Pastos von der Nachbarin

Vielleicht schafft einer ein Gedicht in einem Jahr, schreibt es so nieder wie er sitzt, und hat dann Worte gemacht, über die er nachdenken muss, früh und spät (nur mittags ruht er sich aus);
nach zwei Wochen hat er bereits ein Wort verändert. Nichts, von dem er weiß; vielleicht ist er nicht verantwortlich für sein Gedicht, vielleicht sind seine Spuren nicht so wichtig, seine Gestalten im Laternenlicht, zum Gruß erhobne Hand, die Mittelstreifen existieren noch, die Häuserschluchten, die ihn verlachen, weil er Buchstaben ohne Statik bildet, wenn er zur U-Bahn wechselt, die Straße unterquert, alle Warnungen im Schutt der Stadt entdeckt, wie sie Karten spielen, sich wie kleine Köter balgen, wenn einer auftaucht, den sie vorher noch nie gesehn.
Am Abend berichtigt er das Wort, um am nächsten Tag jene Dinge vorzufinden, die er zum Leben benötigt, als da wären: zwei Koteletts vom selben Schwein wie immer und eine Kaffeepflanze, die ihren Samen Namen gibt, so dass er sich über ein entgangenes Zwiegespräch nur dann ärgern muss, wenn seine Nachbarin klingelt, um ihr Porzellangeschirr für einen langen Nachmittag abzugeben.
Nie kommt sie über die Schwelle, sagt nur: “Sie haben nicht vergessen, Ihr Wort zu ändern”, während er bereits den Kopf schüttelt. Sie überwacht ihn, weiß, wann er eine schwache Minute aus dem Schrank holt, aber mit ihrem Nachschlüssel gelangt sie nur bis zur Miniatur einer Toilette in Antwerpen, was sie ängstigt. Was wäre denn, wenn er das schriebe?
Ihren Kopf ist sie ohnehin bereits los, aber sie würde gerne ihre Hände behalten, um ihm weiter das Geschirr zu bringen.
Was wüsste sie sonst von der Welt – allein und ohne Türspion? Gedichte sind nun genau jene Partikel, aus denen sich die Welt zusammensetzt.

Zentralsekundenlage

Mit ihrem Nachschlüssel gelangt sie nur bis zur Miniatur einer Toilette in Antwerpen.

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