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Robert E. Howard – Teil 11

Novalyne Price schrieb ein Buch über ihren toten Freund Robert: One who walked alone

Novalyne Price schrieb ein Buch über ihren toten Freund Robert: One who walked alone

Im Herbst 1934 trat eine Frau in Howards Leben. Es war Novalyne Price, eine neu in Cross Plains tätige, zwei Jahre jüngere Lehrerin für Spracherziehung. Eine zierliche, schöne und ehrgeizige junge Frau, die in sich die Neigung zum Schreiben verspürte.

Novalyne und Howards Freund Clyde Smith kannten sich bereits seit der siebten Schulklasse in Brownwood. Und dort hatte er sie Howard auch einmal kurz vorgestellt.

„He was not dressed as I thought a writer should dress. His cap was pulled down low on his forehead. He had on a dingy white shirt and some loose-fitting brown pants that only came to his ankles and the top of his high-buttoned shoes.
He took of his cap and I saw that his hair was dark brown, short, almost clipped. He ran his hand over his head.” (Novalyne Price)

In Cross Plains begegnen sich die beiden wieder und empfanden nach kurzer Zeit eine tiefe, freundschaftliche Zuneigung zu einander.
Während ausgedehnter Autofahrten erörterten sie ihre Erfahrungen im Bezug auf die Schriftstellerei und diskutierten ein weites Spektrum von Themen, für die sie in dem kleinen Ort Cross Plains sonst keine Gesprächspartner fanden.

„Bob war jemand, der in Worten schwelgte. Er redete über Politik und seine Sicht der Welt. Er redete gern über Bücher. Die Worte flossen ihm wohl am leichtesten, wenn er Geschichten um Leute spann, die er nicht kannte.
Wenn wir zum Beispiel an einem Mann vorbeifuhren, der an einem kalten Tag auf einem Pferd ritt, konnte Bob eine fantastische Geschichte um diesen Mann ersinnen.“ (Novalyne Price)

Die Freundschaft zwischen Robert E. Howard und Novalyne Price besaß romantische Züge, überschritt aber nie die von den engen Moralvorstellungen ihrer Zeit gesetzten Grenzen.
Doch zwischen dieser Freundschaft stand auch von Anfang an die geheime Rivalität zwischen der jungen Freundin Howards und seiner kranken, alten Mutter, die er pflegte, und die durch ihre langjährige Tuberkuloseerkrankung zur Invalidin geworden war.

„Während er daheim war, half er im Haushalt, und als eine Mutter krank wurde, übernahm er die volle Verantwortung, für sie zu sorgen.
Für mich heißt das nicht, dass er einen Mutterkomplex hatte, wie es manche Leute angedeutet haben.“ (Novalyne Price)

Howards psychische Labilität und seine starke Bindung zu seine Mutter, die bereits lange Zeit erkrankt war, hatten ihn bereits mehrmals an den Rand des Selbstmordes getrieben
Als er dann am 11. Juni 1936 erfuhr, dass seine Mutter ins Koma gefallen war, setzte er sich an seine Schreibmaschine und schrieb:

ALL FLED – ALL DONE, SO LIFT ME ON MY PYRE
THE FEAST IS OVER AND THE LAMPS EXPIRE.

(SO HEBT MICH AUF DEN SCHEITERHAUFEN –
ENTSCHWINDEN SAH ICH DIE GESICHTER,
DES LEBENS FEIER IST GELAUFEN,
DER TOD LÖSCHT ALLE LICHTER).

Danach ging Howard hinaus, stieg in sein Auto, kurbelte die Fenster hoch, setzte sich einen Revolver an die Schläfe und drückte ab. Howard lebte nach diesem Selbstmordversuch noch acht Stunden, kam aber nicht mehr zu Bewusstsein und verstarb an den Folgen der Schussverletzung.
Ein Tag später, am 12. Juni 1936, verstarb auch Howards Mutter, Hester Jane Ervin, nach dreitägigem Koma.

nclydeAls Novalyne Price am 15 Juni 1936 ihr Zimmer im Studentenwohnheim aufsuchen wollte, um Robert E. Howard eine lange aufgeschobenen Brief zu schreiben, wurde ihr an der Rezeption ein verspätet weitergeleitetes Telegramm nachgereicht, datiert auf den 11. Juni.
Als sie es las, fielen ihr vor Schreck alle Lehrbücher aus den Händen: „Bob Howard brachte sich heute um. Seiner Mutter geht es sehr schlecht.“
Robert E. Howard hatte sich erschossen. Alle seine Freunde, versuchten danach jeweils auf ihre eigene Weise, damit fertig zu werden.
Sein Freund Clyde Smith verfasste noch am selben Tag, als er vom Tod seines Freundes aus der Zeitung erfuhr, ein Gedicht über Howard: THE CLOSED DOOR (Die geschlossene Tür).
Novalyne Price schrieb ein Buch über Howard, ONE WHO WALKED ALONE, in dem sie die Zeit ihrer Freundschaft mit Robert E. Howard lebendig werden ließ.
Der Roman wurde 1986 veröffentlicht und 1996 unter dem Titel THE WHOLE WIDE WORLD mit Vincent D’Onofrio als Robert E. Howard und Renée Zellweger als Novalyne Price verfilmt.

Sein einziger phantastischer Roman erschien nach seinem Tod

Sein einziger phantastischer Roman erschien nach seinem Tod

Robert E. Howards einziger phantastischer Roman ALMURIC erschien erst nach seinem Tod. Vom Juni bis August 1939 wurde er in drei Teilen im Pulp-Magazin WEIRD TALES veröffentlicht.
In dem Roman ALMURIC wird der Held Esau Cairn aus Versehen von Professor Hildebrand auf den Planeten Almuric transportiert, auf dem seltsame Bestien, Barbaren und fliegende Menschen leben, die gegen die Barbaren Krieg führen.

Auch nach Howards Tod erschienen noch einige seiner Geschichten in WEIRD TALES. So u. a. die Erzählungen BLACK HOUND OF DEATH im November 1936, DIG ME NO GRAVE im Februar 1937, SOUL EATER im August 1937 sowie PIGEONS FROM HELL im Mai 1938.

Die einzigen zwei Novellen, die Robert E. Howard um den erdachten Haudegen BLACK TERENCE VULMEA aus der abenteuerlichen Zeit der Karibikpiraten schrieb, wurden zu Howards Lebzeiten nicht mehr veröffentlicht.

„Sowohl die Gestalt Vulmeas als auch seine Abenteuer sind unverwechselbar Howard. Vulmea ist der ‚gute’ Schurke, der zwar nicht die Gesetze, wohl aber moralische Werte achtet.
Und Howard begnügt sich nicht mit den typischen Elementen der Piratenerzählung. Wie in seine besten Fantasy – Abenteuern begegnen wir auch hier alten, längst verlassenen Städten, in denen das Grauen lauert, übernatürliche Rache und legendären Schätzen, die der Tod in vielerlei Gestalt bewacht.“ (Hugh Walker)

BLACK VULMEA’S VENGEANCE erschien 1938, zwei Jahre nach Howards Tod in dem Magazin GOLDEN FLEECE und SWORDS OF THE RED BROTHERHOOD (Die rote Bruderschaft) erstmals 1976 in der Buchausgabe BLACK VULMEA’S VENGEANCE.

Auch keine der Erzählungen um seine Heldin AGNES VON CHASTILLON, die im 16. Jahrhundert angesiedelt sind, erschienen zu Lebzeiten Howards.
Die drei Geschichten, SWORD WOMAN (Die schwarze Agnes), BLADES FOR FRANCE (Degen für Frankreich) und MISTRESS OF DEATH (Braut des Todes), wurden 1966 ebenfalls in Howards Nachlass entdeckt, die letzten beiden davon unvollständig.
SWORD WOMAN scheint im Jahr 1934 von Robert E. Howard geschrieben worden zu sein. Denn in einem Brief von C. L. Moore vom Januar 1935 heißt es: „Großartig! Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir „Sword Woman“ gefiel. Sicher stehen ihr große Abenteuer bevor, und man möchte gern mehr darüber erfahren.“

Howards zweite Heldin, die RED SONJA, erblickte in nur einer einzigen Story das Licht der Literaturwelt. THE SHADOW OF THE VULTURE (Horde aus dem Morgenland, Terra Fantasy # 37, Pabel Verlag) erschien im Januar 1934 im Pulp Magazin ORIENTAL STORIES/MAGIC CARPET, wo die Heldin im 16. Jahrhundert ihr Abenteuer erlebt. RED SONJA ist somit keine Zeitgenössin Conans, wie dies später in diversen Comic-Abenteuer der Fall war.

cormacVon Howards Helden CORMAC MAC ART erschienen ebenfalls keine Erzählungen zu seinen Lebzeiten. Sie wurden erst später in Robert E. Howards Nachlass entdeckt.
Die Abenteuer des CORMAC MAC ART sind in der Zeit des halbmystischen König Arturs angesiedelt.
Auf den britischen Inseln kämpfen Pikten, Gälen, Sachsen und Jüten mit den halbromanisierten Briten um die Vorherrschaft, während sich vom Norden her der erste Strom südwärts eindringender Wikinger bemerkbar macht.
Von den vier Erzählungen um den gälischen Helden blieben TIGERS OF THE SEA (Krieger des Nordens, Terry Fantasy # 23, Pabel Verlag) und THE TEMPLE OF ABOMINATION (Tempel des Grauens, Terry Fantasy # 23, Pabel Verlag) unvollendet.
Der Autor Richard C. Tierney vollendte sie. Von Tierney stammen etwa 1/3 von KRIEGER DER NORDENS und die letzten drei Seiten von TEMPEL DES GRAUENS.
Die beiden anderen Geschichten mit CORMAC MAC ART, SWORDS OF THE NORTHERN SEA (Die Nacht der Schwerter, Terry Fantasy # 23, Pabel Verlag) und THE NIGHT OF THE WOLF (Die Rache der Pikten, Terry Fantasy # 23, Pabel Verlag), die 1969 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, waren dagegen vollständig erhalten geblieben. 1974 erschienen alle vier Geschichten in einer Buchausgabe.

AGNES VON CHASTILLON und RED SONJA in deutscher Übersetzung (Pabel Verlag)
Terra Fantasy # 37
Die schwarze Agnes (Sword Woman)
Degen für Frankreich (Blades for France)
Braut des Todes (Mistress of Death)
Horde aus dem Morgenland (The Shadow of the Vulture)

BLACK VULMEA in deutscher Übersetzung (Pabel Verlag)
Terra Fantasy # 86
Die rote Bruderschaft (Swords of the Red Brotherhood)
Black Vulmeas Rache (Black Vulmea’s Revenge)

CORMAC MacART in deutscher Übersetzung (Pabel Verlag)
Terra Fantasy 23
Krieger des Nordes (Tigers of the Sea)
Tempel des Grauens (The Temple of Abomination)
Die Nacht der Schwerter (Swords of the Northern Sea)
Die Rache der Pikten (The Night of the Wolf)

Ingo Löchel

Ingo Löchel wurde 1968 in Köln geboren. Im Alter von 10 Jahren begann er Fantasy- und Horror-Romane sowie Heftromanserien wie „Mythor“, „John Sinclair“ und „Tony Ballard“ zu lesen.
Seit dieser Zeit zählen u. a. Autoren wie Robert E. Howard, H. P. Lovecraft, Clark Ashton Smith, Michael Moorcock, Karl Edward Wagner und Dean R. Koontz zu seinen Lieblingsautoren.
Etwas später kam er durch Mickey Spilane, Colin Forbes, Jack Higgins und Robert Ludlum auch mit dem Krimi- und Thriller-Genre in Berührung.

2001 erschienen die beiden Anthologien „Tod eines Satanisten – Dunkle Stunden“ (VirPriV Verlag) und „Jenseits des Happy Ends” (Go–BeJot Verlag), in denen zum ersten Mal Kurzgeschichten von ihm veröffentlicht wurden.

Danach folgten weitere Veröffentlichungen u. a. im Abendstern Verlag, im Adina-Online Verlag und im Wortwelten Verlag sowie die Veröffentlichung seiner ersten beiden Romane im Adina-Online Verlag.

Neben seinen Kurzgeschichten und Romanen schrieb er auch Artikel und Essays für das Magazin „Omicron“ sowie für die Literaturzeitschrift „Wortwelten“. Seit 2007 ist er Redakteur des Online-Magazins „Zauberspiegel“.

2012 schuf Ingo Löchel nach der Fantasy-Serie “Der letzte König von Atlantis“, den Horror-Serien „Frank Bauer“, „Frederik Darkstone“ und „Erben des Blutes“, die Horror-Western-Serie „Dead City“, die seit Juli 2015 im Elvea Verlag erscheint.

Im Juli 2015 startete zudem seine Horror-Serie “Frederik Darkstone” im Verlag Beyond Affinity.

Im Oktober 2015 folgt die Horror-Serie “Erben des Blutes”, die ebenfalls im Verlag Beyond Affinity veröffentlicht wird.

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