Kategorie: Phantastik

H. P. Lovecraft: Die Gruft

Lovecraft

“Die Gruft” ist eine frühe Erzählung Lovecrafts, die sich von seinen folgenden stark unterscheidet. Im Juni 1917 soll er sie geschrieben haben, wie auch kurz darauf “Dagon”, eine seiner heute berühmtesten. Zu verdanken ist das William Paul Cook, einem Amateurjournalisten (Mitglied der UAPA und NAPA), der zudem ein großer Connaisseur unheimlicher und phantastischer Literatur war. Cook, der eine Freundschaft mit Lovecraft pflegte, druckte zunächst dessen Magazin “The Conservative”, in der Amateurpressezeitschrift “The Vagrant” ließ er mehrere Erzählungen von ihm erscheinen, darunter auch “Die Gruft”. Ermutigt hat er ihn, unheimlich-phantastische Erzählungen zu schreiben, etwas, das Lovecraft schon fast aufgegeben hatte. Hatte er doch, wie er selbst einmal Clark Ashton Smith gegenüber bekannte, als Achtzehnjähriger sämtliche seiner Geschichten verbrannt und den Entschluss gefasst, von nun an nur noch Verse verfassen zu wollen, da er zu dieser Zeit überzeugt war, dass ihm das Handwerk fehle.

(mehr …)

David Mitchell: Slade House

Rowohlt

Slade House besteht aus fünf miteinander verflochtenen Geschichten, die jeweils neun Jahre auseinanderliegen. Von 1979 bis 2015. Die Protagonisten sind ganz unterschiedliche Charaktere – ein 13jähriger Junge, ein Polizist, eine Studentin, die neugierig auf Geister ist, eine Journalistin (und Schwester der Studentin) – werden in ein Haus gelockt, wo sie es mit gestaltwandlerischen dunklen Mächten zu tun bekommen.

Slade House besteht aus fünf miteinander verflochtenen Geschichten, die jeweils neun Jahre auseinanderliegen. Von 1979 bis 2015. Die Protagonisten sind ganz unterschiedliche Charaktere – ein 13jähriger Junge, ein Polizist, eine Studentin, die neugierig auf Geister ist, eine Journalistin (und Schwester der Studentin) – werden in ein Haus gelockt, wo sie es mit gestaltwandlerischen dunklen Mächten zu tun bekommen.

Mitchell ist ein Autor, der seine Geschichten gerne faltet, für den die Wirklichkeit nicht von Zeiten und Räumen dominiert wird. Aber diese “Faltungen” sind immer auch Erlebnisfragmente der Protagonisten, die hier verdichtet werden.

(mehr …)

John Ajvide Lindqvist: So finster die Nacht

Bastei-Lübbe

In den letzten zwanzig Jahren waren Vampire sehr populär und allgegenwärtig; und sobald etwas populär ist, quetscht man alles daraus hervor, bis alle die Schnauze voll davon haben. Durch die jüngste Kritik an bestimmten Romanproduktionen kann man davon ausgehen, dass die Mehrheit von uns mit dem Vampir-Genre in seiner jetzigen Form nicht sehr zufrieden ist. Früher waren diese Kreaturen genau das: Kreaturen. Bösartigkeiten. Monstrositäten. Das waren keine hübschen vegetarischen Teenager. Es waren dunkle, blutrünstige Killer.

Zeit für “So finster die Nacht”, eine Geschichte, die zwar die Dimensionen einer mächtigen Freundschaft zeigt, aber auch jede Buchselte mit einer unheimlichen, schrecklichen Präsenz füllt. Keine andere Vampirgeschichte hat die Schönheit und den Horror so perfektioniert wie die von John Ajvide Lindqvist. Es ist ihm gelungen, eine Atmosphäre darzustellen, die nahezu von Terror und Spannung durchdrungen ist; es ist eine intensive Geschichte von Schönheit, die auch nach dem Zuklappen des Buches beim Leser haften bleibt.

(mehr …)

Dunkelviolette Geschichten: Mummenschanz in großen Hallen

Im Englischen gibt es die Bezeichnung “Purple Prose”, die einen Stil beschreibt, der in erster Linie imaginativ und hyperbolisch ist. Die Farbe selbst taucht die Psyche in einen mystischen Ozean. Den oft zitierten “Riss” in der Realität, der angeblich phantastische Literatur auszeichnen soll, habe ich nie akzeptiert, weil für mich niemals eine Schranke sichtbar war, die eine erfundene Realität von einer erfundenen Phantastik trennen könnte. Glaube ich an Gespenster? Nun, zumindest pflege ich sie, und während im KOVD-Verlag die Novelle “Ich bin die Nacht – Du bist der Ort” vorbereitet wird, wollte ich noch einmal eine Übersicht über die einzelnen Geschichten aus “Mummenschanz in großen Hallen” geben.

Mummenschanz in großen Hallen

White Train

Zu Beginn der Geschichte “Mummenschanz in großen Hallen” stand ein Gedicht. Das ist bei mir nichts Ungewöhnliches. Für mich steht oft eine vage Atmosphäre im Vordergrund, die nicht anders auszudrücken ist als durch eine abstrakte Wortschöpfung. Das Gedicht selbst habe ich der Geschichte dann auch vorangestellt. Ich bin sehr argwöhnisch, wie man heute mit Worten umgeht, wie man sie zum Instrument einer beschreibbaren Welt macht. Der Preis ist der Verlust der Tiefe, die sich immer mehr aus der Welt zurückzieht und nur noch Sprachabfall hinterlässt. Die kostbarsten Gedichte sind ein unbestimmbarer Augenblick, ein nichträumlicher Punkt im Universum, dem man sich träumend nähert. Vielleicht macht sie das so schwer begreiflich.

In dieser Geschichte, die als Gedicht “Mumpenzimmer” hieß, sah ich ein mächtiges Gebirge vor mir aufragen, kupferfarben und golden dräute es vor einem unbestimmbaren Himmel und verströmte eine absolute Stille. Schnell wurde das Gebirge zu einem Palast mit mächtigen Säulen. Ein See lag davor und umgab den Palast vermutlich ganz. Der Kahn ist für mich immer noch das Symbol, mit dem die toten Seelen reisen. Was wollte ich an einem solchen Ort, an den ich meine Seele schickte? So weit ich das beurteilen kann: Einem Prozess der Umwandlung beiwohnen und sehen, was aus einem einst verlorenen Gegenstand geworden sein könnte.

(mehr …)

Edgar Allan Poe: Die Maske des roten Todes

Die Maske des roten Todes

Der rote Tod wandert durch das Land. Prinz Prospero hat sich mit seinem adligen Gefolgsleuten in eine Abtei zurückgezogen, und während die Pest draußen wütet, denken sie, sie wären sicher. Sie sind sogar derart überzeugt davon, dass ihnen nichts geschehen wird, dass sie einen großen Maskenball veranstalten. Es gibt sieben Räume, die nach Farben codiert sind, angeordnet von Ost nach West. Der letzte Raum ist in Schwarz und Scharlach gehalten. In diesem Raum gibt es außerdem eine große Uhr, deren Stundenschlag die Gäste stets in Angst versetzt.

Allerdings währt der Schrecken nur bis zum letzten Schlag, bevor die Ausschweifung wieder Fahrt aufnimmt. Plötzlich taucht eine geheimnisvolle Figur auf, was die Anwesenden verwundert, weil doch die Türen der Abtei fest verschlossen sind, um alle infizierten Personen auszusperren. Die Gestalt ist in eine blutrote Robe gekleidet, und ihre Maske ist jenem Gesichtsausdruck nachempfunden, der den Roten Tod begleitet.

(mehr …)