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Jeff VanderMeer – Auslöschung

»Auslöschung« verströmt eine beunruhigende, unheimliche Atmosphäre. Vandermeer verwendet dabei literarische Versatzstücke, die an Jules Vernes »Die geheimnisvolle Insel«, Doyles »Die vergessene Welt« oder Erzählungen von Philip K. Dick erinnern, vor allem aber an Mystery-SF-Serien wie 'Akte-X' oder 'Fringe'.

jeff-auslVier Wissenschaftlerinnen, eine Biologin, eine Anthropologin, eine Landvermesserin und eine Psychologin, erkunden im Auftrag einer geheimen Regierungsbehörde namens Southern Reach eine unwirkliche Region, die nur ‘Area X’ genannt wird. Die Frauen wissen nicht, was genau sie erwartet oder wie lange ihre Expedition dauern wird. Seltsamerweise ist ihnen auch jeglicher Kontakt nach außen untersagt. Geräte wie Handys, Computer oder Camcorder sind ebenfalls tabu.
Die erste Besonderheit, auf die das Team stößt, ist eine Art Turm, der allerdings fast komplett vergraben zu sein scheint. Seltsamerweise ist dieses Bauwerk auf keiner der Karten von Area X verzeichnet. In den Tiefen des Turms entdecken sie eine geheime Schrift, die aus lebenden Pflanzen und Kleinstorganismen geformt zu sein scheint. Alles formt sich zu bizarren Worten einer endlosen Prophezeiung.
Schon am zweiten Tag verschwindet die Anthropologin plötzlich. Die Psychologin erklärt den anderen Mitgliedern, die lebende Schrift habe die Frau derart in Unruhe versetzt, dass sie alleine zurück aus der Zone gegangen sei. Die Biologin zweifelt an dieser Aussage, zumal die Anthropologin den Rückweg ohne Waffen oder sonstige Hilfsmittel unternommen hat. Bei einer erneuten Untersuchung des Turms stoßen sie schließlich in der Tiefe auf die Leiche der Anthropologin. Ihr Körper weißt seltsame Brandmale auf, der Großteil der Haut ist verschwunden. Niemand kann sich erklären, wodurch die Frau gestorben ist, allerdings wird klar, dass die Psychologin gelogen hat. Offenbar hat sie andere Befehle als die übrigen Team-Mitgglieder erhalten. Hat die Expedition etwa einen ganz anderen Zweck? Als man die Psychologin zur Rede stellen will, ist diese auch verschwunden. Zusammen mit einem Großteil der Vorräte und Waffen.
Am Fuß eines weiteren Turms, eines Leuchtturms, entdeckt die Biologin schließlich die Flüchtige. Wie es aussieht, hat sich die Psychologin aus Furcht vor einem fremden Wesen vom Turm gestürzt. Gleichzeitig stößt die Biologin auf unzählige Tagebücher, die eine beunruhigende Wahrheit offenbaren: es hat bislang nicht wie gedacht 11 frühere Expeditionen in die Area X gegeben, sondern sehr viel mehr. Unzählige. Doch wo liegt das Geheimnis dieser Region? Und wo verstecken sich die Gefahren? Auch wenn ihre Chancen gering scheinen, die Zone wieder lebend zu verlassen, beschließt die Biologin, weiter in das unbekannte Gebiet vorzudringen.
»Auslöschung« verströmt eine beunruhigende, unheimliche Atmosphäre. Vandermeer verwendet dabei literarische Versatzstücke, die an Jules Vernes »Die geheimnisvolle Insel«, Doyles »Die vergessene Welt« oder Erzählungen von Philip K. Dick erinnern, vor allem aber an Mystery-SF-Serien wie ‘Akte-X’ oder ‘Fringe’. Die Handlung wird aus Sicht der Biologin erzählt, was dazu führt, dass der Leser nie mehr weiß, als die Protagonistin. Was ist real und was nur Illusion? Oder existiert in jener ‘Area X’ etwa eine andere Form von Realität? Auch wenn das Ende des ersten Teils etwas zu deskriptiv und daher handlungsarm ausfällt, macht es doch neugierig auf den Fortgang der Handlung. Man darf daher auf »Autorität« und »Akzeptanz« gespannt sein.

Jeff Vandermeer: »Auslöschung« (Southern Teach-Trilogie Band 1)/ (»Annihilation«)
Verlag Antje Kunstmann, München, 2014
Pb., 240 Seiten, € 16,95
ISBN: 978-3888979682
Aus dem Englischen von Michael Kellner

Andreas Wolf, im Januar, 2015

Andreas Wolf

Geboren im Jahr des Tigers und Sternzeichen Löwe, schreibt unter Pseudonym düstere Erzählungen und Romane und unter seinem bürgerlichen Namen Rezensionen für das Magazin “phantastisch!”.

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