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Simona Turini / Trümmer

truemmerZombie sind schwer tot zu kriegen. Im gezielten Fall eh nicht, im literarischen Bereich haben sie die Nacht und gierig noch den Tag dazu längst mit Grauen, Grusel, Gestank, Gewalt und Gedärm besetzt. Freilich: Tot zu lesen würden sie irgendwann sein. Der Markt bietet fast unübersichtlich viel an Material; das ist (natürlich!) bei Weitem nicht alles gut, das ist oft vorgekaut, wird schlecht gewürzt, nicht wirklich richtig (un-)appetitlich serviert, das macht lustlos und im Vorfeld schon satt.
Die Idee allein, dass Tote atmen, fressen und niemals schreien, wenn ihre eigenen Eingeweide, Augen, Knochen herausgerissen werden, macht es nicht, es gehört mehr dazu. Deutlich. Und tatsächlich gibt es immer wieder Autoren, – und das sind die besonders gut Verdammten -, die mit Neuland verblüffen, gleichsam vom bewährten Blut durchtränkt, gleichsam fürchterlich und immer fürchterlicher noch als Reiseziel, aber eben frisch beackert, besät, bepflanzt. Simona Turini hat mit Trümmer (Herausgeber: Torsten Exter) für eine ordentliche Ernte gesorgt. Sauber gemacht.

Das Phantastikon schickte mit dem Book of the Dead einen amerikanischen Alptraum in die Schlafkojen der Leser, die nicht schlafen können, weil ihre Mägen knurren. Postwendend folgte Zombie Zone Germany: Heimische Schauerarbeit aus den Könnerhänden starker Schreiber. Zu ihnen gehört Turini, die mit ihrer Novelle die Zombie-Reihe des Amrûn-Verlags fortsetzt. Atemlos lesbar, es geht schnell, es geht schlimm, es geht spannend zur Sache. Und: Es wird erzählt. Korrekt.
Es wird nicht nur wild geschlachtet. Freilich: Wenn…, dann…
In seinem Vorwort zu Zombie Zone Germany sagt Exter:

„Die Gewalt war tief und dunkel. Schlug um sich. War in uns gedrungen, in den ersten Atemzug am Morgen und den Letzten vor den grauen Träumen der Nacht.“

Das passt. Trümmer. Trauer. Tod. Tollheit. Alles zerschlagen. Kaputt wie die Unschuld. Wie die Moral.

„Ich bin kein Monster. Ich bin ein ganz normaler Kerl, der nicht vor die Hunde gehen will. Ich will überleben. Manchmal sind solche Dinge nötig, um zu überleben. (…)“ (Simona Turini)

Amrûn Verlag
106 Seiten
Taschenbuch 6,90 €
ISBN 978-3958690455

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: “Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.” – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“, e-books: „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), Beiträge in: „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag Jürgen Eglseer), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM, Doc Nachtstrom und Bernhard Reicher), “Zwielicht 9” und “Zwielicht Classic” (Achim Hildebrand, Michael Schmidt)

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