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Lauren Beukes – Zoo City

zoo-cityBeukes ’neuer‘ Roman (der allerdings schon drei Jahre vor »Shining Girls« erschien), unterscheidet sich deutlich vom Vorgänger über einen zeitreisenden Serienkiller. In »Zoo City« entführt die Autorin ihre Leser zu einer dunklen Reise durch ihre Geburtsstadt Johannesburg. Die südafrikanische Metropole besitzt mit Überbevölkerung, Slums und Drogenhandel viele typische Merkmale einer internationalen Großstadt und doch wirkt sie seltsam fremd auf europäische, amerikanisierte Leser. Zwischen alle globalen Gemeinsamkeiten mischen sich nämlich auch kulturelle Besonderheiten, die vor allem das Mythologisch-Esoterische betreffen. In Johannisburg scheint der Glaube an Magie und Zauberei trotz Computern und High-Tech ungebrochen zu sein. Beukes entwirft allerdings ein noch phantastischeres Szenario.
Heldin des Romans ist die junge Zinzi December, die zusammen mit einem Faultier in einer verlassenen Hausruine am Stadtrand lebt, in ‚Zoo City‘. Das Wenige, was sie zum Leben braucht, verdient sich die ehemalige Journalistin mit besonderen Dienstleistungen. Zinzi verfügt nämlich über die beinahe hellseherische Gabe, verlorene Gegenstände aufzuspüren. Nebenbei versucht sie durch illegale Scam-Emails, ihre Schulden bei einem Drogendealer abzuarbeiten. Als sie – ganz gegen ihre Gewohnheit – das Angebot eines Musikproduzenten annimmt, einen seiner verschwundenen Pop-Star-Schützlinge zu suchen, gerät sie immer tiefer in einen Sumpf aus Intrigen, Mord und Korruption.

Vor dem Hintergrund einer Millionenstadt entwirft Beukes ein düster-phantastisches Szenario, in dem ‚Getierte‘ existieren. Menschen, die eine seltsame Symbiose mit einem Tier eingegangen sind. Diese magischen Tiere erscheinen nur solchen Menschen, die eines Mordes oder Totschlages schuldig wurden. Zinzi gehört auch zu diesen ‚Auserwählten‘, da sie für den Tod ihres Bruders verantwortlich ist. Während ihr das Faultier besondere seherische Fähigkeiten verleiht, muss sie ihrerseits in ständigem Kontakt mit dem Tier bleiben. Bei Trennung drohen Schwindel und Panikattacken.

»Zoo City« ist ein dystopischer Alternativ-Entwurf von Johannesburg, der vor allem von der abgeklärten, brutalen Sprache der Ich-Erzählerin lebt. Wie schon in »Shining Girls« enthüllt Beukes einige ihrer Mysterien nicht, sondern lässt den Leser über deren Ursprung und Bedeutung rätseln.
Wer also auch nach dem Ende noch gerne weitergrübelt, für den ist der Roman durchaus interessant, wer allerdings stets eine ‚Auflösung‘, eine ‚Erklärung‘, erwartet, für den dürfte »Zoo City« eher enttäuschend sein.
Lauren Beukes: »Zoo City« (»Zoo City«)
Rowohlt/Polaris, 2015
Pb., 368 Seiten, € 14,99
ISBN: 978-3-499-25968-5
Aus dem Englischen von Judith Reker

Andreas Wolf, im Dezember 2014

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