Mummenschanz: Stück für Stück: Der Gehenkte

Als jemand, der sich ausgiebig mit der Romantik beschäftigt, ist mir Gerard de Nerval stets als einer dieser düster-feinsinnigen Dichter erschienen, die in anderen Sphären lebten. Das mag damals leichter gewesen sein als heute. Der Wahnsinn ist eines der interessantesten Phänomene überhaupt. Ob das für den Betroffenen auch gilt, möchte ich in manchen Punkten bezweifeln, in anderen wiederum nicht. Nervals „Aurelia“ las ich in den 1980er Jahren, als ich mich nahezu allen verfemten Künstlern nähern wollte, denn dort konnte ich mich am besten verorten. Ich hatte quasi nur die Wahl der Isolation oder der Gespräche mit den Toten. Also wählte ich letzteres. Auch diese Geschichte begann mit einem Gedicht, das vom Selbstmord des Dichters handelt. Allerdings wollte ich etwas ausführlicher zu Werke gehen und packte Fleisch auf dessen Knochen.

Veröffentlicht von

Der Bouquinist

Der Bouquinist

Dichter, Übersetzer, Herausgeber