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Serienkiller Part XIII: Ted Bundy

Er war einer von den smarten Kerlen, die Mütter gern als Schwiegersöhne hätten. Charmant, gebildet, höflich, attraktiv zudem. So ausgesprochen klingt das nach Bilderbuchmann. Klingt aber mehr nach krassester Gänsehaut, wenn man den Namen raunt.

bundy313Ted Bundy: Einer der gefährlichsten, kältesten und grausamsten Serienkiller in der amerikanischen Geschichte. Einer, dem für offiziell von ihm gestandene 33, schätzungsweise aber 60, vielleicht auch für 100 begangene Frauenmorde im Florida State Prison am 24. Januar 1989 im Morgengrauen 2300 Volt durch den Körper gejagt wurden. Mit seinem Tod auf dem elektrischen Stuhl endete eine Serie an perversen Gewalttaten, die eine Blutspur durch sieben US-Bundesstaaten hinterließ, deren unverwechselbarer Gestank nach Entsetzen, Angst und Schmerz bis heute die Luft verpestet.

Seine letzten Worte vor der Hinrichtung waren ein Gruß mit seiner unverwechselbar sanften Stimme an „meine Familie und Freunde“.
Der freilich blieb weniger in der Erinnerung haften als seine Überzeugung.

„Ich war nicht pervers.“

Und letztendlich sein Jammern.

„Ich will nicht sterben.“

Ted Bundy, dieser kluge, so selbstsicher auftretende Beau, wäre für seine Greueltaten gern mit dem Prädikat Unzurechnungsfähig davon gekommen. Ein letzter Versuch seiner Anwältin Polly Nelson, die darauf plädierte, dass er psychisch krank und nicht verantwortlich sei, um Bundy vor dem von ihm mit Furcht und gleichsam mit Unverständnis erwarteten Urteil zu bewahren. Das war 1979, ein Jahr nach seinem letzten Mord in Florida, wo man ihn nach einer beispiellosen Jagd über den gesamten nordamerikanischen Kontinent endlich verhaftete. Da war er dreiunddreißig.

Bundy landete 1980 wegen dreifach erwiesenen Morde im Todestrakt, und erst am Tag vor seiner Hinrichtung gestand er immerhin weitere 30 Morde, schilderte sogar, wie er einigen der Frauen posthum den Kopf abgetrennt habe, um diesen eine Weile in seiner Wohnung als Souvenir aufzubewahren. Bundy, dreimal zum Tode verurteilt, wartete neun Jahre auf die Vollstreckung, von den Anwälten verzögert für irgendeine groteske Gnade.

Vorausgegangen war eine von Kaltschnäuzigkeit blutgetränkte Odyssee eines Mannes, der seit 1973 mordete, verhaftet und aus Mangel an Beweisen wieder laufen gelassen wurde, der mordete, wieder geschnappt wurde, floh, weiter mordete, Bundesländer durchquerte, mordete, bis er 1978 endgültig gefasst wurde.

Mark Harmon

Mark Harmon

Der Fall bot bis dahin schon genügend Material für Titelseiten, TV-Sendungen, Bücher Doktorarbeiten und, drei Jahre vor der Hinrichtung, gut Stoff für eine sehr wohl beachtenswerte Film-Produktion (The Deliberated Stranger – Alptraum des Grauens, Regie: Marvin J. Chomsky) mit dem „Sexiest Man Alive“ (People Magazine 1986), Mark Harmon, in der Rolle des Killers. Der Film, ein zweiteiliges Drama, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Seattle Times-Reporters Richard W. Larsen, der Ted Bundy interviewt hatte.

Während der Flucht und Fahndung setzte das FBI  ein Kopfgeld von 100.000 Dollar auf ihn an. Und warnte die weibliche Bevölkerung eindringlich, auf der Hut zu sein vor diesem so gefährlichen Mann mit dieser so großen Anziehungskraft.

Bundy flirtete. Darin war er erfolgreich, er war ein Frauentyp. Frühere Bekanntschaften von ihm erinnerten sich an seine ungewöhnliche Ausstrahlung, seine jungenhaft kokette Art.

Dass er zugleich ein Mistkerl war, bestätigten Ex-Freundinnen wie Ann Rule im Nachhinein:

„Ein sadistischer Soziopath, der das Leid eines anderen Menschen genoss.“

Dass diese sadistische Neigung eines selbstverliebten Psychos sich in Massenmorden entladen würde, hat allerdings hat wohl keine seiner Verflossenen auch nur in ihren schlimmsten Visionen geahnt.

Bis auf Elizabeth Kloepfer, eine frühere Geliebte, bei der nach den ersten Leichenfunden in Seattle ein Phantombild und die Suche nach einem VW-Käfer, den ihr alter Freund Bundy fuhr, die Alarmglocken läuteten. Sie informierte die Polizei, Ted wurde auf die Liste der Verdächtigen gesetzt. Das war 1975. Und das war es vorerst. Sein bestialisches Spiel ging, nachdem Bundy Seattle, wo er Jura studiert hatte, nicht nur weiter. Es wurde extremer.

Seine ersten etlichen Opfer, langhaarige junge Frauen, oft Studentinnen, verschleppte, folterte, vergewaltigte und tötete er, indem er sie erschlug oder erstach, anschließend verstümmelte oder „nur“ verscharrte, ohne sich an den Leichen nochmals sexuell zu befriedigen. In Utah und den angrenzenden Staaten Idaho und Colorado, wo Bundy sich nach Seattle aufhielt, verschwanden erneut immer wieder Frauen. Es boten sich Schreckensbilder. Ihre toten Körper waren entstellt, geschändet, von Bisswunden versehrt, einige der Opfer schienen nachträglich geschminkt worden zu sein.

Bundys letzte Anwältin Polly Nelson, die den Killer vergeblich für unzurechnungsfähig erklären lassen wollte, erklärte sehr viel später:

„Ted war die Verkörperung des herzlosen Bösen.“

Ob sie das von Anfang an so gesehen hat oder es im Nachhinein so sehen wollte, bleibt fragwürdig. Bundy war in der Lage, trotz allem, was die Vernunft strikt dagegen sprechen lässt, Menschen für sich zu gewinnen und zu beeinflussen. Prozessbeobachter zeigten durchaus Respekt vor seinem beeindruckenden Auftreten und seiner Intelligenz.

Prozess in Miami

Prozess in Miami

Für etliche Frauen im Gerichtssaal, die zu den Verhandlungsterminen kamen und ihm ins Gefängnis schrieben, ihn dort auch besuchten, war Bundy primär keineswegs der perverse Triebtäter, sondern der gutaussehende, sensible, so sympathisch auftretende Mann, dem irgendwie großes Unrecht widerfuhr. Einige himmelten ihn geradezu an, vielleicht in der Überzeugung, mit einer von ihnen an seiner Seite wäre er der bessere Mensch geworden. Oder könnte es noch werden.

Der Verwaltungsangestellten Carol Ann Boone machte Bundy, nachdem sie in den Zeugenstand gerufen wurde, einen Heiratsantrag. Die schwer verliebte Carol wurde Mutter, als Bundy bereits im Todestrakt saß. Ob es Bundys Tochter ist, – sie wäre jetzt 34 -, wurde nie wirklich bestätigt, offiziell zumindest waren sexuelle Kontakte während der Besuchszeit für ihn streng verboten. Mittel und Wege gab und gibt es aber immer, auch Bestechung wäre drin gewesen.

Der TV-Prediger James Dobson interviewte Bundy in seiner Todeszelle vor laufenden Kameras am 23. Januar 1989, einen Tag vor der Hinrichtung. Der zeigte sich gesprächig, erzählte von seiner Familie, seinem Studium, von seiner Lust an Pornografie und von den toten Frauen. Und lächelnd beschrieb er sich selbst:

„Ich war eigentlich eine normale Person. Ich führte ein normales Leben. Bis auf diesen kleinen, doch sehr machtvollen und destruktiven Bestandteil, den ich vor allen geheim hielt.“ (Ted Bundy)

bundymalfies1988 nahm Krimiautor Thomas Harris ihn in seinem Psychothriller Das Schweigen der Lämmer (Film: 1991) als Vorlage für den Killer „Buffalo Bill“. 2002 wurde die Geschichte des schönsten Bösen Amerikas nach der Verfilmung von 1988 mit Michael Reilly Burke als Bundy (Titel schlicht: Ted Bundy, Regie: Matthew Bright) ) nochmals auf die Leinwand gebracht, ein drittes Mal dann 2008 mit Corin Nemec (Bundy: An American Icon, Regie: Michael Feifer) in der Rolle des Mörders.
In der Popkultur wird Ted Bundy, dessen Asche in den Bergen der Kaskadenkette im US-Bundesstaat Washington liegt, als Ikone des Wahnsinns dargestellt. Diese Frage der Ehre teilt er sich mit Charles Manson & Co.

 

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)