Spiderman Timeline (Die Anfänge)

© Marvel Comics

In Amazing Fantasy #15 hatte Peter Parker alias Spiderman seinen ersten Auftritt. Es war die letzte Ausgabe des Magazins; Autor Stan Lee und Zeichner Steve Ditko hatten wahrscheinlich deswegen grünes Licht bekommen, das Experiment eines jugendlichen Helden, der sich nicht gerade besonderer Beliebtheit bei seinen Mitschülern erfreut, zu wagen.

In dieser Geschichte, die aus heutiger Sicht wie eine schnell hingezeichnete Skizze wirkt, wird Peter Parker von einer radioaktiven Spinne gebissen. In der Folge stellt er fest, dass er über die Sinne einer Spinne und mehr körperliche Kraft als gewöhnlich verfügt. Mithilfe seiner neu erworbenen Fähigkeiten prügelt er sich nach der Schule im Ring. Der Übermut, sich nicht mehr herumschubsen zu lassen mündet direkt in die erste Katastrophe, als er sich nämlich weigert, einen Dieb aufzuhalten, der vor einem Polizisten flüchtet. Es wird dieser Dieb sein, der später bei den Parkers einbricht und dabei Peters Onkel Ben erschießt. Erst jetzt begreift er die Verantwortung, die mit seinen Kräften einhergeht.

 

Noch im Schatten der Fantastischen Vier

Sieben Monate nach seinem ersten Auftritt in Amazing Fantasy erschien The Amazing Spiderman #1 im März 1963. Man hatte den Zusatz “amazing” einfach übernommen, um einen Teil des eingestellten Magazins zu bewahren und an Spidermans Wiege zu erinnern. Es hatte so lange gedauert, weil man sich zunächst nicht sicher war, ob das damals nicht gerade vielversprechende Experiment mit einem ungewöhnlichen Helden Erfolg haben würde. Die Verkaufszahlen sprachen jedoch eine deutliche Sprache. Und trotzdem traute man dem Wandkrabbler nicht so recht, so dass man bei dieser Nr. 1 die bereits erfolgreichen Fantastischen Vier aufs Cover packte und auch in ein Abenteuer mit ihm schickte.

Jack Kirby hatte einst behauptet, er hätte Spiderman im Alleingang erfunden. Im Alter hatte er ein paar Gedächtnislücken und erinnerte sich wohl nur noch daran, dass Stan Lee ihn als Zeichner vorgesehen hatte. Kirbys Zeichenstil passte allerdings nicht zu einem Anti-Helden wie Spiderman, und so ging der Auftrag an Steve Ditko, der diesen völlig ungewöhnlichen Superhelden hervorragend umzusetzen wusste. Allerdings hatte Kirby ihn später auch ein paarmal gezeichnet, dabei aber den Stil Ditkos imitiert.

Spidey hat zu Beginn seiner Karriere eine Menge Probleme, nichts will ihm gelingen, um seine Tante May zu unterstützen, die ihren Schmuck versetzt, um die Miete zu bezahlen. Also beschließt er, wieder an Show-Kämpfen teilzunehmen. Bargeld bekommt er nicht, und den Scheck kann er nicht einlösen, weil er seine Identität nicht preisgeben will. Zudem hetzt der Daily Bugle in fiesen Schlagzeilen gegen ihn. Und so lange das so ist, kann er bei den Shows kein Geld verdienen.

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Er sieht seine Chance gekommen, seinen schlechten Ruf zu rehabilitieren, als der Sohn des Herausgebers, John Jameson mit einer Rakete in den Orbit fliegt, um die Erde zu umrunden und als an seiner Kapsel ein Steuerelement abbricht. Ohne dieses Teil wird er auf der Erde zerschellen. Spiderman macht sich in einem Flugzeug auf, das Ersatzteil zur Kapsel zu bringen. Doch der Herausgeber J. Jonah Jameson ist davon überzeugt, dass Spiderman für die Sabotage verantwortlich ist, um sich als Held darzustellen. Die Schlagzeilen bleiben vernichtend.
Hier haben wir es mit ein bisschen Zeitgeschichte zu tun, denn nur einige Monate vor dieser Ausgabe hatte John Glenn als erster US-Astronaut die Erde umkreist.

Die Pläne hierfür werden vom Chamäleon für die Sowjetunion geraubt, und Spiderman verhindert deren Übergabe an ein U-Boot. Man kann das Chamäleon als Spideys ersten Supergegner verstehen, allerdings ist sein Auftritt hier wenig spektakulär. Er versucht natürlich in Gestalt Spidermans ihm den Diebstahl und den Verrat in die Schuhe zu schieben.

Peter Parker fragt sich, warum die Fantastischen Vier solche Image und Geldprobleme nicht haben und beschließt, ihnen einen Besuch abzustatten, um ihnen vielleicht sogar beizutreten. Nachdem er sich in ihrem Hauptquartier mit jedem der Vier angelegt hatte, um ihnen seine Kraft zu demonstrieren, teilen sie ihm mit, dass sie unentgeltlich arbeiten und alle Einnahmen in Wissenschaft und Verbrechensbekämpfung fließen. Als Spidey verschwindet, machen sie sich Sorgen darum, dass er aus Verzweiflung auf die schiefe Bahn geraten könnte (und tatsächlich hatte er solche Gedanken schon). Nur Johnny, die Fackel sagt: “Ach was, Spiderman ist schon okay.”
“Hmm. Wirklich Johnny?”, fragt Mr. Fantastic. Und so wird auch der Leser im Unklaren gelassen, was aus dem jungen Superhelden werden könnte.

In Amazing Spiderman #2 kommt Peter auf die Idee, Bilder von sich selbst zu machen, die ihn als Helden zeigen, um sie an Jameson zu verkaufen. Darin sieht er eine gute Geldquelle. Seine ersten Bilder zeigen Spiderman im Kampf gegen den Geier. In der zweiten Geschichte des Bandes bekommt es der Wandkrabbler mit dem Bastler zu tun, die im Grunde eine Story ist, die Lee und Ditko noch verhaftet in ihrem SciFi und Fantasy-Milieu zeigt, wo grüne Männchen Spionage betreiben. Der Bastler selbst trägt eine menschliche Maske, aber in Spiderman #160, wo er erneut auftaucht, ist er dann auch nur noch ein Mensch. 1981 tauchen auch dessen Gefährten noch einmal auf, ebenfalls “nur” als verkleidete Menschen. Man hat im Nachhinein eingesehen, dass Außerirdische im Spiderman-Universum eher komisch wirken. Solche späteren Korrekturen waren in Comics nichts Seltenes, denn während immer mehr neue Hintergründe hinzukamen, musste man alte Unstimmigkeiten beseitigen.

Spiderman mokiert sich über das Fehlen echter Gegner für ihn in Amazing Spiderman #3, aber bald schon steht er Doctor Octopus gegenüber und wird von ihm besiegt. Der Gouverneur bittet die Fantastischen Vier um Hilfe, aber die Kraft von Johnny, der menschlichen Fackel, ist erschöpft, weshalb er einen Vortrag an der Uni hält. Peter Parker hat das Gefühl, dass er zu ihm spricht, als er davon redet, niemals aufzugeben. Peter beschließt, dass dies von nun an auch für ihn gilt. Johnny, der im Laufe der Zeit ein guter Freund Spidermans werden wird, taucht am Ende kurz auf, ein wirklich gemeinsames Abenteuer bestehen sie aber im zeitgleich zu diesem Heft erschienenen Strange Tales Annual #2.

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Wir begegnen in diesem Band der in den 60er Jahren allgegenwärtigen Thematik der Strahlung und der Radioaktivität. Otto Octavius / Doctor Octopus erleidet durch einen Atomunfall in seinem Labor einen Gehirnschaden und wird dadurch zum Schurken. Die Marvel-Helden aus dieser Zeit (Hulk, Die Fantastischen Vier und Spiderman) kamen ebenfalls durch radioaktive Unfälle zu ihren Superkräften. Die Auseinandersetzung in Amerika mit dem Segen und dem Fluch der atomaren Energiequelle spiegelt sich sehr stark in den Abenteuern wieder. Spiderman benutzt hier zum ersten Mal das “Spinnensignal”, das er an seinem Gürtel trägt und auf Wände projiziert.

Strange Tales Annual #2 kündigt “Spiderman gegen die Fackel” an. Die darin enthaltene Geschichte war wenigen bekannt, sie wurde nie nachgedruckt und fand sich erst in “Spiderman Komplett”. Man nutzte hier die Gelegenheit, für die neue Spiderman-Serie zu werben. Johnny, die menschliche Fackel, sollte hier (nachdem sein Streit mit Spiderman, der auf einem Irrtum beruhte – und nachdem er von Spidey doch ziemlich verdroschen wurde) zum ersten mal seine Flammenschrift in den Himmel schreiben, um den Wandkrabbler zu rufen. Das wurde zwischen den beiden Helden ebenso beibehalten wie ihre regelmäßigen Treffen auf der Freiheitsstatue.

© Marvel Comics; Nachdem Spiderman den Sandmann mit einem Industriesauger eingesaugt hat, muss er noch ein paar Fotos für den Daily Bugle schießen. Also stellt er den Kampf nach, wirft etwas Sand in die Luft und stürzt sich hinein.

Die Stories werden besser

Das erste “bessere” Comic der jungen Serie ist Amazing Spiderman #4. Hier tauchen der Sandmann und Betty Brant zum ersten Mal auf. Auch Elizabeth Allen, mit der Peter in dieselbe Klasse geht, wird namentlich eingeführt, obwohl sie schon früher als Begleiterin von Flash Thompson gezeigt wird, die beide den “Bücherwurm” Parker verspotten. Zwischen Parker und Brant, die neue Sekretärin in der Redaktion des Daily Bugle, kommt es in den folgenden Heften zu Sympathiebekundungen. Mittlerweile konnte man auf die Verkaufszahlen der ersten Spiderman-Ausgabe zurückgreifen. Damals dauerte das bis zu einem halben Jahr. Der Erfolg war überwältigend, und so stellte man den Erscheinungsrhythmus ab Amazing Spiderman #5 von zweimonatlich auf monatlich um. Und hier erfand man keinen neuen Gegner für den Netzschwinger, sondern griff auf den Erzfeind der Fantastischen Vier zurück: Doktor Doom, bevor man in Amazing Spiderman #6 Dr. Curtis Connors alias die Echse aus dem Hut zauberte, der nicht weniger Geschichte schreiben sollte wie der Sandmann. Das Motiv war eine Anspielung auf Dr. Jekyll & Mr. Hyde aus der Tradition der Fantasy-Comics, dessen Wurzeln man noch lange spürte. Zum zweiten Mal tauchte die Echse erst in Amazing Spiderman #44 auf, und dort wurde sie nicht mehr von Ditko, sondern schon von John Romita gezeichnet, der ab 1966 den Wandkrabbler auf ein neues künstlerisches Level hob.

J. Jonah Jameson nimmt in Amazing Spiderman #7 noch mehr Platz ein, als es bisher der Fall war. Das ist dem Kampf Spidermans gegen den Geier geschuldet, der in der Redaktion des Daily Bugle stattfindet. Mit dem Geier taucht zum ersten Mal ein Schurke erneut auf. Außerdem hat sich die Rolle des cholerischen Verlegers im Laufe der Zeit verselbständigt. Anfangs war er nur dazu gedacht, Schmähreden gegen Spiderman zu führen, um ihn nicht gleich zum gefeierten Helden werden zu lassen. Die Figur ist heute aus dem Marvel-Kosmos nicht mehr wegzudenken. In diesem Heft erfahren wir die Adresse Peter Parkers. Das kleine Häuschen von Tante May steht in der ruhigen New Yorker Gegend in Forest Hills. Für Spiderman stellt es eine besondere Herausforderung dar, sich ungesehen davonzuschleichen. Denn was sollte Spiderman in so einer ruhigen Gegend?

Michael Perkampus

Michael Perkampus

“Ich bin mehr daran interessiert, meinen Geist unterschiedlichen Situationen auszusetzen, als meinen Körper.” — Alan Moore

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