Pech gehabt

Mike blue ist 25 Jahre alt und ein typischer Loser. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, säuft täglich und ist chronisch unzufrieden mit sich und der Welt. Und wenn er Frust hat- und den verspürt er täglich- wird er aggressiv und dann schlägt er zu. Er ist eine tickende Zeitbombe und besonders nachts ist es besser, ihm nicht zu begegnen.
Jedesmal, wenn er einen zusammenschlägt, verspürt er dieses Allmachtsgefühl, er ist dann der Herr über Leben und Tod- zumindest für eine kurze Zeitspanne. Gefasst wurde er noch nie, denn bis die Bullen kommen, ist er längst weg und er achtet immer genau darauf, keine Zeugen zu haben und wechselt die Orte seiner Übergriffe ständig. Auf sein Konto gehen bis jetzt fünfzehn Verletzte, meist junge Männer, aber auch alte hat er schon geklatscht- weil die ihn dämlich angeschaut haben. Und es gab auch schon Schwerverletzte.
Heute hat er wieder diesen Druck und er braucht unbedingt ein Opfer- bei dem Gedanken, wie der Kerl winselt, zusammensackt und seinen Kopf schützen wird vor seinen Springerstiefeln, wird er gut gelaunt und geil- das ist besser als ein Orgasmus mit einer Schlampe, die ihn dann bloß nervt mit ihrem Genöle. Mike reibt sich die Hände und leckt sich die Lippen, er grinst vor lauter Vorfreude …
Es geht auf 1 Uhr zu und die Gegend ist günstig: Eine leere Straße, kein Mensch in Sicht, aber drüben ist eine Bushaltestelle- da kommt gerade ein Bus und als einziger Fahrgast steigt ein alter Mann aus dem Nachtbus.

Der sieht so dämlich aus, daß er als Opfer geeignet ist: Ganz schwarz gekleidet, eine Art Langmantel bis kurz an die Schuhspitzen, lange schulterlange schwarze Haare und ein fahl-blasses Gesicht. Am Arm hängt ein langer Regenschirm. Er sieht aus wie aus einer anderen Epoche, denkt Mike noch- dann handelt er. Rasch läuft er über die Straße und baut sich vor dem Alten auf. “Na, alter Sack, was glotzst Du mich so saublöde an!?” faucht Mike. “Rück mal Dein Geld raus, sonst gibts was auf die Fresse, Arschloch!!!”

Der Schwarze bleibt stehen und schaut ihn scharf an. Mike fällt noch auf, daß der rote Augen hat. Dann sieht er noch eine blitzschnelle Bewegung des Mannes, der schnappt mit traumwandlerischer Sicherheit und Routine seinen Schirm und zieht daraus mit der rechten Hand etwas Blitzendes, das im fahlen Vollmondlicht blinkt- eine Art lange Klinge, einen Degen.
Mike erschrickt, ist verblüfft und will zuschlagen, da spürt er einen grellen Schmerz in der Bauchgegend: Der Degen hat ihn durchbohrt und Mike steht wie angewurzelt, unfähig zu einer Reaktion. Der Alte zieht den Degen ruckartig aus Mike und eine Blutfontäne spritzt aus ihm. Er glotzt fasziniert darauf und spürt plötzlich, wie er weiche Kniee hat. Er erlebt das Ganze wie einen Alptraum. Ihm wird schlecht und er sackt in sich zusammen, dabei fasst er an die blutende Wunde, er kotzt auf den Boden, zuviel Bier und diese lähmende Angst, ihm ist speiübel und er spürt diese wahnsinnnige Schmerzen in seinem Bauch. Dann wälzt er sich auf dem Boden und wimmert- wie sonst seine Opfer. Unheimliche Angst verspürt er … Ist das alles??? “Hilfe, helft mir!!! röchelt er vor sich hin.

Der Alte dreht ihn mit dem Fuß auf den Rücken und setzt sich rasch auf seine Brust, beugt sich vor und beisst Mike den Hals auf. Genüsslich saugt er das warme Blut ein, bis Mike blutleer ist, gnadenlos ausgesaugt … Dann wischt er seinen Mund ab, schnappt seinen Degenschirm und- flattert in die Vollmondnacht hinein …

Wieder ist die örtliche Polizei ratlos- es ist die elfte blutleere Leiche, immer junge Männer, findet wieder keine verwertbaren Spuren und fordert einen Profiler vom Bundeskriminalamt an. Der sagt später bei der Lagebesprechung der Soko “Blutleere Leichen”: ” Der Fall ist klar wie Kloßbrühe: Ihr sucht ab sofort einen männlichen Vampir, so 2- 400 Jahre alt, mit einer spitzen Waffe- sage mal Degen. Alle Gruften sind abzuklappern- aber tagsüber!!! Und noch was: Der Kerl muß schwul sein, normalerweise beissen die nur Mädels, bevorzugt Jungfrauen. Und wenn ihr ihn findet: Nicht verhaften- erst pfählen!!! Dann verhaften. Sonst garantiere ich für nix!!!”

Es wurde eine Belohnung von 10000 Euros ausgesetzt- ohne Erfolg. Der Profiler landete in der Psychiatrie …
Also passt heute Nacht auf, wenn ihr nach Hause geht, Leute.

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann

Robby Ritzmann: Ex-Banker und Extremsportler sowie Hobby-Autor; schreibt als “Schwarzer Graf” mit düsterem Augenzwinkern; übt sich seit 35 Jahren in täglicher Zen-Meditation und schwört auf vielschichtige Interessen: Politik, knappes aber gutes Essen, dunkle Schokolade, Gothicszene, Dark music, PC & smartphone, schnelle Autos und täglich fünfzig Minuten Konditionstraining- gnadenlos …^^

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

Kommentar verfassen

wpDiscuz