Opferblut

Opferblut

Vier gute Männer schreiben Böses. Vier böse Jungs sind richtig gut. Und bekunden fies-finster-frech einmal mehr, was im Genre als Godfather-Faktum gilt: „When there’s no more room in hell, the dead will walk the earth.“ George A. Romero. Natürlich. Verfolgend. Verpflichtend. Verdammt respektabel.
opferIn Opferblut machen Uwe Siebert (Herausgeber), Rainer Innreiter, Marc Gore und Manfred Klos definitiv klar (Zombie-)Schiff: Es wird nicht drum herum geschnörkelt, es geht klassisch straight zur Sache. Der Pandämonium-Verlag empfiehlt das noch druckfrische Buch ab 18 Jahren, das ist nicht nur so daher gesagt, das ergibt erklärenden und mahnenden Sinn für die weniger abgefahrenen, durchtrainierten Leser. Dabei scheinen die Begrüßungsworte im Prolog der Horror-Anthologie zumindest beim ersten Hingucken, Zuhören zu einer typischen Fahrt mit der Geisterbahn bei Vollmond auf dem Rummelplatz einzuladen:

„Willkommen…in einer Welt des Schreckens und der Gewalt. Hier sind Albträume Wirklichkeit, das Monster unter deinem Bett packt dich des Nachts am Bein und zerrt dich in die tiefste Finsternis hinab. Du kannst nicht entfliehen. (…) Willkommen…in der Welt des Horrors!“

Für erfahrene Liebhaber beherzt und gekonnt erdachter Angst-Geschichten klingt das nach einem netten, jawohl, gar vergnüglichen Leseabend. Sofern die Nerven die Lust definieren. Als lohnens- und damit erlebenswert erweist der sich zwar allemal, das Lob gilt den Autoren, aber es wird halt doch recht krass. Brutal. Echt. Hart. Gut. Stilistisch sauber, inhaltlich ordentlich befleckt und durchtränkt. Was sonst? Es fließt reichlich, Opferblut spendet uns einige Tropfen:
Uwe Siebert: „(…) Ruckartig reckte die verstümmelte Gestalt Victor beide Arme entgegen, knochige Finger bohrten sich durch die Haut des Obergefreiten. Blut floss, wie so oft an diesem Tag. Für Sekundenbruchteile flackerte in den Augen des Einsamen so etwas wie Verwunderung auf, denn Victor schrie nicht wie all die anderen Männer vor Schmerzen und Schrecken auf; er flehte nicht zu Gott; (…)“
Rainer Innreiter: „(…)Ich weiß nicht zu sagen, was ich fühlte, ja, mehr noch, ob ich überhaupt etwas fühlte, als ich den Leichnam kopfüber an einem Heizungsrohr auf hängte und einen Plastikeimer darunter stellte, um ihn ausbluten zu lassen, solange sein Saft noch floss. Um nicht komplett den Verstand zu verlieren, stellte ich ihn mir als Schlachttier vor. (…) Vielleicht fiel mir das Portionieren des Leichnams deshalb schwerer als der Mord, weil ich erst jetzt vollumfänglich realisierte, was geschehen war.(…)“
kussMarc Gore: „(…) Tony hatte nie versucht zu verstehen, warum sie das Baby getötet hatte; er kannte ihren Hunger nach Menschenfleisch nicht. (…) Tony und Faye waren alles, was sie noch hatte. Und sie waren auch das, was sie am meisten wollte. Sie würden so gut schmecken wie damals das Fleisch des Babys. Nur dieses Mal würde sie nach ihrem Festmahl nicht mehr weinen müssen. (..)“
Manfred Klos: „(…) Dieses Wesen fuhr zwei seiner Tentakel aus und rammte sie Franco wie Lanzenspitzen in die Augen, daraufhin erklangen Sauggeräusche – ekelerregende, schmatzende Geräusche, die mich seitdem in meinem Träumen fast jede Nacht heimsuchen. Franco winselte, seine Sehnerven rissen, zusammen mit den verschiedensten Blutgefäßen. Doch seine Qualen waren damit noch nicht beendet. (…)“

„Fressen und gefressen werden – das Gesetz der Bestien.“

Der Bestie Mensch. Die bleibt übrig. Das Gesetz mit ihr. Wie auch immer.

Opferblut

 

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)