Scott Lynch auf der WorldCon 75

© Jana Blomqvist

Eines der am heißest ersehnten Bücher der Fantasy-Community ist neben Patrick Rothfuss‘ „The Doors of Stone“ und George R. R. Martins „The Winds of Winter“ Scott Lynchs Fortsetzung der außerordentlichen „Gentleman-Bastards“-Serie. Mittlerweile veröffentlicht, erscheint das Buch bei uns am 11. Juni 2018 bei Heyne.
Die Helsinki-Times hat Scott zur WorldCon 75 interviewt.

Einige Autoren schaffen es, einen am Kragen zu packen und nicht mehr loszulassen. Scott Lynch ist einer davon. Mit seinen Geschichten, die oft als „Ocean’s Eleven der Fantasy“ beschrieben werden, hat Lynch seine Erstklassigkeit bewiesen, wenn es darum geht, vorbildliche Charaktere, aber auch fantastische Handlungsstränge und Handlungswechsel zu schreiben. Als sein Name auf der Gästeliste der WorldCon 75 erschien, wussten wir, dass wir die Woche nicht verstreichen lassen durften, ohne ein paar Worte mit ihm zu wechseln.

Zunächst einmal – und ohne Bezug zu den folgenden Fragen – Glückwunsch zur Heirat und zum Umzug.

Danke! Der Umzug war das größere Problem.

Wie läuft’s denn so in letzter Zeit?

Alles scheint ziemlich gut zu laufen, außer … Ich bin ständig auf Science-Fiction-Conventions, während ich eigentlich an meinem nächsten Buch arbeiten sollte.

Die obligatorische Frage, der wohl niemand aus dem Weg gehen will: wie kommt das Buch voran?

Alles an meinem vierten Buch, Das Schwert von Emberlain, kommt wirklich gut voran. Ich mache nur ein bißchen Spaß, wenn ich sage, dass ich besser zu Hause sein sollte, um daran zu arbeiten [lacht], anstatt hier in Schweden und Finnland zwischen den Conventions hin und her zu reisen, aber einige dieser Dinge sind unvermeidlich; so merkwürdig es auch scheint, dies als berufliche Verpflichtung zu betrachten. Trotzdem ist es natürlich so.
Meine Frau und ich werden einen Zeitraum von 2 Monaten haben, bevor wir wieder nach Hause kommen. Ich hoffe, dass ich das Buch in dieser Zeit fertig bekomme, damit wir anfangen können, ein Veröffentlichungsdatum festzulegen. Mit dem meisten Material bin ich sehr zufrieden, und ich denke, dass ich das, was in den nächsten acht Wochen nicht so gut laufen wird, danach wieder reparieren kann.

Großartig! Jetzt zum Beispiel George R. R. Martin und Patrick Rothfuss. Die beiden bekommen eine ganze Menge Mist zu hören von Leuten, die über die Verspätung ihrer Romane erbost sind …

Das tun sie, ja, manchmal ist es geradezu lächerlich. Pat bekommt eine enorme Menge an Beschimpfungen ab, insbesondere online. Ich meine, George geht es genauso, aber er steht auch irgendwie darüber. Er kümmert sich nicht wirklich darum; George ist groß genug, um einen Scheiß darauf zu geben, und Pat ist eben immer noch – relativ gesehen – ein wenig näher an seinen Lesern dran und hat noch nicht ganz den Geldspeicher eines Dagobert Duck, in den er eintauchen kann. Ich meine, er macht sich nicht schlecht, aber Pat bekommt, glaube ich, die bösartigsten aller Online-Kommentare, und ich verstehe es einfach nicht. Wir sind Menschen, wir sind Künstler, wir schreiben mit der Geschwindigkeit, mit der wir eben schreiben. Uns zu sagen, dass man unsere Arbeit wirklich liebt, aber dann, dass man uns verdammt nochmal für jede Verspätung hasst und dass wir uns an unsere Schreibtische nageln und schreiben sollten, bis das Buch fertig ist … das macht keinen Sinn. Du kannst nicht beides haben. „Du bist ein fauler Bastard! Jetzt gib mir das Ding, das ich wirklich begehre, das so gut ist, wie nur du es zu schreiben vermagst!“ (Gelächter)

Fühlst du dich, als ob du auch ein Stück von diesem Scheiß abbekommst, oder bist du dem aus dem Weg gegangen?

Es hat gerade erst in den letzten, sagen wir mal 2 Monaten angefangen, weil es eine Menge Dinge gab, über die ich reden wollte, eine Menge Entwicklungen, die nicht nur mit meinen Büchern zu tun hatten, sondern auch mit verschiedenen anderen Dingen, die vorerst unter Verschluss bleiben müssen. Wie sich herausgestellt hat, war ich nicht in der Lage, über eines dieser Themen zu sprechen. Und das ist zur Abwechslung mal nicht ausschließlich meine Schuld. Es ist also nur ein Beispiel, wie die langsam sich die Räder des Verlagswesens und der Industrie bewegen. Was ich als gigantische Reihe von Ankündigungen erwartete, war eigentlich ein langer, dummer Sommer der Stille. Möglicherweise können wir das bald beheben, aber trotzdem …

Das ist eines dieser Dinge, bei denen meine Frau und ich entdeckt haben, dass der Reise- und Werbeaspekt sehr wichtig ist und es wunderbar ist, Leser zu treffen. Es tut gut, aus dem Haus zu gehen und Ferien zu machen, Redakteure und Agenten in anderen Ländern zu treffen und so weiter, aber es wird währenddessen keine Arbeit erledigt. Ein bisschen hier und da sein, und viel Recherche, viel nützliches Zeug, aber keine eigentliche Arbeit am nächsten Buch. Also freue ich mich darauf, diesen Hurensohn endlich festzunageln.

Gibt es etwas am Schreibprozess, von dem du dir wünscht, die Leute würden es verstehen – obwohl es ja offensichtlich nicht so ist?

Im Grunde genommen – und nur sehr wenige Menschen erkennen das oder denken überhaupt darüber nach – ist es so, dass etwas, das man in Stunden oder Minuten konsumiert, Monate oder Jahre gedauert hat, bis es es fertig war. Ein 20-seitiges Comicbuch oder den Teil einer Graphic Novel … dafür braucht ein Schriftsteller oder ein Künstler einen Monat, um es zu machen. Sie brauchen 20 Minuten, um es zu lesen.

Was das Schreiben selbst betrifft, wie lange würdest du sagen dauert deine Planung, bevor du überhaupt mit dem Schreiben beginnen kannst? Diese Phase, in der du die Dinge nur durchdenkst.

Für Das Schwert von Emberlain war es anders als sonst, weil dies das Buch ist, das ich ursprünglich in den Jahren 2000-2001 geschrieben hätte, ich hatte also 15 Jahre Zeit, um über dieses Buch nachzudenken, und das ist nicht üblich.

Gewöhnlich würde ich sagen, dass der Hauptstrang, den ich zu einem bestimmten Roman bearbeite – was normalerweise das Schreiben des vorherigen Romans miteinschließt – ein oder zwei Jahre dauert, und idealerweise brauche ich für die Niederschrift ein oder zwei Jahre. So ist es bei meinen ersten beiden Romanen gelaufen, aber seitdem ist es etwas schwieriger geworden. Ich möchte dorthin zurückkommen, an dem die tatsächliche Abfassung eines Romans nicht länger als 6-8 Monate dauert, und nicht ein langwieriger 4-Jahres-Prozess ist, angefüllt mit Angst.

Aber noch einmal: wenn das Buch jemand liest, dauert es 8-12 Stunden, mich aber hat es vier Jahre gekostet. Ich denke, die Leute denken einfach nicht über die Diskrepanz dieser unterschiedlichen emotionalen Beteiligung nach.

Ich habe gelesen, dass die ersten drei Bücher der siebenteiligen Serie als Einführung in die Welt und die Figuren gedacht ist, und die vier folgenden Bücher den eigentlichen Punk der Geschichte darstellen. Ist das wahr?

Ja, das ist immer noch ziemlich wahr. Ursprünglich war ich fest entschlossen, die Geschichte mit dem Schwert von Emberlain, also dem vierten Buch, beginnen zu lassen. Aber nach etwa zwei Kapiteln, die ich schon geschrieben hatte, bemerkte ich, dass ich die Charaktere nicht gut genug kannte. Es fühlte sich einfach nicht richtig an. Also brach ich erst einmal ab und schrieb im Wesentlichen drei Prequels dazu.

Das schmälert jetzt vielleicht die anderen Romane, obwohl das nicht meine Absicht ist, aber ich fragte mich, wie meine Leser sich zu einem Setting mit diesen Figuren hingezogen fühlen könnten, wenn ich mich selbst nicht ausreichend mit ihnen identifizierte.

Also ja, es wird einen großen strukturellen Unterschied zwischen der ersten Hälfte der Serie und der zweiten Hälfte geben. Die erste Hälfte bestand aus Standortwechseln, Standortwechseln, Standortwechseln. Die zweite Hälfte wird vielmehr verankert sein. Wir werden auch hier einige neue Schauplätze sehen, aber wir werden immer wieder nach Emberlain und ins Königreich der Sieben Ströme zurückkehren, um die Grundeinstellungen wiederherzustellen.

Kannst du uns erzählen, was wir von Das Schwert von Emberlain erwarten können oder ist es immer noch streng geheim? Diejenigen, die alle Spoiler vermeiden wollen, springen besser zur nächsten Frage.

Es ist nicht ganz geheim. Ich kann Dinge, die ich bereits gesagt habe, bestätigen und mich darum bemühen, nichts zu verderben. Das Buch beginnt etwa 6 Monate nach dem Ende der Republik der Diebe an der Nordwestküste des Kontinents, wo sich Locke gerade befindet, im Stadtstaat Emberlain. Im Mittelpunkt steht der eigentliche Bürgerkrieg im Königreich der Sieben Ströme.

Jedes Buch hat eine thematische Verschiebung erfahren. Das erste Buch war im Wesentlichen die Racheerzählung, das zweite Buch war ein Diebesroman, das dritte Buch bestand aus Politik und Romantik, und dieses Buch handelt von Krieg. Locke und Jean werden sich an einem Vorhaben beteiligen, das sie in direkten Kontakt mit einem sich entfaltenden Bürgerkrieg bringt, und ihre Bemühungen, davon zu profitieren, werden ihr Leben für immer verändern.

Wir werden auch auf eine neue Besetzung von Figuren treffen, die in völliger politischer Opposition zu allem stehen, was Locke und Jean erreichen wollen, und das ist Anton Strata und seine Familie. Er ist ein Teenager, der sich in einem sehr üblen Teil des Bürgerkrieges wiederfindet, um am Leben zu bleiben, und um sein Recht auf eine eventuelle Thronfolge einzufordern.

Locke und Jean haben in den früheren Büchern die gerüchteweise drohende Gefahr eines Bürgerkrieges im Königreich der Sieben Ströme dazu benutzt, um auf betrügerische Weise Geld zu verdienen, und jetzt ist es tatsächlich passiert und es wird die Welt ernsthaft in die Scheiße reiten, entschuldige meine Ausdrucksweise.
Es handelt sich also um die bisher größte der Gentleman Bastards-Sequenzen, was den Aufwand betrifft. Wir werden echte Schlachten sehen. Es gibt eine Menge Neuerungen, und es wird die größte Herausforderung und den kompliziertesten Infiltrationsplan geben, den Locke je durchgeführt hat.

Ich freue mich sehr darauf, es zu lesen! Republik der Diebe endete auf eine sehr unerwartete Weise, sowohl für die Leser als auch für die Charaktere. Es fühlte sich an, als hätte die Serie eine komplette Wendung in eine andere Richtung genommen. Kannst du ein wenig über dieses Ende sagen, und hat es dich schockiert oder wusstest du bereits, dass die Bücher darauf aufbauen würden?

Meistens wusste ich es. Ich arbeite nach einem sehr ausgeklügelten und krankhaft ordnungsbedürftigen Plan. Ich arbeite jede Skizze aus, verbinde die ganze Vorarbeit mit kleinen Linien – ich bin ein Übersichts-Fetischist. Alles verlief nach Plan, obwohl es am Ende des dritten Buches eine gigantische Wendung gab, und wer es gelesen hat, weiß, was in der letzten Szene passiert und wer da aus einem früheren Roman zurückkehrt. Ursprünglich war das nicht geplant. Wir alle wollten diese Person nie wieder sehen. Als mir diese Szene in den Sinn kam, als ich sah, was da passierte, konnte ich sie nicht mehr aus den Augen verlieren. Ich musste es einfach so schreiben. Die Geschichte hat also eine bedeutende Veränderung erfahren, und das war’s dann auch schon. Alles andere ist im Grunde immer noch genau da, wo es eingeplant war.

Du hast bereits erwähnt, dass du deine Geschichten im Vorfeld sehr genau planst. Lässt du auch zu, dass während des Schreibprozesses einfach etwas so passiert?

Ich bin fasziniert von dieser Vorstellung – sie scheint mir so romantisch zu sein –, aber ich habe große Schwierigkeiten damit, das tatsächlich zuzulassen. Obwohl, typischerweise komme ich bei meinem strengen Plan bereits auf 30-40% der ganzen Arbeit. Bis dahin habe ich so viel Zeit mit meinen Charakteren verbracht, dass ich sie ein wenig besser kenne. Es ist zwar nicht so, dass sie plötzlich die Macht übernehmen; ich glaube nicht an diese Art von Anthropomorphisierung – ich denke, das ist eher etwas Seltenes – aber du hast mehr Zeit mit ihnen verbracht, und Winkel und Möglichkeiten, die vorher vielleicht nicht gleich offensichtlich waren, erscheinen plötzlich klar, weil du eine bessere Vorstellung davon hast, was die Figuren alles tun könnten. Sie können Wege einschlagen, die Sie vorher nicht für möglich gehalten haben. Sie kommen noch immer an den gewünschten Endpunkt, aber der Weg wird etwas facettenreicher. Soweit habe ich mich in meiner eigenen Geschichte dann doch verirrt.

Ich betrachte dich als einen der Top-Weltenbauer, oder zumindest ist deine Welt zum verlieben.

Oh ja! (Gelächter)

Was ist das Beste und das Schwierigste daran, neue Welten zu erschaffen, und was denkst du, ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sich eine Welt organisch und real anfühlt?

Offensichtlich liebe ich es, das zu tun. Die Schwierigkeit ist … es gibt zwei Hauptschwierigkeiten. Erstens, dir selbst die Erlaubnis zu geben, nicht alles zu erzählen. Es ist eine sehr schwierige Sache, das zu entscheiden. Es dauert Jahre, um herauszufinden, was man benutzen sollte und was nicht.

Die eigentliche Frage im Weltenbau ist nicht, wie viel kann ich auf die Seiten packen, sondern wie viel kann ich damit erreichen, wenn ich es den Leuten nicht wirklich erzähle? Denn die Alternative besteht darin, diesen uneleganten Informations-Overkill-Schreibstil zu bekommen, in dem jeder, der sich mit einem anderen trifft, sich in seinem Dialog extra Zeit nimmt, um zu erklären, was er tut.

„Als Autor finde ich, dass diese Interviews, die mein Verleger mit den Zeitungen arrangiert, für die ihr Jungs arbeitet …“

„Wie du weißt, Bob, ja, wir befinden uns in einem Raum auf einem Planeten, der die Sonne umkreist.“ (Gelächter)

Wie ich vorhin auf einem Panel sagte, wiederholen sich die Leute. Sie erzählen sich immer wieder dieselben Geschichten. Sie benutzen immer wieder dieselben Füller in Interviews, zwinkern, zwinkern, schubsen. Man erklärt nicht ständig: „Der Stuhl, auf dem du sitzt, wurde aus Holz und Plastik hergestellt, und diese Dinge sind blah, blah, blah, blah, blah“, es sei denn, du bist eine verdammt verrückte Person. O.k., möglicherweise gibt es einige verrückte Leute dort draußen, die das genau so handhaben, aber es ist nicht gerade ein Zeichen für geistige Gesundheit. Aber das ist genau das, was man in vielen Geschichten wiederfindet, wenn die Figuren unelegant – natürlich mit den besten Absichten – Menschen, die ja in diesen Geschichten zu Hause sind, die Welt erklären. Es ist eine wirklich schöne Kunst, dem Leser gerade genug Hinweise zu geben, um den betreffenden Punkt zu verstehen, ohne die Erzählung und die Menschen darin zu überwältigen. Das ist es, was mir wirklich Spaß macht.

Die andere Sache ist die Erkenntnis, dass alles Weltenbau ist. Weltenbau hat diese negative Konnotation als eine Art Hausaufgabe, die man vorher einfach erledigen muss. Wenn du dieses Buch genießen möchtest, dann ist hier zuerst das Glossar, und dann die Karte, und dann sagen wir dir dies und das, und hier ist die Hintergrundgeschichte darüber, wer den und den umgebracht hat, und wer den und den gefickt hat, und wer den und den töten wollte, und wer den und den ficken wollte, bis hin zu den ersten derer und solcher vor 3 Milliarden Jahren. (Gelächter)

Alles in einer Geschichte ist in der gleichen Weise Weltenbau wie alles über uns auch Weltenbau ist. Jedes Stück Technologie, das wir mit uns herum tragen, jedes Kleidungsstück, das wir anhaben, die Pässe in unseren Taschen, der Inhalt unserer Brieftaschen, dieses seltsame Ding, das du an dem Gurt um deinen Hals hast und was es macht (er bezieht sich auf die Kamera des Fotografen), und warum du es trägst, und warum wir in diesem Gebäude sind, die Texte auf den Schildern … all diese Dinge sind Hinweise darauf, woher wir kommen, wo wir sind, etc.. Und so ist es auch mit den fiktiven Charakteren auf den Seiten. Was sie anziehen, was sie essen, was sie entscheiden, was sie trinken, was sie schätzen, was sie wollen, das ist alles Weltenbau und es geht weiter bis zur letzten Seite der Geschichte. Es ist nicht alles nur so: „Hier ist die Karte und hier sind deine 50 Seiten mit den verdammten Hintergrundinformationen. Merk dir das, damit du Spaß an der Geschichte hast.“ Es gibt Möglichkeiten, die Geschichte eleganter und authentischer zu gestalten, und ich tue dies, weil es für mich als Schriftsteller befriedigender ist. Du musst dich dabei amüsieren, sonst machst du nur ungeliebte Arbeit.

Hast du jemals Das Spiel der Götter von Steven Erikson gelesen?

Ja, ich habe die ersten Teile der Malazan-Bücher gelesen, aber ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen, die ganze Serie zu lesen.

Mir geht es genauso, und mir ist aufgefallen, dass er genau das Gegenteil von dem macht, was du sagst: er erklärt fast nichts. Man liest die Bücher und denkt: „Wer ist dies und wer ist das und wo sind sie überhaupt, was ist hier verdammt noch mal los?“ Und es funktioniert.

Ja, für diese Bücher benötigst du eine lange Phase, um zu wissen, was gespielt wird, sie machen es einem nicht einfach.

Die meisten Leser geben bereits während des ersten Buches auf, aber jeder, der durchgehalten hat, sagt, dass es atemberaubend ist; aber du musst dich durch dieses erste irritierende Buch kämpfen.

Die Bücher sind brillant und komplex, aber es ist sehr entmutigend, hineinzukommen. In gewisser Weise verkörpern sie das Ideal, um den Leser einzustimmen … wie bei dem alten Aphorismus über das langsame Kochen eines Frosches, wo die Temperatur Grad für Grad erhöht wird. Diese Bücher wollen ihren Leser auf diese Weise zum Kochen bringen, sie wollen es einfach nicht gleich am Anfang tun.

Genau. Nun, ich habe gelesen, dass du stark von der Final Fantasy Spieleserie beeinflusst wurdest, oder zumindest von Final Fantasy VI …

Oh mein Gott, ja! Final Fantasy, das ich auf dem Nintendo Entertainment System gespielt habe, und Final Fantasy IV und Final Fantasy VI, Final Fantasy VII und Chrono Trigger … im Grunde genommen sind alle wichtigen japanischen Rollenspiele, die in den Vereinigten Staaten von 1988-1995 in Übersetzung verfügbar gewesen waren, mehr oder weniger mit meinem Hintergrund verwoben, ja.

Uns läuft die Zeit davon, also stelle ich jetzt noch eine letzte Frage: Wer sind deine Lieblingsautoren, oder was sind deine Lieblingsbücher in diesem Moment?

Nun, ich bin ein ewiger Anhänger von Frank Herberts Dune. Ich habe alles gelesen, was Frank jemals veröffentlicht hat, und ich bin zu spät zur Party gekommen, weil er gestorben ist, als ich 8 Jahre alt war, leider, aber ich war ein von Frank Herbert besessener Teenager und ich habe nie die Ehrfurcht vor seiner Arbeit verloren; sogar das naive und alberne Zeug von ihm ist großartig.

Ich bin ein großer Margaret Atwood Fan. Sie war mir sehr wichtig, als ich noch jung war. Matthew Woodring Stover ist der Typ, der einem Mentor am nächsten kommt. Er ist ein sträflich unterschätzter, brillanter Science Fiction- und Fantasy-Autor. Barbara Hambly – eine andere stark unterschätzte Fantasy- und Science Fiction-Autorin – hat in den 80er Jahren eine Menge Dinge gemacht und ist leider irgendwie aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden, und das ist überhaupt nicht fair.

Jack Vance, C. J. Cherryh und Poul Anderson … Zu Andersons Werk kam ich ziemlich spät in meinem Leben, vor etwa 10 Jahren oder so, aber alles, was ich von ihm gelesen habe, war wunderbar und prägend für viele meiner eigenen Arbeiten.

C. L. Moore, eine Science Fiction-Autorin der 40er und 50er Jahre; Leigh Brackett, eine weitere bahnbrechende SciFi- Romanzen / Sword & Sorcery-Autorin aus den 40er Jahren; Fritz Leiber, einer meiner literarischen Helden … ein absolut brillanter, witziger, skurriler, langlebiger Mann mit einer sehr langen Karriere [lacht]. Ich wünschte, ich könnte ihm das nachmachen!

Robert E. Howard – der Autor der Conan-Geschichten – hatte eine wirklich unübertroffene Leidenschaft für das, was ihm wirklich wichtig war, was in den Conan-Geschichten auch durchscheint.

Die Arbeit meiner Frau, Elizabeth Bear. Wir mochten die Arbeit des jeweils anderen, bevor wir anfingen, uns zu verabreden. Gottseidank. Wir sind uns einig, dass wir wohl keine Beziehung führen könnten, wenn wir die Arbeit des anderen nicht ertragen könnten [Gelächter]. Es wäre unglücklich und unangenehm.

Das ist eine sehr lange Liste! Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen!

War mir ein Vergnügen!

Am 11. 06. 2018 erscheint bei Heyne der langersehnte 4. Teil der Gentleman-Bastards-Reihe.

Staff

Das Beste im Kollektiv.