Mummenschanz: Stück für Stück: Die Henker auf dem Galgenhügel

Es mag merkwürdig erscheinen, wenn ich sage, dass ich über diese Geschichte nichts Besonderes zu berichten habe. Sie folgt – wenn man das so betrachten will – meinem persönlichen Muster, weist nur einen kleinen Handlungskern auf, der umgeben ist von philosophischen (oder schwarzromantischen) Facetten. Eine Geschichte quasi im Stillstand zu betrachten, gleichzeitig klassisch wie postmodern vorzugehen, hat mich immer schon besonders herausgefordert, wobei weder das klassische Element besonders klassisch ist (das Klassische hat für mich immer etwas mit den Archetypen C. G. Jungs zu tun), noch besonders postmodern (schließlich gibt es das „offene System“ bereits seit hundert Jahren). Kann man durch Sprache dorthin gelangen, wo die wirklich unauslotbaren Gebiete liegen? Man kann sehr leicht das Prinzip einer ewigen Wiederkehr in dieser Geschichte entdecken. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, außer einem:

In Herodots Bericht von dem Ägypterkönig Psammenitos, der von dem Perser Kambyses besiegt worden ist, muss der mit ansehen, wie seine Tochter als Magd zu dienen hat und wie sein Sohn hingerichtet wird. Beide Male bleibt er unbewegt. Erst als er seinen Diener unter den Gefangenen entdeckt, gibt er seiner allergrößten Trauer Ausdruck. Montaigne hat sich gefragt, warum Psammenitos den Anblick seiner eigenen Kinder gefasst ertrug, nicht aber den seines Dieners. Walter Benjamin sah gerade darin, dass Herodot diese Frage offen ließ, das Kriterium authentischen Erzählens.

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Der Bouquinist

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Dichter, Übersetzer, Herausgeber