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Sweeney Todd: Eine wahre Geschichte?

Basiert Sweeney Todd auf einer wahren Geschichte oder ist er nur eine Figur, die sich ein Schriftsteller ausgedacht hat?

Ich bin sicher, Sie haben schon einmal von ihm gehört: Sweeney Todd, der teuflischen Barbier der Fleet Street. Sein Friseurstuhl war auf geniale Weise präpariert, denn nachdem Todd einem Kunden die Kehle durchgeschnitten hatte, bediente er einen Bolzen, der die Leiche rückwärts durch eine Falltür schickte, die in den Keller führte. Dort wurden die Opfer zu Fleischpastete verarbeitet, die in der angrenzenden Konditorei verkauft werden sollte. Geleitet wurde das Geschäft von einer Mrs. Lovett, deren Vorname je nachdem, wer die Geschichte erzählt, variiert.

Seinen ersten Auftritt hatte Sweeney Todd in “The String of Pearls: A Domestic Romance” von 1846. Autor und Herausgeber: Edward Lloyd. Etwa zur gleichen Zeit war bereits ein Bühnenstück produziert worden, und das mit großem Erfolg. Die Bühnenversion wurde von George Dibdin Pitt geschrieben und wurde im “Britannia Saloon” in Hoxton aufgeführt.

Seit der Konzeption von Sweeney Todd gibt es jedoch Stimmen, die behaupten, dass der Mann auf die eine oder andere Weise tatsächlich gelebt hatte. Einige sagen, dass die Figur auf einem historischen Psychokiller basiert, und wieder andere behaupten, dass er tatsächlich unter genau diesem Namen existiert hatte. All diese Menschen betrachten Sweeney Todd als die Geschichte wahrer Begebenheiten, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Heute werden wir also versuchen, alle Beweise, die es da draußen gibt, zu präsentieren und so viel wie möglich über die Wahrheit herauszufinden.

Einige Möglichkeiten für Sweeney Todds Herkunft

Zu Beginn wollen wir Folgendes klar stellen: es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass jemals ein Mensch namens Sweeney Todd lebte, der Verbrechen in der in den Geschichten beschriebenen Weise begangen hat. Die urbane Legende von Todd wurde schon in der viktorianischen Ära erzählt und ausgeschmückt. So wie man die Geschichte kennt, ist sie jedoch falsch. Zumindest so lange, bis Historiker einen Anhaltspunkt dafür finden.

Was sehr unwahrscheinlich ist.

Es besteht jedoch immer noch die Möglichkeit, dass Sweeney Todd nach dem Vorbild eines echten Mörders, Verbrechers oder einer Legende geschaffen wurde, und genau das werden wir in diesem Artikel untersuchen.

Aber bevor wir zu den interessanteren Dingen kommen, lassen Sie uns kurz ein paar der einfachsten Optionen besprechen:

Die erste ist sehr prosaisch und wird von Michael Anglo in seinem Buch über “Penny Dreadfuls” (heute etwas schwer zu finden) erwähnt. Er erklärt, dass ein Forscher nach einer gründlichen Suche in den Londoner Verzeichnissen von 1768 bis 1850 entdeckt hat (es ist bezeichnend, dass der Name des Forschers nicht genannt wird), dass ein gewisser Samuel Todd, dessen Geschäft das Perlenfädeln war, in den 1830er Jahren direkt an der Fleet Street lebte. Anglo kommt zu dem Schluss, dass der Autor, während er über die Handlung einer neuen Penny Dreadful-Geschichte nachdachte, von diesem Namen inspiriert wurde und ihn einfach benutzte.

Die zweite Möglichkeit ist noch alltäglicher. Sie bezieht sich auf ein Fragment von Charles Dickens’ “Leben und Abenteuer des Martin Chuzzlewit”, das zwischen 1842 und 1844, kurz vor “The String of Pearls”, veröffentlicht wurde. Es lautet so:

“Toms böses Genie führte ihn nicht in die Buden eines jener Hersteller von Kannibalengebäck, das in vielen gängigen ländlichen Legenden als gutgehendes Einzelhandelsgeschäft in der Großstadt dargestellt werden.”

Das soll nicht heißen, dass der Autor von “The String of Pearls” genau dieses Fragment gelesen und als Grundlage für seine Geschichte verwendet hat (obwohl es eine interessante Hypothese ist, da eine große Anzahl von Dickens’ Werken sofort nach ihrer Veröffentlichung von Autoren der “Penny Dreadfuls” plagiert wurden); vielmehr war es eine damals in London sehr bekannte urbane Legende.

Basiert die Geschichte Sweeney Todds auf der wahren Geschichte eines echten Mörders?

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Geschichte Sweeney Todds auf einen echten Mörder zurückzuführen ist oder zumindest auf einen bestimmten Fall, der in den Zeitungen erwähnt wurde. Besagter Vorfall, der im Jahresregister gefunden wurde, weist einige Ähnlichkeiten mit der Geschichte auf:

“Ein bemerkenswerter Mord wurde auf folgende Weise von einem Barbiergesellen, der in der Nähe der Hyde Park Corner lebt, begangen, der lange Zeit eifersüchtig auf seine Frau gewesen war, dem es aber nicht gelang, ihr eine Verfehlung nachzuweisen. Zufällig kam ein junger Herr in den Salon seines Meisters, um sich rasieren und kleiden zu lassen; und als er redselig wurde, erwähnte er, einem feinen Mädchen in der Hamilton Street wiederbegegnet zu sein, von der er in der Nacht zuvor gewisse Gefälligkeiten bekommen hatte, und beschrieb gleichzeitig ihre Person; der Friseur, der sie als seine Frau erkannte, schnitt dem Herrn, völlig wahnsinnig geworden, die Kehle von Ohr zu Ohr durch und entwich.” (Das Jahresregister, 1784-5, S. 208; Dezember 1784).

Einige verbinden die Geschichte von Sweeney Todd auch mit dem schrecklichen Fall des Sawney Bean, einem berüchtigten schottischen Kannibalen aus dem 16. Jahrhundert. Meiner Meinung nach gibt es nichts, was Bean überzeugend mit unserem Barbier verbindet, außer vielleicht einer leichten Ähnlichkeit in ihren Vornamen. Wenn Bean also der Mörder war, auf dem unsere Geschichte basiert, könnten wir Sweeney Todd überhaupt nicht als wahre Geschichte betrachten.

War Sweeney Todd Franzose?

Dies ist eine der Hypothesen die aus mehreren Quellen gespeist werden. Es wurde vermutet, dass der Schriftsteller, der die Figur geschaffen hat, die Idee dazu bekam, als er mehrere ältere Ausgaben des “Tell Tale” von 1824 durchging, wo er eine Geschichte über mehrere Verbrechen fand, die in der Rue de la Harpe in Paris begangen wurden. Diese Geschichte basiert auf einem früheren Bericht, der im Archiv der Pariser Polizei abgelegt wurde.

Ich recherchierte selbst, und ich fand tatsächlich ein Buch mit dem Namen “The terrific register, or record of crimes, judgments, providences and calamities (volume 2), von dem ich vermute, dass es die gleiche Geschichte enthält wie das “Tall Tale”, Wort für Wort. Sie wurde 1925 veröffentlicht und enthält eine vollständige Darstellung der Verbrechen in der Rue de la Harpe, die ich im Folgenden zusammenfasse:

Zwei opulente Männer, begleitet von einem Hund, gingen in die Rue de la Harpe und betraten den Laden eines Friseurs, um sich rasieren zu lassen. Sie waren in Eile, also trennten sie sich, nachdem der erste Mann fertig war, der daraufhin einige Geschäfte in der Nachbarschaft erledigte und danach zurückkommen wollte, bevor der Friseur mit seinem Freund fertig war. Als er jedoch zurückkam, informierte ihn der Friseur, dass sein Freund bereits gegangen war.

Dennoch blieb der Hund vor der Tür sitzen, also dachte der Mann, dass sein Freund nur für einen Moment weggegangen war und bald zurückkehren würde. Das tat er nicht. Dann fing der Hund an zu jaulen, und der Friseur bat den Mann, ihn zu entfernen. Er versuchte es, der Hund aber blieb hartnäckig.

Mittlerweile hatte sich eine kleine Menge vor dem Laden versammelt, und die Leute schlugen vor, hineinzugehen und nach dem verschwundenen Mann zu suchen. Als sie schließlich hineinstürmten, fanden sie niemanden. Der Friseur behauptete, er sei unschuldig, und in diesem Moment sprang ihm der Hund an die Kehle. Der Friseur wurde ohnmächtig und er wäre gestorben, wenn man den Hund nicht angeleint hätte.

Jemand schlug vor, das Tier frei zu lassen, um zu sehen, ob es seinen Besitzer finden konnte. Dar Hund stürmte in den Keller. Bei näherer Untersuchung wurde eine Öffnung im nächsten Haus entdeckt, wo eine Konditorei lag. Und dort fanden sie die Leiche des vermissten Mannes.

Während des Prozesses, bei dem auch die Besitzerin der Konditorei angeklagt wurde, gab der Barbier zu, dass er seine reichsten Kunden ermordete, um sie auszurauben. Die schreckliche Wahrheit wurde enthüllt:

“Die Konditorin, deren Laden so berühmt für herzhafte Pasteten war, dass die Leute aus den entferntesten Teilen von Paris in die Rue de la Harpe strömten, war die Komplizin dieses Halsabschneiders, und diejenigen, die vom Rasiermesser des einen ermordet wurden, wurden durch das Messer der anderen zu diesen Pasteten verarbeitet, mit denen sie unabhängig von ihrer Beteiligung an diesen häufigen Raubmorden ein Vermögen verdient hatte.”

Diese Geschichte wurde fast zwanzig Jahre vor der angeblichen ersten Version von “The String of Pearls” auf Englisch veröffentlicht. Daher müssen wir angesichts der auffallenden Ähnlichkeiten zu dem Schluss kommen, dass die Geschichte des teuflischen Barbiers aus der Fleet Street auf diesem oder einem anderen ähnlichen Bericht basiert. Wenn die Fakten aus diesem Buch korrekt sind, hätten wir eine starke Basis, um Sweeney Todd als eine wahre Geschichte zu betrachten.

Aber sind die Ereignisse in der Rue de la Harpe wirklich passiert? Ist Sweeny Todd eine wahre Geschichte, die zumindest teilweise auf diesen Verbrechen beruht? Es ist unwahrscheinlich, und ich habe noch keinen endgültigen Beweis dafür gefunden. Manche haben die Wahrhaftigkeit der Geschichte verteidigt, weil sie in den Archives de la Police von Fouché erschien, aber das Problem ist, dass kein anderes Dokument oder Register existiert, was angesichts der Art des Falles verdächtig erscheint.

Einige Quellen behaupten sogar, dass die Darstellung der Rue de la Harpe einer alten französischen Volkserzählung sehr ähnlich ist, die als die Geschichte des Barbiers und des blutigen Pastetenhändlers aus dem Mittelalter bekannt ist. Theoretisch ist die Geschichte in einer alten Ballade nachweisbar, die folgendermaßen lautet:

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts, das wissen wir,
Da lebte ein teuflischer Barbier,
Der in der Rue des Rue des Marmouzets schlitzte

Er führte dieses schreckliche Handwerk fort,
Und niemand hielt ihn auf bei seinem Mord
In seinem Keller machte er sie dann
Bereit für die Arbeit nebenan.

Chor

Mit einem “Kuchen” – mit einem “Wein” – mit einem “Gesang”,
Mit einem Kuchen – Wein – Gesang! Ha! Ha!

Diese schreckliche Geschichte erzählt uns auch,
Von seiner Komplizin, einer schrecklichen Frau,
Heftiger als der härteste Landvogt.
Und all die armen Teufel, die er getötet hat,
Verwandelte sie in Fleischpasteten.
Und er sagte von seinen Kunden, als sie tot darniederlagen:
Fort sind diese “Schweinekreaturen”.

Obwohl viele Artikel im Internet sich auf diese Übersetzung beziehen (die hier wiederum ins Deutsche übertragen wurde), konnte ich die ursprüngliche französische Ballade nirgendwo finden und niemand bietet eine seriöse Quelle dafür. Mir erscheint es auch seltsam, dass der Spitzname “teuflischer Barbier” bereits in einer so früheren Version verwendet wird, und der Stil der Ballade ist etwas ungewöhnlich (obwohl es denkbar ist, dass es an einer schlechten oder sehr fantasievollen Übersetzung liegt).

In einem der Kapitel von Paul Févals “La vampire” wird die Rue des Marmousets vom Schriftsteller kurz erwähnt:

“Paris hat schon immer Märchen geliebt, die ihr das köstliche Gefühl von Gänsehaut geben können. Als Paris noch sehr jung war, hatte es bereits viele Geschichten zu erzählen, von der schuldhaften Komplizenschaft zwischen dem Friseur und dem Konditor der Rue des Marmousets, vom Blutstrom der feinen Herren, bis hin zur galanten Metzgerei des Hauses in der Sackgasse Saint-Benoît, dessen abgerissene Mauern mehr menschliche Knochen als Steine beinhalten.”

“La vampire” stammt jedoch aus dem Jahr 1865 (als der Bericht über die Verbrechen in der Rue de la Harpe bereits veröffentlicht war) und hilft uns daher nicht viel. Einer Quelle am nächsten kommt das, was in einem Buch über Sweeney Todd von Peter Haining enthalten ist. Dort heißt es, dass er ein Lied in einem Buch mit alten französischen Balladen, das 1845 veröffentlicht wurde, gefunden hat. Er nennt sogar den Namen des Herausgebers, einen gewissen M. Lurine, aber ich konnte keine Notiz zu ihm oder zu seinem Werk finden. Angesichts der Kritik, die Hainings Buch zumindest teilweise für eine Erfindung ohne historische Fakten hält (was ich weder bestätige noch leugne, da ich nur auf eine Vorschau seines Buches zugegriffen habe), ziehe ich es vor, vorsichtig zu bleiben.

Zusammengefasst

Es scheint mir, dass jedes Argument, das für Sweeney Todd als eine wahre Geschichte sprechen könnte, keine Berechtigung hat. Festzustellen ist, dass seit der viktorianischen Ära eine Tradition existiert, die dieses Geheimnis gerne lüften möchte. Ich schätze, dass viele Webseiten, die sich mit diesem Thema befassen, nur auf den Zug aufspringen möchten. Doch wer weiß, ob eines Tages nicht neue Beweise auftauchen werden. In der Zwischenzeit können wir noch das Penny Dreadful-Original “The String of Pearls” und das Musical über Sweeney Todd von Stephen Sondheim genießen, auf dem der berühmte Film von Tim Burton basiert.

Schließlich ist jede einzelne Geschichte auf eine bestimmte Weise wahr.

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