Jeff VanderMeer – Akzeptanz

akzeptanzControl und Ghostbird sind zurück in die Area X gekehrt, um das Rätsel der Zone zu entschlüsseln. Gleichzeitig versucht Ghostbird, ihre eigene Identität aufzudecken. Sie ist nämlich der festen Überzeugung, nur eine Art Kopie der wirklichen Biologin zu sein.
Anstatt erneut zum versunkenen Leuchtturm zu gehen, begibt sich das Team hinüber zur Insel, wo ein Pendant des Turms steht. Hier treffen sie auch auf die Psychologin, die ehemalige Direktorin von Southern Reach. Sie behauptet, sich schon seit drei Jahren in der Area aufzuhalten. Offenbar durchlaufen alle Lebewesen in der Zone eine mysteriöse Wandlung. Zusätzlich scheint die Zeit hier anderen Gesetzmäßigkeiten zu gehorchen.
Befinden sich die drei überhaupt noch auf der Erde oder ist die Area eine Art Wurmloch zu einer anderen, weit entfernten Welt?
Die ‚wahre‘ Biologin ist zwischenzeitlich zu einem formlosen Leviathan mutiert, einer Lebensform, die sowohl an Land, als auch im Wasser existieren kann. Ghostbird ist demnach tatsächlich eine Kopie, die aber mit den Augen des Wesens sehen kann. Wahre Einsichten in das ‚Wie‘ und ‚Warum‘ der Vorgänge in Area X erhält sie aber nicht.
Die ‚Natur‘ der Zone bleibt auch weiterhin passiv, abwartend, lauernd. Eine Kommunikation zwischen den Menschen und ihrem Wesen scheint unmöglich.
Das, was sich im Schlussteil der ersten Bandes ankündigte und sich im zweiten Teil fortsetzte, zieht sich leider auch gnadenlos durch den dritten Teil der Trilogie: wir haben es hier nicht mit einem phantastischen Roman zu tun, auch nicht mit einem Science-Fiction-Buch. Von Horror ganz zu schweigen. Die Southern Reach-Trilogie ist vor allem eine Reise in die menschliche Seele. Eine nicht enden wollende psychoanlaytische Studie seiner Protagonisten. Die Area X ist dabei nicht mehr als eine Metapher für ‚das Unbekannte‘ oder ‚die Umwelt‘, mit der sich der Mensch hilflos konfrontiert sieht. Alle anfänglichen Assoziationen mit Jules Vernes »Geheimnisvoller Insel«, »Akte X« oder »Fringe« sind vom Tisch. Ähnlich wie in Danielewskis »Das Haus« dient ein phantastisches Phänomen lediglich als Vorwand, um die Reaktionen, das Denken und Fühlen der Menschen näher zu beleuchten. Während Danielewski dem Leser zumindest einen Schlüssel zum Dekodieren seiner Geschichte bereithält, gibt Vandermeer nur kryptische Andeutungen. Er lässt den Leser ähnlich hilflos in der Zone stranden, wie seine handelnden Figuren. Doch was ist der Sinn dieser langen Erzählung? Das kann nur gemutmaßt werden. Vielleicht ist es eine versteckte Anklage gegen den Raubbau des Menschen gegenüber der Natur. Eine Art grüner Appell? Ein warnendes Fanal? Im Buch denkt die Biologin einmal über die Zone: »Es hat wohl nie ein Ambiente gegeben, das in seiner Existenz so wenig auf die Seelen angewiesen ist, die sich gerade in ihr aufhalten.« Ist das der Dekodierungssatz? Wirft Vandermeer den Menschen eine fehlende Kommunikation/Empathie mit der ihn umgebenden Natur vor? Und ist die stumme aber meist tödliche Antwort der Umwelt die unweigerliche Folge daraus? Die Natur benötigt den Menschen nicht, doch ohne Natur kann der Mensch nicht existieren. Falls dies die banale Quintessenz der knapp 1000seitigen Trilogie sein sollte, hat Jeff Vandermeer eindeutig des Guten zu viel getan. Ähnlich wie die diversen Expeditionsteams muss sich nämlich auch der Leser mühsam durch einen Dschungel aus Text hindurchgraben, der alles andere als ‚freundlich‘ zu ihm ist. Ob eine derartige Strapaze sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden.

Jeff Vandermeer: »Akzeptanz« (Band 3 der Southern Reach Trilogie) (»Acceptance«)
Verlag Antje Kunstmann
2015, Pb., 336 Seiten, €18,95
ISBN-13: 978-3888979965
Aus dem Englischen von Michael Kellner

Andreas Wolf, im März 2015

Andreas Wolf

Andreas Wolf

Geboren im Jahr des Tigers und Sternzeichen Löwe, schreibt unter Pseudonym düstere Erzählungen und Romane und unter seinem bürgerlichen Namen Rezensionen für das Magazin "phantastisch!".

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