Montagsfrage: Empfehlenswertes Buch mit Tier

Heute wollen wir mal wieder bei Lauter & Leise vorbeischauen, wo regelmäßig die Montagsfragen gestellt werden. Das erinnert uns selbst auch immer wieder daran, dass wir ja eigentlich ein Buchblog sind, der oft weite Ausschweifungen unternimmt, aber wir haben uns immer besser im Griff.

Tatsächlich gibt eine eine ganze Menge an Fiktionen mit den unterschiedlichsten Tieren. Seine Wurzeln hat dieses Subgenre (wenn man es so nennen möchte, auch wenn es editorisch falsch ist) in der Fabel. Mir selbst fällt spontan Tiecks ebenfalls großartiger “Gestiefelter Kater” ein, der dem hier vorgeschlagenen Werk unter anderem als Vorbild diente, auch wenn die eigentliche Inspirationsquelle Hoffmanns eigene Katze war:

Lebensansichten des Katers Murr

Das Buch ist ohne Zweifel eines der Höhepunkte der deutschen Literaturgeschichte und der letzte Roman des großen E.T.A. Hoffmann, ein brillantes Werk, in dem sich Realität und Fantasie mit dem romantischen Impuls der Ironie zu einer vollkommenen Satire vereint, und das viele autobiographische Bezüge enthält. Dieser ungewöhnliche Roman ist in Form von Notizen des autodidaktischen Katers Murr geschrieben – einem Genießer und Pragmatiker. Hoffmann wollte mit diesem Buch nichts weniger als seiner eigenen Katze ein Denkmal setzen, denn wie jeder große Autor war auch er ein Katzenliebhaber.

Der Roman ist aber auch aufgrund seiner Struktur besonders interessant, denn es wechseln sich zwei Handlungsstränge ab und jeder Teil endet in der Mitte eines Satzes. Heute, da wir an postmoderne Schreibtechniken gewöhnt sind, ist das keine große Sache mehr, aber im Jahre 1818, als der Roman erschien, war dieses Vorgehen tatsächlich ungewöhnlich und kühn. Es ist ein großartiges Kunstwerk, das allerdings nicht ganz losgelöst von Hoffmanns „Kreisleriana“ ist, einem kleinen Zyklus von Texten, die hauptsächlich aus Geschichten über Leben und Werk des Kapellmeisters Kreisler bestehen, einem talentierten Musiker und Komponisten, der sein ganzes Leben in den Dienst der Kunst stellt.

Natürlich kommt im „Kater Murr“ Hoffmanns Hang zur Mystifikation zum Tragen. Laut Vorwort wurde im herausgebenden Verlag beschlossen, ein zufällig entdecktes Manuskript zu drucken, dessen Autor ein Kater war. Es wurde angenommen, dass eine solche lehrreiche Erzählung für den Leser interessant sein kann. Dabei wurde jedoch festgestellt, dass das Tier bei seinen Aufzeichnungen Blätter aus einem anderen Buch gerissen hatte, teils um sie als Schreibunterlage oder zum Löschen der Tinte zu verwenden, und so wurden diese aus Versehen mit abgedruckt, welche zur Biographie des Kapellmeisters gehörten.

Das Buch ist ein bizarrer Wechsel von Episoden aus dem Leben eines Katers in chronologischer Reihenfolge, Episoden aus dem Leben des Kapellmeisters kommen dann in zufälliger Reihenfolge vor, und Bemerkungen des Verlegers, der sich große Sorgen um die Manieren des Autors dieses ungewöhnlichen Buches macht, werden eingeschoben.

Das war kurz vorgestellt unser Beitrag für diesmal.

3 Gedanken zu „Montagsfrage: Empfehlenswertes Buch mit Tier“

Schreibe einen Kommentar

* Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie mit den Datenschutzbedingungen einverstanden sein.

Dieser text ist urheberrechtlich geschützt!