Oststadt

Die regennasse Straße spiegelte das Licht der Straßenlaternen. Seine Schritte klangen hohl, hallten wider in der Tiefe der Häuserschluchten. Die Nacht war kalt, der Himmel bedeckt, ein leichter Westwind zerrte an seinem Mantel und ließ ihn frösteln. Er schaute hinauf, die nicht enden wollende Betonfassade entlang, und musterte das imposante Bauwerk. Bestimmt fünfunddreißig Stockwerke hoch überragte der zweckmäßige Büroturm alle Häuser um sich herum um ein Vielfaches.

Man musste weit schauen, bis ein ähnliches Gebäude auftauchte. Die Familien verspürten keinerlei Neigung, sich nahe auf den Pelz zu rücken. Er konnte dies nur zu gut verstehen. In den oberen Stockwerken brannte Licht. Die Rosenbergs waren immer noch wach, immer noch geschäftig. Nicht von ungefähr hatten sie die Stellung, den Erfolg erreicht, der sie sowohl berühmt als auch berüchtigt gemacht hatte. Bedingungsloser Einsatz, der vor nichts zurückschreckte und selbst vor der eigenen Person keinen Halt machte.

Ein brennender Schmerz breitete sich in seiner Brust aus. War sie auch dort oben? Jetzt, in diesem Moment?
Er wandte sich ab, ließ das Rosenberghaus hinter sich liegen und stapfte durch Pfützen voll brackigem Wasser die Straßen hinunter. Oststadts Popanz zog ihn an und stieß ihn gleichzeitig ab, eine unheilige Allianz der Gegensätze, die in seinem Innersten nagte. Er verfluchte die Eingebung, die ihn hierhin geführt hatte. Hier, mitten in die hohen Betontürme des Mendelssohnschen Platzes, zurück zu einer Vergangenheit, die er glaubte, hinter sich gelassen zu haben, die er verdrängt hatte in eine Schublade seines Gehirns, die im Dachboden seines Gedächtnisses lag.

Zum wiederholten Male verfluchte er die Kälte, die seit seiner Ankunft die Stadt in ihrem eisigen Griff hielt. Und ebenso verfluchte er die aberwitzige Idee, jemals wieder nach Silbermond zurückgekehrt zu sein. In die Stadt, der er geschworen hatte, ihr immer den Rücken zuzukehren. Jetzt war er wieder hier. Seine Flucht lag drei Jahre zurück, aber es erschien ihm wie gestern.

Pulverdampf hing schwer in der Luft. Er war immer noch fast taub vom Knall des letzten Schusses. Er kauerte sich noch tiefer hinter den Tisch, den er umgeworfen hatte, um dahinter Schutz zu finden. Sein Atem ging schwer und schnell und er spürte Panik in sich aufsteigen. Er konzentrierte sich, atmete tief ein und aus, beruhigte sich langsam. Neben ihm lag Phönix, dahin gestreckt von drei Schüssen, höchstwahrscheinlich tot. Auf der anderen Seite des Tisches lauerte das Rosenbergsche Todeskommando. Er schätzte sie waren zu dritt. Sie befanden sich in der besseren Position und warteten genüsslich, während er sich die Hosen vollmachte. Er konnte förmlich das spöttische Grinsen von Lucard vor sich sehen.
„Schwarzer Luchs“, rief dieser. „Das Spiel ist aus. Phönix ist aus dem Spiel und wir geben dir eine Chance. Schmeiß´ deine Kanone weg und verlass’ die Stadt. Komm´ nie wieder zurück. Oder bleib´ und stirb. Letzteres garantier’ ich dir.“
Die Stimme drang laut und schneidend durch den Raum, traf ihn Mitten im Mark. Mit dem Rücken an der Wand stehend schätzte er seine Chancen ab. Die drei Revolvermänner waren strategisch klug im Raum verteilt. Seine Waffe hatte noch exakt fünf Schuss. Ein kurzer Blick neben sich bestätigte, Phönix war wirklich tot, seine Chancen aussichtslos. Lucard konnte ihn jeden Moment töten.

Marlene war der Grund für seine Lage und Marlene war es auch, die ihm eine letzte Überlebenschance sicherte. Lucard würde es sich gut überlegen, ob er den Geliebten von Marlene Rosenberg über den Haufen schoss. Das würde Ärger geben.
Aber er, der berühmte Schwarze Luchs, musste weg aus der Stadt. Ja, es hatte etwas länger gedauert. Aber jetzt hatte er die Zeichen der Zeit erkannt. Er war den Rosenbergs ein Dorn im Auge. Er war einfach der falsche Geliebte. Wie konnte er nur so doof sein und sich ausgerechnet in die Tochter seines Chefs verlieben. Die Rosenbergs steckten hinter diesem feigen Hinterhalt, daran bestand kein Zweifel. Und sein Freund Phönix musste über die Klinge springen. Dessen Tod war zweifellos seine Schuld.

Es wurde Zeit, dass er Vernunft annahm. Es wurde Zeit, der Stadt den Rücken zu kehren.

Ach Marlene. Mein Herz blutet, aber ich habe keine andere Wahl. Wirst du mir jemals verzeihen?
Er richtete sich langsam auf, die schwere Pistole glitt ihm aus der linken Hand und knallte auf den Boden.
„Ich bin einverstanden, Lucard. Ich gehe. Aber glaube mir, wir sehen uns wieder. Und beim nächsten Mal wirst du für all dies büßen.“

Drei Jahre!
Drei Jahre voller Qual, drei Jahre ohne Marlene, und er hatte gedacht, niemals an diesen Ort zurückzukehren, der wie kein anderer auf der Welt die Menschen anzog und gleichzeitig abstieß. Ein Moloch, der alles verdaute, was sich in seinem Inneren befand.

Unwirsch streifte er die düsteren Gedanken ab und musterte stattdessen die Fassaden der Häuser.
Dieser Teil Oststadts hatte schon bessere Zeiten erlebt. Eine halbe Stunde vom Rosenberghaus entfernt blätterte der Glanz der Gegend ab, wurde weggewischt wie eine Kreidezeichnung auf dem Boden bei Platzregen. Der Regen hier nannte sich Dekadenz und Verfall. Fast konnte man meinen, sich in einer besseren Gegend Weststadts zu befinden:

Das Pflaster war rissig, Schlaglöcher säumten die Straße. Die grelle Neonbeleuchtung erfüllte die Nacht mit ihrem künstlichen Schein. Die Straße war gepflastert mit Lokalen: Freiheitskämpfer, Maria, Der dunkle Fleck, Himmelsstürmer, Freie Seelen, Die richtige Entscheidung, Ruf des Herzens oder Geliebte Maid.
Alle waren bunt und warben mit markigen Sprüchen. Und alle zeigten die ersten typischen und untrüglichen Anzeichen des Niedergangs: Blinde Fenster, abblätternder Putz oder ein dunkles L in der nach Aufmerksamkeit heischenden Neonreklame.

Neue Heimat nannte sich die Straße und so bezeichnete man auch das Vergnügungsviertel, ehemals die Topadresse Oststadts, bevor die Trendsetter weiter zogen, sich eine Gegend namens Sacusen aussuchten und die alte Liebe dem Verfall preisgaben. Sacusen, das schon aus der Mode gekommen war als er die Stadt verließ. Das Leben in Silbermond war ein einziger Fluss, und die Bürger der Stadt hatten sich darauf eingestellt. Es war fraglich, ob sie mit Stillstand überhaupt klar kämen.

Als er das Freie Seelen betrat, einen düsteren Klotz mit geschwärzter Fassade, drei Stockwerke hoch und mindestens ebenso tief, wallte etwas von der alten Begeisterung in ihm hoch. Erinnerungen an Momente mit Marlene, eng umschlungen tanzend, die Sinne betäubt mit Bier oder Hochprozentigem.
Der Türwächter sah verächtlich an ihm herab, machte aber keine Anstalten ihn aufzuhalten. Er orientierte sich nur kurz, dann durchquerte er den kleinen Vorraum, bevor er den großen, nur mäßig gefüllten Raum erreichte. Die Musik dröhnte aus den Boxen, doch gegen den Krach, der unter der Erde herrschte, war es ein sanftes Säuseln. Nur Wenige tanzten zu den elektronischen Klängen, untermalt von der Lichtorgel, die ein blinkendes Dämmerlicht erzeugte. Luchs sah sich um, erkannte aber niemanden.
Er schlängelte sich durch die lose stehende Menge bis zum anderen Ende, stieg die Treppe zur Unterwelt des Freie Seelen hinab.

Zwei Rhythmen kämpften hier um die Vorherrschaft, und das schrille Kreischen der Gitarren von unten gewann mit jeder weiteren Stufe. Die Musik war hart, laut und kompromisslos, eine typische Variation des zeitlosen Echtrock.
Er ließ den schweren Samtvorhang hinter sich und stellte sich dem Krach, genoss den wummernden Bass und wippte unwillkürlich mit den Füßen. Die Tanzfläche war überfüllt von Menschen, die zwar jeder für sich individuell ihre Glieder verrenkten, aber in ihrer Gesamtheit uniformer wirkten als bei einem vorgeschriebenen Gruppentanz.

Sein Blick wanderte über den Mob hinweg der Theke entgegen. Es war nicht der Wunsch nach einem Getränk, der ihn schnell um die Menge herumeilen ließ. Trotzdem bestellte er ein Bier und einen Tequila. Der schmale Kellner sah ihn aus tief liegenden braunen Augen an, in denen zwar Erkennen, aber nicht unbedingt Sympathie lag.
„Den Tequila wie gehabt ohne Salz und Zitrone?“
„Wie sonst?! Guter Geschmack ändert sich nicht.“

Geschmeidig verschwand Hendrik in dem unübersichtlichen Gewirr aus Flaschen, Gläsern und Hähnen. Der schwarze Luchs hatte sich noch nicht richtig umgeschaut, da traf seine Bestellung schon ein. Wie früher standen zwei Schnapsgläser vor ihm. Er stieß mit Hendrik an, stürzte den scharfen Schnaps hinunter und spülte mit einem Schluck der dünnen Plörre nach, die sie im Freie Seelen als Bier verkauften.

„Lang ist es her, Hendrik!“
„Ja, da sagst du was. Lang ist es her. Zu lange! Seitdem ist einiges passiert. Du warst plötzlich verschwunden. Phönix meinte, du hättest uns verraten…“
Der schwarze Luchs wartete nicht das Ende des Satz ab sondern packte Hendrik unmittelbar am Kragen und zog ihn mit Gewalt über die Theke.
„Sag das noch mal! Aber ganz langsam. Wie war das? Phönix lebt?“
Seine leuchtend grünen Augen schauten den Kellner mit einer Eiseskälte an, die diesen frösteln ließ. Hendrik winkte ab, als im Hintergrund einer der Rausschmeißer auf die Situation aufmerksam wurde und Anstalten machte, einzugreifen.
„Okay! Okay! Du hast meine Aufmerksamkeit. Gehen wir nach unten und unterhalten uns in Ruhe. Mir scheint, es gibt einiges an Klärungsbedarf.“
Luchs löste die Hände vom Kragen seines Gegenübers und zeigte ein schmales Lächeln.
„Dein erster vernünftiger Satz seit drei Jahren. Lass uns reden. Aber vorher trinken wir noch einen Tequila. Ich habe was nachzuholen.“

Der Raum lag eine Ebene tiefer. Während die überirdischen Stockwerke sowie das erste Untergeschoß den diversen Discotheken und Bars Platz boten und dem normalen Publikumsverkehr zugänglich waren, bestachen die tiefer liegenden Ebenen durch Verschwiegenheit und Exklusivität.
Mindestens zwei Ebenen kannte der schwarze Luchs, aber Gerüchten zufolge gab es noch eine weitere. Über die dritte Ebene munkelte man viel, doch niemand wusste genaues…
Das zweite Untergeschoss bot Separees für diverse Gelegenheiten: Besprechungen, die in absoluter Diskretion stattfanden, kleinere Marondeals, die in der Regel sofort zum Konsum führten sowie Pokerrunden, in denen es oft genug um richtig viel Geld ging.
Das dritte Untergeschoß war für die körperlichen Freuden reserviert. Nach dem recht happigen Obolus entledigte man sich seiner Kleider und begab sich auf die Suche nach Gleichgesinnten. Im Freie Seelen fand sich immer jemand, der die eigenen Vorlieben teilte. Und gerade die Nichtprofessionalität des jeweiligen Sexpartners machte den besonderen Reiz dieses Swinger Clubs aus.

Die Gerüchte über ein weiteres Stockwerk sprachen von Schwarzen Messen, Kinderprostitution und Sklaven; einer Melange aus Gewalt, Blut und grenzenloser Gier. Er wusste nicht, was an den Gerüchten wahr war, aber für ihn stand immer fest, dass er, sollte diese Ebene wirklich existieren, nichts damit zu tun haben wollte. Das Leben war so schon elend und hart genug.
Der Raum glich einem Büro, ein schwerer Schreibtisch mit allerlei Ordnern und Papieren thronte auf der einen Seite, während ihm gegenüber eine Sitzgruppe um einen kleinen runden Tisch drapiert war. Hendrik hatte vor ihm Platz genommen und sah ihn erwartungsvoll an.

„Nun, sprich. Was treibt dich auf einmal hierher? Und wo bist du die letzten drei Jahre gewesen? Marlene war ziemlich sauer, als du von jetzt auf gleich von der Bildfläche verschwunden bist. Sauer? Ach was, du hast ihr das Herz gebrochen. Tagelang hat sie geweint, sich dem Maron hingegeben…“
„Das Dreckszeug hat noch niemandem was Gutes gebracht.“
„Einfach seine Zelte abzubrechen und abzuhauen ist auch nicht der wahre Jakob. Phönix meinte…“
„Was ist mit Phönix? Wieso lebt er?“
„Warum glaubst du, er sei tot?“
„Hm!“

„Hör mal! Du verschwindest von jetzt auf gleich, tauchst wie aus dem Nichts hier auf und stellst unangenehme Fragen. Ich denke, du bist mir eine Erklärung schuldig. Also sprich´ oder mach dich vom Acker.“
Hendrik lehnte sich zurück, die Arme demonstrativ vor der Brust verschränkt und sah ihn erwartungsvoll an.
Der schwarze Luchs seufzte, dann begann er seine Geschichte zu erzählen.
„Gut! Pass auf! Wie du weißt, waren Marlene Rosenberg und ich ein Paar. Die große Marlene Rosenberg, die Tochter von Ariel Rosenberg, dem Führer dieser Dynastie, dem großen Boss einer der fünf Familien, die Oststadt kontrollieren. Ariel Rosenberg war alles andere als erfreut, als er erfuhr, dass seine Lieblingstochter mit einem gewöhnlichen Revolvermann der Familie liiert war. Revolvermänner wie ich sind für die unterschiedlichsten Aufgaben gut. Sie dienen als Leibwache, als Rollkommando und notfalls als Vollstrecker, sollte jemand an der irrigen Annahme leiden, den Rosenbergs die Stirn bieten zu können. Aber eines darf ein solcher Revolvermann nicht: Das Herz einer Rosenberg erobern.
Scheiße, Mann! Ariel erfuhr von unserem Techtelmechtel und setzte Lucard auf mich an. Sie waren zu dritt und Phönix stand an meiner Seite. Lucard hatte seine beiden besten Männer mit: Blitz und Donner, das berühmte Duo. Der Kampf hatte noch nicht richtig begonnen, da lag Phönix schon tot neben mir, von drei Kugeln niedergestreckt, garantiert tot. Ich hatte keine Chance. Lucard ließ mir keine Wahl. Entweder ich verschwinde oder ich folge Phönix´ Schicksal.
Nenn mich ein Weichei, aber ich hänge an meinem Leben. Ich bin sofort raus aus der Stadt und wollte nie wieder hierhin zurück.“

„Tolle Geschichte. Mit einem Schönheitsfehler. Aber dazu später. Warum bist du zurück?“
„Ich habe Gerüchte gehört. Marlene stecke in Schwierigkeiten. Drei Jahre habe ich einen inneren Kampf ausgefochten, habe geglaubt, sie vergessen zu können. Nächtelang habe ich wach gelegen, mir vorgestellt, wie es ihr geht. Es hat mich fast zerrissen, wenn ich mir vorstellte, dass sie einen anderen hat. Dann kam der Anruf. Sie bräuchte Hilfe. Es gehe um Leben und Tod. Ich pfeife auf meine Angst, pfeife auf Lucard und sein mörderisches Duo. Ich bin wieder hier und gehe erst, wenn ich Marlene wieder habe. Und zwar nur mit ihr.“

Der schwarze Luchs machte eine Pause. Sein Atem ging schwer und seine Hände zitterten merklich, so sehr hatte ihn die Erinnerung an das Gestern ergriffen.
„Jetzt erzähle! Was ist mit Phönix? Wieso lebt er?“
„Nun, als du verschwunden warst, tauchte Phönix hier auf. Marlene saß hier und wartete auf dich. Ihr wart verabredet, vielleicht erinnerst du dich noch. Er sah übel aus, blutverschmiert und faselte etwas davon, dass du vollkommen durchgedreht seiest und zwei Revolvermänner der Kirjakows um die Ecke gebracht hättest. Und die kommenden Ereignisse bestätigten seine Geschichte. Die nächste Zeit brannte die Luft und es konnte nur mit Mühe und Not ein Krieg der beiden Familien abgewendet werden. Es gab eine Menge Tote, und dir gab man die Schuld an der Eskalation.
Glaub´ mir, wenn dich einer erkennt, geht der Ärger wieder von vorne los. Beide Familien geben dir die Schuld und es ist ein hohes Kopfgeld auf dich ausgesetzt.“

„Phönix war tot, er hat drei Kugeln abbekommen.“
„Hm! Keine Ahnung. Fest steht, er lebt. Hast du seinen Puls gefühlt? Hast du dich wirklich vergewissert, dass er tot ist? Oder hast du es nur angenommen?“
„Scheiße, ja. Das könnte sein. Drei Schüsse und er lag dort, das Blut floss aus ihm wie das Bier aus einem offenen Hahn, die Augen blicklos.
Vielleicht hat er sich nur tot gestellt. Wer weiß. Nur warum spielt er den toten Mann? Was soll dieser Quatsch? Und warum erzählt er so eine Scheiße?
Ich habe niemand umgebracht. Warum sollte ich mich mit den Kirjakows anlegen?“

„Vielleicht haben sie Phönix unter Druck gesetzt. Es ging schließlich auch um sein Leben. Nehmen wir mal an, du sagst die Wahrheit. Phönix war nur angeschossen. Die Rosenbergs mussten zwei Männer der Kirjakows aus dem Weg räumen und suchten einen Sündenbock. Einen Sündenbock, den sie sowieso aus dem Weg räumen wollten. Da ihnen Marlene niemals verziehen hätte, wenn sie dich unter die Erde gebracht hätten, war dies die eleganteste Lösung. Phönix durfte nur weiterleben, wenn er die Geschichte deckte. Das würde passen. Ja, das wäre eine Möglichkeit.“
Hendriks Gesicht zeigte immer noch Zweifel, aber sein Blick wirkte schon freundlicher als noch vor wenigen Minuten.
„Aber sag, wer hat dir von Marlenes Problemen erzählt? Es wissen nur eine Handvoll Leute davon.“
Ein lauernder Ausdruck trat in das Gesicht seines Gegenübers.
„Nun, das errätst du nie.“
„Jetzt spann mich nicht auf die Folter. Spuk′s aus!“
„Es war Lucard, dieses Arschloch. Und er hat mich zu dir geschickt. Er meinte, du wüsstest, wo Marlene zu finden sei.“

Himmelsstürmer war nicht weniger abgefahren als Freie Seelen. Neunzig Meter lang und fast die Hälfte davon breit ging der Raum über mindestens vier Stockwerke, nur waren es keine Stockwerke im eigentlichen Sinne. Der Boden fehlte und stattdessen schlängelte sich ein System von Rohren und Plattformen in diesem freien Raum. Es war unersichtlich, wie die Statik gewährleistet wurde, er wusste nur, dass es funktionierte. War man das erste Mal hier, verlor man unwillkürlich den Überblick. Die Rohre kreuz und quer verlegt, manche führten als Rutsche nach unten, andere wiederum boten Treppen, nur wenige mit automatischem Laufband.

An den Enden der Rohre spielte sich das eigentliche Leben ab: Die Plattformen waren gleichzeitig Tanzfläche und Treffpunkt. Überall dröhnte die Musik in ohrenbetäubender Lautstärke und drängte die uniforme Menge zu sinnentleerten Verrenkungen.
Techrock war angesagt, der neueste Schrei in Oststadt. Kreischende Gitarren unterlegt von harten und schnellen elektronischen Beats, der Gesang eher ein abgehacktes Geschrei als traditioneller Gesang, das ganze immer wieder unterbrochen von minutenlangen Instrumentalpassagen, die mal mehr, mal weniger melodisch daher kamen.
Das Publikum war bunt gemischt, im Schnitt ein wenig älter als es in diesen Etablissements üblich war. Mindestens die Hälfte der Gäste war bis oben hin voller Maron, das erkannte er auf den ersten Blick.

Hendrik hatte nicht zu viel versprochen. Das Himmelsstürmer war eigen, dazu laut, gewaltig und überfüllt. Aber da er nicht zu Unrecht den Kampfnamen Schwarzer Luchs trug, brauchte er keine halbe Stunde bis er Phönix aufspürte. Im Takt mit einer Brünetten tanzte er der Musik folgend ein wildes Mosaik, einer merkwürdigen Periodik folgend, die kaum nachvollziehbar war. Alle tanzten so und er fragte sich, wie um alles in der Welt man diese Regel lernen konnte.
Das Maron musste einen besonderen Sinn öffnen, anders konnte er sich das nicht vorstellen. Trotzdem würde er niemals dieses elende Zeug anrühren.

Er schlich sich an Phönix heran, mühte sich, dem Rhythmus der Tanzenden zu folgen, doch es misslang ihm kläglich und selbst die vom Maron betäubten Sinne der Umstehenden erkannten dies und grinsten über seine hilflosen Versuche, sich der Menge anzupassen.
Hinter Phönix kam er zum Stehen, verrenkte weiter den Körper, während er dem Ex-Partner auf die Schulter tippte.
Phönix drehte sich herum. Als dieser ihn erkannte wurde ein Blick zu einer Mischung aus Freude und Missfallen, die schnell Entsetzen wich. Entsetzen und etwas, das er für den Moment nicht deuten konnte.

„Hey, Alter, können wir mal in Ruhe was trinken“, schrie er dem Lärm entgegen. Phönix zuckte und machte Anstalten, in der Menge abzutauchen, überlegte es sich dann doch anders. Nach wenigen Metern blieb er stehen, sah nachdenklich auf ihn herab und bedeutete ihm zu folgen. Der Luchs ließ sich nicht zweimal bitten.
Sie rutschten eine Röhre hinunter, kamen auf eine kleine Plattform, die direkt vor einer graffitibesprühten Wand endete. Phönix führte ihn zu einer verborgenen Tür. Der allgegenwärtige Lärm ebbte ab. Vor ihnen lag eine mäßig besuchte Bar.
„Immer noch das Gleiche?“
Er nickte.
„Kellner, zwei Bier und zwei Tequila, ohne Salz und Zitrone. Hinten an den Tisch.“

Phönix legte zwei Scheine auf den Tisch. Im Hintergrund des Raumes ließen sie sich nieder, weit weg von etwaigen Lauschern. Schweigend warteten sie auf das Eintreffen der Bestellung, stießen mit den Schnapsgläsern an und stürzten den Tequila die Kehle hinunter, einen Schluck Bier hinterher. Das Bier war besser als im Freie Seelen, das musste der Luchs anerkennen.
„Ich dachte, du wärst tot.“
„Nun, säße ich hier, wenn es so wäre?“
„Das beantwortet meine Frage nicht.“
„Das war keine Frage.“
„Wo liegt dein Problem?“
„Ich habe kein Problem. Du hast eines. Wie hast du mich gefunden?“
„Hendrik.“
„Diese alte Sabbeltante. Gut, das lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Er hat dir bestimmt erzählt, was nach deinem Verschwinden Sache war.“
„Ich hielt dich für ziemlich tot. Mausetot! Das stinkt! Entweder es war eine abgekartete Sache zwischen Lucard und dir oder…“
„Oder?“
„Keine Ahnung! Sag du es mir! Ich bin noch zu keinem Ergebnis gekommen. Du hattest drei Kugeln abbekommen, zwei mitten in die Brust. Wenig später bist du ins Freie Seelen spaziert und hast Lügen über mich verbreitet.“
„Welche Wahl hatte ich denn? Was sollte ich tun? Mich wie einen räudigen Hund abknallen lassen?“

Luchs lehnte sich zurück. Es war etwas in den Augen seines Ex-Partners, das ihn vorsichtig werden ließ. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Geschichte war zu glatt, zu passend. Sie stank drei Meilen gegen den Wind. Er würde abwarten. Marlene finden, das hatte oberste Priorität. Marlene finden und die Augen offen halten. Der Rest würde sich ergeben.
„Okay. Vorbei ist vorbei und es hilft nichts, bis zum jüngsten Tag zu lamentieren. Ich denke, so wie die Sachlage ist, habe ich etwas gut bei dir. Führe mich zu Marlene.“

Die blauen Augen Phönix´ verengten sich zu Schlitzen. Etwas Lauerndes trat in sein Gesicht, und er war sofort gewarnt. Er kannte Phönix lange genug. Länger, als dass er es in drei Jahren vergessen hätte. Sein Gegenüber beugte sich vor und stieß mit dem Bier an.
„Abgemacht! Ich bringe dich zu ihr. Aber erwarte nicht zu viel. Es hat sich einiges seit deiner Flucht verändert.“
„Sie hat einen…“
„Warte ab! Und glaube mir, du wirst bereuen, ihretwegen zurückgekommen zu sein.“
Sie tranken aus und schauten sich in die Augen, ein stummes Duell, das niemand gewinnen konnte. Im stillen Einvernehmen brachen sie auf. Das bekannte Kribbeln erfasste von Schwarzer Luchs Besitz. Es war soweit. Die Jagd begann.

Der Laden war abgefahren. Der Raum klein, die Musik ohrenbetäubend laut, die Wände mit greller Farbe beschmiert, die Muster eine Mischung aus Free Art und Ekelporno. Zu seiner linken Seite stand Phönix und musterte ihn eindringlich, eine Reaktion abwartend.
Er fühlte sich seltsam leicht, hatte das Gefühl, wegrennen zu müssen. Marlene stand vor ihm. War sie vor drei Jahren schon schlank, war sie jetzt dürr, fast ausgezehrt. Ihr langes straßenköterblondes Haar hing ungepflegt an ihr herab. Die braunen Augen lagen tief in den Höhlen und unterstrichen den Eindruck, dass sie nicht in Ordnung war. Krank oder süchtig, das war auf den ersten Blick nicht zu sehen, aber es lief eindeutig darauf hinaus, dass es ihr nicht gut ging.

„Andrzej“, hauchte sie, ein Hauch von Erkennen in ihren Augen. „Du solltest nicht hier sein.“
Luchs spürte ein heftiges Ziehen in der Magengegend. Sein Herz raste wie verrückt. Der Raum schien um ihn herum zu schwanken, sich vor und zurückzubewegen, als hätte er einen üblen Trip genommen. Er nahm ein, zwei tiefe Atemzüge, dann hatten sich seine Nerven wieder beruhigt. Äußerlich ließ er sich nichts anmerken.
Er griff in das Achselhalfter und zog die Pistole hervor, nahm sie in beide Hände und visierte Marlene an.
„Es tut mir leid!“

Sein Finger krümmte sich, während der Knoten in seinem Bauch immer größer wurde. Ein Knall, die Kugel verließ den Lauf und schlug mitten in die Stirn Marlenes ein. Ein kleines Loch erschien, der Hinterkopf platzte weg und ergoss sich in einem Schwall aus Blut und Knochen an der Wand. Seine Gedanken wanderten zurück.

Die Bar hieß St. Antonie und war eine von unzähligen Kneipen entlang der Ferrome Street. Schwarzer Luchs saß im hinteren Bereich, den Rücken zur Wand und trank gerade den siebten Tequila, als er den Laden betrat. Während Luchs nach seiner Kanone griff, rasten seine Gedanken. Waren sie ihm auf den Fersen? Die Abmachung besagte, solange er Silbermond fernblieb würden sie ihn in Ruhe lassen. Was um alles in der Welt wollte Lucard hier?
Der Franzose steuerte zielstrebig seinen Tisch an. Mit einem schmierigen Lächeln setzte er sich ihm gegenüber nieder, die Hände besänftigend entgegengestreckt.
„Keine Panik, Luchs. Unsere Abmachung gilt.“

Lucard sah sich um, die grauen Augen musterten jede Einzelheit des Raums und schätzten in Sekundenschnelle ab, ob das Detail wichtig war oder nicht.
„Luchs, ich bin nicht den weiten Weg aus Silbermond gekommen, um Smalltalk mit dir zu halten. Ich sage es ganz offen und ehrlich. Wir haben ein Problem. Ein riesiges Problem. Wenn du es für uns löst, bist du rehabilitiert. Überlege es dir genau. Es wird kein zweites Angebot geben.“
„Warum gerade ich?“
„Du bist der einzige, dem ich zutraue, das Problem zu lösen.“
„Was ist mit Blitz und Donner?“
„Die sind ein Teil des Problems.“
„Erzähle…“

Die Ereignisse überschlugen sich. Blitz und Donner stürmten herein, vom Lärm angelockt. Der schwarze Luchs wirbelte herum und schoss zweimal. Beide Kugeln saßen, wieder richteten die Kugeln eine Sauerei an und die Hinterköpfe zerplatzten. Der ganze Vorgang hatte nur wenige Sekunden gedauert und Phönix stand immer noch regungslos neben ihm. Ein Blick in die Mündung der Kanone ließ ihn erblassen.
„Luchs, was soll die Scheiße? Du…“

Ein weiterer Knall und Phönix verstummte für immer. Für immer? Luchs wurde heiß und kalt zugleich. Er dachte an Lucards Worte.
Du darfst kein Mitleid mit Marlene haben. Sie ist besessen, ebenso wie Blitz und Donner. Du musst Silberkugeln verwenden mit einem Kern aus schwarzen Diamanten. Und hoffen, dass dies reicht, um diese Wesen zu töten.
Phönix war seine Zugabe gewesen. Phönix, der Verräter, der ihn getäuscht hatte und dessentwegen er die Stadt verlassen musste. Lucard hatte ihn ganz genau über dessen Rolle aufgeklärt. Wäre er hier geblieben, er hätte Marlene vor diesem Schicksal bewahrt. Oder wäre mit ihr untergegangen, mehr Möglichkeiten gab es nicht. Doch jetzt war es zu spät. Er hatte die Frau getötet, die er liebte und der Schmerz brannte in ihm, die Erkenntnis, was er getan hatte, in all seiner Endgültigkeit.
„Andrzej!“

Die Stimme war verzerrt, seltsam hohl und begleitet von einem Pfeifen. Ein Blick nach vorne rief Entsetzen in ihm herauf. Vor ihm stand immer noch Marlene. Das Eintrittsloch der Kugel wirkte wie ein Kratzer, doch der fehlende Hinterkopf bezeugte unwiderruflich den Erfolg seines Schusses. Trotzdem lebte sie, schritt langsam auf ihn zu, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
Grauen stieg in ihm auf. Von hinten hörte er weitere schlurfende Schritte. Er drehte sich um, sah Blitz und Donner entgegenkommen. Von rechts lächelte ihn Phönix an. Der Kreis schloss sich, und es dauerte nicht lange, da schrie er. Er schrie was das Zeug hielt. Doch plötzlich verschwand der Schmerz. Er fühlte sich seltsam leicht.
Der Luchs verließ seinen bisherigen Bewusstseinszustand und strebte neuen Ufern entgegen. Er war wieder bei Marlene. Ganz nah. Auch wenn er es sich in seinen Träumen wohl anders vorgestellt hatte.

Lucard verfolgte das Geschehen auf dem Monitor und fluchte lauthals als er erkannte, dass sein Plan schief gelaufen war. Aber es bestätigte seine Idee, mit Andrzej einen Externen für diesen Auftrag ausgewählt zu haben. Es war an der Zeit Phase 2 einzuläuten.
Aus an den Decken verborgenen Düsen sprühte er Benzin in den Raum und wartete, bis alle vollständig von Flüssigkeit bedeckt waren. Dann orderte er die Düsen zurück und fuhr die Brenner raus.
Er genoss einen letzten Blick auf die Karikaturen, die einmal Menschen gewesen waren. Menschen, die mit der ersten Generation des Virus in Kontakt gekommen waren. Ariel würde toben und ein Blutopfer für seine Tochter fordern. Ariel würde aber auch froh sein, dieses dunkle Kapitel Familiengeschichte abzuschließen. Marlene, eine Tochter, die es nie geschafft hatte, ihrer Stellung gerecht zu werden, geschweige denn den Anforderungen ihres Vaters.

Lucard schwelgte ein letztes Mal in Erinnerung an die Nacht mit Marlene, bevor sie diesem Stümper von Andrzej den Vorzug gab. Marlene, die so weich war und ihn doch so hart ran nahm. Die so gut roch, zuerst das teure Parfüm, dann die Säfte, welche die Leidenschaft verströmte.
Als er merkte, wie er hart wurde, löste er die Brenner aus. Mit einer Verpuffung entzündete sich das Benzin und verwandelte fünf Körper in Fackeln. Zufrieden betrachtete er das lautlose Abbrennen, verspürte einen Hauch von Enttäuschung aufgrund fehlender Schreie, doch das kommende Blutopfer würde ihn entschädigen. Er wusste schon, wen er Ariel vorschlagen würde…

Nur wenige Minuten waren vergangen und die Körper zu Asche verbrannt. Lucard nahm einen tiefen Atemzug, verabschiedete sich in stiller Trauer – ja er empfand Trauer für Marlene, so seltsam das klingen mochte -, und schaltete die Anlage ab. Phase 2 war ein voller Erfolg, das Gegenmittel gefunden. Er selbst hatte den Quatsch mit den diamantgefüllten Silberkugeln nicht geglaubt, aber das Wort eines Ariel Rosenberg duldete keinen Widerspruch.
Durch ein Gewirr von unterirdischen Gängen entschwand er dem Der dunkle Fleck, das seinem Namen alle Ehre machte. Nur wenige Minuten später war er zurück im Maria, nicht lange genug weg, als dass jemand ihn mit irgendetwas in Zusammenhang bringen konnte. Sich zu seiner Mannschaft gesellend bestellte er eine Runde für alle, und das Gelage begann.

Er war großzügig, schließlich war dies ein besonderer Tag. Phase 3 würde bald beginnen, eine neue Version des Virus hervorbringen, dem Ziel der Unsterblichkeit näher kommen. Nach dem dritten Bier musste er austreten, seine Kirmesblase war oft genug Zielscheibe des Spotts, aber immer nur hinter seinem Rücken. Wehe dem, der es offen wagte…
Ob trunken vor Freude oder den Bieren, er schwankte ein wenig und musste sich an der Wand abstützen. Ein merkwürdiger Geruch trat in seine Nase, aber er ignorierte ihn. Es roch verbrannt, doch er war sicher, dass dies eine Einbildung war. Er hatte wohl immer noch den Eindruck brennender Körper vor Augen. Er betrat die Toilette und wich unwillkürlich einen Schritt zurück. Der Geruch nahm noch an Intensität zu. Er begab sich zum Waschbecken und goss sich zwei Hände Wasser ins Gesicht. Ein wenig Ausnüchterung würde ihm gut tun.

Plötzlich hörte er hinter sich eine Bewegung, drehte sich verärgert um. Wer wollte sich mit Lucard anlegen?
Doch was er sah ließ ihn erstarren. Er schaute genau in die verbrannte Fratze von Marlene, die langsam näher kam. Ihre Haut war verschrumpelt und gab die Zähne frei, die in verbranntem Fleisch steckten.
Um seine Brust legte sich ein eiserner Ring. Mühsam japste er nach Luft, er zitterte am ganzen Körper, als das Gefühl zu ersticken nicht nachließ.

Ich hyperventiliere!
Hände legten sich um seinen Hals, trocken, warm und weich. Doch unter der weichen Oberfläche steckte Kraft und drückte ihm die Kehle zu. Verzweifelt versuchte er den eisernen Ring um seinen Hals zu sprengen, doch die verkohlten Hände bewegten sich keinen Millimeter. Stattdessen bewegte sich ihr Kopf, und in einer schnellen Bewegung biss sie ihm ein faustgroßes Loch in die Wange. Schmerz brandete wie Säure in ihm auf, doch die Klammer um den Hals erstickte den Schrei im Keim. Mit Händen und Beinen um sich tretend und schlagend versuchte er seiner Peinigerin zu entgehen, doch schon bald schwanden seine Kräfte.
Sein ganzes Sein war rot, feuerrot, ein einziger Brand, bevor absolute und unwiederbringliche Dunkelheit von ihm Besitz ergriff.

Sechs Gestalten bewegten sich durch die Dunkelheit, liefen durch unterirdische Gänge. Sechs Gestalten, die besser verborgen blieben vor den Blicken Neugieriger, da sie äußerlich verunstaltet waren. Doch wer genau hinsah, konnte erkennen, wie sie sich Schritt für Schritt, Zelle für Zelle regenerierten. Sechs Gestalten liefen weiter, einer unhörbaren Stimme entgegen, die sie dirigierte: Der Stimme der Rache.

Original erschienen in David Grashoff(Hrsg.) – Disturbania, Atlantis Verlag, 2008

Michael Schmidt

Michael Schmidt

Michael Schmidt wurde 1970 in Koblenz geboren. Er veröffentlichte bisher über 60 Kurzgeschichten, die sich quer durch alle Genres bewegen und oft den Rahmen des Gewöhnlichen sprengen.
Als Herausgeber zeichnete er schon für diverse Anthologien verantwortlich. Zwielicht gewann dabei dreimal in Folge den Vincent Preis.
Seine Kurzgeschichtensammlungen sind bei Create Space Publishing erschienen.

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