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So kalt, so böse, so blutrot die Seele

Elisabeth Báthory war eine furchtbare Frau. Ihre Geschichte erzählt man sich nicht am knisternden Lagerfeuer, nicht unter sternklarem Himmel, wenn müde Wölfe ihre Lieder flüstern. Da ist nichts Romantisches, nichts, das schaurig und doch auf seine finstere Art schön ist. Ihre Geschichte gehört in einen karg eingerichteten Raum, der keine Fenster hat, um nicht den Blick abzulenken auf irgendwas dort draußen, das bunt und blühend ist und nach Sommer riecht.

Die Gräfin: Gemalt für eine finstere Ewigkeit

Gräfin Elisabeth Báthory. Die Blutgräfin. 1560 geboren, 1614 in Gefangenschaft auf der Burg Csejte gestorben, in deren Ruine man heute noch ihren lauten Protestschreien ob ihrer Verurteilung zur Kerkerhaft lauschen könnte. Mit etwas gruseliger Phantasie…geht das. Wissen wir. Wir wissen auch, dass sie eine Serienmörderin der absolut obersten Höllen-Liga war, für die selbst ganz tief da unten ihresgleichen schwerlich zu finden ist. Und die wohl immer noch völlig uneinsichtig brüllt, sie hätte nichts Schlimmes verbrochen.

Elisabeth Báthory entstammte einer ungarischen Adelsfamilie, deren unrühmlichem Ruf, – Mord, Tyrannei, Sadismus -, sie auf grauenvollem Weg folgte. Ein von Blut durchtränkter, von abrundtiefster Bösartigkeit und gleichsam Kaltschnäuzgkeit gezeichneter Weg, der sprachlos macht und kaum Rast für Fassungslosigkeit, geschweige denn Tränen bietet. Die Nachwelt nennt sie auch den „weiblichen Gilles (de Rais)“, man bezeichnete sie als Hyäne von Csejte, Tigerin in Menschengestalt, La comtesse sanglante, The World Champion Lady Vampire of all Time, Heroine des Grauens. Sie war, ist die „Blutgräfin“, die eine, die wahre, die unmenschliche, deren abartige Gelüste und Gemetzel als Vorlagen dienten für zahlreiche Bearbeitungen in Kunst, Literatur und Film. Nicht immer abscheulich gut, aber oft abscheulich genug.

Über 600 Jungfrauen/ junge Mädchen soll sie auf das Grausamste gequält und getötet haben,
primär aus reiner Lust und Laune, gleichwohl aus dem kranken, von Perversionen geprägtem Selbstverständnis heraus, das machen zu dürfen. Unvorstellbar böse sein zu dürfen, ohne sich böse zu fühlen. Vorerst waren es Bedienstete, einfache Frauen aus dem Volk, deren Minderwertigkeit in den Augen der Gräfin sie zu typischen Opfern machte, ergo Menschen, die eh nicht wichtig waren, die man quälen, misshandeln, umbringen konnte auf kleiner privater Bühne ohne kritisches Publikum.
Beim Anblick von Blut soll sie in Verzücken geraten sein, nach mehr und mehr gelechzt, geschrien haben. Sie ließ sich Blut in Weinkelche füllen und trank es, weil sie davon überzeugt war, es würde ihre Haut schöner, ihr Antlitz jünger machen. Gebadet haben soll sie darin wohl auch, das mag nicht ganz richtig überliefert sein wegen der Gerinnungszeit, aber als Körpermilch diente es dem ähnlichen Zweck. Ihre Vertrauten, ein paar ihr ergebenen Diener, selbst dem Sadismus frönend und Nutznießer ihres Wohlwollens, schwiegen, halfen eifrig ohne Skrupel, schleppten wimmerndes Frischfleisch und entsorgten, was übrigblieb. Alles ohne nennenswerten Argwohn von außerhalb.

Erst, als die Gräfin sich später auch an Mädchen vom Hofe vergriff, wurde man aufmerksam. Solch eine Grenzüberschreitung galt selbst für den grundsätzlich unzimperlichen Adel, der finsterste Phantasien nach Gutdünken und ungestraft auslebte, als nicht mehr tolerierbar.

Elisabeths widerwärtige Neigung, Menschen mit sadistischer Freude und fast übermütiger Gleichgültigkeit zu peinigen und sterben zu lassen, entwickelte sich schon früh: Mit fünfzehn heiratete sie den „Türkenschlächter“ Ferenc Nádasdy, einen Kriegshelden, mit dem sie fünf Kinder hatte. Ein Kind war sie wohl selbst noch, als sie begann, sich ihre Todeskandidatinnen auszusuchen. Vermutlich von Anfang an ohne die geringste Spur eines schlechten Gewissens: Prügel und Verstümmelungen standen zu dieser Zeit für das Haus- und Hofpersonal an der Tagesordnung, und Elisabeth nutzte jede Gelegenheit. Davon ließ sie nie wieder ab.
Während ihrer immerhin achtundzwanzigjährigen Ehe mordete sie zwar noch etwas gezügelt, – das klingt, wie es klingen muss -, nach dem Tod ihres Mannes 1603 machte sie es dann völlig ungehemmt. Selbst auf Reisen nach Wien war sie stets in der unfreiwilligen Begleitung junger Mädchen, deren Schicksal die Gräfin genussvoll in Schatten und Schrecken bestimmte. Elisabeth verprügelte sie bis zur Ohnmächtigkeit, übergoss sie mit eiskaltem Wasser, damit sie wach wurden, stach sie dann mit langen Nadeln und Messern, schnitt die vom Peitschen und Schlagen aufgeschwollenen Hautpartien mit einer Schere auf oder verbrannte sie mit glühendem Eisen. Blut, viel Blut, mehr Blut. Da blitzten die Augen der Bestie.

Bis sie 1610 offiziell ins kirchlich-richterliche Visier genommen wurde. 52 Zeugenaussagen lagen gegen die Gräfin vor, unfassbare, eindeutige Berichte, die nicht ignoriert werden konnten. Einen dicken Adels-Bonus erhielt sie trotzdem: Geladen wurde sie nicht vor das Tabulargericht, – das hätte Familienschande, Einzug der Ländereien und natürlich Todesstrafe bedeutet -, sondern sie blieb als Angeklagte auf der Burg Csjete, auf die sie sich nach dem Tod ihres Mannes zurückgezogen hatte, um in perfekter Abgeschiedenheit ihrem blutrünstigen Treiben nachzugehen. Der ehemalige Burgvogt sagte aus, dass man allein während seiner Zeit auf Csjete 165 „Weibsbilder“ tot herausgetragen hätte. Und er war nicht der Einzige, der letztendlich doch erzählte, was er, was so viele nicht nur ahnten, sondern wussten.

Wolfgang Hohlbein, „Die Blutgräfin“, 6. Band der „Chronik der Unsterblichen“, 2004

Am 7. Dezember 1611 wurde Elisabeth Báthory zu lebenslanger Gefangenschaft verurteilt. Die mitschuldigen Dienerinnen verbrannte man auf dem Scheiterhaufen, hackte ihnen vorher die Finger ab, mit denen sie Christenblut vergossen hatten. Vergleichsweise empörend harmlos kam die Gräfin davon, es war halt die Zeit, die Báthory galt immer noch als privilegiert. Immerhin: Gerüchten zufolge starb sie im Kerker nicht eines natürlichen Todes, sondern wurde vergiftet. Oder man hat sie schlichtweg verhungern lassen. Auch eine Möglichkeit. So kalt, so böse…passt.

Die Blutgräfin in der Kunst:

„Laßt die Todten ruhen“, 1823, Erzählung von Ernst Benjamin Salomon Raupach, (Theaterstück 1829)
„Ewige Jugend“, Novelle von Leopold Ritter von Sacher-Masoch, 1886
„Countess Dracula“, Film mit Ingrid Pitt in der Hauptrolle, Regie: Peter Sasdy, 1970
„Les lèvres rouges“ (Blut an den Lippen), 1971, Regie: Harry Kümel
„Contes immoraux“ (Unmoralische Geschichten), 1974, erotischer Episodenfilm mit Paloma Pisacco, Regie: Walerian Borowczyk
Bathory, schwedische Metal-Band, 1983 – 2004
„Báthory, Countess of Blood“, Film mit Anna Friel, 2008, Regie: Juraj Jakubisko

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)

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