Stapel von Manuskripten lesen und kann weitgehend frei entscheiden, welche Stories er nimmt. Insbesondere hier wirkt sich Kleins Schwäche für eher sensiblen Stoff aus:

„Ich habe eine Vorliebe für das, was ich ‚gewinnbringende‘ Geschichten nenne, Geschichten, die leiser und auch sentimentaler sind als der Großteil der Horror-Literatur […].41

Twilight Zone ist „der größte Spaß, den ich je hatte“42, doch auch der geht irgendwann vor die Hunde. „Irgendwie […] machte es am Ende keinen Spaß mehr. Die Geschäftspolitik fing an, mich runterzuziehen – […] Twilight Zone wurde von einigen ziemlich unangenehmen Leuten verlegt –, und […] nach viereinhalb Jahren ist der Job nur noch Routine.“43 Anfang 1985 kündigt er, um („theoretisch“44) fulltime zu schreiben.
Die Arbeiten an seinem ersten Roman The Ceremonies (1984) sollen sich als seine bis dahin größte Schlacht herausstellen. Länger als fünf Jahre arbeitet er an dem voluminösen Werk45 und ist mehrmals kurz davor, die Brocken hinzuschmeißen. Als eine Art Schlüsselerlebnis stellt sich die Lektüre einer Rezension zu einem Roman von Eric Van Lustbader heraus:

„Ich dachte, Jesus, wenn dieses Zeug veröffentlicht und von einigen Lesern dermaßen respektvoll behandelt wird, dann sollte ich einfach reinhauen und das verfickte Buch zu Ende schreiben.“46

Klein macht weiter und schafft es irgendwie, das Manuskript fertigzustellen: „Ich habe die letzte Seite buchstäblich revidiert, während mich der Aufzug nach oben ins Büro des Verlegers brachte.”47
Die Arbeit lohnt sich. The Ceremonies springt für eine Woche in die Bestsellerliste der New York Times, gewinnt den August Derleth Award und macht Klein unsterblich.
The Ceremonies ist ein imposantes Werk. Es steht wie eine mächtige, bedrohliche Eiche in einer kargen, trostlosen Landschaft. Begrenzen wir uns einmal auf die phantastische Literatur, so ist The Ceremonies das, was Ramsey Campbell „visionären Horror“ nennt. Damit ist eine Form der Literatur gemeint, die in klassischen Novellen wie „The White People“ von Arthur Machen und „The Willows“ von Algernon Blackwood ihre Blütezeit feierte. Geschichten also, die von ihren Stimmungsbildern leben, weshalb ich persönlich die alternative Bezeichnung „atmosphärischer Horror“ vorziehe. Die Tradition des atmosphärischen Horrors ist eine Tradition der eher kürzeren Erzählform, und T. E. D. Klein ist einer der wenigen Schriftsteller, denen es gelungen ist, sie über Romanlänge durchzuhalten. Es gibt nur wenige zeitgenössische Autoren, die sich an die schwierige Form des atmosphärischen Horrors – und erst recht in Romanlänge – herangetraut haben: Fritz Leiber mit Our Lady of Darkness beispielsweise, oder Ramsey Campbell mit Midnight Sun, M. John Harrison mit The Course of the Heart und Robert Holdstock mit Mythago Wood. The Ceremonies ist der Monolith unter ihnen, und wenn ihn irgendwann jemand übertreffen wird, dann wird es wahrscheinlich T. E. D. Klein selbst sein, so er sich noch einmal dazu aufraffen wird, einen Roman zu vollenden.
The Ceremonies könnte man als den (äußerst gelungenen) Vorstoß ansehen, ein “The White People“ der Achtziger Jahre zu erschaffen:

The Ceremonies ist in vielerlei Hinsicht ein Versuch, Arthur Machen auf den neuesten Stand zu bringen. Das Buch grenzt beinahe an Masturbation. Es handelt von denselben Dingen, die mir an Machen Vergnügen bereiteten. Es ist dem Typen ähnlich, der einen Haufen Pornos gelesen hat und sich nun hinsetzt, genau dasselbe schreibt und dabei feststellt, dass er dabei voll aus sich herausgeht.48

Wie Marco Frenschkowski in seinem Artikel „Machenalia“ (1993) herausstellt, steckt The Ceremonies voller Referenzen und Anspielungen, die sich auf Arthur Machen beziehen, und ist bis zum Bersten gefüllt mit Zitaten und Fingerabdrücken des großen Walisers (die in der deutschen Übersetzung größtenteils ausgemerzt wurden). The Ceremonies erfordert wahrscheinlich einen umfangreichen kommentierten Anhang (in diesem Falle den eines kundigen Machen-Forschers), um wirklich alle literarischen Anspielungen sichtbar zu machen – notwendig ist das aber nicht, denn The Ceremonies besteht auch ohne Entschlüsselung dieser Fingerzeige als schlichtweg spannender und erlesener Roman.
Wie bereits erwähnt, ist The Ceremonies die Expansion von „The Events at Poroth Farm“. Interessanterweise setzt dabei der Roman die Erzählung nicht zwangsläufig außer Kraft. Obwohl sie auf dem gleichen Handlungsgerüst beruhen (Jeremys Aufenthalt auf dem Land und seine Begegnung mit einer Entität), bleiben The Ceremonies und „The Events at Poroth Farm“ zwei völlig ungleiche Paar Schuhe. „The Events at Poroth Farm“ kommt als Erzählung ohne weiterführende Erklärungen über den Ursprung der bösen Macht aus, während Klein in The Ceremonies einen epischen Rahmen um den Mikrokosmos der Ereignisse auf der Poroth Farm legt. Beides hat seinen Reiz.
Die zweite große Differenz zwischen Erzählung und Roman ist der weiter oben bereits erörterte romantische Hang Kleins, welcher Jeremy in The Ceremonies jetzt in der Person der sympathischen rothaarigen Carol einen weiblichen Gegenpol zur Seite stellt. Die aus der Sicht beider Akteure geschilderte Romanze ist eine entscheidende Erklärung dafür, warum The Ceremonies so weit über der restlichen phantastischen Literatur thront. Ohne je in die Gefahr einer Überzuckerung zu geraten, schüttet der Romantiker Klein in den Charakterisierungen von Jeremy und insbesondere von Carol derart viel Wärme und Mitgefühl aus, dass diese Szenen auch ohne die übernatürliche Komponente den Roman tragen könnten (auch wenn es dann freilich ein ganz anderer Roman wäre). Dabei zuzusehen, wie diese beiden verkorksten New Yorker Intellektuellen aufeinander treffen, sich selbst im Weg stehen, um sich dann schließlich doch noch ihren Gefühlen auszuliefern, weckt eine Verbundenheit, die nur wenige moderne Autoren zu wecken verstehen. Möglich, dass es an den autobiographischen Bezügen liegt:

Ja, Jeremy ist mir sehr nah – unangenehm nah, seit ich weiß, dass viele Leser dazu tendieren, ihn als ein kleines Arschloch anzusehen. Auch ich verbrachte den Großteil eines Sommers in einem Nebengebäude auf einer Farm in New Jersey. […]. Ich reagierte wunderschön auf dieselbe Art und Weise auf die Insekten wie Jeremy – phobisch – und las viele derselben Bücher. Wir unterscheiden uns darin, dass Jeremy einen Mangel an eigentümlichen Freunden hat (sie hätten einen bereits überlangen Roman unnötig kompliziert), zusammen mit einem Gewichtsproblem, das ich, Gott sei Dank, niemals hatte … zumindest bisher noch nicht.49

Kleins Handlungsensemble besteht aus spürbaren Charakteren, die bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet sind. Selbst das in Rosie personifizierte Böse kommt uns seltsam nah. Wo andere Horror-Autoren immer noch einen drauflegen müssen, um das Monster schlechthin zu kreieren (um sich dann spätestens am Romanende mit all dem Gefauche und Tentakelgeringel zu blamieren) gibt Klein uns einen mickrigen Rentnertypen namens Mr. Rosebottom. Laut Jeremy „… hat [Rosie] wie ein übergroßes Hündchen herumgeschnüffelt; man wartete förmlich darauf, ihn mit dem Schwanz wedeln zu sehen.“50
Ein weiterer Bestandteil, der The Ceremonies exemplarisch macht, ist der geographische Aspekt. The Ceremonies ist auch ein Buch über die Kollision zweier Kulturen. Die Wahl des Doppelszenarios Stadt/Land bietet Klein viel Raum für einen ungewöhnlichen Romanhintergrund. Der von einer fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft besiedelte Landstrich um Gilead, mit all seiner Folklore und Naturtradition bleibt eine unauslöschliche Romankulisse, ähnlich unvergesslich vielleicht wie Ray Bradburys Green Town, John Crowleys Edgewood, Robert Holdstocks Ryhope Forest oder eben Arthur Machens Wales.
The Ceremonies sagt uns, dass jedes Individuum seinen Platz hat. Jeremy gelingt es nicht, sich auf dem Land wirklich wohlzufühlen. Irgendwann gerät er an den Punkt, da er sich, trotz der schönen Landschaft, vor Heimweh nach New York verzehrt. Klein:

Ich bin nicht gerade zu Hause in der Natur. Ich bin der Inbegriff des Großstadtmenschen. Ich mache mir selbst etwas vor, wenn ich denke, dass ich das Ländliche liebe. Manchmal, wenn ich in der Stadt bin, sehne ich mich nach diesem kleinen, absolut abgelegenen Haus in Vermont […]. Ich halte daran fest, mir einzureden, dass es dort absolut friedvoll und befreiend für mich ist. Aber die Wahrheit ist, ich finde es entnervend, dort für längere Zeit zu bleiben. […] Ich liebe es, nah an der Zivilisation zu sein. Ich liebe es, in der Nähe von Buchhandlungen zu wohnen und nachts in ein Restaurant gehen zu können.51

The Ceremonies ist ein Buch, dessen Schöpfer an wirklich alles gedacht zu haben scheint. Personencharakterisierungen, Plotarrangements, und Handlungsorte greifen wie in einem perfekt laufenden Getriebe ineinander und hindern ein formvollendet scheinendes Kunstwerk nicht daran, auch alle Maßgaben für einen unterhaltsamen und spannenden Roman zu erfüllen. Kurzum: The Ceremonies ist ein Meisterwerk.

4.

GROSSE LEERE

Das Leben nach dem Roman

Nach The Ceremonies erfasst Klein (zumindest nach außen hin) die große Leere. Sein Ausstoß wird in der folgenden Dekade denkbar karg, und der angekündigte große Nachfolgeroman Nighttown ist in der Literaturszene inzwischen eher ein Joke als eine Legende, seitdem kein Mensch mehr damit rechnet, dass das Ding jemals erscheinen wird.
1985, noch im Strudel des Erfolgs von The Ceremonies, veröffentlicht Kleins Verlag Dark Gods, eine Sammlung der bisherigen Novellen Kleins („Petey“, „Black Man With a Horn“ und „Children of the Kingdom“). Unter großem vertraglichen Zeitdruck schreibt Klein für diese Sammlung auch eine neue Novelle, „Nadelman‘s God“, mit der er endlich den lange verdienten World Fantasy Award gewinnt.
„Nadelman‘s God“ ist nach „Black Man With a Horn“ eine weitere Hommage an Lovecraft (in diesem Falle der Lyrik Lovecrafts) und mindestens genauso gelungen, da die Mischung aus unaussprechlichem Grauen, Ironie und Kleins persönlichen literarischen Vorlieben erneut das Genre belebt.
Nadelman, der Namensgeber der Novelle gerät in eine Zwickmühle, als ein apokalyptisches Horrorgedicht, welches er in jungen Jahren für eine Schülerzeitung schrieb, von einer Heavy-Metal-Band vertont (bzw. verlärmt) wird. Ein Fan nimmt Nadelmans „Anweisungen“ zur Beschwörung eines Gottes so ernst, dass Nadelman sich – nach anfänglichen Lachern – bald fragt, ob in dem dilettantischen, nach einem Reimbuch konstruierten Poem doch die Kraft zur Erschaffung eines neuen Gottes liegen könnte.
„Nadelman’s God“ ist noch einmal ein Triumph für Klein, aber danach wird es bedenklich still um ihn. Er beteiligt sich noch mit 25 Einträgen an der von Jack Sullivan herausgegebenen The Penguin Encyclopedia of Horror and the Supernatural (1986) und veröffentlicht 1987 die Kurzgeschichte „Hagendorn‘s House“ (späterer Titel: „Well-Connected“). Diese funktioniert auf eine ähnliche Weise wie schon „Camera Shy“: Das Schaurige entwickelt sich aus Gerüchten, Vermutungen und Hineinsteigerungen bis hin zu einer Personifizierung (diesmal in Form des zwielichtigen Hagendorn, der sich von seinem Faktotum Laszlo seine Opfer ins Haus locken lässt). Eine Auflösung gibt es aber trotz dramatischem Finale auf einem Felsvorsprung wieder nicht.
Von 1989 an gibt Klein für einige Zeit Crime Beat heraus, ein True-Crime-Magazin, das er selbst ins Leben gerufen hat. Daneben lehrt er „English Composition“ am John Jay College of Criminal Justice, einem Institut der New Yorker City University, an dem sich angehende, aber auch schon ältere Cops der höheren Dienstgrade fortbilden.
Nur vier neue Kurzgeschichten – “Ladder“ (1990), „One Size Eats All“ (1993), „Curtains for Nat Crumley“ (1996) und „Growing Things“ (1999) – bringen die mageren Neunziger Jahre, und über Nighttown wird immer noch getuschelt. Darf man den Gerüchten Glauben schenken, soll es ein urbaner, in New York spielender Roman voller Paranoia werden, in dem ein geschiedener Mann seinen Sohn entführt und mit einer übernatürlichen Gemeinschaft in Berührung kommt. Klein selbst verrät:

„Ich hoffe, es wird zielgerichteter sein als The Ceremonies, möglicherweise mit etwas mehr Action und Tempo. Ich denke, danach möchte ich dann in Pension gehen und auf dem Lande gelbe Narzissen züchten.“52

 

BIBLIOGRAPHIE


Das erzählerische Werk
(Erstausgaben)

„The Events at Poroth Farm“. Erschienen in: From Beyond the Dark Gateway, Vol. 1, No. 2 (December 1972).
Deutsche Ausgabe: „Das Grauen auf der Poroth-Farm“, übersetzt von Thomas Schlück. Erschienen in: Richard Davis (Hrsg.), Der Totenvogel (Rastatt: Pabel 1975).
„Renaissance Man“. Erschienen in: Richard Davis (Hrsg.), Space 2 (London: Abelard-Schumann, 1974).
Deutsche Ausgabe: „Hätten Sie sich lieber einen guten Wissenschaftsautor gesucht“, übersetzt von Tony Westermayr. Erschienen in: Isaac Asimov, Martin Harry Greenberg, Joseph D. Olander (Hrsg.), Feuerwerk der SF (München: Goldmann, 1980).
„S.F.“. Erschienen in: Richard Davis (Hrsg.), The Year‘s Best Horror Stories, Series III (New York: DAW, 1975).
Keine deutsche Ausgabe.
„Magic Carpet“. Erschienen in: Myrddin Three (1976).
Keine deutsche Ausgabe.
„Petey“. Erschienen in: Charles L. Grant (Hrsg.), Shadows 2 (New York : Doubleday, 1979).
Deutsche Ausgabe [1]: „Petey“, übersetzt von Rolf Jurkeit. Erschienen in: Charles L. Grant (Hrsg.), Das große Gruselkabinett (München: Heyne, 1984).
Deutsche Ausgabe [2]: „Petey“, übersetzt von Dagmar Hartmann. Erschienen in: T. E. D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987).
„Children of the Kingdom“. Erschienen in: Kirby McCauley (Hrsg.), Dark Forces (New York: Viking, 1980).
Deutsche Ausgabe [1]: „Kinder der Finsternis“, übersetzt von Elisabeth Simon. Erschienen in: Kirby McCauley (Hrsg.), Stille Nacht, grausame Nacht (Rastatt: Moewig 1985).
Deutsche Ausgabe [2]: „Kinder des Königreichs“, übersetzt von Dagmar Hartmann. Erschienen in: T. E . D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987).
„Black Man With a Horn“. Erschienen in: Ramsey Campbell (Hrsg.), New Tales of the Cthulhu Mythos (Sauk City: Arkham House , 1980).
Deutsche Ausgabe: „Der schwarze Mann mit dem Horn“, übersetzt von Dagmar Hartmann. Erschienen in: T. E . D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987).
The Ceremonies (New York: Viking, 1984).
Deutsche Ausgabe [gekürzt]: MorgenGrauen, übersetzt von Dagmar Hartmann (München: Goldmann, 1986).
„Nadelman’s God“. Erschienen in: T. E. D. Klein, Dark Gods (New York: Viking, 1985).
Deutsche Ausgabe: „Nadelmanns Gott“, übersetzt von Dagmar Hartmann. Erschienen in: T. E. D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987).
„Hagendorn’s House“ [späterer Titel: „Well-Connected“]. Erschienen in: Country Inns, Spring 1987.
Deutsche Ausgabe: „Gute Verbindung“, übersetzt von Ralph Tegtmeier. Erschienen in: Joachim Körber (Hrsg.), Horror vom Feinsten 2 (München: Heyne, 1993).
„The Ceremonies – First Printing of a Deleted Chapter“. Erschienen in: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
Keine deutsche Ausgabe.
„Camera Shy“. Erschienen in: Crypt of Cthulhu, No. 56 (Roodmas, 1988).
Keine deutsche Ausgabe.
„Ladder“. Erschienen in: Thomas F. Monteleone (Hrsg.), Borderlands (New York: Avon, 1990).
Keine deutsche Ausgabe.
„One Size Eats All“. Erschienen in: Outside Kids, Summer 1993.
Keine deutsche Ausgabe.
„Curtains for Nat Crumley“. Erschienen in: Gahan Wilson (Hrsg.), Gahan Wilson‘s The Ultimate Haunted House (New York: HarperPrism, 1996).
Keine deutsche Ausgabe.
„Growing Things“. Erschienen in: Al Sarrantonio (Hrsg.), 999. New Stories of Horror and Suspense (New York: Avon Books, 1999).
Deutsche Ausgabe: „Es sprießt und wächst“, übersetzt von Hans Schuld. Erschienen in: Al Sarrantonio (Hrsg.), 999 (München: Piazza, 1999).

Verwendete Literatur

Neben den in den Anmerkungen aufgeführten Quellen wurde die folgende Literatur verwendet. Für die freundliche Bereitstellung von unumgänglichem aber schwer zugänglichem Material über T. E . D. Klein bin ich Volkher Hofmann, Olaf Schürmann, Dr. Marco Frenschkowski und Frank Festa meinen Dank schuldig.

T. E. D. Klein, „Charles Manson, B.M.O.C.“. In: The New York Times, March 28, 1972.
T. E . D. Klein, „They Kill Animals And They Call It Art“. In: The New York Times, January 13, 1974.
T. E. D. Klein, „Animals in Movies – The Abuse Gets Worse“. In: The New York Times, June 8, 1975.
T. E. D. Klein, „How I Flopped As a Paramount Script Reader“. In: The New York Times, October 26, 1975.
Robert M. Price, “T. E. D. Klein”. In: Darrell Schweitzer (Hrsg.), Discovering Modern Horror Fiction (Mercer Island, Washington: Starmont House, 1985).
T. E. D. Klein, „A Dreamer’s Tales“. In: H. P. Lovecraft, Dagon and Other Macabre Tales (Sauk City: Arham House, 1986).
T. E. D. Klein, „T. E. D. Klein: Biographical Notes“. In: Dagon, No. 18/19, Ju1y/October 1987.
Ramsey Campbell, „A Developing Series of Generic Forms“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
S. T. Joshi, „‘The Events at Poroth Farm‘ and the Literature of Horror“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
Steven J. Mariconda, „T. E. D. Klein‘s Images of Terror“. In: Dagon, No . 18/19, July/October 1987.
Mark Valentine, „Et Diabolus Incarnatus Est – The Ceremonies and Themes from Arthur Machen“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
Peter F. Jeffrey, „Klein to the Rescue (The Horror Expert Sort PHL from HPL)“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
Peter Cannon, „Klein‘s God“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
T. E. D. Klein, „T. E. D. Klein – A Bibliography“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
T. E . D. Klein, Raising Goosebumps for Fun and Profit (New York: Footsteps Press, 1988).
S. T. Joshi, „T. E. D. Klein: Urban Horror“. In: Studies in Weird Fiction, No. 10, Fall 1991.
Marco Frenschkowski, „Machenalia“. In: Quarber Merkur, 1993.

 

Anmerkungen

1 Douglas E. Winter, „T, E. D. Klein“. In: Douglas E. Winter, Faces of Fear (New York: Berkeley, 1990). Dieses und sämtliche nicht in deutscher Sprache vorliegenden Zitate wurden von mir übersetzt.
2 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
3 Obwohl er in Contemporary Authors, Volume 119 angibt, Demokrat zu sein.
4 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
5 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
6 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
7 New York Times Book Review, July 29, 1984.
8 New York Times Book Review, August 4, 1985.
9 Douglas E. Winter, “T. E. D. Klein“, a.a.O.
10 Doug1as E. Winter, “T. E. D. Klein“, a.a.O.
11 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
12 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
13 Mit Ausnahme von S. T. Joshi geht keiner der über T. E. D. Klein schreibenden Autoren auf das Thema „Romantik“ ein.
14 T. E. D. Klein, „Einführung“. In: Nancy A. Collins, Edward E. Kramer & Martin H. Greenberg (Hrsg.), Schwingen der Finsternis (München: Heyne, 1997), S. 15.
15 T. E. D. Klein, „Einführung“, a.a.O., S. 13.
16 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
17 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
18 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
19 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
20 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
21 T. E. D. Klein, „Biographical Notes“. In: Dagon, No. 18/19, July/October 1987.
22 T. E. D. Klein, „Biographical Notes“, a.a.O.
23 Anonym, „T. E. D. Klein“. In: Twilight Zone, October 1986.
24 T. E. D. Klein, „Das Grauen auf der Poroth-Farm”. In: Richard Davis (Hrsg.), Der Totenvogel (Rastatt: Pabel 1975), S. 106.
25 T. E. D. Klein, „Das Grauen auf der Poroth-Farm“, a.a.O., S. 102.
26 T. E. D. Klein, „Das Grauen auf der Poroth-Farm“, a.a.O., S. 99.
27 T. E. D. Klein, „Das Grauen auf der Poroth-Farm“, a.a.O., S. 112.
28 T. E. D. Klein, „Hätten Sie sich lieber einen guten Wissenschaftsautor gesucht“. In: Isaac Asimov, Martin Harry Greenberg, Joseph D. Olander (Hrsg.), Feuerwerk der SF (München: Goldmann, 1984), S. 80.
29 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“. In: T. E. D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987), S. 183.
30 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 149.
31 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 154.
32 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 154.
33 T. E . D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 15l.
34 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 195.
35 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 190.
36 T. E. D. Klein, „Der Schwarze Mann mit dem Horn“, a.a.O., S. 167.
37 T. E. D. Klein, „Kinder des Königreichs“. In: T. E. D. Klein, Verschwörung der Götter (München: Goldmann, 1987), S. 183.
38 T. E. D. Klein, „T. E. D. Klein responds“. In: Studies in Weird Fiction, No . 10, Fall 1991.
39 vgl. Robert M. Prices Untersuchung von Kleins Methoden in seinem Artikel „T. E . D. Klein“.
40 Kirby McCauley: Hochkarätiger literarischer Agent (seine Klienten sind u.a. Stephen King und T. E. D. Klein selbst) und Herausgeber der legendären ersten Horror-Giganto-Anthologie Dark Forces (1980), in der Klein mit „Children of the Kingdom“ vertreten ist.
41 Anonym, „T. E. D. Klein“. In: Twilight Zone, October 1986.
42 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
43 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
44 T. E. D. Klein, „Biographical Notes“, a.a.O.
45 Der deutsche Leser muss aufgrund der massiv gekürzten deutschen Übersetzung unter dem Titel MorgenGrauen leider auf vieles verzichten. Kaum eine andere verstümmelte deutsche Übersetzung schreit derart nach einer Neuübersetzung wie die von The Ceremonies. Die Übersetzung wurde seinerzeit von Dagmar Hartmann besorgt, der Inhaberin von „Dagmar Hartmann Übersetzungen und Kosmetik“ in München. Eine entsprechende Anfrage von mir über die Begleitumstände der Übersetzung blieb unbeantwortet.
46 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
47 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
48 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
49 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.
50 T. E. D. Klein, MorgenGrauen (München: Goldmann, 1986), S. 230.
51 Douglas E. Winter, „T. E. D. Klein“, a.a.O.
52 Carl T. Ford, „T. E. D. Klein: Master of Ceremonies“, a.a.O.

 

Addendum, August 2014

Dieser Artikel erschien zuvor lediglich in einer winzigkleinen limitierten Auflage in 4 Teilen in dem Print-Newsletter Das Dunkle Archiv, herausgegeben von Uwe Voehl, in den Ausgaben:
#8, Januar/Februar 2000
#9, März/April 2000
#11, Juni/Juli 2000
#12, August 2000
Für die vorliegende Publikation wurde er durchgesehen und überarbeitet.
Die hier erstmals online gestellte definitive Version erschien ursprünglich in: Michael Schmidt (Hrsg.), Zwielicht 5 (Bickenbach: Saphir im Stahl Verlag Erik Schreiber, 2014), lektoriert von Achim Hildebrand.

Um T. E. D. Klein ist es seit Originalveröffentlichung des Artikels denkbar still geblieben. Seine bis 1999 erschienen neueren Erzählungen erschienen gesammelt in dem Band Reassuring Tales (Burton, Michigan: Subterranean Press, 2006), dem Klein ein Vorwort spendierte.
Der einzige neue erzählende Text ist die Erzählung „Imagining Things“ (2007).
Der Roman Nighttown ist niemals erschienen und wird wohl der größte Witz der modernen Literaturgeschichte bleiben.
Eine ungekürzte deutsche Übersetzung von The Ceremonies ist bis heute nicht erschienen.
Aktuell (Stand 2013) arbeitet T. E. D. Klein für das Magazin GQ.

Frank Duwald

1965 in Hagen-Haspe geboren. Verehrer abseitiger, zu Unrecht vergessener Literatur. Mitarbeit u.a. bei Printmagazinen wie “Nachtschatten” und “Das Heyne Science Fiction Jahr”. Seit 2013 Betreiber der Seite “dandelion | abseitige Literatur”

1 Kommentar zu T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik

  1. Ein interessant widersprüchliches Porträt. (Ich habe jetzt erst Teil 1 gelesen.) Ob Klein womöglich bewusst irreführt? Auf jeden Fall sollte ich einmal etwas von ihm lesen.

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