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Maurice Level – Der Abdruck der Hand

Titelbild: Aus Liz Ronks “Madness, Torture and Murder on a Paris Stage: That’s Entertainment!” (Life Magazine)

Grand Guignol

Grand Guignol

The Grand Guignol war ein Theater mit legendärem Kultstatus zwischen 1897 und 1962. Exklusiv wurden dort Einakter von 10 bis 40 Minuten Länge, die für ihre Gewalt und Erotikdarstellung berühmt waren, aufgeführt.
Obwohl das Theater sich dem Naturalismus verbunden fühlte, rief die Art der Auftritte, bei denen das Publikum reihenweise in Ohnmacht fiel, selbstverständlich auch das Interesse der Surrealisten auf den Plan.
Einer, dessen Vorlagen dabei gerne verwendet wurden, war der französische Schriftsteller Maurice Level (1875 – 1926), der sich auf makabere Kurzgeschichten spezialisiert hatte, die regelmäßig in Pariser Zeitschriften abgedruckt wurden. Viele seiner Stories wurden ins Englische übertragen und fanden ihren Weg in das legendeäre ‘Weird Tales’-Magazin, das seinen Sitz in Chicago hatte.

H.P. Lovecraft

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Erste Ausgabe der “Weird Tales”

“Dieser Schriftsteller gehört weniger zur unheimlichen Tradition sondern bildet eine eigene Klasse, die sogenannten ‘conte cruels’, in welchen die emotionale Zerissenheit durch dramatische Qualen, Frustration und grausamen körperlichen Horror  seine Vollkommenheit erreicht.”

Philipp Gontier

“Wir können nun fast hundert Jahre später nur bewundern, mit welcher großen Kunstfertigkeit Maurice Level seine Plots angefertigt hat, mit welcher Sorgfalt er die Details gestaltete und offenlegte, mit welch meisterlichen Hand er das Gebäude der Spannung verwaltete.”

“Der Abdruck der Hand” entstammt der Sammlung “Das Buch der seltsamen Geschichten”, 1914 von Norbert Falk im Ullstein-Verlag herausgegeben, und ist am Rande eine Kriminalgeschichte, in welcher der mutmaßliche und unentdeckte Täter sich zur Selbtsverstümmelung hinreißen läßt, um auch weiterhin unerkannt zu bleiben.

Michael Perkampus

1969 im Fichtelgebirge geboren, Schriftstseller und Übersetzer, Studium der Psychologie in München. Im Dezember 2014 erste Übersetzung eines Interviews mit Ligotti, was zur Gründung des Phantastikon führte (seit Januar 2015 auf einer eigenen Plattform). Besondere Vorlieben: das Unheimliche im Sinne des Surrealen, Verdrehten: der philosophische Horror.

Stories im IF #666: “Dorothea”, Stories im Phantastikon: “Der Tod des Sardanapal”, “Der surreale Jahrmarkt”, “Das blaue Kleid”, “Die Gasse der sprechenden Häuser”, “Die Straße Malheur“, “Der Elvegust”.
Projekt Hypnos: Der Bienenstock

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