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Ramsey Campbell – Hungriger Mond

Hungriger MondAuf Hungriger Mond, dem bislang neuesten Roman von Ramsey Campbell treffen dieselben Argumente zu wie bei Moon von James Herbert. Auch Ramsey Campbell ist in England seit vielen Jahren eine echte Kapazität und heimste für einen Horror-Autor ungemein viele Fantasy-Preise ein. Bei uns fiel er in letzter Zeit besonders durch seine düstere Collection Späte Gäste auf. Hungriger Mond aber ist leider eine unverschämte Imitation von Die Erscheinung von James Herbert. In Hungriger Mond versucht Campbell vergeblich, die Folgen aufzuführen, die extremer religiöser Wahn hervorrufen kann.

In dem kleinen Dörfchen Moonwell taucht eines Tages ein Wanderprediger auf, der beinahe die gesamte Einwohnerschaft des Dorfes in seinen Bann zieht und zu vermeintlichen Christen umfunktioniert. Das gelingt ihm vorzüglich. Die Einwohner werden zu wahren Fanatikern, und ihr Hass richtet sich logischerweise gegen die wenigen “Ungläubigen“, die dem Bann des Predigers widerstehen konnten. Es folgt eine typische Geschichte von gegenseitiger Aufwiegelung und unfassbarer Ungerechtigkeit den Guten gegenüber. Natürlich stellt sich heraus, dass die Anwesenheit des Predigers der Erweckung einer uralten Macht aus der Zeit der alten Druiden dient.

Krampfhaft versucht Campbell, ähnlich dem Vorbild Brennen muss Salem von Stephen King, eine ganze Stadt mit all ihren Einwohnern und deren Macken zu charakterisieren. Dieser Versuch darf jedoch als fehlgeschlagen angesehen werden, denn Campbell steigert sich in eine Fülle uninteressanter Information hinein, denen man bald einfach nicht mehr folgen will, da es zu viel Breitgetretenes zu erfahren gibt. Darunter leidet natürlich die Handlung, die schließlich nur noch langweilig ist.

Vermisst habe ich insbesondere Campbells düstere Aura, die vornehmlich in seinen Kurzgeschichten zu finden ist. Sieht man mal von den wirklich beeindruckenden Beschreibungen der Dunkelheit, die sich über das Kaff Moonwell spannt, ab, so fällt hauptsächlich auf, dass Campbell hier weit unter seinem Niveau schreibt.

Originalausgabe: The Hungry Moon (1986)
Übersetzt von Stefan Troßbach
München: Knaur, 1987

Erstveröffentlichung dieser Rezension in: Cryptolog, Nr. 3, September 1987


Frank Duwald
Über Frank Duwald (12 Artikel)
1965 in Hagen-Haspe geboren. Verehrer abseitiger, zu Unrecht vergessener Literatur. Mitarbeit u.a. bei Printmagazinen wie “Nachtschatten” und “Das Heyne Science Fiction Jahr”. Seit 2013 Betreiber der Seite "dandelion | abseitige Literatur”

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