Kaffeekultur

Die Kaffeekultur, die wir in den 50er und 60er Jahren pflegten, hat sich heute mehr und mehr verloren. Die Jugend trinkt nur noch das verbrannte italienische Zeug, das wie eine abgeleckte Teerstraße schmeckt. Nach dem Krieg war das natürlich nicht besser, da knirschte noch der Kaffeesatz zwischen den Zähnen, so dass man mit ihm nicht einmal mehr vernünftig wahrsagen konnte. War’s die Zukunft, die man sich da mit reichlich Spucke in die Magengrube schaufelte – eine Botschaft aus dem Jenseits? Man wusste es nicht; bis Melitta Bentz auf die Idee kam, Löcher in einen Kochtopf zu stanzen und durch das Löschpapier aus den Schulheften ihrer Söhne ihr Gebräu filterte. Das hatte zwei Vorzüge: endlich konnte sie die geheimen Machenschaften ihrer Nachbarn wieder im vollendet daliegenden Satz erkennen – bevor sie geschahen; und zum zweiten schmeckte der Kaffee endlich nach einem rühmlich geführten Hausaufgabenheft. Ich beneide die Schwester im Geiste noch heute. Da ich selbst eine Frau bin, die bekanntermaßen nicht nur praktisch, sondern auch modern denkt – insofern es sich lohnt – und meinen Vorbildern in nichts nachstehen will, kam ich also gestern auf die Idee, den Hausaufgabenkaffee der Melitta, der Generationen von Frauen aus den anrüchigen Hexenvereinigungen, bei denen sie sich mit brauner Brühe übergossen, in den gut bürgerlichen Vorgarten zum Kaffeekränzchen lockten, zu modifizieren. Ich leitete den Kaffee mitsamt dem aufgequollenem Pulver durch das Laptop meines Mannes. Und siehe da: der Muff der 50er verschwand augenblicklich, der Kaffee schmeckte nach digitaler Revolution. Natürlich ging bereits eine technische Beschreibung meiner Idee an das Patentamt. Vielleicht ist durch den Erlös eine Sauna im Keller drin.