John Crowley und das Geheimnis der Frauen

1. Und das Nachtragende …

„Mein Schreibmodell ist Shakespeare: nicht jeder Leser wird ein Buch von mir unmittelbar verstehen, aber es wird mit jedem Wiederlesen durchschaubarer.“1

Allein dieser Ausspruch dürfte ausreichen, eine Vielzahl von Lesern abzuschrecken. Das hört sich nach harter Arbeit und nicht gerade nach entspannender Lektüre an. Und doch liegt der entscheidende Vorteil dieses Schreibmodells auf der Hand: Ein Buch, das sich immer wieder lesen lässt, ist für die Ewigkeit gemacht. Was ist dagegen das kurze Vergnügen eines Reißers, den man kein zweites Mal lesen will?
John Crowley ist seit vielen Jahren so etwas wie eine graue Eminenz in der Literatur. Seine Bücher verleiten inzwischen insbesondere Schriftstellerkollegen zu euphorischen bis ehrfürchtigen Äußerungen. So ließ Peter Straub sich mit den Worten zitieren: „Crowley ist so gut, dass er jeden anderen im Staub zurückgelassen hat.“2
Hervorgegangen aus dem Science-Fiction-Umfeld, wird er heute auch vom Literatur-Adel akzeptiert. Inzwischen wird er als Mainstream-Autor, nicht mehr als Fantasy-Autor, promoted. Einen „Wechsel“ von der Science-Fiction-Literatur zur Literatur-Literatur sieht Crowley lediglich nach verkaufstechnischen Gesichtspunkten:

„Es ist ja nicht so, dass du dein ursprüngliches Publikum verlassen willst. Du willst nur, dass so viele Leute wie möglich dein Buch lesen, und du willst, dass es so ernst wie nur möglich genommen wird.“3

Genau das ist inzwischen verstärkt der Fall. Sein bislang jüngster Roman Love & Sleep erzielte eine sehr gute Presse, und ein amerikanischer Rezensent sagte ihm eine ähnlich steile Karriere voraus wie Cormac McCarthy. Mit der Begründung, er sei „ein außergewöhnlicher Stilist und bezwingender Geschichtenerzähler“, wurde Crowley mit dem American Academy of Arts and Letters Award ausgezeichnet. Der prominente amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom listete Crowleys Romane Little, Big, Ægypt und Love & Sleep unter den Standardwerken der amerikanischen Moderne auf — Büchrücken an Buchrücken mit Namen wie Salinger und Hemingway. In seinem Essayband The Western Canon bezeichnet Bloom Crowley als einen „Meister in Sprache, Plot und Charakterisierung“. Irgend etwas muss an John Crowley dran sein.

John Crowley wird am 1. Dezember 1942 in Presque Isle, Maine als Sohn des Arztes (und Angehörigen des Army Air Corps) Joseph B. und Patience Crowley (nee Lyon) geboren. Seine frühe Kindheit verbringt er in Vermont, später zieht seine Familie mit ihm im Süden und im Mittelwesten der Vereinigten Staaten umher.
Über sein Lebensbild lässt Crowley sehr wenig bekannt werden. Einzig die folgende Interviewpassage lässt Zusammenhänge zwischen seiner Biographie und seiner Literatur erkennen:

„Mein Vater hielt an diesem irischen Quatsch fest, jede Art von Verbundenheit mir gegenüber oder Gefühle generell zu verschleiern, was ich auch jetzt noch kann. Von meiner Mutter, einer WASP4 bis ins letzte Glied, bekam ich diesen Sinn für ein Doppelleben in der Art, dass ich nach außen das eine bin und nach innen das andere, und diese Tatsache kann ich anderen mitteilen.“5

1964 schließt er die Indiana University mit einem B.A. ab, noch im selben Jahr geht er nach New York, um Filme zu verfassen. Obwohl er seit 1974 Romane schreibt, hat er das Filmemachen lange Zeit nicht aufgegeben. Sein letzter bekannter Streifen ist America Lost and Found (1979), eine TV-Produktion, für die es Lob und Preise hagelte. Tatsächlich besteht auch heute noch der Großteil seines Einkommens aus den Tantiemen seiner Drehbücher für Dokumentar- und Lehrfilme.
Ein Freund (mit dem Crowley seither als Drehbuchautor bei vielen Dokumentarfilmen zusammen arbeitet) ermuntert ihn, das Photographieren zu erlernen, und in den folgenden ein oder zwei Jahren arbeitet Crowley im Bereich der kommerziellen Photographie, gesteht sich jedoch irgendwann ein, dass er keine auffällige Begabung fürs Knipsen hat und schmeißt den Kram hin (oder wird gefeuert; Crowley behauptet, sich nicht mehr daran erinnern zu können).
Er ist 25, hängt herum, raucht Dope und geht kreativen Gelegenheitsjobs nach wie dem ehrenwerten Beruf des Fahnenkorrektors des New Yorker Telefonbuches, der den ganzen Tag nichts anderes tut, als eine riesige Lupe über die winzigen Namen- und Zahlenkolonnen zu schieben (siehe Little, Big).
1967 denkt er fortwährend über den Sinn des Lebens nach und beschließt, einen Roman zu schreiben. Learning to Live With It, so der Titel, geht über die Tische sämtlicher High-Class-Verlage wie Viking und Knopf und wird in völligem Einklang von allen abgelehnt. Den Roman, den Crowley als „eine eigentümliche romance der Zukunft“6 bezeichnet, ist in dieser Fassung bis heute unveröffentlicht geblieben.
Die Ablehnungen nimmt er eher gelassen und genießt das trunkene Gefühl zu wissen, einen Roman geschrieben zu haben. Er beschließt weiterzumachen. Als nächstes nimmt er sich vor, einen Roman zu schreiben, den auch jemand veröffentlicht. Aus dieser Einstellung heraus und aus Teilen eines Romans über das Mittelalter, den er in der High School versucht hatte zu schreiben, beginnt er The Deep (1974), seinen ersten Roman, der publiziert wird.

01 Crowley In der TiefeThe Deep ist eines der trostlosesten Romanwerke, die ich je gelesen habe. Es erzählt von der utopischen Idee einer Scheibenwelt, die auf einem schier unendlich in die Tiefe reichenden Sockel steht. Auf der Scheibe leben verschiedene Völkergruppen in mittelalterlichen Burgen, die sich gnadenlos gegenseitig die Schädel einhauen. Ein beschädigter Android ist es, der in die Tiefe steigt und herausfindet, dass die Feudalgesellschaften auf der Scheibe nur die Schachfiguren einer übergeordneten Macht sind.
The Deep erntet großes Lob in der Science-Fiction-Szene:

„Es war wunderbar, einfach wunderbar, diese Subkultur kennenzulernen, wo mein Werk geliebt, bewundert, verstanden und ernstgenommen werden konnte. Es ist schwer zu beschreiben, wie wichtig das für einen jungen Schriftsteller ist.“7

Vom stilistischen Standpunkt aus gesehen ist der Roman einwandfrei geschrieben, aber Crowley bietet uns in dem Wust von Handlungsträgern keine Figur an, die es lohnenswert macht, Freundschaft mit ihr zu schließen. The Deep hätte mit seiner Verschmelzung eines shakespeareschen Dramas und den traditionellen Komponenten der Science Fiction eine interessante Sache werden können, aber es bleibt bei einem Kind ohne Seele.
Doch, was auch immer ich von Crowleys Erstling halten mag; fraglos ist eine Saat ausgelegt. Crowley wird dank seiner absonderlichen Ideen und der für SF-Literatur unüblich geschliffenen Ausdrucksformen sehr rasch als Hoffnungsträger einer neuen Generation von SF-Autoren angesehen, ein Ruf, den Crowleys nächster Roman Beasts (1976) noch stabilisiert.
Beasts ist für mich ähnlich unerheblich wie The Deep, weil der John Crowley, über den ich hier berichten möchte, auch dort noch nicht anzutreffen ist. Auch Crowley selbst hört sich nicht allzu überschäumend an, wenn er sagt:

„Ich trug einige Ideen für diverse Kurzgeschichten zusammen, die ich lange gehegt hatte — die Ideen des Paolo Soleri von der stadtgroßen Kommune; rekombinante DNA; ein wildes, in der Stadt lebendes Rudel Hunde — und packte sie zusammen in einen Roman. Einige Leute haben das gemerkt.“8

02 Crowley GeschöpfeIn Beasts ist die genetische Verschmelzung zwischen Löwe und Mensch gelungen. Einer von ihnen ist Painter, von der Regierung gnadenlos gejagt, weil er als niederes Wesen gilt, jederzeit zum Abschuss freigegeben.
Im Unterschied zu The Deep gibt uns Beasts Charaktere, denen man folgen kann, und dadurch erhält auch die Handlung den Kick, der The Deep fehlte. Aber, wie schon The Deep repräsentiert auch Beasts nicht das, wofür Crowley hier steht, und deshalb wollen wir es dabei belassen.

Zwei veröffentlichte Romane in der Tasche, denkt Crowley, dass es an der Zeit ist, seinen ersten unveröffentlichten Roman ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. 1977 kehrt er New York den Rücken zu und zieht in die Berkshire Hills in West Massachusetts, jenem ländlichen Breitengrad, den er so magisch in der Ægypt-Tetralogie beschreibt. Dort lebt er bis zum heutigen Tag zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Zwillingstöchtern — in, wie er sagt, einem „Carpenter’s Gothic-Haus“.
Crowley verspricht seinem Verlag ausgiebige Revisionen, und schließlich erhält er grünes Licht, mit dem einzigen Vorbehalt, einen neuen Titel zu finden. Während Crowley bereits bis zum Hals in einem Familienepos steckt, an dem er bereits seit geraumer Zeit arbeitet und aus dem später Little, Big werden soll, opfert er sechs Monate, um Learning to Live With It zu dem umzuarbeiten, was schließlich 1979 als Engine Summer in die Buchläden kommt.

03 Crowley MaschinensommerEngine Summer ist ein spektakuläres Werk, das den reifen Schriftsteller Crowley erstmals erkennen lässt. Dass es sich bei Engine Summer um etwas nicht Alltägliches handelt, bemerkt auch die Presse. Begeisterte Hymnen, auch in allgemeinen Publikationen wie Publishers Weekly, Penthouse oder Newsday, sprechen einhellig von einem Kultbuch. In Science-Fiction-Lexika wird Crowley fortan als eine der größten Hoffnungen zur Neubelebung des Genres mit deutlichem Respekt angefasst. Die treffendste Beschreibung des Romans gelang meiner Meinung nach jedoch Brian W. Aldiss und David Wingrove in ihrer Studie Trillion Year Spree: The History of Science Fiction, wenn sie schreiben: „[…] es entfaltet sich wie eine geheimnisvolle Blume.“9
Engine Summer hat die Basis einer klassischen Post-Doomsday-Geschichte, aber wo man vielleicht ganz automatisch Elend, Barbarei und Pessimismus erwartet, wird man mit Schönheit, Ruhe und Weisheit überrascht. Man fühlt sich an mythische Zeiten erinnert, als Opa und Oma unglaubliche Geschichten erzählten und die Kinder mit leuchtenden Augen an ihren Lippen hingen. Es ist die Geschichte von Sprechendes Schilfrohr und seinem Erwachsenwerden. Schilfrohr, der uns in der ersten Person von seinen Lehr- und Wanderjahren erzählt, lebt in einer Welt nach der großen Katastrophe. Die wenigen Überlebenden, ein gemütliches Völkchen, wohnen in kleinen Kommunen in Einklang mit ihrer Welt, die aus technischen Artefakten unserer Gegenwart und der unberührten Natur besteht. Begeistert erzählen sie sich Geschichten über die Vergangenheit, als die Menschen übermächtige Wunder erschufen wie die gigantische Autobahn, die sich, nun verrottend, durch die Wälder schlingelt und den Satelliten, der wie ein zweiter Mond am Himmel hängt. Sie geben sich gegenseitig Rätsel auf und werden glücklich damit, zu versuchen, die Lösungen herauszufinden. Schilfrohrs Persönlichkeit wird entscheidend geprägt, als ihn seine Freundin ohne eine Erklärung verlässt. Das ist der Beginn von Schilfrohrs Suche, eine Suche nach der Frau seines Herzens, die sich aber zunehmend als Suche nach Wissen herauskristallisiert. Das Schöne an dem Buch ist der Schalk, der dabei in Crowleys Augen aufblitzt — beispielsweise in dem Mann, für den die Lösung eines überdauerten Kreuzworträtsels aus der Vergangenheit zur philosophischen Lebensaufgabe wird. So wichtig Crowley Wissen zu sein scheint, ziemlich gelungen spöttelt er in einem Atemzug über die relative Bedeutung von Bildung und Gelehrsamkeit. Engine Summer ist aber auch Crowleys erstes größeres Werk, das sein Verständnis (oder Unverständnis?) des geheimnisvollen Wesens Frau widerspiegelt. Die Frauen in Engine Summer sind die wahren Hüter der Weisheit. Sie sind den Männern immer eine Nase voraus und letztlich nie wirklich durchschaubar. Das ist aber nicht der erste Hinweis auf das, was — wie wir noch sehen werden — eines von Crowleys großen Themen werden soll. So philosophieren die (männlichen) Protagonisten in der früheren Kurzgeschichte „Antiquities“ (1977) in einer Art hilfloser Faszination darüber, wie selbstverständlich man Katzen für weiblich hält:

„Die Augen“, sagte ich. „Die Bewegungen — diese gewisse Geschmeidigkeit.“
„Das Gefühl von Unabhängigkeit“, sagte Sir Jeffrey […].
„Die Fähigkeit zur Natürlichkeit.“
„Und das Nachtragende.“10

Das Szenario in Engine Summer ist ein Utopia, das man sich wünschen mag. Das wahrhaft Böse scheint nicht zu existieren, die Menschen gehen in Toleranz und Herzensgüte auf einander zu — was sie freilich nicht davor schützt, zu leiden. Der wahre John Crowley ist geboren!

2. Klein, groß

04 Crowley Little BigThomas M. Disch nannte Little, Big den „größten Fantasy-Roman aller Zeiten.“11 Obwohl ich nicht alle Fantasy-Romane dieser Erde zu kennen vorgeben möchte, neige ich dazu, das gleiche zu glauben. Auf rund 700 Seiten entfaltet sich eine gigantische Geschichte, so randvoll mit Geschichten, dass es kaum möglich scheint, sie jemals in den Griff zu bekommen. Eines steht auf jeden Fall fest: Es ist noch mehr ein Kultbuch als Engine Summer. John Crowley gewinnt den World Fantasy Award mit Little, Big, und obwohl es heute in Mode gekommen ist, sich als Grenzautor (siehe z.B. Jonathan Carroll) von der Fantasy-Szene zu distanzieren, ist das ein durchaus respektabler Preis. Crowley ist auch heute noch gern gesehener Gast auf diversen Kongressen für phantastische Literatur, und es scheint, dass er keine Probleme damit hat, sich gleichzeitig als Poet im Sinne Shakespeares und Homers zu sehen und in Fantasy- bzw. SF-Magazinen Kurzgeschichten zu veröffentlichen:

„Ich bin immer noch ein Teil der Fantasy-Szene, ohne jemals wirklich dabei gewesen zu sein. Ich weiß das, und ich bin dankbar dafür. Ich schulde diesem Publikum immer noch meine Dankbarkeit.“12

Wie kann man denn wenigstens ansatzweise ausdrücken, was alles in diesem Buch steckt, warum es auch nachhaltig eine so energische Faszination ausübt?
Genau im Jahre 19—  bricht der junge Smoky Barnable aus der Großen Stadt (obwohl nie benannt, eindeutig New York) auf in Richtung Edgewood, einem grünen Anwesen außerhalb der Stadt, wo er zur Heirat von seiner Geliebten Daily Alice und deren Familie erwartet wird. Seltsame Bedingungen und Vorschriften der Familie verdonnern Smoky dazu, diesen Weg zu Fuß und mit selbst geschmierten Sandwiches zurückzulegen. Und schon an dieser Stelle zerfällt das Buch in unzählige Handlungs- bzw. Zeitebenen. Zunächst schildert es Smokys Vergangenheit; sein Leben als „Wesenloser“, als kleiner, blasser Verlierertyp also, der ständig angerempelt wird und auf dessen Schoß sich in der Straßenbahn die Leute setzen; und seine Erlösung durch die Liebe zu der riesengroßen, schlacksigen Daily Alice Drinkwater. Um sie zu küssen, muss Smoky auf eine Treppenstufe steigen.
Als er in Edgewood ankommt, wird er von einer skurrilen, drei Generationen umspannenden Großfamilie empfangen. Alles an den Edgewoodern ist exzentrisch, angefangen beim Haus Edgewood selbst, wie Daily Alice es Smoky erklärt:

Siehst du, es ist ein Haus mit lauter Vorderfronten. Es ist als Mustersammlung gebaut worden. Mein Urgroßvater? Von dem ich dir schrieb? Er baute dieses Haus als Mustersammlung, damit Leute kommen und es von allen Seiten ansehen und auswählen konnten, was für ein Haus sie haben wollten; das ist auch der Grund, warum es innen so verrückt ist. Es ist so viele Häuser in einem, irgendwie ineinander oder übereinander verschachtelt, mit ihren nach allen Seiten ragenden Vorderfronten.13

So sollte man sich auch nicht über eine „hintere Vorderfront“ und ein „imaginäres Schlafzimmer“ wundern. Die gotisch verzwickte Architektur kommt uns mit allem, was dazu gehört: Efeu, verwilderten Gärten, weißen Sommerpavillons, Wiesen und Wäldern, einer Bibliothek mit unzähligen knarzenden, bibliophilen Büchern. Alle dort reden seltsam verdreht und rätselhaft daher, empfangen Smoky jedoch mit echter Zuneigung, so dass er schon bald in die Drinkwater-Familie einheiratet.
Die Geschichte macht nun mehrere Abstecher in die Vergangenheit Edgewoods, zu den Ahnen der Drinkwaters. Es ist gleichzeitig die Geburt unseres Jahrhunderts. Die Drinkwaters scheinen in Kontakt mit Feen zu stehen, die von Beginn an die Geschicke der Edgewood-Bewohner lenken. Diese, gewöhnlich nur „sie“ genannt, agieren stets aus dem Hintergrund heraus, eine direkte Begegnung mit ihnen kommt im gesamten Buch nicht zustande. Die Vergangenheit erklärt, warum rund um Edgewood jeder mit jedem verwandt ist: der junge August Drinkwater schließt zu Anfang des Jahrhunderts einen Pakt mit „ihnen“, der es ihm gestattet, jedes Mädchen zu haben, das er will. Wie er es bereut, nachdem er jedes Mädchenherz gebrochen, die gesamte Nachbarschaft geschwängert hat …

Auch ein Meister hat seine Vorbilder und Einflüsse. Lässt Little, Big stilistisch am ehesten an Charles Dickens denken, dürfte der Inhalt in hohem Maße von Lewis Carrolls Alice im Wunderland (1865) inspiriert sein. Die „wissenschaftliche“ Grundlage bildet Paracelus’ Studie der Elementargeister Liber de Nymphis (1589), welche die Existenz verschiedener Naturgeister besagt, die von einigen wenigen Menschen wahrgenommen werden können. In Little, Big ist das Haus Edgewood eines der Tore zu „ihnen“, die Drinkwaters dazu ausersehen, in einer Art Handel (der auch einen Menschenhandel umfasst) von beiderseitigem Interesse das „Märchen“ zu erfüllen.
Begründet wird die Familie von Dr. und Violet Drinkwater. Mit Violet beginnt das „Märchen“, das zugleich Little, Big ist. Violet ist in der Lage, nach „Dort“ zu gelangen, Drinkwater hingegen nicht, weswegen er sich zeitlebens fremd fühlt in seinem eigenen Haus. So soll es für die folgenden Generationen bleiben. In Edgewood sind die Frauen und Mädchen die Wissenden, Sehenden, Zigeunerinnen — lachend und tuschelnd deuten sie die Sterne und legen sie die Karten, weshalb sie immer zu wissen scheinen, was wirklich läuft. Die Männer dagegen sind ruhelose, melancholische Figuren, denen es nie vergönnt ist, etwas zu begreifen, die sich ständig nach etwas Fernem, Unbestimmtem sehnen. Als Smokys Sohn Auberon Edgewood verlässt, um fortan in der Großen Stadt zu leben, denkt er: „Die lange, lange Zweideutigkeit von Edgewood, das lähmende Gefühl dauernd angedeuteter, niemals gelüfteter Geheimnisse, das endlose Warten darauf, dass Absichten klargestellt und Richtungen aufgezeigt würden — alles Vergangenheit.“14 Dazu passt auch ein Zitat Chestertons, das Crowley sich zunutze macht: „Männer sind Männer, aber der Mensch ist eine Frau.“15
In diesem Zusammenhang fragt man sich, was der seltsame Titel des Buches zu bedeuten haben mag. Der Gegensatz Groß/Klein ist überall präsent in Little, Big: Alle Frauen dort sind groß, alle Männer klein. Ein Raum von Edgewood „wirkte größer als er war, oder war kleiner, als er aussah, und welches von beiden, konnte Smoky nicht entscheiden.“16 Auch beginnt das Buch mit einer Intrige im Kleinen („sie“ rauben die kleine Lila, die Tochter von Daily Alices Schwester Sophie), die sich aber zum Ende hin auf weltenumspannende Größe ausweitet.
Fantasy-Epen mit Feen gibt es viele. Was aber trennt Little, Big davon? In erster Linie die Tatsache, dass das Buch nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern auch eine Lebensphilosophie repräsentiert, die ich persönlich für die erstrebenswerteste Philosophie unserer Gesellschaft halte: Gründe eine Familie mit vielen Kindern und lebe mit der Natur in Einklang. Crowleys Buch ist eine einzige enorme Metapher auf diese Lebensweise, und sie überzeugt nur deshalb, weil Crowley die archetypische Vereinigung mit der Natur (am Ende des Buches geschieht ja genau das) nicht wie die meisten Fantasy-Autoren als Eskapismus anlegt, sondern als einen magischen Realismus. Crowley dazu:

„Etwas, das Little, Big und mein neues Buch [Ægypt] verbindet, ist dieses Gefühl von Unzufriedenheit, diese Sehnsucht nach und die Auffassung von einer anderen Welt, wo alles nicht notwendigerweise besser, nicht notwendigerweise gerecht oder prächtig, sondern einfach nur anders ist.“17

Obwohl die Edgewood-Leute durch Kartenlegen, Sprechen mit den Tieren etc. viel mehr zu wissen scheinen, als normale Menschen, sind sie doch allesamt rastlos auf der Suche: nach ihren wahren Schicksalen, nach Antworten.
So ist Edgewood trotz seiner Fremdartigkeit definitiv ein Ort des 20. Jahrhunderts: Man isst das wohl amerikanischste aller Genussmittel überhaupt, Erdnussbutter, geht fremd, und gebraucht Worte wie „ausgeflippt“ und begrüßt sich mit „Hi“. Auch liegt in der Weiblichkeit des Buches eine Sinnlichkeit, die man selten in anderen Fantasy-Romanen findet. Daily Alice trägt ganz aus Flicken zusammengenähte Jeans …
Hätte Little, Big eine größere Aufmerksamkeit in der allgemeinen Presse erfahren, könnte es heute ähnlich wie Henry D. Thoreaus Walden (1854) eine Art Bibel für Freidenkertum sein, denn auch Little, Big wirft den ganzen hässlichen Ballast der Luxusgesellschaft über Bord und übt sich lieber in Verständigkeit und Toleranz. So hat Crowley es sich erlaubt, die staatliche Schule abzuschaffen und gegen ein eigenes Lehrsystem zu ersetzen:

Wie auch immer. Wir sind hier draußen sehr aus der Welt. Statt den Staat mit unseren Kindern und alledem zu belästigen, hatten wir eine kleine Privatschule eingerichtet. Gar nichts Großartiges. Aber dann stellte sich heraus, dass unsere Schule Normen erfüllen sollte. Staatliche Normen. Na, unsere Kinder konnten lesen und schreiben wie alle anderen, und sie lernten Mathematik. Aber die Normen sagten, dass sie auch Geschichte und Sozialkunde lernen sollten, was immer das war oder sein mag, und eine Menge anderes Zeug, das wir nicht für nötig hielten. Wenn man lesen kann, steht einem immerhin die Welt der Bücher offen. Und wenn man gerne liest, wird man lesen. Wenn nicht, wird man ohnehin alles vergessen, was andere einen zu lesen zwingen. Die Leute hier in der Gegend sind keine Dummerjans; nur haben sie ihre eigene Idee — vielmehr, eine Menge unterschiedlicher Ideen — darüber, was wissenswert ist, und sehr wenig davon wird in der Schule gelehrt.18

Einfach hinreißend ist in diesem Zusammenhang auch die Hochzeit Smokys und Daily Alices: „Willste Barnambel diese Daily Alice als deine gefräßige Elendsfrau in guten wie in bösen Tagen kurzhalten oder vermehren bis dass der Tod euch’s verleidet?“19 ist die ganze Heirat, die in ein rauschhaftes, ländliches Open-Air-Fest übergeht.
Das klingt wie der Lebenstraum eines jeden Hippies (Haschisch wird in Little, Big auch geraucht), aber Crowley behandelt sein Thema nicht wie eine Mode- und Image-Angelegenheit (Stirnbänder- und Batikhemden-Schwachsinn wird man in Little, Big nicht finden), sondern als ein existentielles Empfinden, über das vermutlich jeder Mensch irgendwann einmal verfügt hat. Little, Big stellt die großen Fragen des Lebens, zumeist in märchenhaften Allegorien und Symbolismen und beantwortet einige auf genau diese Weise. Die Aggressionslosigkeit, der Humor, die Gewaltfreiheit und Toleranz, mit der sich die Edgewooder begegnen, bilden den einzig möglichen Boden dafür, ein Boden, den die reale Welt nicht bietet.
Das alles bliebe jedoch Theorie, würde Crowley nicht über seine enormen stilistischen Talente verfügen. Obwohl das Buch Längen hat, ist doch jedes Wort am richtigen Platz, kein Satz letztlich überflüssig, und immer schließen sich kunstvolle Formulierungen zu einem kauzig-gewagten, liebenswerten Wortstrom, dessen schrulliger Charme in all seiner Absurdität dazu führt, dass die Eindrücke tiefer philosophischer Erkenntnisse flockenleicht transferiert werden.
Nicht zu unterschätzen für das Gelingen von Little, Big ist auch der graphische Gesichtspunkt. Die im S. Fischer Verlag erschienene deutsche Ausgabe verzieren  Hunderte von ulkigen Kapitelüberschriften (z.B. „Das Leben ist kurz oder lang“, „Verschwunden, sagte sie“, „Nicht sie, sondern dieser Park“, „Niemals niemals niemals“ usw.) kombiniert mit einem wunderschönen Buchschmuck von Beate Brömse, worüber Crowley sich sehr zufrieden äußerte — im Gegensatz zur US-Ausgabe, für die Crowley sich eine Art 1890er Art Nouveau vorgestellt hatte, ein Design nach dem Vorbild der letzten Ausgabe von Land Haus Architektur. Im Gegensatz zum amerikanischen Verlag verwendet S. Fischer auch den vollständigen Titel Little, Big, or, The Fairies Parliament, den Crowley dem philosophischen Vater des Buches, Vogelgespräche, der Sufi-Fabel von Fariduddin Attar, entlieh. Das i-Tüpfelchen auf dem Ganzen ist dann noch die Entscheidung des S. Fischer Verlags, das gesamte Buch in der etwas antiquiert scheinenden Goudy-Old-Style-Schrift zu setzen.
Ein Drahtseilakt ist zudem Thomas Lindquists hervorragende Übersetzung, die offenbar für sämtliche Merkwürdigkeiten Crowleys zu haben ist. Einige kleine Ausrutscher (der obligatorische „Station Wagon“ statt eines Kombis) sollten dieses beeindruckende Gesamtbild kaum schmälern.

Hat man Little, Big durchgelesen, ist man nicht mehr derselbe Mensch wie zuvor. Little, Big leitet das Ende des Jahrtausends ein, die Große Stadt verfällt in eine neue Eiszeit, der neue Präsident Russell Eigenblick, in Wahrheit der wiedererwachte König Barbarossa ist ein Diktator. Aber auch er ist nur ein Puzzlestück in „ihrem“ großen Plan. Am Ende steht die Wiedervereinigungsfeier mit Mutter Erde: „Wir sind Erdblasen! Erdblasen! Erdblasen!“20

3. Kleine Wunder

Kleine Wunder sind John Crowleys Kurzgeschichten und Erzählungen, die gesammelt in zwei Bänden — Novelty (1989) und Antiquities (1993) — vorliegen und einen wichtigen Nebenzweig in Crowleys Œuvre formen. Was sehr selten im Bereich der Kurzgeschichte ist, trifft auf diese Stories zu: Sie bilden einen Mikrokosmos aus Erzählungen von ausgefallen beständiger Qualität, die für sich betrachtet einen interessanten neuen Blickwinkel auf Crowleys Schaffensprozess zulassen.

antiquities_sm„Antiquities“ (1977) ist eine nette aber belanglose Pointengeschichte, die im England der Kolonialzeit spielt: In der Provinz spielen die (männlichen) Bauern verrückt, indem sie reihenweise ihre Frauen betrügen. Wie sich herausstellt, sind sie einem ägyptischen Katzenzauber erlegen, denn ein aus Hunderttausenden von ägyptischen Katzenmumien bestehender archäologische Fund wurde wegen Desinteresse in England zu Düngemittel verarbeitet …
Äußerst rätselhaft ist „The Reason for the Visit“ (1980), in der plötzlich Virginia Woolf im Zimmer des namenlosen Protagonisten steht. Die beiden unterhalten sich über die neuen Zeiten, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt.
Die Ohnmacht ist der Leitgedanke in „Novelty“ (1983), einer Geschichte, die man als intimen und reichlich selbstironischen Blick in die Gedankengebäude des Schriftstellers im allgemeinen und John Crowleys im besonderen ansehen könnte. Die kleine Chronik eines Musensohnes, für den der Füllfederhalter zur Allegorie einer tödlichen Waffe wird, lässt sich als Versöhnungsangebot für Leute wie mich ansehen, die sich gelegentlich von Crowleys Größe eingeschüchtert fühlen, denn, wie wir sehen, hat auch ein Gigant wie Crowley seine inneren Schlachten auszufechten (ich unterstelle einfach mal, dass der von dem Ausmaß seiner eigenen Ideen gepeinigte, vor seinen eigenen Ambitionen kapitulierende Schriftsteller in „Novelty“ im Kern ein ziemlich genaues Abbild Crowleys darstellt). Von der Fabel, dass man nur jeden Tag eine Seite schreiben müsse, um pro Jahr einen Roman zu vollenden bis zum Romananfang, in dem das Ende des Buches schon enthalten sein muss, hat der namenlose Schriftsteller alles bedacht — nur nicht, dass er das Ganze jetzt noch zu Papier bringen muss.
„Novelty“ ist eine von wahrscheinlich tausenden autobiographischer Erzählungen über das Schreiben, doch im Gegensatz zu den meisten dieser Geschichten, in denen eitle Schwärmer sich ein Denkmal setzen wollen, ist „Novelty“ voller Flunkerei und gleichzeitig der hilflose Versuch, den Lesern die Ausweglosigkeit der Obsession „Schreiben“ nahe zu bringen. „Novelty“ nimmt eine zentrale Rolle im Werk Crowleys ein.
„Snow“ (1985) ist eine weise Utopie über das Gedenken an die Toten. Die männliche Hauptfigur muss feststellen, das ihm die 8.000 Stunden Film, die seine Frau zu Lebzeiten mit Hilfe einer winzigen fliegenden Wanze von sich filmen ließ, letztendlich nicht den geringsten Trost über den Verlust spendet.
Kein anderer Text in seinem Werk gibt Crowleys Weltanschauung so unverblümt wider wie die Kurzgeschichte „Gone“ (1996). „Gone“ ist Crowleys eigene Vision einer Invasion Außerirdischer im großen Stil à la Independence Day. Als Soundtrack zu Crowleys Version würde allerdings eher „All You Need Is Love“ passen, denn genau so könnte die Botschaft der außerirdischen „Elmers“ lauten, die selbige von ihrem riesigen Mutterschiff aus, welches irgenwo, mit bloßem Auge sichtbar, vor dem Mond ruht, unter die desorientierte Menschheit unserer Gegenwart streuen. Die Metapher des Außerirdischen, dessen Mission darin besteht, unsere besten Eigenschaften zu wecken, kann ohne Einschränkung auf Crowleys Hauptwerk angesetzt werden. „Gone“ zeigt: Crowley hat den Missionar für das Gute auf Erden (oder sollen wir einfach sagen: den Hippie?) in sich nie ziehen lassen.

4. Einst war die Welt nicht so, wie sie seitdem geworden ist

05 Crowley AegyptenObwohl dieses Kapitel Crowleys gewaltigstem Werk gewidmet sein soll, wird es (vorerst) der kürzeste Abschnitt dieses Artikels bleiben. Wenngleich erst zu drei Vierteln vollendet, lässt sich schon jetzt prognostizieren, dass Crowleys Romanwerk mit dem Obertitel Ægypt alles in den Schatten stellen wird, was er bisher geschrieben hat. Bescheiden benennt Crowley Joyce und Nabokov als seine persönlichen unerreichbaren Meister in der Prosaliteratur, aber mit seinem monumentalen Bauvorhaben Ægypt hat er sich schon jetzt nah an diese beiden Ikonen allmächtiger Größe herangeschrieben. Da es wenig Sinn hat, einen noch unfertigen Roman zu diskutieren, sollen hier einige grundlegende Details reichen; die ausführliche Auseinandersetzung mit Ægypt behalte ich mir für das nächste Jahrtausend vor.
Ægypt teilt sich auf in die zwölf Häuser des Tierkreises und zerfällt wiederum in vier Einzelbände mit jeweils dreien der Häuser. Crowley schließt ursprünglich mit seinem US-Verlag Bantam einen Vertrag über einen Roman mit dem Titel Ægypt ab, jedoch ufert der Text derart aus, dass Crowley es erst auf zwei und schließlich auf vier Bände konzeptioniert. Leider ist er aus vertraglichen Gründen gezwungen, den Titel Ægypt, der eigentlich das Gesamtwerk kennzeichnen soll, für Band 1 aufzubrauchen, der in Wirklichkeit den (beinahe) geheimen Einzeltitel The Solitudes (Die Einsamkeiten) trägt. Ægypt (der Einzelband) erscheint 1987, sieben Jahre später gefolgt von dem zweiten Band Love & Sleep (1994). Der dritte Teil Dæmonomania ist fertig geschrieben und für 1998 angekündigt.
Ægypt ist realistischer in Ton und Handlung als noch Little, Big. Es beginnt mit einer schönheitstaumelnden Landschaftsbeschreibung von Blackbury Jambs. Wie das ägyptische Auge des Sonnengottes folgen unsere atemlos in der Luft stehenden Augen dem Zickzackkurs des silbernen Blackbury, der sich durch die grüne Landschaft der Faraway Hills zieht.
Die Grundfrage, die sich in Ægypt stellt, lautet: „Gibt es eine geheime Geschichte der Welt?“ Fragesteller ist Pierce Moffett, ein verkrachter Akademiker Anfang Dreißig, den es wegen eines misslungenen Vorstellungsgesprächs von New York City in die malerischen Faraway Hills verschlägt. Pierce, der sich erinnert, dort einen Teil seiner Kindheit verbracht zu haben, beschließt, endlich zur Ruhe zu kommen und ein Buch (mit dem Titel Ægypten) zu schreiben, das sich mit dem Rätsel befasst, ob neben der bekannten Geschichte der Welt eine zweite, magische, existiert. Die Theorie einer solchen Geheimhistorie geht auf das Herkunftsland der Zigeuner, Ægypten, und die daraus hervorgegangenen hermetischen Lehren der Renaissance zurück. Pierce, der in seinem Leben drei große Affären hatte, dem es bisher jedoch nie gelang, die Frauen etwas zu verstehen, ist ein ruheloser Geist auf der Suche nach Antworten. Er identifiziert sich mit Giordano Bruno, dem ketzerischen Denker der Renaissance. Genau wie dieser trachtet er nach der „unbegrenzten Weite und Freiheit.“21 Er ist „voller Sehnsucht“ und fühlt sich „in einer schrecklichen Situation, aus der er verzweifelt Rettung suchte […].“22
Aber, obwohl Historiker, liegen Pierces Probleme eher in der Gegenwart begründet: „Liebe machte den größten Teil seiner Tagträume aus, so oder so […].“23
Pierce verliebt sich in die geheimnisvolle Rose und …
Wir werden sehen.
Irgendwann …

Bibliographie

„Somewhere to Elsewhere“. Erschienen in: The Little Magazine, Spring 1974.
Keine deutsche Ausgabe.

„The Single Excusrsion of Caspar Last“. Erschienen in: Gallery, September 1974.
Keine deutsche Ausgabe.

The Deep (Garden City: Doubleday, 1975).
Deutsche Ausgabe: In der Tiefe, übersetzt von Irene Holicki (München: Heyne, 1981).

Beasts (Garden City: Doubleday, 1976).
Deutsche Ausgabe: Geschöpfe, übersetzt von Hans Maeter (München: Heyne, 1980).

„Antiquities“. Erschienen in: Stuart David Schiff (Hrsg.), Whispers (Garden City: Doubleday, 1977).
Deutsche Ausgabe: „Antiquitäten“, übersetzt von Imke Brodersen. Erschienen in: Jack Dann & Gardner Dozois (Hrsg.), Das große Katzen-Lesebuch der Fantasy (München: Goldmann, 1993).

„Where Spirits Gat Them Home“ (späterer Titel: „Her Bounty to the Dead“). Erschienen in: Charles L. Grant (Hrsg.), Shadows (Garden City: Doubleday, 1978).
Keine deutsche Ausgabe.

Engine Summer (Garden City: Doubleday, 1979).
Deutsche Ausgabe: Maschinensommer, übersetzt von Irene Holicki (München: Heyne, 1982).

„The Reason for the Visit“. Erschienen in: Ursula K. Le Guin & Virginia Kidd (Hrsg.), Interfaces (New York: Ace Books, 1980).
Deutsche Ausgabe: „Der Grund des Besuches“, übersetzt von Birgit Reß-Bohusch. Erschienen in: Ursula K. Le Guin & Virginia Kidd (Hrsg.), Grenzflächen (München: Heyne, 1985).

Little, Big (New York: Bantam Books, 1981).
Deutsche Ausgabe: Little Big oder Das Parlament der Feen, übersetzt von Thomas Lindquist (Frankfurt am Main: S. Fischer, 1984).

„The Green Child“. Erschienen in: Terri Windling & Mark Alan Arnold (Hrsg.), Elsewhere (New York: Ace Books, 1981).
Keine deutsche Ausgabe.

„Novelty“. Erschienen in: Interzone, # 5, 1983
Deutsche Ausgabe: „Neuheit“, übersetzt von Sepp Leeb. Erschienen in: Joachim Körber (Hrsg.), Rabenschwarze Träume (München: Heyne, 1997).

„Snow“. Erschienen in: Omni, November 1985.
Deutsche Ausgabe: „Schnee“, übersetzt von Biggy Winter. Erschienen in: Wolfgang Jeschke (Hrsg.), An der Grenze (München: Heyne, 1989).

Ægypt (New York: Bantam Books, 1987).
Deutsche Ausgabe: Ægypten, übersetzt von Hannah Harders (Frankfurt am Main: S. Fischer, 1991).

„The Nightingale Sings at Night“. Erschienen in: John Crowley, Novelty (New York: Doubleday, 1989).
Keine deutsche Ausgabe.

„Great Work of Time“. Erschienen in: John Crowley, Novelty (New York: Doubleday, 1989).
Keine deutsche Ausgabe.

„In Blue“. Erschienen in: John Crowley, Novelty (New York: Doubleday, 1989).
Keine deutsche Ausgabe.

„Missolonghi 1824“. Erschienen in: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazine, March 1990.
Keine deutsche Ausgabe.

„Exogamy“. Erschienen in: Ellen Datlow (Hrsg.), Omni Best Science Fiction Three (Greensboro: Omni Books, 1993).
Keine deutsche Ausgabe.

Love & Sleep (New York: Bantam Books, 1994).
Keine deutsche Ausgabe.

„Gone“. Erschienen in: Fantasy & Science Fiction, September 1996.
Deutsche Ausgabe: „Fort“, übersetzt von Horst Pukallus. Erschienen in: Ronald M. Hahn (Hrsg.), Der Lincoln-Zug (München: Heyne, 1997).

„Lost and Abandoned“. Erschienen in: Ellen Datlow & Terri Windling (Hrsg.), Black Swan, White Raven (New York: Avon, 1997).
Keine deutsche Ausgabe.

Addendum, Februar 2015

Dieser Artikel wurde 1997 geschrieben und ist bisher unveröffentlicht.

John Crowley war seitdem recht rührig. Dæmonomania, der dritte Ægypt-Band erschien 2000. Es folgten die Romane The Translator (2002) und Lord Byron’s Novel: The Evening Land (2005).
Danach kam der Tag, an dem Ægypt mit dem vierten Band Endless Things endlich abgeschlossen wurde. In der Folge überarbeitete Crowley Ægypt komplett und sorgte für einen besseren Zusammenhalt der einzelnen Teile als ein gigantisches Buch in vier Teilen. Von 2007 bis 2009 erschien Ægypt schließlich in einheitlichen vier Bänden (leider nur als Taschenbücher). Der erste Band trägt seitdem endlich auch den korrekten Titel The Solitudes.
2009 erschien Crowleys bislang letzter Roman Four Freedoms.
Kürzere Texte erschienen mit An Earthly Mother Sits and Sings (Kurzgeschichte, 2000), “The War Between the Objects and the Subjects“ (Kurzgeschichte, 2002), “The Girlhood of Shakespeare’s Heroines“ (Novelle, 2002), “Litte Yeses, Little Nos“ (2005), Conversation Hearts (Erzählung, 2008), “And Go Like This“ (Kurzgeschichte, 2011) und “Gow Little Glowworm“ (2012).
Crowleys Essays erschienen 2007 gesammelt in dem Band In Other Words.
Pläne für die nähere Zukunft sind ein neuer Roman, an dem er seit Jahren arbeitet und eine bibliophile Neuausgabe auf Museumsniveau von Little, Big, die seit langem von Crowleys einstigem Lektor Ron Drummond hergestellt wird. Dafür hat Crowley den Text revidiert und eine neue zur Thematik gehörende Kurzgeschichte beigesteuert.
In Deutschland ist er in die völlige Vergessenheit abgerutscht. 1997 erschien der letzte deutsch übersetzte Text.

Anmerkungen

1 JOHN CROWLEY, „PROFILE“. IN: WERBESEITE SPCTRA SCOPE.
2 KLAPPENTEXT VON LOVE & SLEEP (NEW YORK: BANTAM, 1994).
3 ROBERT K. J. KILLHEFFER, „JOHN CROWLEY: I STILL OWE A DEPT OF GRATITUDE“. IN: PUBLISHERS WEEKLY, AUGUST 29, 1994. ÜBERSETZT VON MIR.
4 WASP: WHITE ANGLO-SAXON PROTESTANT. DIE ERSTEN ÜBERSIEDLER NACH AMERIKA.
5 RICHARD GEHR, „BOOKS BY JOHN CROWLEY“. IN: WORLD WIDE WEB, 11 JULY 1994. ÜBERSETZT VON BARBARA HERMWILLE.
6 GREGORY FEELEY, „JOHN CROWLEY: INTERVIEW“. IN: INTERZONE, AUTUMN 1987. ÜBERSETZT VON MIR.
7 ROBERT K. J. KILLHEFFER, „JOHN CROWLEY: I STILL OWE A DEPT OF GRATITUDE“, A.A.O.
8 GREGORY FEELEY, „JOHN CROWLEY: INTERVIEW“, A.A.O.
9 BRIAN W. ALDISS & DAVID WINGROVE, DER MILLIARDEN-JAHRE-TRAUM (BERGISCH-GLADBACH: BASTEI-LÜBBE, 1990), S. 643.
10 JACK DANN & GARDNER DOZOIS (HRSG.), DAS GROSSE KATZENLESEBUCH DER FANTASY (MÜNCHEN: GOLDMANN, 1993), S. 277.
11 GREGORY FEELEY, „JOHN CROWLEY: INTERVIEW“, A.A.O.
12 ROBERT K. J. KILLHEFFER, „JOHN CROWLEY: I STILL OWE A DEPT OF GRATITUDE“, A.A.O.
13 JOHN CROWLEY, LITTLE BIG ODER DAS PARLAMENT DER FEEN (FRANKFURT AM MAIN: S. FISCHER, 1984), S. 47.
14 EBD., S. 286.
15 EBD., S. 11.
16 EBD., S. 45.
17 ANONYM, „JOHN CROWLEY: THE WRITING ON THE WALL“. IN: LOCUS, MARCH 1994. ÜBERSETZT VON MIR.
18 JOHN CROWLEY, LITTLE, BIG ODER DAS PARLAMENT DER FEEN, A.A.O., S. 129F.
19 EBD., S. 91.
20 EBD., S. 7.
21 JOHN CROWLEY, ÆGYPTEN (FRANKFURT AM MAIN: S. FISCHER, 1991), S. 35.
22 EBD., S. 35.
23 EBD., S. 26.

Frank Duwald

Frank Duwald

1965 in Hagen-Haspe geboren. Verehrer abseitiger, zu Unrecht vergessener Literatur. Mitarbeit u.a. bei Printmagazinen wie “Nachtschatten” und “Das Heyne Science Fiction Jahr”. Seit 2013 Betreiber der Seite "dandelion | abseitige Literatur”

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