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Jason Voorhees

Titelbild: Freitag der 13., copyright: Paramount Pictures, Georgetown Production, Sean S. Cunningham Films, Warner Bros.

Ein Junge, der tragischerweise in einem See ertrinkt, geht üblicherweise nicht als spezifisch erinnerungswert für die Nachwelt in die Geschichte ein. So unsensibel, gar kaltschnäuzig das jetzt klingen mag, wir Normalsterblichen, Staubkörnchen vor Gott und dem Teufel, wissen, was gemeint ist.

Anders sieht die Sachlage aus, wenn mit dem Kopf des Jungen etwas ganz und gar nicht stimmte und sein Unfalltod auf Freitag, den 13., datiert ist. Denn Obacht, Späher der Nacht:

„Nicht nur, dass wir Freitag den 13. haben. Wir haben auch noch Vollmond. Es gibt Statistiken. Wir haben mehr Unfälle, mehr Vergewaltigungen, Raubüberfälle, mehr Morde, mehr Verbrechen bei Vollmond. Er regt die Menschen auf. Er macht sie verrückt.“ (Filmzitat)

Bereit zum (Ab-)schlachten

Freilich, noch etwas anders, besser, böser, ausbaufähiger gestaltet es sich, wenn dann die Mutter, ähnlich irre wie der Sohn strukturiert, recht bedenklich Psychopathisches anstellt und aus Rache für ihr vermeintlich totes Kind…

Kill her, Mommy!

…Teenager abschlachtet. Wenn der geliebte Junge letztendlich tatsächlich wohl doch nicht ertrunken ist. Und der dann tatsächlich verwildert im Wald haust und aus Rache für seine Mutter, deren schaurige Mordlust nur durch ihre unvermeidliche Exekution gestoppt werden konnte, seinerseits unbekümmertes Jungvolk niedermetzelt.

Und gut abschließend…wenn der Wahnsinnige, der sich zuerst mit einem Müllsack, dann mit einer Hockeymaske unkenntlich macht, schließlich zwar zur Strecke gebracht wird, freilich aber nicht in seinem Grab liegen bleibt, sondern wieder aufersteht. Bühnenreif wie vom Blitz getroffen…für die nächsten zwei Jahrzehnte.

An dieser Stelle sei gleich eingeschoben, um keine Missdeutungen zu provozieren: Nein, es handelt sich nicht um einen finsteren Pseudo-Erlöser, es ist auch kein Vampir oder Dämon, kein Zombie, kein ruheloser Geist. Es ist immer noch dieser Junge, von dessen unglückseligem Ableben anfangs berichtet wurde. Kein Irgendwer mit garstigem Ende. Sondern ein garstiger Kerl zähster Natur mit höchst dickem Fell, den weder Feuer noch Schiffsschrauben noch Starkstrom, noch nicht einmal die Hölle selbst davon abhalten können, sich ungeniert und trunken vor bestialischer Absichten immer wieder unter die Leute zu mischen. Vorzugsweise des Nachts, am liebsten im Feriencamp, wo alles begonnen hat und wo die hübschesten, naivsten, lustvollsten, geilsten und gellend schreienden Mädchen (und Jungs) auf ihn warten.

Kein hübscher Kerl…mit oder ohne Maske

Jason Voorhees. Mega-Horror-Ikone. Warum bloß? Seine Geschichte ist in ein paar Sätzen erzählt, da füllt Promi-Kollege Freddy Krueger mehr Seiten. Ganz zu schweigen von der alten Garde, namentlich z.B. Dracula. Anderes Kaliber, andere Zeit, natürlich. Aber was gilt für Michael Myers? Leatherface? Selbst der Erstgenannte, der berühmte Halloween-Angstmacher, hat nicht so viele Präsentationen seines spektakulär-schockierenden Lebens, unsinnigem Morden gewidmet, aufzuweisen wie Jason.

Elf Spielfilme wurden seit 1980 , Freitag der 13., Regie: Sean S. Cunningham-,  gedreht, nebenbei gibt’s noch ein Spin-Off…alles beflügelt, realisiert und hübsch blutig durchtränkt nach dem Sensationserfolg des ersten Jason-Films, der das 60fache seiner Produktionskosten, – eine einzige lumpige Million Dollar – , einspielte und heute weltweit als Klassiker des Mainstream-Horrorfilms gilt.

Ein erster Erfolgsgarant war mit Sicherheit die Zusammenarbeit mit Tom Savini, oberste Liga der Spezialeffekt-Macher. Ein zweiter zweifellos Cunninghams ehrfürchtiger Blick auf Hitchcocks Psycho: Die Grundidee, Mutter-Sohn-Identitäten zu tauschen bzw. vom (jeweiligen) Killer einzunehmen, ist zweifellos brillant und hübsch-gruselig genug, um sie mehr als nur phänomenal! einmal umzusetzen. In Freitag der 13. ist es zuerst Jasons Mutter, die in die Psyche ihres, – anfangs nur in ihrer Vorstellung – , von Hass und Blutgier getriebenen Sohnes schlüpft…

„Jason, mein besonderer…mehr als besonderer Junge“

…dann, in der Fortsetzung Freitag der 13., Teil 2 (1981, Regie: Steve Miner), ist es der doch nicht umgekommene Jason, der dort startet, wo seine Mutter ihren Rachefeldzug durchs Camp notgedrungen beenden musste. Sie stirbt, und er kehrt als zur Realität gewordene Horror-Vision zurück, um in ihre blutdurchtränkten Fußstapfen zu treten. Zeigt nicht sein Gesicht, trägt einen Sack über dem Kopf.

Das war leicht lahm und konnte ungewollte Parallelen wecken zum Elefantenmenschen (von David Lynch), der fast zeitgleich in die Kinos kam und zwar eine gänzlich andere, ernste Thematik behandelt, in der aber der Hauptprotagonist sein entstelltes Gesicht durch eine solche Verhüllung vor neugierigen Blicken schützt. Dass möglicherweise eine, wenn auch geringfügige, Gleichheit zu entdecken sein könnte, war nicht im Sinn der Erfinder.

Jasons Mega-Eigenmarke: Die Hockeymaske (Fotos copyright: Paramount Pictures, Sean S. Cunningham Films, Georgetown Production, Warner Bros.)

Ergo dachte man sich etwas aus und setzte Jason Voorhees in Und wieder ist Freitag der 13. (1982, erneut Regie: Steve Miner) die Hockeymaske auf, künftig einer der globalen Verkaufsschlager pünktlich zu Halloween. Man ging/geht als Jason. Wiederkennungswert verrammelt und versiegelt.

Cunningham hatte die Marktlücke, – Monster-Mensch-Killer ist unterwegs und bringt auf fiese Art prinzipiell absolut Unschuldige um, die das Pech haben, dass er sie sich aussucht – , natürlich nicht privilegiert entdeckt: Halloween von John Carpenter war zwei Jahre vorher an der Reihe und hatte durchaus Vorbildcharakter. Abgekupfert wurde aber nicht, zumal offen blutige Darstellung erst mit Jasons Geschichte Party-Programm wurde.

Damit begann dann tatsächlich der Hype auf Stalk’n’Slasher-Stories, und widerlich gemetzelt, gesägt, zerhackt und geschlitzt wurde fortan passioniert und in Gnadenlos-Serie. Ähnliche Filme überfluteten die Leinwände rund um den Globus, Tatorte waren Feriencamps, – wie bei Freitag der 13. jenes dahergeflüsterte Crystal Lake – , Zeltlager, Highshools, Skihütten, Sommerhäuser, Inseln und alte Häuser. Kurzum: Überall, wo neugierige, unternehmungslose, meist junge Menschen sich herumtreiben, um ihren Spaß zu haben, wird ihnen derselbige gründlich verdorben.

Idylle am See?! Nicht unbedingt…

Schauder-Popcorn-Kino kommt dabei heraus, und wenn die Meute kreischt und schreit, ist’s doppelt gut. Anmerkend sei gesagt, dass sowas durchaus reizvoll ist, so bitterböse es auch daherkommt. Mal nachgefragt?

„Du willst ins Blutcamp, nicht? (…) Du kommst von dort nicht wieder! (…) Das Lager ist verflucht!“

So soll es sein. Und das wird allerspätestens 1986 klar: Im Kino läuft Freitag der 13. – Jason lebt (Regie: Tom McLaughlin), der sechste Teil der Endzeit-Horror-Mär, und die Fangemeinde seufzt erleichtert und schreit begeistert auf. Denn wurde Jason noch im „letzten Kapitel“ zwei Jahre zuvor sozusagen Schaun-wir-mal-definitiv erledigt und begraben und folgte ihm anschließend ein nicht minder fies-kranker Nachahmungstäter, so holten die Macher ihn doch wieder flugs aus der Gruft, ausgegraben von seinem ursprünglichen Vollstrecker Tommy (Corey Feldman) und dessen Freund, dem der durch den genannten Blitzschlag wiedererweckte Jason zum Einstieg erst einmal das Herz herausreißt.

Von der ursprünglichen Idee, den wahnsinnigen Voorhees in zukünftigen Freitag-Filmen durch stets wechselnde Horror-Killer zu ersetzen, wollte man ganz schnell nichts mehr wissen. Die gefiel der Gemeinde nicht. Folge: Flaute in der Kasse.

Mit Jason lebt rollte der Rubel wieder, und man war erneut bestens versorgt im Blutrausch (1988), in der Todesfalle Manhattan (1989) und der Endabrechnung (1993). Die finale Höllen-Qutittung klingt natürlich nur wie eine echte: Da kam noch Jason X (2001) und eine obligatorische Neuverfilmung von 2009.

Schauder-Verdacht am Ende: Jason überlebt uns alle. Irgendwie.

Karin Reddemann

Karin Reddemann schreibt Geschichten. Wahrscheinlich ist das recht vernünftig. Vernünftig findet sie auch, dass T.C. Boyle über sich sagt: „Ich weiß auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut.“ – Studiert hat sie an der Ruhr-Uni Bochum (Germanistik/Romanistik), war einstmals Lokaljournalistin und hat auch das überlebt. Veröffentlichungen: „Gottes kalte Gabe“,  „Toter Besuch“, „Schweigeminuten“ „Rosen für Max“ und „Ganz normal verpickelt“ (Dr. Ronald Henss Verlag, Saarbrücken), ferner Short-Stories in den Anthologien „Horror-Legionen“ (Amrûn Verlag), „Abyssos–Geschichten aus dem Abgrund“ (VISIONARIUM), „Zwielicht “ und „Zwielicht Classic“ (Achim Hildebrand, Michael Schmidt), „Dirty Cult“ (Hrsg. Ulf Ragnar), „IF Magazin für angewandte Fantastik“ (Whitetrain) , „Der letzte Turm vor dem Niemandsland“ (Fantasyguide präsentiert) und „Miskatonic Avenue“ (Edition Phantastikon, Michael Perkampus)