Robert Arthur – Alfred Hitchcock und Fledermäuse

Robert Arthur am Radio. Foto aus dem Archiv von Elizabeth Arthur.
Robert Arthur am Radio. Foto aus dem Archiv von Elizabeth Arthur.

Es gibt wohl kaum einen Hörer oder Leser, der Die drei ??? nicht kennt. Vor allem die heute schon etwas älteren „Kassettenkinder“ sind den berühmten Hörspielen von Europa, die seit 1979 ausgestrahlt werden, sehr treu. Natürlich ist es nicht so, dass die Serie nur bei uns bekannt wäre, aber irgendwie scheint es, dass Robert Arthur sie vor allem für uns erfunden hat, aber das wusste er natürlich nicht; und er hätte es auch nie erfahren, denn er starb 1969. Zu diesem Zeitpunkt hatte er zehn Bücher der Serie geschrieben und Dennis Lynds, der unter dem Pseudonym William Arden insgesamt 14 Bände beisteuerte, zwei weitere.

Robert Arthurs frühe Arbeit für Pulp-Magazine hatte großen Einfluss auf seinen späteren Schreibstil, insbesondere auf die Gestaltung rasanter, fesselnder Krimis und die Entwicklung überzeugender Charaktere. Seine Erfahrungen als Pulp-Autor, der in den 1930er und 1940er Jahren seine Blütezeit erlebte, schärften seine Fähigkeit, fesselnde Geschichten voller Spannung, Action und logischen Schlussfolgerungen zu schreiben.

Robert Arthurs Pseudonyme

Arthur schrieb weit über 100 Geschichten unter seinem eigenen Namen und viele weitere unter Pseudonymen wie Andrew Benedict, A. A. Fleming, Robert Forbes, Jay Norman und Pauline C. Smith. Das geht vielen Autoren so, die eine Idee nach der anderen präsentieren. Es gibt kaum ein Pulp-Magazin, in dem nicht eine oder mehrere seiner Geschichten erschienen sind, darunter Clues, Dime Mystery, Baffling Detective, Thrilling Detective, Double Detective und Popular Detective. Diese Magazine wollte er nicht nur mit einem einzigen Namen fluten. Aber er schrieb eben auch viele Genres, und schon damals griff man bei einem Stilwechsel automatisch auf ein anderes Pseudonym zurück.

Eine von Arthurs Lieblingsgeschichten, „Footsteps Invisible“, wurde in die von ihm herausgegebene Anthologie „Monster Mix – Thirteen Chilling Tales“ aufgenommen. Sie ist sogar in dem fabelhaften Band „Die Geister, die ich rief“ als Unsichtbare Schritte enthalten. Der Band wurde von Anja Herre, die ein wahres Gespür für Arthur entwickelt hat, liebevoll restauriert, denn eine bloße Übersetzung ist das nicht. Der Band ist bei Kosmos erhältlich, und inzwischen gibt es auch einen zweiten Erzählband, „Im Kabinett der Illusionen“, ebenfalls übersetzt von Anja Herre. Wer wissen will, warum Robert Arthur das heutige Thriller-Genre maßgeblich beeinflusst hat, sollte sich diese beiden Bücher nicht entgehen lassen. Die von ihm eingeführten Schlüsselelemente wurden zum Markenzeichen einer spannenden Erzählung, vor allem die bereits erwähnte Kombination von Rätsel und Spannung, gepaart mit einer eng verwobenen Handlung und unerwarteten Wendungen, die damals noch keineswegs üblich waren.

Der Weg zum Terror Castle

Eine Ausgabe des Dime Mystery Magazine, als es noch wirklich großartige Cover gab.
Eine Ausgabe des Dime Mystery Magazine, als es noch wirklich großartige Cover gab.

In Magazinen wie Dime Mystery oder Thrilling Detective veröffentlichte Arthur Geschichten, in denen die Protagonisten oft gefährliche Situationen meistern und gleichzeitig komplexe Rätsel lösen mussten – ein Ansatz, den er später in der Serie mit den drei Detektiven verfeinerte.

In den 1940er und frühen 1950er Jahren arbeitete er hauptsächlich für den Rundfunk und schrieb zahlreiche Drehbücher. 1959 ging er nach Hollywood, um sich als Drehbuchautor für Fernsehserien wie „Alfred Hitchcock Presents“ und „Thriller“ mit Boris Karloff zu versuchen. Seine Verbindung zu Alfred Hitchcock führte zu einer Zusammenarbeit mit Random House bei verschiedenen Anthologien mit Kurzgeschichten von Alfred Hitchcock für Erwachsene und Jugendliche, die Arthur herausgab oder als Ghost Editor betreute, und schließlich zur Gründung der Alfred Hitchcock and the Three Investigators Mystery Series.

Robert Arthur wollte eine Jugendserie wie die Hardy Boys erschaffen, nur besser. Das wurden dann die Drei ???
Robert Arthur wollte eine Jugendserie wie die Hardy Boys erschaffen, nur besser. Das wurden dann die Drei ???

In Zusammenarbeit mit dem Lektor Walter Retan von Random House schuf und entwickelte Robert Arthur diese Serie, die in mancher Hinsicht den Hardy Boys ähnelte, einer Jugendbuchreihe, die es bereits seit 1927 gab und die damals über allem stand. Der Unterschied bestand jedoch darin, dass die Qualität des Stils und der Charakterisierung in Arthurs Büchern im Allgemeinen höher war als in den meisten Serienbüchern, unabhängig davon, ob sie sich an Jugendliche richteten oder nicht. Arthur vermischte verschiedene Genres, darunter Krimi, Mystery, Horror und Science Fiction. Diese Vielseitigkeit ermöglichte es ihm, solche Elemente auch in seine neue Serie zu integrieren, in denen es oft um mysteriöse Schauplätze und scheinbar übernatürliche Ereignisse geht, die durch rationale Erklärungen aufgelöst werden.

Effiziente Erzählweise

Robert Arthur als College-Student
Robert Arthur als College-Student

Das Format der Pulp-Magazine erforderte eine effiziente Erzählweise. Die Autoren wurden pro Wort bezahlt, mussten die Leser aber mit spannenden Geschichten bei der Stange halten. Arthur beherrschte diese Kunst, indem er der Handlung Vorrang vor der Selbstreflexion einräumte und die Geschichten schnell voranschreiten ließ, was auch zum Markenzeichen der Serie um die drei Detektive aus Rocky Beach werden sollte. Das Trio – Jupiter Jones, Pete Crenshaw und Bob Andrews – waren ausgeprägte Persönlichkeiten mit Herausforderungen aus dem wirklichen Leben, eine erstaunliche Abkehr von den oft eindimensionalen Helden der Magazine. Oft verwendete er Handlungen und Charaktere aus seinen Pulp-Geschichten für andere Medien, darunter Radiosendungen wie „The Shadow“ oder „Suspense“. Diese Praxis der Wiederverwendung von Ideen sicherte die Kontinuität seines Stils, während er ihn gleichzeitig an ein neues Publikum anpasste.

Vorbereitung auf das Erbe

Das phänomenale Cover- und Innenlayout von Harry Kane und Ed Vebell trug ebenso zum Erfolg bei wie die Tatsache, dass der berühmte Filmregisseur Alfred Hitchcock in den Büchern eine Rolle spielte. Später, als Robert Arthur gesundheitlich angeschlagen war, beauftragte er Dennis Lynds mit der Fortsetzung der Serie. Damit gab es also einen renommierten Krimiautor, der vielleicht am besten unter dem Namen Michael Collins bekannt ist.

Harry Kane gab den Drei ??? von Robert Arthur ein Gesicht.
Harry Kane gab den Drei ??? von Robert Arthur ein Gesicht.

Jupiter Jones, Peter Crenshaw und Bob Andrews heißen die drei Detektive im Original, bei uns ist nur Bob Andrews geblieben, aus Jupiter wurde Justus Jonas und aus Peter Crenshaw Peter Shaw. In den Hörspielen wird aber nur Justus Jonas falsch – nämlich deutsch – ausgesprochen. Arthur hat sich als Bob Andrews in die Serie eingeschrieben, zumindest hat er einige Attribute von sich auf Bob übertragen. Das fängt beim Vornamen an – Robert – und geht mit dem Journalismus weiter. Bob Andrews‘ Vater ist Reporter bei der Zeitung von Rocky Beach und Arthur hat einen Master in Journalismus. Beide sind dünn und unsportlich.

Die Fledermäuse zur Inspiration

Man darf nicht vergessen, dass die Hörspiele – so beliebt sie sind – eigentlich immer nur ein Abklatsch der Bücher sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass vieles umgeschrieben und weggelassen werden muss. Ein Beispiel ist „Das Gespensterschloss“, das erste Buch der drei Fragezeichen, das 1964 als „The Secret Of Terror Castle“ erschien und 1968 bei uns. Sehen wir mal davon ab, dass es in der Hörspiel-Reihe erst an elfter Stelle kommt, gibt es im Buch eine Szene, wo sich Justus und Peter dem Schloss zum ersten Mal nachts nähern und plötzlich etwas über ihre Köpfe hinwegfliegt.

Harry Kane setzte die drei ??? immer wieder in schwarzweiß in Szenen, die direkt aus den Büchern stammen.
Harry Kane setzte die drei ??? immer wieder in schwarzweiß in Szenen, die direkt aus den Büchern stammen.

Peter duckt sich und schreit, dass es eine Fledermaus sei, und Justus antwortet: „Fledermäuse fressen nur Insekten, niemals Menschen„. Das ist für die Handlung nicht von Belang, aber hier steckt der Schlüssel zur ganzen Serie, denn Robert Arthur hatte eine Vorliebe für Fledermäuse. Die meisten Menschen wussten damals noch nicht, wie wichtig Fledermäuse für das Gleichgewicht eines jeden Ökosystems sind und Arthur sah es als seine persönliche Mission, sie aufzuklären.

In dem Haus, das er zehn Jahre lang in Yorktown Heights, New York, bewohnte – ein Haus in den Wäldern am Croton Reservoir – lebte auf dem Dachboden eine große Fledermauskolonie. Arthur nahm seine kleine Tochter regelmäßig tagsüber, wenn die Fledermäuse schliefen, mit nach oben, damit sie sie bewundern und die Zuneigung ihres Vaters für sie teilen konnte. In dem Haus in Yorktown Heights, das aus drei Stockwerken, einem Dachboden und einem Keller bestand, befand sich Arthurs Arbeitszimmer im dritten Stock, und es kam vor, dass die Fledermäuse nachts verwirrt waren und nicht durch die Dachschindeln nach draußen flogen, sondern durch die Tür vom Dachboden hinunter in den dritten Stock. Da Arthur oft nachts arbeitete, pflegte er den Leuten zu sagen, dass es nichts Besseres gäbe, als einen Krimi oder eine Geistergeschichte zu schreiben, während ein paar Fledermäuse gesellig um den Kopf schwirrten.

Sicherlich wäre die Serie auch ohne diesen markanten Ort entstanden, aber vielleicht wäre das Gespensterschloss nicht der erste Fall der drei Detektive geworden.

Das Ägyptische Mysterium ruft

Auch für „Die flüsternde Mumie“, im Original von 1965 – also der dritte Fall, ließ sich Arthur von seinem Umfeld inspirieren, in diesem Fall von seiner Frau Joan, die von 1935 bis 1940 in Ägypten lebte. Joan war die Tochter von Louis Vaczek, einem ungarischen Diplomaten, der 1935, als Joan an der McGill University studierte, von Montreal nach Ägypten versetzt wurde. Sie veröffentlichte auch eine Reihe von Kurzgeschichten, die in Ägypten spielen. Als Robert Arthur und Joan Vaczek heirateten, teilte sie mit ihm ihr Interesse an der Ägyptologie.

Harry Kane und Aiga Rasch

Ich selbst bin ein Fan der amerikanischen Originalcover von Harry Kane, aber ich verstehe natürlich, dass diese in unseren Breitengraden wahrscheinlich nicht so gut funktioniert hätten wie die von Aiga Rasch, die völlig anders sind als die Originale, aber nicht weniger genial. Heute sind die drei von ihren Ursprüngen weit entfernt, unendlich modernisiert und längst nicht mehr so originell wie in ihren Anfängen. Aber sie funktionieren vor allem über das Hörspiel und sind ein großer Teil der deutschen Popkultur geworden, quasi eingedeutscht.

Tarzan – Der Affenmensch

Wir sind alle nur Tiere

Tarzan of the Apes

In den folgenden Jahren forderten die Leser etwa fünfundzwanzig Fortsetzungen von Burroughs. Die Statistiken sind erstaunlich: Bis 1970 gab es zum Beispiel mehr als sechsunddreißig Millionen Tarzan-Bücher in einunddreißig Sprachen; außerdem gab es mehr als fünfzig Tarzan-Filme (von den unzähligen Samstagsmatineen, in denen Johnny Weissmuller seinen berühmten Tarzan-Schrei ausgab, bis hin zu den jüngsten Inkarnationen wie “Greystoke” und “Legend of Tarzan”). Der Gelehrte Russel Nye hörte sich in der gesamten amerikanischen Kultur um und kam zu dem Schluss: “Tarzan bleibt die größte populäre Schöpfung aller Zeiten.” Die Strahlkraft mag in Europa nicht ganz so bedeutend sein (man träumt auf dem alten Kontinent anders), und dennoch bleibt Tarzan auch hier ein Phänomen.

Burroughs’ privater Traum sprach Millionen von Lesern an und wurde dann zu einem gemeinsamen Traum, einem öffentlichen Traum, einem Mythos. Burroughs tat nicht weniger, als uns zum wilden Ursprung zurückzubringen. Das bedeutete Lendenschurz und Nacktheit. Entfernte Überreste unseres Werdegangs. Der Text spricht die Wahrheit aus, dass wir im Grunde genommen Tiere sind – Konkurrenten, allein mit dem eigenen Überleben beschäftigt. Noch über unserer Kultur und den angeblich guten Manieren liegen Gier und der Wunsch nach Macht. Rationales Denken ist nur ein zerbrechlicher Deckel, der einen stärkeren und tieferen Eintopf aus Trieben, Impulsen und Leidenschaften bedeckt. Denn was sind wir am Ende? Wie würden wir uns in der Wildnis verhalten, wenn alle Annehmlichkeiten nicht mehr vorhanden wären? Burroughs findet am Ende eine Antwort. Bei Darwin und Freud.

Der Traum von Afrika

So sehr Burroughs sich von Legenden über das Wolfskind und von Kiplings Dschungelbuch inspirieren ließ, so sehr wich er von dieser Tradition ab, als er Tarzan anstelle von Wölfen von Affen aufziehen ließ. Allerdings waren das keine Gorillas, wie das wahrscheinlich die Mehrheit noch immer glaubt, weil es in vielen Filmen falsch dargestellt wurde.

Tatsächlich wurde Tarzan von einer der Wissenschaft unbekannten Affenart aufgezogen. Diese Kreaturen ähneln Gorillas in Größe und Stärke, aber sie unterscheiden sich eben auch. Diese Menschenaffen gehen oft aufrecht, jagen Tiere, essen Fleisch und haben eine wirkliche Sprache. Sie nennen sich selbst die “Mangani”, und Burroughs beschreibt sie als “riesig”, “heftig” und “schrecklich”. Er fügt hinzu, dass sie “eine Spezies sind, die eng mit dem Gorilla verwandt ist, aber noch intelligenter.” Dank ihrer Intelligenz und Stärke sind die Mangane “die furchterregendsten Vorfahren des Menschen”.

Burroughs folgt in seinem “Affenkind-Mythos” nur lose den Darstellungen in Darwins “Über die Entstehung der Arten”. Vielmehr hält er sich an jene Artikel des Naturforschers, die in Zeitschriften erschienen sind und die sich um das Überleben des Stärkeren, Evolution und niedere Ordnungen drehten.

Auf den Erfolg von von Tarzan angesprochen sagte Burroughs:

Burroughs machte Afrika zum Schauplatz seiner Phantasien. Es ist natürlich ein Afrika, das es so gar nicht gibt. In einer Szene zum Beispiel schlägt Tarzan einen Tiger (der nur auf dem indischen Subkontinent zu finden ist) mit einer Ananas (einer Frucht, die in der Karibik wächst). Trotz dieser enormen Freiheiten, die sich diese Geschichte gönnt, richtete der damalige Kaiser von Äthiopien – Hailie Selassi – die Bitte an Hollywood, man möge ihm doch alle Tarzan-Filme schicken, denn Burroughs’ Bücher sind zwar nicht wahr, aber sie stellen den Traum von Afrika dar.

Ein Afrika, das Freud das “absolute Anderswo” genannt hätte, den dunklen Kontinent.

In der Welt von Edgar Rice Burroughs haben die Menschenaffen ihre eigene, einzigartige Sprache. Und nach diesem Primatendialekt bedeutet “tar” “weiß” und “zan” “Haut”. Fügt man diese beiden Silben zusammen, bekommen wir “Tarzan”. In den Romanen gibt ihm Tarzans adoptive Affenmutter Kala diesen Namen, als sie seine blasse, haarlose Haut sieht.

Aber Burroughs fiel dieser Name nicht aus heiterem Himmel ein. Während er 1910 in Chicago lebte, verliebte er sich in die Gemeinde Tarzana. Er kaufte sogar etwas Land dort. Einige Jahre später, als er einen Namen für den von Affen aufgezogenen menschlichen Jungen brauchte, dachte er an Tarzana. Er ließ den letzten Vokal vom Ende weg und eine Legende war geboren. Interessanterweise gab es den Namen “Tarzana” nicht offiziell. Erst 1930, als sich der Stadtteil sozusagen gründete und eine Poststelle bekam, wurde der Name amtlich. Dies führte zu der Legende, dass die Stadt nach dem Affenmenschen benannt wurde, obwohl es in Wahrheit umgekehrt war.

Zusätzlich zu den Tarzan-Büchern schrieb Burroughs mehrere andere Serien, darunter die Pellucidar-Romane. In diesen Geschichten bauen die Abenteurer David Innis und Abner Perry eine experimentelle Bohrmaschine und entdecken, dass die Erde hohl ist. Tatsächlich wird sie sogar von einer inneren Sonne beleuchtet. Diese Welt wird von Dinosauriern, primitiven Menschen und einer Vielzahl intelligenter, nicht-menschlicher Rassen bewohnt.

In “Tarzan am Mittelpunkt der Erde” machen sich der Affenmensch und eine kleine Gruppe von Begleitern auf die Suche nach Innis und Perry. Tarzan verwendet sein Vermögen, um den Bau eines speziellen Luftschiffs namens O-220 zu finanzieren. Mit dieser riesigen Flugmaschine reisen sie durch ein gigantisches Loch am Nordpol und landen im Zentrum der Erde

Die Idee einer hohlen Erde ist eine pseudowissenschaftliche Idee, die es seit dem 18. Jahrhundert gibt. Es ist nicht klar, ob Burroughs diese Idee ernst nahm, aber er fand sie sicherlich nützlich für seine Literatur.

In “Tarzans Suche” gerät der Affenmensch in Konflikt mit den Kavuru, einem feindlichen Stamm, der den Dschungel terrorisiert und Frauen stiehlt. Sie haben sogar Jane entführt. Es stellt sich auch heraus, dass die Kavuru unsterblich sind, da sie eine Pille entwickelt haben, die ihnen ewige Jugend gewährt.

Nachdem Tarzan Jane gerettet hat, kehren sie mit einer Schachtel der Unsterblichkeitspillen nach Hause zurück und teilen sie unter ihren Verbündeten auf. Sie ließen sogar Tarzans Affenbegleiter Nkima etwas von ihrer Medizin nehmen. Vor diesem Hintergrund ist es merkwürdig, dass Tarzan und Jane nicht daran gedacht haben, ein paar Pillen für ihren Sohn Korak und seine Frau Meriem zu bekommen. Aber sie spielten in diesem Buch keine Rolle, also zum Teufel mit ihnen.

Film noir: Knarre, Kippe, Whisky und ein Mordsweib

Merke: Fang nie was mit einer Klientin an. Zudem sei unbestechlich, nett und fair und unbewaffnet, träum‘ was Schönes und merk‘ dir das genaue Gegenteil. Denn so soll es natürlich (nicht!) sein im Film Noir. Dort liebt man die Straßen der Nacht, wedelt mit dreckigen Geldscheinen, die man sich nicht sauber denken muss und will, traut nichts und niemandem und liebt, wenn überhaupt, in erster Linie sich selbst. Seine Knarre, seine Kippe, seinen Whisky, seine Wut. Aber dann…

Sie war eine Blondine von der Art, die einen Bischof dazu bringen kann, mit einem Ball ein Loch in ein Kirchenfenster zu schießen.“ (Raymond Chandler )

Film Noir: Man liebt in erster Linie sich selbst

Im Mitternachtskino sind es keine Dämonen, die atemlos machen. Es sind diese umwerfenden Frauen, die in finsteren Spelunken und billigen Absteigen so selbstverständlich schön, geheimnisvoll und gefährlich auftauchen, als gäbe es keine idealeren Ort dafür, sich in Glamour-Szene zu setzen. Sie sind raffiniert, lebenshungrig und zu allem bereit, das sie zu echten Ladies achen könnte. Aber das sind sie längst. Ladies in black mit lackierten Krallen und gierigen Blicken, die auffressen, was gefressen werden soll. Und das manchmal auch bevorzugt.

Are you taking me for a drive? Or a ride?“(Asphalt-Dschungel, 1950, Regie: John Huston)

Im Kino der Nacht sind es keine Monster, die für düstere Stimmung und Nervenkitzel sorgen. Es sind diese gut aussehenden Kerle, die schlecht gelaunt und von der Zeit zerrissen ihren Whisky trinken, den Hut tief ins Gesicht gezogen, die Hand griffbereit für die Pistole und das Feuerzeug. Viel mehr brauchen sie nicht, wenn sie in ihren durchnässten Trenchcoats in dunklen Gassen stehen, den Regen verfluchen, in Pfützen spucken und grimmig nach etwas Farbe im Schatten Ausschau halten. (Good) American way of life? Hier garantiert nicht, der Weg verläuft anders.

Sie teilen den Hunger, Sarkasmus, die Leidenschaft

Und diese unglaublich attraktiven Frauen, die aus der Dunkelheit kommen, sie von sich jagen, sie an sich ziehen, sie belügen, brauchen, benutzen, begehren und die mit ihnen irgendwohin verschwinden, teilen ihren Hunger, den Sarkasmus, diese wahnsinnige Leidenschaft, gleichwohl den Pessimismus ohne Selbstmitleid. Sie alle machen sich nichts vor, sie balancieren stets gefährlich nah am Abgrund. Ein falscher Schritt. Der falsche Schachzug. Das Licht geht aus.

Ein Freund von mir hat eine feine Theorie. Er sagt, wenn zwei einen Mord begehen, fahren sie in der gleichen Richtung und können nicht anhalten, keiner kann vor der Endstation abspringen. Sie müssen gemeinsam fahren, und ihre Endstation ist der elektrische Stuhl.“ (Frau ohne Gewissen, 1944, Regie: Billy Wilder)

Im Film Noir tickt die Uhr etwas anders. Ehrlicher. Gefährlicher. Diese Gutmenschen, die auf der Sonnenseite leben und ihr Glöckchenglück in ihrem Lachen tragen, gibt es nicht. Keine zarten, geschmeichelten Püppchen, die in Villen mit Pool, Nanny und Silberbesteck landen, weil sie ihren Millionär kriegen, keine Helden von altem Schrot und Korn, die in Krisensituationen immer chic und cool bleiben. Sie sind die Zweifler und die Verzweifelten. Nicht die, die durchladen, Messer ziehen, ihre Fäuste sprechen lassen und Frauenherzen brechen in dem festen Glauben, dass der Himmel blau bleibt. Weil sie feststellen, dass er grau ist. Dass es gewittern wird. Dass sie keinen Cent für einen Schirm besitzen, der Platz für zwei bieten würde. Und dass es an der Zeit ist, das Ganze zynisch zu betrachten. Denn nur so geht’s. So überlebt man. So liebt man. So hat man seine Prinzipien:

Wie trinken Sie Ihren Brandy am liebsten?“ – „Aus einem Glas.“ (Tote schlafen fest, 1946, Regie: Howard Hawks))

Die Uhr tickt ehrlicher und damit deutlich gefährlicher

Geprägt hat die Bezeichung Film Noir für die „Schwarze Serie Hollywoods“ in den 1940er/-50er Jahren der französische Filmkritiker Nino Frank, der 1946 einen Artikel brachte über amerikanische Thriller wie „Die Spur des Falken“ und „Frau ohne Gewissen“, die in Europa erst nach Kriegsende gezeigt werden konnten. Er erkannte in den „dunkel“ gespielten Krimis, meist B-Filme mit geringem Budget gedreht, diese auffällige Besonderheit, – Schwarz-Weiß-Ästhetik in künstlerischer Perfektion, Markenzeichen: Lichtgestaltung ohne Trennlinie zwischen innen und außen, Tag und Nacht – , für deren Machart der deutsche expressionistische Stummfilm kennzeichnend ist, während die Grundthematik die Asphaltcowboys in der US-amerikanischen Hardboiled-Kriminalliteratur behandelt:

Autoren wie Raymond Chandler, Dashiell Hammett, Graham Greene und James M. Cain, die längst im Genre zu den ganz großen Stilprägenden zählen, machte Nino Frank als Schöpfer der nächtlichen Großstadt-Dschungel-Stories mit ihren zwielichtigen Gestalten zwischen jeglichen erdenklichen Fronten zuerst in Frankreich, dann überall in Europa bekannt. Schon 1945 erschienen die Bücher in der von Marcel Duhamel editierten Série Noire. Neuauflagen köderten die Leser zudem mit Cover-Fotos aus den Verfilmungen. So mancher späteren Hollywood-Legende diente der Film Noir in den 1940ern als Sprungbrett für die Weltkarriere: Burt Lancester, Robert Mitchum, Richard Widmark. Bogart!

Der populärste Figurentypus ist der Privatdetektiv, meist ein Ex-Cop wie Philipp „Humphrey“ Marlowe (Chandler), der misstrauisch und oft zynisch Welt und Sachlage kommentiert, illusionslos und ohne grundsätzliche Skrupel seine eigenen Regeln schafft, der unrasiert seine Whisky-Nikotin-Fahne spazieren führt und der es trotzdem hinbekommt, dass die schönsten Frauen in seinen Armen dahin schmelzen.

Sie sind Privatdetektiv? Ich wusste gar nicht, dass es welche gibt, außer in Kriminalromanen, schmutzige kleine Männer, die in Hotels herumschnüffeln. Sehr attraktiv sehen Sie auch nicht aus.“
„Ich bin eben ein bisschen klein geraten. Das nächste Mal werde ich auf Stelzen kommen, eine weiße Krawatte tragen und einen Tennisschläger unterm Arm.“
(Tote schlafen fest, Bacall/Bogart)

„Im Zeichen des Bösen“ (Touch of Evil) von und mit Orson Welles gilt zwar als das glänzend klassische Schlusslicht der „Schwarzen Serie Hollywoods“ , – dazu zählen gut 400 Filme, die von 1941 bis 1958 größtenteils in den USA gedreht wurden – , der Film Noir freilich prägte weiterhin weltweit den Stil oft begnadet guter Filmemacher.

Detektiv-Geschichten als hochgeschätztes Kaliber

Die von gesellschaftlichen Krisen geprägte Grundstimmung, die Typologie und das Handwerk sind zentrale Mitbestimmer der französische Nouvelle Vague, des amerikanischen Mainstreamkinos und auch der „Neo-Noirs“ mit ihren freieren Interpretationen, oft sympatische Rekonstruktionen der Detektiv-Filme des alten hochgeschätzten Kalibers:

Mein Presseausweis ist abgelaufen, na und? Mein Auto hier ist auch abgelaufen. Läuft trotzdem noch. Ich selbst bin auch abgelaufen. Lebe aber immer noch.“
(R. Dubillard in „Polar: Unter der Schattenlinie“, 1983, Regie: Jaques Bral)“)

Die frech-coole Kodderschnauze hat allemal überdauert. Und weiterhin gilt sowieso, was manchmal gar nicht so schwer zu beweisen ist. Weil es sein muss, wie es sein soll:

All us tough guys are hopeless sentimentalists at heart.“ (Chandler, Brief an Roger Machell, 1955)