In den Korb niesen: Die Guillotine

Als moderne Maschine, die den Gesetzen der Geometrie und der Schwerkraft folgte, versprach sie einen egalitären und demokratischen Tod. Die Hierarchie der Strafen des alten Regimes, das Hexen und Brandstifter zum Scheiterhaufen, Königsmörder zur Folter, Diebe und Verbrecher zum Galgen verurteilte und die Enthauptung durch das Schwert dem Adel vorbehielt, sollte endgültig abgeschafft werden. Um diese Ungleichheit auch im Tode zu beseitigen, schlug Dr. Joseph-Ignace Guillotin, Abgeordneter der konstituierenden Versammlung, am 9. Oktober 1789 eine neue Form der Todesstrafe vor, die für alle gleich sein sollte.

Hitchcock: Eine Dame verschwindet

Hitchcock und die Eisenbahn gehören zusammen wie eine Lokomotive und ihr Tender. Er liebte sie, sie sind in seinem Werk prominent vertreten, am deutlichsten jedoch in Eine Dame verschwindet. Vieles von dem, was hier geschieht, kann nur auf einer Eisenbahnfahrt passieren: Passagiere, die gemeinsam von einer Lawine aufgehalten werden, verschiedene Klassen, die voneinander getrennt werden, Fremde, die sich unterwegs begegnen, ein Lokführer, der im Kreuzfeuer stirbt, ein Waggon, der auf ein Nebengleis geleitet wird, ein unerschrockener Held, der sich außerhalb eines schnell fahrenden Zuges von Waggon zu Waggon kämpft, während andere Lokomotiven an ihm vorbeirauschen, Hinweise in Form eines Namens, der durch den Dampf an einem Fenster sichtbar wird, und eines Etiketts auf einer Teepackung, das kurz an einem anderen Fenster kleben bleibt, und vor allem die erzwungene Intimität dieser rhythmischen Reise, die sich in ihrer eigenen Welt abspielt, unabhängig von der sich verändernden Landschaft draußen.

Die anhaltende Faszination urbaner Legenden

Wir haben ein komplexes Verhältnis zur Angst. Einerseits versuchen wir, alles zu vermeiden, was uns schaden könnte, und lernen von klein auf, uns vor Gefahren zu schützen. Andererseits übt das Unbekannte und Unheimliche in der Dunkelheit eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf uns aus, so dass die Mutigsten unter uns diese Erfahrungen aktiv suchen. Ein Beispiel dafür ist unsere Begeisterung für urbane Legenden. Diese Erzählungen sind mehr als nur Geschichten – sie tragen das verlockende Versprechen in sich, dass in ihnen ein Körnchen Wahrheit steckt. Jeder kennt sie: Bloody Mary, der verschwundene Anhalter oder Krokodile in der Kanalisation. Weil sie uns in der Kindheit oft erzählt wurden, sind sie tief in unserem Gedächtnis verankert.

Stadt der Mörder / Britta Habekost

Will man das Paris der 20er Jahre einfangen, steht man vor dem Problem, eines der schillerndsten Jahrzehnte der Geschichte vor sich zu haben. Der Geist der 20er war geprägt von einem allgemeinen Gefühl der Diskontinuität, das mit der Moderne und dem Bruch mit Traditionen einherging. Paris war das Zentrum der Moderne in Kunst und Literatur. Gertrude Stein drückte es einmal so aus: „Paris war der Ort, an dem sich das zwanzigste Jahrhundert aufhielt“.

Hercule Poirot – Die kleinen grauen Zellen

Hercule Poirot gehört neben Sherlock Holmes zu den großen und wohl beliebtesten fiktiven Detektiven. Der zierliche und etwas pingelige belgische Detektiv wurde 1920 von Agatha Christie für den Roman „Das fehlende Glied in der Kette“ geschaffen und ist für seinen scharfen Verstand, seine komische Arroganz und seine Rolle in einigen der berühmtesten Krimis, die Christie je geschrieben hat, bekannt. Er hatte eine für fiktionale Verhältnisse lange Karriere und starb erst 1975 mit dem Roman Vorhang. Zwischen seinem ersten und seinem letzten Roman wirkte Poirot in mehr als 50 Kurzgeschichten und 30 Romanen mit.

Der falsche Preuße / Uta Seeburg

Uta Seeburgs Debüt um den Preußischen Sonderermittler Gryszinski, den es in die Landeshauptstadt Bayerns verschlagen hat, erschien im August 2020 und es war natürlich davon auszugehen, dass die Autorin bald ihrem zweiten Roman dieser überaus genussvollen neuen Reihe vorlegt. Der ist auch schon unter dem Titel „Das wahre Motiv“ erschienen und wir sehen uns auch den bald hier an.

Historische Kulissen sind bei Weitem nichts neues in der Literatur, aber in den letzten zehn Jahren ist das Genre regelrecht explodiert und während angelsächsische Erzähler an ihrem viktorianischen London arbeiten, Franzosen ihr pittoreskes Paris auspacken und auch in der Fantasy immer mehr auf historische Schlachten Bezug genommen wird, können deutschsprachige Autoren natürlich ebenfalls auf eine sehr erlebnisreiche Zeit zurückgreifen. Neben dem offensichtlichen Magneten zwischen den beiden Weltkriegen, hat sich Uta Seeburg für den nahenden fin de siecle entschieden, ein neunzehntes Jahrhundert, das mit reichlichen Innovationen zu Ende geht, die Elektrizität gerade auf dem Vormarsch ist und so eine Epoche des Übergangs markiert.

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