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Octavio Paz: Das fünfarmige Delta

Meine Schritte in dieser Straße
Hallen wider
In einer anderen Straße
Wo
Ich meine Schritte
Durch diese Straße gehen höre
Wo
Nur der Nebel wirklich ist.

– Octavio Paz

Octavio Paz führte eine von Walt Whitman über Ezra Pound und Pablo Neruda bearbeitete Tradition der Moderne produktiv fort: die des hymnischen Gedichts, Anrufung des Lebens, Evokation des erfüllten Augenblicks.

Das Gedicht wird zu einer „Folge intensiver Momente, die nicht so sehr durch das Erzählte verbunden werden als vielmehr durch das Schweigen, die Auslassungen.” In “Das fünfarmige Delta”, das als sein lyrisches Vermächtnis betrachtet werden kann, finden sich die fünf langen Poeme, die durch ihre schiere Schönheit den Atem stocken lassen. Octavio Paz hat nicht wenig Einfluss auf mein eigenes lyrisches Schaffen gehabt, mehr noch als der große Mallarmé. Selbstverständlich: auch er atmete das große Paris und fand den Geist des Surrealismus dort. Als ich 1993 in Mexiko lebte, dem Land, das diesen poetischen Menschen heranwachsen ließ, wurde auch ich gepackt von dieser nimmermüden Sonne, die sich, wenn sie sich mit einer Pariser Intellektualität paart, zu einem unlöschbaren Fieber entwickelt. Und immer hat man das Gefühl, man humpelt der Fülle hinterher.

Und mein Denken, das galoppiert und galoppiert und kommt nicht vom Fleck…
es erhebt sich wieder
und stürzt sich erneut in die stockenden Wasser der Sprache…

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