Phantastikon

Liebe Freunde des phantastischen Lesens (wobei jene, die ihre Phantastik ohne das Übersinnliche genießen, ebenfalls willkommen sind). Zugegeben hat das Wort “phantastisch” im Laufe der Zeit ziemlich gelitten, aber lassen wir uns von Adjektiven nicht beeindrucken: für mich kann selbst eine Blume am Wegesrand phantastisch sein (wenn sie denn phantastisch ist). Ich hoffe, jetzt ist alles so unklar wie zuvor.

All jene, die das PHANTASTIKON noch aus alten Tagen kennen, als hier eine Redaktion am Werk war, um das Magazin zu Versorgen, so sei euch gesagt: Davon ist nichts mehr übrig. Kurzerhand habe ich die Reißleine gezogen, als Zusagen nicht eingehalten wurden und jedem Gastbeitrag hinterhergerannt werden musste. Zeitgeist. Das Übel der Gegenwart; nennt es, wie ihr wollt. Natürlich stellte sich, als das Phantastikon 2019 vom Netz ging, die Frage, ob es in der heutigen Zeit überhaupt sinnvoll ist, etwas anzubieten, das ohnehin jeden überfordert. Sieht man sich die Masse an Buchblogs an, dann kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass man am besten sein lässt, was mit dem Internet zu tun hat. Dann aber müsste ich wiederum auf vieles verzichten. Es geht im Grunde nunmehr darum, alles möglichst privat zu halten. Ich nehme keine Rezensionsexemplare, bin nicht wild auf Add-Ons und Werbung, und interessiere mich auch nicht für eine möglichst große Reichweite. Literatur HAT keine Reichweite, Gedanken über Literatur noch weniger.

Außerdem packe ich hier schlicht alles hinein, was mich interessiert. Phantastische Literatur allemal, aber auch eine bestimmte Art von Kriminalliteratur. Und selbst eine gute Serie oder ein guter Film können mich ab und zu begeistern. Immer seltener zwar, das gebe ich zu, aber es gibt sie. Mir fällt es nicht schwer, Jürgen Grasmück neben Jamey Joyce zu legen, Donald Duck neben Werke von Alan Moore. Mit so wenig Schublade ist kein Staat zu machen in diesem Staat.

Vielleicht ist es auch ein wenig Protest, wenn das Phantastikon in seinem Untertitel jetzt Bonnards Haus heißt, benannt nach dem ersten Grusel-Krimi aus dem Jahre 1968: Das Grauen schleicht durch Bonnards Haus.

Ich hätte euch das alles natürlich gar nicht sagen müssen, aber ich wollte unbedingt dieses leere Blatt ausfüllen …