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Sarah Pinborough/F. Paul Wilson – Die letzte Plage

plage_hauptEine verheerende Seuche bedroht die Menschheit. Die Ursache der Pandemie ist allerdings kein Virus, sondern eine mutierte Fliege, deren Stich unweigerlich zum Tod führt. In unüberschaubaren Schwärmen überziehen die Fliegen den Globus. Die Krankheit, die sie verbreiten, ist zwar nicht ansteckend, dafür dienen die Opfer als Brutstätten unzähliger neuer Nachkommen. Kein noch so intensiver Einsatz von Pestiziden kann die Lage abmildern. Das Schicksal der menschlichen Zivilisation scheint besiegelt.
Im Zentrum des Romans steht das Ehepaar Nigel und Abby. Beide leben in London, einer Stadt, in der zusehends die Infrastruktur zusammenbricht. Menschen wagen sich nur noch in Schutzanzügen ins Freie. Ein normales Leben ist unmöglich. Abby ist Krankenschwester und muss hilflos mitansehen, wie immer mehr Menschen der Seuche zum Opfer fallen. Mehr und mehr empfindet sie die Fliegenplage als göttliche Strafe. Ihr Mann ist dagegen mehr der rationale Typ. Er glaubt nur an beweisbare Fakten. Als Reporter hat er in Afrika nach dem Ursprung der Seuche gesucht. Seinen Recherchen zufolge ist der Versuch fehlgeschlagen, die Tsetsefliege mittels Gamma-Strahlung steril werden zu lassen. Bei den Experimenten wurde offenbar eine weitere Fliegenart bestrahlt, deren Mutationen nun die weltweite Seuche verbreiten. Der dafür verantwortliche Forscher lebt in London. Als Nigels Unterlagen gestohlen und gegen seinen Willen veröffentlicht werden, kommt es zu gewaltsamen Unruhen in den Straßen. Ein Lynchmob setzt das Haus des Forschers in Brand, wo er zusammen mit seiner Frau und Tochter stirbt. Obwohl Nigel schuldlos an der Tragödie ist, fühlt er sich für den Tod der Familie verantwortlich. Als eine Art Sühne beschäftigt er sich daher mit einem anderen Fall, dem Verschwinden eines kleinen Mädchens. Während rund um ihn Millionen von Menschen sterben, konzentriert sich Nigel auf das Leben eines einzigen Kindes. Ohne es zu ahnen, führen ihn seine Nachforschungen aber zum wahren Geheimnis der Seuche.
Das Autorenteam Pinborough/Wilson entwirft ein zutiefst düsteres Endzeit-Szenario. Dabei zeigen sie auf, wie unterschiedlich Menschen auf eine scheinbar übermächtige Bedrohung reagieren. Während einige, wie Nigel, nach einer logischen, wissenschaftlich erklärbaren Ursache suchen, haben andere bereits resignierend jeden Lebenswillen verloren. Religiöse Menschen, wie Abby, sehen dagegen hinter der Katastrophe eindeutig das Wirken Gottes. Extreme Sekten gehen sogar so weit, ganz bewusst die Seuche zu verbreiten, da sie offenbar im Sinne einer höheren Macht handeln.
Obwohl die Pandemie aus der Sicht eines Paares geschildert wird, bleibt der Roman seltsam gefühllos und kalt. Der Verlauf des weltweiten Sterbens wird wie eine nüchterne Reportage berichtet. Nicht einmal eine Spur von schwarzem Humor ist zu finden. »Die letzte Plage« ist ein Endzeit-Thriller über Glaube, Hoffnung, Schuld, Sühne, Fanatismus und Verzweiflung, in seiner Gesamtheit wirkt er jedoch eiskalt und defätistisch. Eine Apokalypse, die gerade aufgrund ihrer fehlenden Emotionalität das nackte Grauen hervorruft. Definitiv kein Buch für depressive Gemüter.

Sarah Pinborough/F. Paul Wilson: DIE LETZTE PLAGE (A NECESSARY END)
Luzifer Verlag, 2014
Pb., 328 Seiten, € 12,99
ISBN: 978-3-95835-014-4
Aus dem Englischen von Kalle max Hofmann

Andreas Wolf, im April 2015

Andreas Wolf

Geboren im Jahr des Tigers und Sternzeichen Löwe, schreibt unter Pseudonym düstere Erzählungen und Romane und unter seinem bürgerlichen Namen Rezensionen für das Magazin “phantastisch!”.

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