King Kong (Das erste wahre Filmmonster)

King Kong ist eine der berühmtesten Figuren der Kinogeschichte. Seit seinem ersten Erscheinen 1933 wird er wieder und wieder rezipiert, neu aufgelegt, anders erzählt – und hat, wie es einer echten Berühmtheit geziemt – sämtliche Medien in Beschlag genommen. Selbst mehrere Fahrgeschäfte in Freizeitparks brüsten sich mit dem gigantischen Gorilla.

© Kinowelt/Arthaus

Der erste King Kong-Film war ein Welterfolg. Es schockierte und begeisterte das Publikum mit seinen Spezialeffekten. So etwas hatte man bis dahin noch nie gesehen. Der Riesenaffe hinterließ eine Spur der Zerstörung, was wiederum andere Monsterfilme übernahmen (Godzilla sei hier an erster Stelle genannt). Die Zuschauer konnten sich ihre Gänsehaut bequem von den Kinositzen aus holen.

Aber es gab noch eine andere Seite an King Kong – eine sinnliche, liebevolle Seite. Schon 1933 zeigte er eine bemerkenswerte Leidenschaft und Sensibilität für die „weiße Frau“. Sie kam in seinen riesigen Pfoten nicht zu Schaden.

Tatsächlich war das stets die größte Stärke von King Kong: Neben seiner Vorliebe für Zerstörung war auch seine weichere Seite auf der Leinwand zu sehen. Das ist in seinem neuesten Film „Kong: Skull Island“ immer noch der Fall. Ein Forscherteam, das die Insel der Monster erkundet, stellt dort fest, dass es vielleicht nicht der riesige Affe ist, der die größte Bedrohung für die Menschheit darstellt.

Die Schauspielerin Fay Wray spielte das ursprüngliche kreischende Opfer und wandt sich im gewaltigen Griff ihres Entführers. In der letzten und legendären Szene des Films von 1933 erklimmt King Kong das Empire State Building in New York, während er Wray noch in der Hand hält. Er wird erschossen und fällt in den Tod – vorher aber gelingt es ihm, Wray sicher abzusetzen.

Wray, die 2004 im Alter von 96 Jahren starb, eröffnete ihre Autobiographie mit einem Brief an King Kong. Sie schreib darin:

„In der Szene, die ich unvergesslich finde, bist du in deinen letzten Momenten, kurz bevor du von der Spitze des Empire State Building fällst. Du hast mich sehr vorsichtig niedergesetzt, als ob du wolltest, dass ich in Sicherheit bin. Du hast deine Brust gespürt, wo du angeschossen wurdest, und du wusstest, dass du verloren bist. Diese Szene steckt mir wie ein Klumpen im Hals.“ (Übers. Michael Perkampus)

Faszination King Kong

Als RKO Pictures 1933 einen riesigen Affen zum Leben erweckte, konnte sich niemand seine nachhaltige kulturelle Wirkung vorstellen. Der Film, der inmitten der Weltwirtschaftskrise entstand, führte das Publikum auf eine unbekannte Insel, die voller prähistorischer Tiere und riesiger Fabelwesen war. Und mit nur einem Miniaturmodell aus Gummi und Latex gelang es dem Animateur Willis O’Brien, das erste wahre Filmmonster loszulassen.

© Warner Bros. Entertainment; Kong: Skull Island

Aber es war nicht nur der Ehrfurcht gebietende Terror, der damals bei den Kinobesuchern im ganzen Land zurück blieb. Den Filmemachern gelang es, etwas Tieferes zu erschließen und eine Figur zu erschaffen, die ebenso erschreckend war wie er von den Menschen, die ihn gefangen nahmen, missverstanden wurde. Kong wurde zu einem geliebten Charakter, weil er die Verkörperung unserer Identität ist, der ursprünglichsten Seite der menschlichen Natur. Er übertritt die Grenze zwischen unserer Zivilisation und der ungezähmten, natürlichen Welt.

„Kong steht für all die Geheimnisse und Wunder, das es in der Welt noch gibt“, sagt Kong: Skull Island-Direktor Jordan Vogt-Roberts. „Deshalb wird er nie aufhören, relevant zu sein.“

Zacherias Nerdist

1974 in Bonn geboren. Schreibt für unterschiedliche Filmplattformen, filmt hier und da selbst, versteht sich aber eher als Nerd der 80er Jahre. (Was auch der Grund dafür ist, warum er hier und heute so happy ist)

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