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Smolensk

„Wissen Sie“, sagt die Verkäuferin hinter der Käsetheke, „ich hab drei Kinder großgezogen und während der Schwangerschaft immer Rohmilchkäse gegessen, da ist nix passiert.”

Erst will ich sie nach einem Foto dieser drei Kinder fragen, doch dann nicke ich bloß zustimmend, denn grundsätzlich bin ich mit ihr einverstanden. Aber Klara will kein Risiko eingehen und auch das kann ich nachvollziehen. Also insistiere ich und bekomme schließlich Hartkäse aus der Franche-Comté, der so lange gereift ist, dass man ihn als unbedenklich einstufen kann.

Ich schaue in den Einkaufskorb: Brötchen, Käse, Milch, Aufschnitt, Wein und Eier. Alles da. Ich schlendere also gemütlich zur Kasse, lege alles aufs Band und komme auch recht schnell dran.

„18 Euro und 12 Cent“, sagt die Kassiererin.

Ich hole mein Portemonnaie raus und krame nach Kleingeld.

„Sammeln Sie Punkte?“, fragt die Kassiererin unterdessen.

„Ja, in Flensburg“, sage ich grinsend und krame weiter. Die Kassiererin lächelt müde. Die ältere Dame hinter mir seufzt hörbar laut. Ich krame schneller.

Dann, plötzlich, durchfährt ein heftiger Schmerz meinen Körper.

„Smolensk“, schreie ich laut auf, wie von der Tarantel gestochen.

Für einen Moment glaube ich, das Bewusstsein zu verlieren, fange mich dann aber wieder.

„Entschuldigung“, sage ich laut in die Runde der verdutzt umherstehenden Kunden und Angestellten. Hastig packe ich meine Sachen und gehe.

*

„Die russische Stadt?“, fragt Klara, als ich ihr, wieder zuhause, von dem Vorfall im Supermarkt erzähle.

„Genau die!“, erwidere ich.

„Bist du sicher?“, bohrt sie nach. „ Ich meine, kann es nicht sein, dass du einfach nur geniest hast und es dann so

klang wie diese Stadt in Russland?.”

„Nein“, meine ich bestimmt, „ich habe nicht geniest. Es war ein zuckender, tiefgehender Schmerz, der mich gelähmt hat. Wie ein Blitz!“

Klara steht mit hilflos herunterhängenden Armen einen Moment lang recht verloren in der Küche. Sie weiß nicht, ob ich sie gerade veralbere oder ob ich es ernst meine. Ich kann es ihr nicht einmal verübeln.

„Klara, das ist kein Scherz. Ich habe diesen Schmerz gespürt, kurz und heftig.“

Sie nickt. Langsam.

„Was willst du jetzt machen? Zum Arzt gehen?“

Ich denke kurz nach.

„Du, ich glaube, ich lege mich erst einmal hin. Ich habe jetzt im Moment ja keine Schmerzen. Dann sehen wir weiter.“

Wieder nickt Klara.

„Das ist vielleicht das Beste. Nichts überstürzen.“

Ich lächele, streiche Klara kurz mit der flachen Hand über die Wange und gehe dann ins Wohnzimmer, um mich auf die Couch zu legen. Ich baue mir mit vier großen Kissen eine kleine Höhle, ziehe die dicke Decke über meinen Kopf und schlummere ein.

*

Ein leichter Nebel legt sich über mein Bewusstsein. Meine Sinne sind eingeschränkt. Ich kann sehen und hören und sprechen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich fühlen und schmecken kann. Es ist, als stünde ich neben mir und beobachtete mein eigenes Leben. Aber was ist das für ein Leben?

Ich sehe mich auf einer Wiese liegen, vor mir ein Fluss. Ich schaue an mir herunter und trage sonderbare Kleidung. Schwarze, glänzend polierte Schaftstiefel über einer blauen Hose, die sich eng an meine Beine schmiegt. Darüber einen langen blauen Mantel mit rotem Innenfutter und goldenen Messingknöpfen. Links neben mir auf der Wiese liegt ein Hut, der an die Hüte von Zinnsoldaten erinnert, und rechts neben mir ein Mann, offenbar ein Kamerad, der die gleiche Uniform trägt. Etwas weiter sind zwei Pferde an einen Baum gebunden. Sie grasen.

„Glaubst du, dass Barclay sich dem Kampf stellen wird?“, fragt mich der Kamerad plötzlich.

„Keine Ahnung“, erwidere ich aufs Geratewohl.

„Immer nehmen sie Reißaus, nie stellen sie sich. Was für Hasenfüße. Aber ER wird sie diesmal nicht entkommen lassen. ER wird sie umzingeln und im Rücken angreifen.“

Ich nicke verständnisvoll, aber ich denke: Wovon redet der da? Wer bin ich? Wo bin ich? Und vor allem, wann bin ich?
Mein Kamerad steht auf.

„Eigentlich ein schöner Fluss“, sagt er, hebt die Hand und zeigt auf die gegenüberliegende Seite des Stromes. „Junots und Poniatowskis Verbände sind irgendwo da drüben. Aber der Junot mit seinen westphälischen Truppen nutzt uns gar nichts. Poniatowski dagegen …“

Der Kamerad spricht den Satz nicht zu Ende, aber sein Gesichtsausdruck lässt vermuten, dass er große Stücke auf diesen Posnatowski, oder wie auch immer er heißt, hält.

Eine Weile schauen wir noch auf den Fluss, gedankenverloren. Dann streckt der Kamerad mir seine Hand entgegen, um mir beim Aufstehen zu helfen. Ich zögere kurz, dann biete ich sie ihm an. Als ich sehe, wie seine Hand in meine greift, meine ich plötzlich, die zupackende Kraft meines Kameraden spüren zu können. Dann bin ich weg.

*

Als ich in die Küche komme, steht Klara vor der Spüle.

„Und, geht es dir besser?“

„Ja, geht wieder“, sage ich. Aus irgendeinem Grund verschweige ich ihr den Schlummertraum, der mich kurz zuvor ereilt hat. Eine Weile stehe ich noch verloren in der Küche herum, dann kommt mir die Idee, im Internet die Namen aus dem Traum einzugeben.

Ich gehe ins Arbeitszimmer, schalte den Computer ein und öffne den Browser. Ich gebe Juno, Ponatowski und Smolensk in die Suchmaschine ein. Als ich die Enter-Taste drücke, korrigiert die Suchmaschine automatisch meine Schreibweise: Meinten Sie Junot Poniatowski Smolensk? Als ich auf die korrigierte Version meiner Anfrage klicke, ist einer der ersten Treffer ein Eintrag über Jósef Antoni Poniatowski, einem polnischen Fürst, General und Marschall von Frankreich. Ich scrolle runter und suche nach einem Bezug zu Smolensk. Ich finde etwas unter dem Eintrag: Die Grande Armée und der Russlandfeldzug. Offensichtlich hat dieser Poniatowski unter Napoleon in Smolensk gegen die Russen gekämpft.

Ich lehne mich konsterniert in meinen Sessel zurück. Ich suche eine logische Erklärung dafür, dass mir im Traum Namen, Orte und Gegebenheiten präsent sind, von denen ich meine, sie nie zuvor gehört zu haben. Ich versuche mich krampfhaft an meinen Geschichtsunterricht in der Schule und an irgendwelche Dokumentationen im Fernsehen zu erinnern. Habe ich dort diese Namen und Orte aufgeschnappt? Sind sie in mein Langzeitgedächtnis eingesickert, dort ‚eingeschlafen‘ und nun plötzlich wieder ‚aufgewacht‘? Wie kann das sein? Warum träume ich so einen Schwachsinn?

Irgendwann stehe ich auf und gehe zurück in die Küche. Ich gehe zu Klara, die am Küchentisch sitzt, fahre ihr mit der rechten Hand mechanisch durchs Haar und streichele ihren dicken Bauch.

„Was ist los mit dir?“, fragt sie. „Du bist schon wieder so … komisch.“

Wider besseres Wissen erzähle ich Klara daraufhin von meinem Schlummertraum. Mit jedem Satz springt meine Unruhe auf sie über, ohne dass sich die meine verliert. Ich kann förmlich sehen, wie sie versucht, sich zu beherrschen. Und wie es ihr misslingt.

„Du willst mich doch verarschen!“, schreit sie schließlich und steht langsam auf, indem sie sich mit beiden Armen vom Tisch abstützt.

„Nein“, gebe ich laut zurück, und schiebe ein nervöses Lachen hinterher. „Ich kann doch nichts dafür.“
Klara starrt mich noch einen Moment lang an, dann verlässt sie wortlos den Raum.

Für den Nachmittag und den frühen Abend gehen wir uns aus dem Weg. Ich weiß nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Mit jeder Minute wird die Angst vor der Nacht und dem damit einhergehenden Schlaf größer. Was, wenn ich mich wieder in diese Welt träume? Was, wenn die Erlebnisse im Traum wieder so real wirken? Bin ich dabei, verrückt zu werden? Oder sind das noch die normalen Begleiterscheinungen eines werdenden Vaters?

Kurz vor elf Uhr abends begegne ich Klara auf dem Flur unserer kleinen Wohnung. Wie zwei Fremde schauen wir uns an. Sie hat sich bewusst im Wohnzimmer verkrochen und ich habe mich im Arbeitszimmer verschanzt, um im Internet nach weiteren Informationen über Napoleons Russlandfeldzug zu suchen. Ich stelle mich Klara in den Weg, um sie zur Rede zu stellen und um sie zu besänftigen.

„Klara“, fange ich an.

Ich hebe beschwichtigend die Hand.

„Träume sind Schäume“, griene ich hilflos weiter.

Ich versuche ein Lächeln, verbunden mit einer behutsamen Bewegung in ihre Richtung. Sie weicht erst aus, dann lässt sie mich ihre Wange streicheln und durch ihr Haar fahren.

„Lass uns schlafen gehen“, sagt sie in einem versöhnlichen Ton.

Ich zucke kurz, ziehe die Hand zurück und zwinge mich zur Selbstbeherrschung.

„Das ist vielleicht das Beste“, lüge ich.

Eine halbe Stunde später liege ich neben Klara. Sie ist schon eingeschlafen. Ich dagegen kämpfe gegen den Schlaf. Doch das Adrenalin meiner Aufregung versiegt bald und ich verliere mich in den warmen Laken und der weichen Matratze unseres großen Bettes.

*

Ich sehe im Morgengrauen auf den Fluss vor mir. Drei in der Nacht errichtete Brücken liegen wie schwarze Schatten auf dem vom Mondlicht schimmernden Fluss. Es ist kalt, aber nicht eisig. Um mich herum Offiziere, Infanterie und Reiter, ich höre Französisch aber auch andere Sprachen. In der Menge herrscht eine wohlige Aufregung, leutselige Angriffslust gepaart mit verhohlener Anspannung. Ich und mein Kamerad überqueren den Fluss mit unseren Pferden auf der mittleren Brücke. Als wir auf der anderen Seite ankommen, spricht uns ein anderer Reiter an. Im Halbschatten des anbrechenden Tages erkenne ich nur seine Silhouette.

„Welches Korps?“

„Murat“, sage ich, nicht ohne Stolz. „Und Ihr?“, frage ich zurück.

„Junot“, erwidert der Mann, ebenso stolz.

„ Was passiert jetzt?“, frage ich weiter.

„Es geht direkt nach Smolensk“, erwidert der Reiter. „In Mogilew hat man uns gesagt, dass wir uns hier mit euch zusammentun würden. Jetzt geht es auf diese Allee dort. Sie führt direkt nach Smolensk. Wir sind schon ein gutes Stück des Weges darauf geritten, eine wahrhaft prächtige Allee.“

Mein Kamerad und ich nicken bloß. Wir steigen auf unsere Pferde und schicken uns an, zu unseren Kameraden zu reiten. Der Reiter aus Junots Korps fasst sich zum Abschied an den Hut und gibt seinem Pferd übertrieben eifrig die Sporen. Mein Kamerad und ich tauschen einen vielsagenden Blick aus.

Wir reiten eine gute Weile auf der tatsächlich prächtigen, birkengesäumten Allee. Im Trott und im Lichte der aufgehenden Sonne fallen mir vor Kälte immer wieder die Augen zu. Als ich wieder einmal drohe, dem Sekundenschlaf anheim zu fallen, kommt plötzlich wieder Bewegung in die Menge vor uns: Feindkontakt bei Krasnyj, eine Division von knapp 8000 Mann. Bereit machen zum Angriff!

„Das sind Newerowskijs Männer“, weiß einer der Offiziere, „frische Rekruten, leichte Beute.“

Diebische Freude macht sich breit und bevor ich mich versehe, greifen wir an. Obwohl zahlenmäßig und an Waffen haushoch überlegen, gestaltet sich unser Angriff schwieriger als erwartet. Newerowskij stellt seine Soldaten in einer verlängerten Karreeformation auf. Statt sich panisch in alle Winde zu zerstreuen und leichte Angriffsfläche zu bieten, ziehen sich die gegnerischen Soldaten ruhig und dicht beieinander stehend zurück. Mehrmals sehe ich mir dabei zu, wie ich den Säbel auf ein Schild niedersausen lasse, ohne jede Emotion.

Wir dezimieren den Gegner zwar um fast zweitausend Soldaten, müssen dafür aber fast dreißig Angriffe starten. Am Ende erreicht Neweroskij Korytnja, wo er Verstärkung erhält. Wir sehen uns zum Rückzug genötigt.

Am selben Abend vernehmen wir die Kunde, dass Napoleon Korytnja erreicht habe. Da es sein Geburtstag ist, wird er mit hundert Schuss Salut begrüßt. Beim dreiunddreißigsten Schuss wache ich auf.

*

Ich liege inmitten der Dunkelheit. Direkt neben mir höre ich das einem monotonen Rhythmus folgende Atmen meiner Frau. Ich starre an die Decke und fühle mich wie ein Astronaut im Weltraum, frei schwebend und verloren. Krampfhaft unterdrücke ich den Impuls, Klara zu wecken und ihr von diesem Traum zu erzählen. Obwohl ich instinktiv die Flucht ergreifen will, bleibe ich reglos im Bett liegen. Irgendwann drehe ich mich zur Seite, berühre die schlafende Klara leicht am Arm und versuche mich an ihr festzuhalten, körperlich und mental. Ihre Anwesenheit beruhigt mich zunächst, aber dann denke ich daran, dass in ihrem Körper zwei Herzen schlagen und dieser Gedanke kommt mir plötzlich so fremd und eigenartig vor, dass ich für einen Moment das Gefühl habe, den Verstand zu verlieren.
Ich schaue auf die Uhr. Fünf Uhr zweiunddreißig. Ich schlage die Decke zurück und schäle mich aus dem Bett. Ich gehe in den Flur und hebe den Hörer vom Telefon. Die Uhrzeit ist mir egal, ich brauche Hilfe. Ich wähle eine Nummer in Berlin. Jonas Leit, Freund und, viel wichtiger, Psychologe.

„Leit hier“, ertönt es nach einiger Zeit verschlafen aus dem Hörer.

„Jonas, ich bin’s“, sage ich.

Ein resigniertes Schnaufen. „Du weißt schon, dass Deutschland nur eine Zeitzone hat?“

„Das weiß ich“, erwidere ich. „Ich würde auch nicht anrufen, wenn es nicht wichtig wäre. Ich glaube, ich verliere den Verstand.“

Sofort ist Jonas alarmiert. Ich höre förmlich, wie er sich im Bett aufrichtet.

„Erzähl von Anfang an!“

Seine plötzliche Professionalität beruhigt mich. Er wird mir helfen können, davon bin ich überzeugt. Ich erzähle ihm alles, von der Szene im Supermarkt, von den Träumen, von den Recherchen im Internet, von meinem bisherigen Wissensstand und der Genauigkeit der Fakten im Traum. Ich erzähle ihm von meiner Angst einzuschlafen und von den teilweise sehr real wirkenden Empfindungen im Traum. Und Jonas hört zu. Er hört aufmerksam zu. Als ich fertig bin, schweigt er einen Moment lang.

„Gut“, sagt er schließlich. „Ich denke, wir sollten zunächst vereinfachen: Du träumst vom Krieg. Dass das alles mit den historischen Fakten übereinstimmt, lassen wir mal außen vor. Krieg im Traum deutet meist auf einen Konflikt hin, einen bewusst herbeigeführten. Er kann für die Angst stehen, in etwas hineingezogen zu werden, das man eigentlich nicht will. So, ich wage jetzt mal eine steile These: Du und Klara, ihr bekommt ein Kind. Das habt ihr ja geplant, geh ich zumindest von aus. Und jetzt, so kurz vor der Entbindung, merkst du plötzlich, dass dieses kleine Lebewesen dein bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Deine Freiheit, deine Unabhängigkeit, deine Hobbies, das ist bald alles passé. Und du trägst einen Kampf mit dir aus: Willst du so leben? Willst du das alles aufgeben? Gibt es einen Ausweg? Das ist dein innerer Kampf! Verantwortung für Klara und das Kind gegen individuelle Entfaltung und Unabhängigkeit!“

„Wow“, sage ich nach einer kurzen Pause.

„Nicht schlecht, was?“, erwidert Jonas. Der Stolz in seiner Stimme ist auch über den Hörer zu vernehmen.

„Nein“, sage ich lachend in den Hörer hinein, „das ist der größte Bockmist, den ich je gehört habe.“

„Ach, leck mich doch!“, keift Jonas zurück und ich höre nur noch ein Klacken.

Ich überlege kurz, ob ich ihn zurückrufen soll, lass es dann aber bleiben. Ich fürchte, er kann mir auch nicht helfen, gleichgültig, ob an seiner Theorie etwas dran ist oder nicht.

Ich kehre zurück ins Schlafzimmer, lege mich neben die immer noch schlafende Klara und warte darauf, dass der Tag anbricht. Als die Sonne den Raum ins Morgenlicht taucht und Klara langsam aufwacht, kommt mir das Gespräch mit Jonas plötzlich so unwirklich vor, dass ich mich frage, ob ich ihn wirklich mitten in der Nacht angerufen habe.

Der Tag mit Klara beginnt mit der üblichen Routine. Wir stehen gemeinsam auf, erst dusche ich, dann sie, und während sie sich fertig macht, gehe ich die Brötchen holen. Als ich die Wohnung wieder betrete, rieche ich den Duft von Kaffee. Klara erwartet mich lächelnd am Küchentisch und ihr Anblick beruhigt mich augenblicklich. Ich setze mich hin, wir schmieren Brötchen, ich trinke Kaffee, lese aus der Zeitung und wir unterhalten uns ein wenig über belanglose Dinge. Alle diese kleinen Rituale geben mir die Gewissheit: Ich bin immer noch ich. Ich bin fest verankert in diesem Leben, ich werde bald Vater und wir werden eine glückliche Familie sein. Alles wird gut. Träume sind Schäume.

Kurz vor Mittag beenden wir das Frühstück. Klara geht ins Wohnzimmer, um ihre Schwangerschaftsgymnastik zu machen, ich räume den Tisch ab. Ich fühle mich hellwach und das beruhigt mich. Solange ich nicht müde bin oder werde, ist meine Laune bestens.

Doch als ich gerade einen Teller in die Spülmaschine räumen will und ich mich hinunterbücke, um die Klappe aufzumachen, kommt es ganz plötzlich. Ich schieße aus der gebückten Haltung nach oben, fasse mir wie bei einem Hexenschuss ans Kreuz und spüre den Blitz, wie er durch meinen Körper schießt. Der Teller gleitet aus meiner Hand, knallt auf den Boden und zerspringt in mehrere Teile. Ich schreie laut auf und denke noch: Herzanfall?

Ich fühle nichts. Dann wird es schwarz.

*

Um mich herum erschöpfte Soldaten, mit todmüden Augen blicken sie einander an. Es ist noch früh am Morgen, die Sonnenkugel hat den Horizont noch nicht ganz überwunden. Die Luft ist klar und taufrisch. Neben mir, auch auf dem Pferd, ist mein Kamerad, er hat einen Verband um den Kopf. Ich schaue nach vorne und sehe über die Köpfe der Infanteristen hinweg eine unendlich breit erscheinende, ungefähr acht Meter hohe Mauer aus dicken Ziegeln. Entlang der Mauer erkenne ich vor einem rötlichen Himmel zehn massive Festungstürme; ein faszinierender Anblick. Dahinter, so denke ich, muss sich eine prächtige Stadt verstecken. Und dann wird es mir schlagartig bewusst: Smolensk.

„Nicht mal dreizehntausend“, sagt mein Kamerad ungläubig. „Nicht mal dreizehntausend Einwohner, und wir tun so, als sei es Moskau.“

Ich nicke. Offenbar haben wir bereits einen Angriff geführt, der aber abgewehrt wurde. Wir sollen uns wohl ausruhen, bis ein erneuter Angriff befohlen wird. Mein Kamerad und ich lenken unsere Pferde durch die Menge und erreichen bald ein freies Feld südöstlich der Stadtmauern. Im Schatten der großen Kastanien am Flussufer erkenne ich ein großes, weißes, von Soldaten bewachtes Zelt. Wir reiten darauf zu. Als wir näher kommen, bemerke ich, dass bereits einige Pferde vor dem Zelt stehen. Wir steuern auf diese zu, steigen vor ihnen ab und leinen unsere Pferde dann ebenfalls an einem provisorisch errichteten Geländer an. Mein Kamerad geht vor mir auf den Eingang des Zeltes zu, ich hintendrein. Als er die weiße Zeltplane zurückschlägt, fällt mein Blick sofort auf einen prächtig gekleideten, hochgewachsenen Mann mit langen, fast schwarzen Locken. Und wieder weiß ich sofort, wer das ist: Joachim Murat, auch genannt Gioacchini I., König von Neapel. Er steht staatsmännisch vor einem wuchtigen Sekretär, auf dem einige Karten ausgebreitet sind. Neben ihm stehen vier Soldaten, wahrscheinlich seine Adjutanten. Als Murat den Blick hebt und unserer gewahr wird, huscht ein Lächeln über sein Gesicht.

„Ah, Lyautey, Bruyère, gut, dass Sie kommen“, sagt er laut und deutlich und macht eine einladende Handbewegung.

Wir gehen auf den Tisch zu, bleiben kurz davor stehen und nicken den Anwesenden kurz zu. Alle Blicke richten sich wieder auf die Karte. Murat nimmt einen Zeigestock und zeigt damit auf einen Punkt auf der Karte.

„Gut, Rajewski mit seinem 7. Korps hat unseren Angriff heute morgen erfolgreich abgewehrt, meine Beobachter melden Truppenbewegungen auf der anderen Seite des Flusses. Vermutlich hat Barclay seinen Angriff auf Rudnja abgebrochen und ist Bagration zu Hilfe geeilt. Mit anderen Worten: Wir haben sie!“

Gute Laune macht sich breit. Offensichtlich sind die anwesenden Militärs das ewige Versteckspielen leid und freuen sich, dass der Gegner sich endlich mal dem Kampf stellt.

„Morgen früh werden wir zunächst die Vorstädte außerhalb der Mauern angreifen“, fährt Murat fort, „dann sehen wir weiter.”

Ich will einwenden, dass der Plan reichlich naiv klingt, aber alle Anwesenden schauen Murat nur bewundernd an und so unterdrücke ich den oppositionellen Geist in mir. Der Kampfgeist wird obsiegen, so lautet scheinbar die Devise.

„Ein völlig sinnloser Plan“, eröffnet mein Kamerad Lyautey mir, als wir das Zelt wieder verlassen haben. „Die Vorstädte außerhalb der Stadtmauern nutzen uns gar nichts. Der Kampf um sie verschwendet nur Energien.”

Ich nicke bloß. Statt mich auf ein Gespräch einzulassen, frage ich mich, welche Rolle ich und mein Kamerad in diesem Feldzug spielen. Offensichtlich sind wir hochrangige Offiziere, sonst dürften wir wohl kaum so nah bei Murat sein. Aber wenn wir hochrangige Offiziere sind, wo sind dann die uns unterstellten Truppen? Oder sind wir bloß Abenteurer, die einen Krieg mitmachen wollen?

Gerade als ich meinen Kamerad fragen will, ergreift dieser wieder das Wort.

„Wir sollten uns um ein Nachtlager kümmern“, schlägt er vor. „Ich habe auf unserem Weg hierher ein Bauerngehöft ausgemacht. Dort werden wir nächtigen.”

Wieder nicke ich bloß. Wir machen uns auf den Weg und reiten ein gutes Stück Richtung Süden, weg von Smolensk. Wir reiten eine halbe Stunde, dann sehe ich einen kleinen Hof mit einer Scheune davor. Vorsichtig nähern wir uns dem Hof, er scheint verlassen zu sein. Wir steigen von den Pferden ab, lassen sie einfach auf dem Vorhof stehen und inspizieren mit gezückten Waffen die Räume. Schnell stellt sich heraus, dass hier seit Jahren niemand mehr wohnt. Das Dach ist marode und hat riesige Löcher, Mobiliar und Küchenutensilien fehlen völlig, der Kamin ist kalt und leer.
So ziehen wir die Scheune dem Hof vor. Wir binden unsere Pferde dort an einen Balken, schnallen die Decken ab und wählen für unser provisorisches Nachtlager eine Stelle, von der die umliegende Gegend gut zu überblicken ist.

Schlafen, denke ich. Dann aufwachen, denke ich weiter. Bei Klara und dem Kind.

Mein Kamerad erzählt mir kurz vor dem Einschlafen noch von der Gräfin Inès de Bourges, die er zu heiraten gedenkt, sobald er zurück in Frankreich ist. Sein antiquiert romantisches Gesäusel erzielt den von mir gewünschten Effekt. Ich schlafe ein. Das letzte Bild in meinem Kopf ist das Bild von Klara.

Ich komme, ich komme zurück zu dir.

*

Als ich aufwache, fühle ich mich wie ein Felsblock, der im Dunkeln auf Stein liegt. Tastend greife ich um mich.

„Klara“, rufe ich fragend in den Raum hinein. „Klara?“

Ich spüre eine Hand, die sich an mein Gesicht heran tastet. Ich atme auf. Erleichterung macht sich breit.

„Wer ist Klara?“

Ich schrecke hoch. Noch im Dunkeln erfühle ich das Gesicht des Mannes neben mir, obwohl ich ihn längst an der Stimme erkannt habe: Mein Kamerad.

„Das kann nicht sein“, schreie ich laut auf. „Warum bin ich noch hier?“

„Das frage ich mich auch manchmal“, erwidert Lyautey lapidar.

„Ich gehöre nicht hierher“, rufe ich.

„Niemand gehört hierher“, kommt es trocken zurück. „Aber es herrscht nun mal Krieg!“

Lyautey packt mich am Kragen und schüttelt mich.

„Reiß dich zusammen, Bruyère, wir sind Offiziere, putain!“

Ich versuche es, aber ich schaffe es nicht.

„Du verstehst nicht“, schreie ich Lyautey an, „ich schlafe noch. Ich müsste aufwachen, in meiner Welt. ICH GEHÖRE NICHT HIERHER!“

Lyautey haut mir eine runter. Ich fühle seine flache Hand auf den Stoppeln meines Bartes, ich fühle den Schmerz auf der Wange und empfinde ihn als echt.

„Ich kann es fühlen“, sage ich verdattert und streiche mit meiner eigenen Hand über die Wange. „Ich kann es fühlen.”

„Das hoffe ich“, sagt Lyautey. „Und jetzt steh auf, bevor ich mich vergesse.“

Lyautey zieht mich hoch und schubst mich von sich weg. Ich stolpere aus der Scheune in mein Pferd hinein. Es wiehert laut auf. Ich fühle alles, denke ich. Ich fühle alles. Das kann nicht sein.

Wir steigen auf die Pferde, ich gebe meinem die Sporen, ich spüre den Wind auf meinem Gesicht, ich spüre den Sattel unter mir, ich fühle die Zügel in meiner Hand und atme die frische Luft ein. Ich spüre und weiß es: Ich bin jetzt hier. Alles ist echt.

Ich fühle mich ohnmächtig und doch funktioniere ich. Ich reite neben meinem Kamerad die Landstraße hinunter, in den strahlenden Morgen hinein. Nach einer Weile sehe ich die Truppen am Horizont; Infanterie, Reiterstaffeln und Gardeartillerie in Formationen, die insgesamt wie ein über das weite Areal ausgelegter Flickenteppich wirken. Dazwischen, davor und dahinter erkenne ich auf ihren Hengsten die Generäle, Offiziere und Leutnants, die mit erhobenen Säbeln Befehle geben. Standarten werden geschwenkt, Trommeln geschlagen, der Staub des sandigen Bodens hüllt die ganze Szene in einen hellbraunen Nebel. Pferde schnauben laut durch ihre geweiteten Nüstern, Männer geben ähnlich animalische Laute von sich und es scheint, als weiche die Erde selbst zurück vor dieser geballten Kraft.

Ich fühle, wie langsam Adrenalin in mir aufsteigt, ich fühle rasende Wut und reite wie ein Indianer in die Menge hinein. Ich zücke meinen Säbel, presche an eigenen Soldaten vorbei auf den Feind zu und schwinge schließlich den Säbel in die Menge. Ich fühle die Klinge in knochiges Fleisch dringen, ich höre das Ächzen meiner Feinde, deren Blut auf meine Kleidung und in mein Gesicht spritzt. Ich kann es auf der Zunge schmecken. Ich reite, ich schreie und ich töte, und fühle mich lebendig in dieser Raserei. Ich bin gefangen in einem Rausch zerstörerischer Wut und fühle mich dennoch frei wie nie zuvor.

Ich kann nicht sagen, wie lange dieser Rausch andauert. Irgendwann kehrt die Vernunft zurück und ich werde ruhig. Ich betrachte wieder nüchtern die Realität, emotionslos und kalt. Der Feind hat sich zurückgezogen, eine Kampfpause tritt ein. Jeder zieht sich in sein Lager zurück und leckt seine Wunden. So auch ich und Lyautey. Wir versorgen unsere Pferde am Fluss, mein schwarzer Hengst hat ein paar Schnittwunden davon getragen, aber er wirkt immer noch stark und majestätisch. Zusammen mit anderen, gewöhnlichen Soldaten führen wir unsere Pferde an den Dnjepr, damit sie das Flusswasser trinken können.

Als wir schon eine gute Viertelstunde dort stehen und uns angeregt mit einigen Artilleristen unterhalten, sehen wir plötzlich einige Gestalten auf der anderen Seite des Flusses, die sich dem Ufer nähern. Es sind russische Kanoniere, die ihrerseits Pferde zur Tränke an den Fluss führen. Wir schauen uns verdutzt an, dann huscht ein breites Grinsen über unser Gesicht und auch die Russen fangen an zu lachen. Wir rufen uns gegenseitig lustige Beschimpfungen zu, von denen keiner die Bedeutung auch nur erahnt. Als einer unserer Leute ihnen ein bisschen Tabak zuwirft, nehmen die russischen Kanoniere diesen dankbar auf. Auch sie werfen eine Kostprobe ihres Tabaks zu uns rüber und auch einige Getränke. Ich probiere einen Schluck aus einem der Schläuche. Es ist hochprozentiger, klarer Alkohol und er brennt in meiner Kehle. Ich fühle ihn in meine Gedärme dringen, seine Wirkung breitet sich in meinem ganzen Körper aus. Es ist ein gutes Gefühl. Zum Dank nehme ich meinerseits Tabak aus meiner Satteltasche, stopfe ihn in ein kleines Säckchen mit einem Stein und werfe ihn den russischen Kanonieren zu. Ein breiter, bärtiger Mann mit strahlenden Zähnen nimmt ihn dankbar auf und lächelt mir kurz zu.

„Jetzt lachen wir noch mit ihnen“, meint Lyautey, „aber morgen werden wie keine Sekunde zögern, sie zu töten.”

„Ja“, erwidere ich vielsinnig, „es ist erstaunlich, wie gelassen wir den Wahnsinn ertragen, den wir die Realität nennen.“

Am späten Nachmittag kommt der Befehl zur allgemeinen Erstürmung der Stadt. Offenbar hat Napoleon erkannt, dass die Russen die Stadt nicht verlassen werden, um sich dem Kampf zu stellen. Lyautey und ich schauen beeindruckt zu, als über zweihundert Kanonen das Feuer eröffnen. Da Smolensk wie ein großes Amphitheater strukturiert ist, haben wir von unserer erhöhten Position einen formidablen Blick auf das Kriegsgeschehen. Wir sehen, wie über 50 000 Mann beherzt auf die Stadtmauern vorrücken und sich einem Trupp russischer Dragoner unter General Skallon zum Kampf stellen. Die hoch stehende Sonne leuchtet jeden Fleck der Kriegsarena aus und ich kann trotz der Entfernung erkennen, wie ein französischer Soldat einen russischen Offizier vom Pferd zieht und ihm das Bajonett zwischen die Rippen stößt, wie ein Infanterist einen Kürassier mit bloßen Händen erwürgt und wie ein polnischer Reiter einen Dragoner skalpiert.

„Es ist wunderschön, nicht wahr?“, sage ich und ernte das Nicken meines Kameraden.

„Es ist erhaben und erbauend, so viele Männer zu sehen, die ihrer Natur freien Lauf lassen“, erwidert Lyautey.

Irgendetwas an dem Satz meines Kameraden macht mich stutzig, lässt mich innehalten. Die Kriegslust, der ich mich eben noch hingab, beschämt mich plötzlich. Ich denke an Klara, an die Wärme ihres Körpers, an das Leben in ihrem Bauch. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, durchfährt ein Schmerz meinen Körper, wieder einmal. Dann aber erkenne ich, dass dieser Schmerz aus einer spontanen Erkenntnis heraus entstanden ist. Ich sehe das Schlachtfeld vor mir, ich sehe meinen Kameraden und ich weiß auf einmal, was zu tun ist.

„Lyautey“, sage ich, an meinen Kameraden gewandt, „ich gehöre nicht hierher. Ich muss nach dort unten, um Erlösung zu finden. Ich wünsche dir alles Gute.”

Noch bevor Lyautey etwas antworten kann, gebe ich meinem Pferd die Sporen und galoppiere die Anhöhe hinab. Wieder reite ich an den Infanteristen, den Offizieren und Reiterhorden vorbei ins Kriegsgetümmel. Mein Ziel ist die Mauer. Ich erkenne, dass ein polnisches Bataillon den Kampf um die Vorstädte bereits hinter sich gelassen hat und nun versucht, auf die hohe Mauer vorzudringen. Mit welchem Gerät sie dann die Mauer überwinden wollen, ist mir schleierhaft, aber es geht mir ohnehin nicht mehr um die Kriegstaktik.

Als die Mauer noch gute dreißig Meter entfernt ist und ich bei einem polnischen Soldaten ankomme, der gerade mit einem russischen Infanterist ringt, zücke ich den Säbel und stoße ihn mit ungeahntem Geschick in den Brustkorb des Feindes. Ich ziehe den Säbel wieder aus seinen Eingeweiden und springe alsbald vom Pferd. Der gerettete polnische Kamerad wirft mir einen knappen, wertschätzenden Blick zu, dann wirft er sich auch schon dem nächsten Russen an den Hals. Ich gebe meinem Hengst einen Klaps und sehe, wie er herrenlos davonreitet. Als ich mich umdrehe, sehe ich einen breiten, bärtigen Mann mit strahlendem Grinsen auf mich zukommen. Ich werfe meinen Säbel auf den Boden, mache drei vier, Ausfallschritte und springe meinem Gegner dann mit aller Kraft an die Gurgel. Überwältigt von meinem Eigengewicht, fällt der bärtige Russe hintenüber und schlägt mit dem Hinterkopf auf den Boden auf. Doch als würde ihm dieser Sturz nichts ausmachen, greift der Mann seinerseits mit seinen groben Pranken nach meiner Kehle und beginnt, zuzudrücken. Ich spüre, wie es mir die Luft abschnürt und sich das Blut in meinem Kopf staut. Halte ich zu Beginn den Hals des Gegners auch noch fest in den Händen, entgleitet er mir, je länger mir die Luft zum Atmen fehlt. Ich merke, wie ich langsam aber sicher den Kampf gegen diesen Mann und für dieses Leben verliere und ich bin nicht einmal traurig darüber. Dann eben ein anderes, denke ich noch.

Das Letzte, was ich wahrnehme, ist das hassverzerrte Gesicht des Russen, der mir mit geweiteten Augen und schnaufenden Nüstern beim Sterben zusieht. Ich versuche noch, ihn anzulächeln, aber mir gelingt, so glaube ich, nur eine Fratze. Das Bild vor mir verschwimmt, ich spüre den Taumel der Bewusstlosigkeit, den Mangel an Sauerstoff, dann herrscht totale Dunkelheit. Ein paar Geräusche des Kriegsgeschehens hallen noch in meinem Trommelfell nach, dann bin ich auch schon weg.

*

Aus der Dunkelheit heraus schießt ein Blitz direkt in meine Augen. Gleißendes Weiß erfüllt mich durch und durch. Nach und nach nehme ich das Licht genauer wahr. Es ist ein Kranz aus kleinen Sonnen mit einem noch helleren Strahl in der Mitte, der mich blendet.

„Er ist ohnmächtig geworden“, sagt jemand aus dem Hintergund. „Schwester, kümmern Sie sich um ihn.“

Ein engelsgleiches Wesen beugt sich zu mir hinab. Als ich fragen möchte, wo ich bin, erfüllt ein Schrei den Raum, der mir bis ins Mark dringt. Es ist der unnachahmliche Schrei eines Neugeborenen.

Zuhause, denke ich, und lächle.

C.P. Heynk

C.P. Heynk wurde 1978 im Münsterland geboren und stammt aus einer deutsch-irischen Familie. Er hat im Rahmen seines Fremdsprachenstudiums (Englisch/Französisch auf Lehramt ) das erste Mal an einem Seminar für Kreatives Schreiben teilgenommen und bisher drei Kurzgeschichten in Anthologien des Dr. Ronald Henss Verlages und des Anglistischen Seminars der Universität Bonn veröffentlicht.

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