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Lux Aeterna

Sir Austen Henry Layard entdeckte unter dem Hügel Kuyunjik am rechten Ufer des Tigris gegenüber der heutigen Stadt Mosul das alte Ninive. Dort, in den Palastruinen des assyrischen Königs Assurbanipal, fand er eine große Bibliothek mit Tontafeln, worunter sich ebenfalls das Gilgamesch-Epos befindet, das, wie wir heute wissen, eine präzise Sternenkarte ist. Auf diesen Tafeln in Verbindung mit den Funden Professor Woolleys in der kleinen – nordwestlich von Ur gelegenen – Ruinenstätte Tell el’ Obeds, die Tempel, Wohnbezirke, Keramik und Skulpturen umfasste, die eine unbegreiflich hochentwickelte Kultur bezeugten, offenbaren sich Geheimnisse, die wir nicht verstehen können, obwohl die Cuneiform-Zeichen entziffert wurden. Wir lesen ihre Inhalte unter der Voraussetzung des Eindrucks, den wir heute von der Welt haben. Was nicht zu klären ist oder unserer Vorstellung all zu eindeutig widerspricht, sparen wir aus, als spielte es im Gesamtkontext keine Rolle. Es ist nicht leicht zu akzeptieren, dass es unsere Technik in keinster Weise mit dem Wissen der Alten aufnehmen kann. Wir sehen zum Beispiel auf die rudimentären Versuche mit Elektrizität der Ägypter hinunter und beklatschen, nachdem wir den ignoranten Unglauben über Jahrzehnte hinweg ein wenig abgelegt haben, die für unsere Verhältnisse erstaunlichen Versuche und übersehen so leicht, dass die Ägypter es an sich nicht nötig hatten, jeden Haushalt mit dieser aufwendigen Technik zu überschwemmen. Ihre illuminierten Städte bedienten sich einer anderen und wieder unbekannten Quelle, die sie von den Chaldäern übernommen hatten, die ihrerseits die Glühlampe kaum benötigten, weil der Aufwand der Herstellung in keinem Verhältnis zur Leistung stand. Beide Völker – Chaldäer und Ägypter – lehnten nach längeren Experimenten jene primitive Form der Elektrizität, die wir heute für einen unermesslichen Fortschritt unserer Zivilisation halten, ab, und kehrten zu einem Rezept zurück, das sie eine chemische Flüssigkeit mischen ließ, die heute nicht unbekannt sein müsste, würden wir die Aufzeichnungen verstehen können, und: könnten wir sie verstehen, sie als Rezept begreifen.

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