Stephen King: Blut (Skeleton Crew)

Man kann sich kaum vorstellen, wie groß Stephen King im Jahre 1985 wirklich war. Er hatte vier Bücher gleichzeitig auf der Bestsellerliste der New York Times und zwei neue kamen gerade auf den Markt. Außerdem riss man sich um die Filmrechte an seinen Werken. Etwas Vergleichbares hatte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Nach eigenen Angaben war dieser Schriftsteller, der da im Mittelpunkt stand ein absolut Süchtiger, der monströse Mengen an Kokain schnupfte und jede Nacht literweise Bier in sich hinein schüttete. Mitten in diesem unvorstellbaren Chaos veröffentliche King Skeleton Crew, eine Sammlung mit Kurzgeschichten, die in deutscher Sprache in drei Ausgaben gepackt wurden (Im Morgengrauen, Der Gesang der Toten, Der Fornit), bevor 1992 die Gesamtausgabe als “Blut” erschien. Über Sinn und Unsinn der deutschen Titel müssen wir uns ohnehin nicht unterhalten.

Der allgemeine Verlagstenor ging schon damals dahin, ununterbrochen zu erwähnen, dass sich Kurzgeschichtenbände nicht verkaufen lassen. Das mag stimmen, aber nicht auf Stephen King zutreffen. Skeleton Crew verkaufte sich im ersten Jahr also sagenhafte 600 000 Mal.

Anfang 1985 war Stephen King zu einem Phänomen der Popkultur geworden, aber er ruhte sich nicht etwa auf seinen Lorbeeren aus. Seine Arbeitsmoral ließ ihn nicht zur Ruhe kommen, und so brannte er für seine Geschichten, die eine nach der anderen aus seinem Textcomputer kamen.

Für King waren Kurzgeschichten ein Hobby und es handelte sich dabei um Wohltätigkeitsarbeiten, denn sobald einer seiner Freunde eine Anthologie herausbrachte, konnte eine Geschichte von ihm den Wert der Sammlung steigern, oder eine Zeitschrift, die ihm besonders gefiel, ihre Abonnenten erhöhen.

Jeder hatte zu diesem Zeitpunkt eine Meinung über King, und es gab viele Leute, die sagte, dass der King eigentlich gar kein König sei, sondern ein schlechter Schriftsteller. Wie um seinen Kritikern ins Gesicht zu lachen, offenbart sich in Skeleton Crew Kings Liebe für Pulp Fiction.

Die besseren Geschichten in dieser Sammlung lesen sich wie B-Movies aus den 1950er Jahren, die mittelprächtigen Geschichten lesen sich wie die eines Auftragsschreibers, der pro Wort bezahlt wird, und die restlichen Geschichten fühlen sich an wie zerknülltes Papier, das aus seinen Notizbüchern gerissen wurde, um die Wortzahl zu erreichen, die man für eine Kurzgeschichte mindestens braucht. Es scheint gerade so, als ob Stephen King auf dem Höhepunkt seines Ruhms eine absichtliche Provokation vom Stapel lassen wollte.

Dabei darf man zu keiner Zeit vergessen, dass King auch ein Meister der Kurzgeschichte ist, der manchmal absichtlich über das Ziel hinausschießt, wenn er etwa ein Schaustück an Atmosphäre durch eine übertrieben Darstellung zunichte zu machen scheint. Neben seinen nahezu perfekten Kurzgeschichten stehen immer wieder auch Spielereien, groteske Bilder oder sogar Fragmente, die kein anderer Schriftsteller je herausgegeben hätte.

Der Nebel (1980)

Ohne Zweifel ist das hier der größte Wurf der Sammlung. King selbst beschrieb die Geschichte als lieblich und schmalzig, als eine Story, die in einfachen schwarzweiß-Tönen gehalten ist, ganz genauso wie ein Film aus den 50ern. Geschrieben im Sommer 1976 auf Bitten seines Agenten Kirby McCauley für dessen Anthologie Dark Forces, ist sie eine der beliebtesten Geschichten aus Kings Feder, die 1985 ein textbasiertes Computerspiel von Angelsoft und einen mäßig erfolgreichen Film von Frank Darabont inspirierte. King schreibt gerne Geschichten über Menschen, die irgendwo gefangen sind (Shining, Cujo, Sie), und “Der Nebel” ist eindeutig ein Vorläufer von Under the Dome und konzentriert sich auf einen Querschnitt der Gesellschaft in einer kleinen Stadt in Maine, die plötzlich von der Welt abgeschnitten ist und sich gegenseitig bekämpft. Zwei Jahre später versuchte er dieses Thema noch einmal zu bearbeiten, brach den geplanten Roman mit dem Titel The Cannibals aber nach 400 Seiten ab. Später entdeckt er das Manuskript erneut und schrieb es fertig. Das Ergebnis ist Die Arena von 2009.

King sagte über “Der Nebel”, dass er Mühe hatte, diese Geschichte zu schreiben. Sie sei ihm entglitten, zu sperrig und zu lang geraten. Schließlich gelang es ihm, sie auf das zu reduzieren, was er für eine überschaubare Länge hielt. Diese Kürzung scheint der Story gut getan zu haben. Sie ist vollgepackt mit Geschehnissen, die Charakterisierung der Figuren wird durch die Handlung offenbart und nicht durch seitenlange Hintergrundgeschichten.

Hier seyen Tiger (1968)

Erstmals in der Literaturzeitschrift der University of Maine veröffentlicht und für Skeleton Crew überarbeitet, ist diese Geschichte nach der längsten die kürzeste des Buches. Nur eine kleine Skizze über einen kleinen Jungen, der Angst hat, in der Schule auf die Toilette zu gehen. Es endet damit, dass ein Tiger seine gemeine Lehrerin frisst. Diese kleine Geschichte ist eine von mehreren surrealen Kurzgeschichten Kings, die er in diesem Buch und bereits in Nachtschicht veröffentlicht hatte. Sie funktioniert auch deshalb so gut, weil King hier nur ein kleines unpassendes Detail (den Tiger) in eine ansonsten völlig realistische Situation setzt. In “Der Rasenmähermann” oder “Morgenlieferung” tut King genau das Gegenteil, er setzt völlig auf das surreale Setting.

Der Affe (1980)

King ist unter anderem bekannt dafür, dass er den Horror in alltägliche Dinge packt. Rasenmäher, Feuerwehrschläuche, Wäschemangler, Autos – aber in “Der Affe” zeigt er auf, was für ein zweischneidiges Schwert das ist. Ein frustrierter Vater wird von einem ausgestopften aufziehbaren Affen aus seiner Kindheit terrorisiert, dessen klirrende Zimbeln den Tod von jemandem einläuten, den er liebt. Er rettet seine fragmentarische Familie vor dem Zorn des Spielzeugs, indem er es in einen Seesack packt und in einen See wirft. Die Beschreibungen der verrottenden, furchterregenden, finsteren Affenpuppe sind effektiv, aber sobald sie eine riesige Wolkenwand erzeugt hat, die über dem See schwebt, wird sie etwas albern. Dies ist eine jener Erzählungen, in denen die Reaktion der terrorisierten Person den größten Teil des Horrors ausmacht.

Kains Aufbegehren (1968)

Ein weiterer Geschichte aus Kings College-Literaturzeitschrift. Dies ist die kurze Charakterskizze eines Studenten, der unerklärlicherweise ein Gewehr auspackt und anfängt, Leute aus seinem Schlafzimmerfenster heraus zu erschießen. Eindeutig eine Geschichte, die dazu beitragen sollte, die Seitenzahl voll zu bekommen.

Mrs. Todds Abkürzungen (1984)

Drei großen Frauenzeitschriften lehnten diese Geschichte ab, bevor sie bei Redbook ein Zuhause fand. Die ersten beiden lehnten sie ab, weil King beschreibt, wie der Hauptfigur Urin über die Beine läuft, wenn sie im stehen pinkelt. Der Cosmopolitan lehnte ab, weil er die Hauptfigur für zu alt hielt.

Im Grunde ist diese Geschichte eine humorvolle, in der von einer Frau erzählt wird, die besessen davon ist, Abkürzungen zu finden. Und diese Besessenheit führt sie schließlich in eine andere Dimension, in der ekelhafte, flappsige Monster am Kühlergrill ihres Autos hängen bleiben. King hat berichtet, dass er eine Menge Spaß hatte, diese Geschichte zu schreiben, was man der Story durchaus anmerkt. Und wie so oft, wenn King eine nahezu diebische Freude empfindet, bleibt ein unheimlicher Nachgeschmack zurück.

Der Jaunt (1981)

Eine Sci-Fi-Geschichte über ein Teleportationsgerät (Jaunt), das Menschen durch das Weltall schickt, sie aber verrückt macht, wenn sie dabei nicht schlafen. Es ist eine von Kings B-Movie-Übungen, um darin andere Stile zu imitieren und fühlt sich sehr nach der Kopie einer Twilight Zone-Geschichte an. Sie ist auch nicht so einprägsam wie jene Sci-Fi-Geschichten aus der Sammlung Nachtschicht. King selbst gab zu, dass sie in wissenschaftlicher Hinsicht auf wackligen Beinen steht.

Der Hochzeitsempfang (1980)

Dies ist ein interessantes Stück über eine Jazz-Combo, die auf der Hochzeit eines Gangsters spielt. Abgesehen von den grotesken Beschreibungen der enorm fettleibigen Braut gibt es nirgendwo einen Hauch von Horror zu finden. Stattdessen liest sich die Story wie ein Hardboiled-Krimi. Für dieses Genre hatte King schon immer viel übrig. Später wird er in Colorado Kid (2005) und Joyland (2013) diesen Faden wieder aufnehmen. Obwohl es sich wahrscheinlich um ein Pastiche handelt, fühlt sich diese Geschichte authentisch an.

Paranoid: Ein Gesang (1985)

King mag vieles sein, vor allem ist er jedoch ein begnadeter Erzähler. Wenn er aber damit beginnt, Gedichte zu schreiben, bekommt man schnell das Gefühl, sich aus dem Fenster stürzen zu müssen. Natürlich ist auch das eine Form des Horrors.

Das Floß (1969)

King schrieb diese Geschichte 1968 und verkaufte sie 1969 für 250 Dollar an das Männermagazin Adam. Als der Scheck ankam, war das genau der Betrag, den er brauchte, um eine Gerichtsstrafe zu bezahlen, weil er in angetrunkenem Zustand einen Verkehrskegel gestohlen hatte. Das Magazin bezahlte zwar für die Veröffentlichung, hat ihm aber kein Exemplar geschickt, und er konnte nie eines finden. 1981 schließlich gab er die Suche auf und schrieb die Geschichte aus dem Gedächtnis um und fügte noch etwas mehr Gore hinzu. Bei der hier abgedruckten Version handelt es sich genau um diese.

Ein paar Teenager schwimmen hinaus zu einem Floß in der Mitte des Cascade Lake. Ein winziger schwarzer Fleck, der aussieht wie Öl, nähert sich und frisst jeden, der ins Wasser fällt. Die grausamste Szene jedoch ist, wie einer der vier durch den dünnen Spalt des Floßes nach unten gezogen wird. Es ist ganz klar, dass King hier in seinem Element ist. Der Rausch der Hoffnungslosigkeit umgibt die ganze Szenerie, und die Tatsache, dass sie früher hätten entkommen können, wenn sie die Bedrohung ernst genommen hätten, treibt diese noch auf die Spitze.

Textcomputer der Götter (1983)

Eine weitere Sci-Fi-Geschichte im Ton von “Der Jaunt”. In “Das Leben und das Schreiben” erwähnt King, dass er die Idee zu dieser Geschichte eines Nachts bekam, als er zusammengekauert unter seiner Decke schwitzte, um sein Fieber loszuwerden. Das Ergebnis ist die Erforschung einer einfachen Frage (was wäre, wenn ein Schriftsteller einen Textcomputer bekäme, der die Realität verändern kann?). Das war freilich zu einer Zeit, als diese speziellen Maschinen noch nicht alltäglich waren, sondern ganze Schreibtische einnahmen und soviel Geld kosteten wie ein Kleinwagen. Diese Faszination ist heute nicht mehr da. Die Frage über die Realität von Fiktion, die dieser Geschichte beiwohnt, macht sie wieder einmal besonders.

Der Mann, der niemandem die Hand geben wollte (1984)

Das ist die zweite der Geschichten, die in einem seltsamen Männerclub in der 249B East 35th Street spielt (die andere findet sich in “Frühling, Sommer, Herbst und Tod” und heißt “Atemtechnik”). Es handelt sich um eine kurze Wintergeschichte über einen Mann, auf dem ein Fluch lastet: Alle, die seine Hande schütteln, werden sterben! Am Ende stirbt er selbst, indem er seine eigene Hand schüttelt! Ansonsten gibt es nicht viel über diese Geschichte zu sagen, bis auf den Feinschliff, den King in jeder seiner Kurzgeschichten präsentiert und der selbst die weniger ertragreichen Texte zu einem Schaustück geraten lässt. Dies war eine von drei Geschichten aus “Skeleton Crew”, die ursprünglich in einer Anthologie erschienen, die von Horrorautor Charles L. Grant herausgegeben wurde.

Dünenwelt (1985)

Eine weitere Sci-Fi-Geschichte, die sich nahtlos im Ton zwischen “Der Jaunt” und “Textcomputer der Götter” einreiht. Sie liegt irgendwo zwischen der Sci-Fi-Herzlichkeit von “Der Jaunt” und dem wesentlich seltsameren, einzigartigen Sci-Fi-Horror von “Ich bin das Tor”. Bei einem Raumschiffabsturz landet die Crew auf einem sandigen Planeten, auf dem der Sand ein Eigenleben besitzt. King verwendet hier die gleichen Bilder wie in “Das Floß”. Gemeinsam mit dieser Geschichte könnte man von einer “literarischen” Version von “Der Blob” sprechen. Und sie endet auch wie “Das Floß” mit einem Mann, der sich selbst unanständige Lieder vorsingt, während er darauf wartet zu sterben.

Das Bildnis des Sensenmanns (1969)

Kings erste verkaufte Geschichte ist eine über jemanden, der zu viel Edgar Allan Poe gelesen hat. Zwei Männer verhandeln über den Verkauf eines Spiegels, der ein Bild des Sensenmannes zeigen soll, und wenn man ihn sieht, verschwindet man spurlos. Die Geschichte endet damit, dass ein Mann darauf wartet, dass der andere von der Toilette zurück kommt. Im Grunde ist das hier eine von vielen King-Geschichten, in denen jemand friedlich auf sein Schicksal wartet, wie etwa in “Dünenwelt”, “Das Floß”, “Graue Materie” (aus dem Band “Nachtschicht”), und “Lastwagen”. Zwar gibt es unzählige Möglichkeiten, eine Geschichte zu beenden, aber King scheint dieser einen Möglichkeit mehr als allen anderen zu vertrauen. Vielleicht liegt es am Horror, hilflos zusehen zu müssen, wie sich das Unvermeidliche nähert, denn tatsächlich wirken diese Enden oft noch lange nach.

Nona (1978)

Wie “Kains Aufbegehren” oder “Der Musterschüler” ist dies eine von Kings Geschichten über einen guten Menschen, der schlecht wird, eher eine Kriminal-Geschichte mit einer unerwarteten Wendung als reiner Horror. Und wie “Die Arena” und “Das letzte Gefecht“, beginnt sie mit einem Haufen lokaler Schlägereien. Der Hauptpunkt dieser Geschichte ist jedoch das Wechselspiel zwischen der jungen Frau, die den Mann immer mehr ins Verderben zieht. Hier zeigt King sein psychologisches Geschick in Bezug auf seine Figuren, von dem ich zwar schon oft geredet habe, das aber gar nicht oft genug erwähnt werden kann. Einmal mehr zeigt er, warum er der wohl beste Chronist menschlicher Verhaltensmuster ist, die es in der weiten Welt der Literatur gibt.

Für Owen (1985)

Ein weiteres kurzes Gedicht, das King für seinen Sohn schrieb.

Überlebenstyp (1982)

Das hier ist eine von Kings berühmtesten Kurzgeschichten, und es ist eine seiner Grotesken. Ein Chirurg, der in schwere Zeiten geraten ist und mit Drogen handelt, strandet auf einer kleinen Insel mit nichts als Heroin, das er dabei hat. Nach einem Knöchelbruch muss er sich den Fuß amputieren. Das fällt ihm nicht besonders schwer, denn sein Geschick und das Heroin helfen ihm dabei. Nun, auf der Insel gibt es nichts zu essen. Was folgt, ist stringent auf ein einziges Ziel hin ausgerichtet. Diese Gesichtete ist kurz und grausam, und sie wirkt noch lange nach.

Onkel Ottos Lastwagen (1983)

Wie viele Geschichten Kings ist das hier eine über ein alltägliches Objekt, das sich in eine Terrormaschine verwandelt. Es ist nicht ganz leicht – auch für King nicht – in diesem Fall die richtige Balance zu finden, damit die Story nicht albern wird (denken wir nur an den “Wäschemangler”, den ich eher als Horror-Burleske bezeichnen würde). Hier geht es um einen Mann, der einen besonders komplizierten Mord begangen hat und dafür von einem rostigen Pick-Up in den Tod geholt wird (der auf Betonklötzen steht). Man möchte schon nachdenken, wie es dem LKW gelang, Onkel Otto festzuhalten, um ihn mit Motoröl vollzupumpen und ihm auch noch einen Motorkolben in den Mund zu stecken. Für manche Leser löst sich hier die sorgfältig gearbeitete Atmosphäre in einem Kichern auf.

Morgenlieferung (1985) / Große Räder (1982)

Zwei miteinander verbundene Fragmente, die Teil eines abgebrochenen Romans waren, und gleichzeitig die Reste eines alternativen Universum darstellen, das King für sich selbst in Gedanken wälzte. Seine Vorstellung war die:  Wenn er in die Richtung des grotesken Surrealismus weitergearbeitet hätte, hätte er wohl drei Romane und einige Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften veröffentlicht, und er würde Lehrer an der  High School sein und das Debattier-Team der Hampden Academy trainieren. Es ist eine Vorstellung von dem, was vielleicht gewesen wäre, und obwohl dieses Gedankenspiel interessant ist, wurde es auch eine Sackgasse für ihn. Und die Geschichte zeigt genau das.

Omi (1984)

Eine der denkwürdigsten Geschichten der Sammlung und eine der seltenen Geschichten Kings, die mit einer derart hoffnungslosen Note enden. Es geht um einen kleinen Jungen, der allein zu Hause ist, um sich während eines Sturms um seine kranke Großmutter zu kümmern. Sie entpuppt sich als Hexe und nutzt ihren Tod als Gelegenheit, mit ihm den Körper zu tauschen. Seitdem Kings Mutter seine sterbende Großmutter aufgenommen hat, als King noch ein Kind war, müssen wir davon ausgehen, dass ein Teil der Macht dieser Geschichte von der Art und Weise abhängt, wie er seine eigenen Erinnerungen in die Details einbringt. Kaum zu übersehen sind die Referenzen an Lovecraft (ähnlich wie in “Briefe aus Jerusalem” in Nachtschicht).

Die Ballade von der flexiblen Kugel (1984)

Mehr eine Novelle als eine Kurzgeschichte ist das hier eine weitere seiner Geschichten über Schriftsteller, diesmal ein Schreiberling, der glaubt, dass kleine gremlinische Kreaturen namens Fornits in seiner Schreibmaschine leben. Es ist eine perfekt Geschichte, die zu einem befriedigenden Ende führt, das zwar etwas vorhersehbar ist, aber dennoch emotionale Schwingungen mit sich bringt.

Die Meerenge (1981)

Ursprünglich unter dem Titel “Do the Dead Sing?” veröffentlicht, beendet diese Geschichte die Sammlung auf einem hohen Niveau. Eine (wieder einmal) gut beobachtete und gezeichnete, traurige Geschichte über eine Frau, die ihr ganzes Leben lang auf einer Insel vor der Küste Maines lebte und sich entscheidet, endlich zu sterben, indem sie über den gefrorenen Ozean zum Festland geht. Es ist eine der besten Geschichten Kings über das Leben in einer Kleinstadt, und sie hat eine ganz eigene Würde.

Diese Kurzgeschichtensammlung war ein riesiger Erfolg zu einer Zeit, als Kings Karriere noch gigantischere Züge annehmen sollte, aber sie war nichts im Vergleich zu dem Monster, das als nächstes kommen sollte. Das größte Buch des Kings, in jeder Hinsicht dieser Phrase, und auch sein kontroversesestes. Es heißt Es.

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