Montagsfrage: Drei der schönsten Weihnachtsbücher

Wenn die Tage kürzer werden und die erste Kerze angezündet wird, um das Hochfest des Konsums einzuleiten, gibt es Menschen, die ihre Rituale auspacken, die zu dieser Zeit passen. Dazu gehört das Backen, das Kredenzen des ersten Glühweins oder das Durchstöbern der heimischen Bibliothek nach jenen Büchern, die den Winter brauchen wie ein Kurzsichtiger sein Monokel.

In der Montagsfrage, die Antonia Leise auf ihrem Blog Lauter & Leise stellt, geht es um solche Bücher. Ihre Frage lautet also: Was sind für dich die schönsten Weihnachtsbücher?

Die Liste wäre lang, aber ich habe drei Vorschläge:

Frank L. Baum / Das Abenteuerliche Leben des Weihnachtsmanns

Tatsächlich ist der Autor dieses Buches als Chronist der großartigen Oz-Bücher bekannt. Wenige wissen, dass er es war, der die Herkunft des Weihnachtsmannes erklärte. Tatsächlich unterscheidet sich hier Baums Ton erheblich von dem der Oz-Bücher und nimmt eine eher ernste, historische Haltung an. Wer also mit seinen klassischen Büchern nicht zurecht kam, muss nicht zwangsläufig die Finger hiervon lassen. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass die Geschichte aus dem Jahre 1902 stammt. Wie bei so vielen von Baums Geschichten beginnt auch diese in einem Land der Feen und Unsterblichen. Dessen Bewohner haben gerade Bekanntschaft mit einem menschlichen Baby gemacht. Im ersten von vielen Versuchen, die Geschichte des Weihnachtsmanns von der Legende des heiligen Nikolaus zu trennen, beschließt eine Nymphe, das Baby „Neclaus“ zu nennen, das, wie Baum verbindlich erklärt, später als „Nikolaus“ missverstanden wurde. Dieser Name wird später auf Claus verkürzt, da das Baby nach unsterblichen Maßstäben ziemlich schnell altert und den unsterblichen Wald zugunsten der sterblichen Länder verlässt.

Arthur Conan Doyle / Der blaue Karfunkel

Eigentlich ist das ja eine Kurzgeschichte, aber gerade die sollte hier nicht fehlen, wenn es um etwas Weihnachtsfeeling geht. Die Geschichte spielt nicht nur zur Weihnachtszeit, sie hat auch den besonderen Geist dieser Zeit zum Kern. Sherlock Holmes bewahrt hier einen Ex-Knacki davor, für einen Diebstahl einzusitzen, den er nicht begangen hat und verschont gleichzeitig den echten Dieb, um ihn davor zu bewahren, sein Leben in der Abwärtsspirale zu verbringen. Diese Erzählung ist eine typische Kaminfeuergeschichte. Und wenn man möchte, kann man sich auch andere Holmes-Geschichten einverleiben. Sie sind kurz und meistens brilliant geschrieben.

 

Terry Pratchett / Schweinsgalopp

Für seinen zwanzigsten Roman der Scheibenwelt-Reihe wandte Pratchett eine Satire auf den heiligen Nikolaus an, der im Scheibenweltuniversum als der Schneevater bekannt ist. Als die Assassinengilde auf diese mythische Gestalt trifft und sie schwächt, muss der Tod in die Rolle des Geschenkverteilers schlüpfen. Als der Tod aber anfängt, die Wünsche der Kinder zu wörtlich zu nehmen, springt seine Enkelin Susan ein, um gegen Feindbilder zu kämpfen, die in die Kinderträume eindringen, und um alles richtig stellen. So wie die Feiertage zu gleichen Teilen deprimierend und freudig sein können, findet Pratchetts Dekonstruktion des Weihnachtsmythos den Humor an hellen und dunklen Orten. Passend dazu bietet „Schweinsgalopp“den Lesern eine ausgiebige Antwort zum Thema Weihnachten. Etwas Geringeres kann man von Terry Pratchett auch nicht erwarten.

Michael Perkampus

Michael Perkampus

Kulturanthropologe, Übersetzer, Sammler von Comics, phantastischer Literatur und Filmen. Gründer des Phantastikon, Eskapist.

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